Agistri – Rosy’s Little Village – romantisches Kleinod direkt am Meer

Die kleine Insel Agistri, die auch die Lunge Athens genannt wird, ist noch ein echter Geheimtipp unter den griechischen Inseln. Hier läuft die Zeit noch ganz langsam.

Kos, Korfu, Kreta – die griechischen Inseln erfreuen sich bei Touristen in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit. Die Kehrseite der Medaille: Viele der ehemaligen Naturparadiese sind weit entfernt von dem, was sie einmal waren. Riesige Hotelkomplexe mit allem Pipapo säumen die Strände. Doch zum Glück gibt es noch immer ein paar Geheimtipps unter den über 200 bewohnten griechischen Inseln. Einer davon: Agistri.

Nicht einmal eine Stunde dauert die Bootsfahrt von Piraeus, dem Hafen von Athen, nach Agistri. Die Insel, die auch Angistri genannt wird, liegt im Saronischen Golf und ist eine beliebte Wochenend- und Feriendestination der Athener. Das nur 13 Quadratmeter grosse Eiland zählt rund 750 ständige Einwohner. In den Sommermonaten steigt die Zahl auf rund das Sechsfache an. Gleichwohl ist Agistri ein unverbautes Kleinod geblieben, die meisten Nicht-Griechen haben den Namen noch nie gehört.

Grosse Hotelanlagen gibt es hier nicht. Der Hafenort Skala ist zwar kein architektonisches Meisterwerk, aber auch nicht verschandelt. Als wir ankommen, erwartet uns Hotelbesitzerin Rosy bereits. Im Oktober legen nur noch wenige Schiffe in Agistri an. Der Herbst hat Einzug gehalten, die Zahl der Touristen ist überschaubar. „Ihr habt Pech“, sagt Rosy. „Bis gestern hatten wir Traumwetter.“ Was soll’s – es ist warm, und die Wolken am Himmel stören uns nicht.

Agistri Rosas Little Village

Rosy’s Little Village liegt nur fünf Geh- (oder zwei Fahr-) Minuten vom Hafen entfernt in Skliri. Schon auf den ersten Blick sieht man, dass es ein kleines Juwel ist: ein liebevoll gestaltetes, verwinkeltes Miniaturdorf, bestehend aus mehreren Häusern, einer Bar, einem Restaurant mit grosser Terrasse, einem eigenen Strand und einem unschlagbaren Blick über den Saronischen Golf. Überall blüht es, Hibiskus, Oleander und Geranium verleihen dem weissgetünchten Stein fröhliche Farbtupfer.

Rosys Little Village Agistri
Hotel Insel Agistri
Agistri Strand

Befreiende Einfachheit und bezaubernder Charme

Wir beziehen unser Häuschen, eine von vier zweistöckigen Familienunterkünften. Daneben gibt es 13 weitere Zimmer, die alle individuell gestaltet sind. Eine Mischung aus befreiender Einfachheit und bezauberndem Charme. Die Wege in Rosy’s Little Village sind treppenreich – für Kleinkinder und Rollstuhlfahrer ist der Ort daher nicht geeignet. „Leider“, seufzt Rosy. Und ergänzt: „Auch Jugendliche fühlen sich nur dann wohl, wenn sie Ruhe suchen.“ Im Sommer kann man Wassersport machen, aber im Herbst ist hier alles geschlossen.

Hotel Agistri

Rosy ist eigentlich Rheinländerin, sie stammt ursprünglich aus Köln. Vor knapp 50 Jahren lernt sie im Urlaub ihren heutigen Mann Nonda kennen, einen Athener. Die beiden werden ein Paar und machen sich auf die Suche nach einem Ort, an dem sie gemeinsam etwas aufbauen können. „Wir waren jung und abenteuerlustig“, erzählt Rosy mit einem verschmitzten Lächeln. Ein Bekannter erzählt ihnen von Agistri – und sie machen sich auf den Weg dorthin. In den 1970ern fährt täglich nur ein einziges kleines Boot auf die Insel, es gibt weder Strom noch Verkehr. „Nur Sand und eine kleine Kirche. Kein einziges Hotel.“ Die beiden verlieben sich auf Anhieb in das Stück Natur. Sie entscheiden sich zu bleiben und beginnen, Rosy’s Little Village aufzubauen, direkt am Meer. „Anfangs hatten wir nur Petroleumlampen“, erinnert sich Rosy. „Und es gab nur ein einziges Gericht pro Tag.“

Agistri
Rosy und Nonda
Rosy und Nonda

1981 verkauft das Paar seinen Traum und zieht mit den beiden Söhnen auf die Nachbarinsel Aegina. Der Grund: Es gibt damals keine richtige Schule auf Agistri. 20 Jahre lang kehren Rosy und Nonda ihrer geliebten Insel den Rücken – ohne sie jemals vergessen zu können. Und so kommen sie 2001 zurück und übernehmen ihr Lebenswerk wieder. Sie kümmert sich um die Buchungen, er ums Geschäftliche. Und einer ihrer Söhne leitet das Restaurant.

Yoga, Shiatsu und Tanz

Natürlich hat auch hier im Laufe der Jahrzehnte die Modernität Einzug gehalten, es gibt heute Autos (Rosys war das allererste, „die Leute starrten mich an“), Klimaanlagen und WiFi. Gleichwohl hat Rosy’s Little Village seinen ursprünglichen Charme bewahrt. Von April bis Oktober werden Gäste empfangen, im Winter wird pausiert. Dann pendelt das Besitzerpaar zwischen Athen und Agistri. „Wir arbeiten in den Sommermonaten ohne Unterlass“, erzählt Rosy. „Im Winter laden wir unsere Batterien wieder auf.“ Neben den Individualreisenden, darunter viele Stammgäste, kommen immer wieder auch Gruppen in das idyllische Village. In einem eigens dafür errichteten Zelt mit Blick aufs Meer werden Yoga-, Shiatsu-, Tanz- und Mal-Workshops angeboten. Einmal pro Woche gibt es für alle Gäste griechische Live-Musik-Abende.

Für Familien mit Schulkindern ist der Ort schlichtweg perfekt. Es gibt auf der Insel alles, was man braucht – Lebensmittelläden, eine Bäckerei, eine Apotheke. Wer Lust auf Abwechslung hat, ist mit dem Boot in zehn Minuten auf Aegina. Hier leben immerhin rund 25’000 Menschen, darunter viele Künstler, die in der Ruhe ihre Inspiration finden. Auch architektonisch und kulturell hat die grosse Schwester einiges zu bieten. Und kulinarisch: Aegina wird auch die „Pistazieninsel“ genannt.

Aegina
Auf Aegina

Man kann von Agistri aus auch auf andere Saronische Inseln fahren, nach Poros etwa. Oder einen Tagesausflug auf den Peloponnes unternehmen. Im Sommer gibt es dort Theatervorstellungen unter freiem Himmel. Für uns ist schon das leere Amphitheater von Epidauros beeindruckend – es ist das viertgrösste der Welt. Auch die geschichtsträchtigen Orte Mykene und Korinth sind nicht weit.

Agistri, die Lunge von Athen

Aber oft liegt das grösste Glück ja ganz nah. Agistri selbst ist wild und felsig und besteht zum grössten Teil aus Pinienwald. Aus den Bäumen wird Harzwein gemacht. Natur, wohin das Auge reicht. „Man nennt Agistri auch die Lunge von Athen“, erzählt Rosy nicht ohne Stolz. Trotz des wachsenden Tourismus läuft die Zeit hier noch sehr langsam. Unfassbar: Erst seit drei Jahren gibt es eine Entsalzungsanlage, vorher wurde das Trinkwasser täglich mit dem Schiff gebracht.

Pinien, Olivenbäume und geheimnisvolle Inseln

Wir erkunden das Eiland mit Rosys Auto, vorbei an Pinien und Olivenbäumen und zwei kleinen Kirchen. Auf Agistris Westseite liegt liegt das Dorf Aponissos und etwas weiter nördlich einer der schönsten Strände der Insel: Dragonera. Von hier aus blickt man bis nach Methana, auf die Spitze des Peloponnes. Und auf drei kleine Inseln. „Die Inseln rund um Agistri sind alle in Privatbesitz“, erklärt Rosy. „Um viele ranken sich Mythen. Keiner weiss, was wahr ist.“ Doch wen kümmert’s, wenn man selbst im Paradies lebt…

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Zwar ist bekanntermassen aller Abschied schwer – doch dieser schmerzt besonders. Denn nach zwei Tagen bedeckten Himmels lässt sich an unserem letzten Tag die Sonne wieder blicken. Das Meer glitzert, das Wellenrauschen ist nicht mehr dunkel, sondern hell und freundlich. Noch einmal ins glasklare Wasser eintauchen, und dann heisst es Koffer packen. Adieu Agistri, du Juwel.

Weitere Infos zu Rosys`Little Village
Weitere Informationen zum Hotel und zur Anreise nach Agistri sind hier zu finden: Webseite des Hotels
Wer schreibt hier?

Miriam Bosch

berichtet in unregelmässigen Abständen als Gast-Autorin für PATOTRA. Miriam liebt es, neue Welten zu entdecken – seien sie nah oder fern. Low-Budget-Reisen durch Südostasien gehören für sie ebenso dazu wie ein Verwöhnwochenende in den Alpen. Wichtig sind ihr vor allem zwei Dinge: Die Reiseorte müssen authentisch sein. Und: Sie müssen nicht nur sie und ihren Mann, sondern auch ihre Kinder begeistern.


Offenlegung: Der Aufenthalt in Rosy`s Little Village fand auf Einladung statt. Die Meinung der Autorin bleibt davon unangetastet.


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