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Auf der Jagd nach dem Feuerfisch

Dunja und Marcel Zinnert vor ihren Taulchaden Central Dive auf Curaçao
Der Feuerfisch bedroht die Riffe der Karibik. Ein Schweizer Paar hat den invasiven Fischen im Meer um Curaçao den Kampf angesagt.
Inhalt

2011 brach das Bieler Paar Dunja und Marcel Zinnert zu einer Weltreise auf unbestimmte Zeit auf.
Ausgedehnte Touren führten die beiden Abenteurer nach Afrika, durch Indien, Nepal, China, Vietnam, Thailand, Indonesien, auf die Philippinen, nach Bali und auf die Malediven. Dazwischen verdienten sie sich hin und wieder etwas Geld für die Weiterreise, indem sie als Tauchlehrer:in dort arbeiteten, wo andere Urlaub machen. Nach 20 bereisten Ländern und drei Jahren Reisezeit liessen sich die beiden für eine Weile auf der mexikanischen Insel Cozumel nieder. Auch dort arbeiteten sie als Tauchlehrer:in bei einer Tauchstation. Dort wollten sie eine Weile bleiben. Was sie nicht ahnten: Ihr Arbeitgeber vor Ort hatte sie nicht ordnungsgemäß bei der Ausländerpolizei angemeldet. So mussten sie nach einer Razzia vor der Fremdenpolizei fliehen und die Insel Hals über Kopf verlassen.

Per Zufall auf Curaçao gelandet

Danach suchten sie in ihrer Not weltweit im Internet nach Jobs als Tauchlehrer. So war es reiner Zufall, dass sie 2014 auf Curaçao landeten. Hier fingen sie als angestellte Tauchlehrer an, bevor sich ihnen 2018 die Möglichkeit bot, ihre eigene Tauchschule zu eröffnen. „Eigentlich hatten wir nie davon geträumt, uns selbstständig zu machen. Aber als uns ein ideales Grundstück mit Haus angeboten wurde, lag es auf der Hand, hier eine Tauchbasis zu eröffnen, auch wenn das Grundstück und die Tauchbasis mitten im Landesinneren liegen“, erzählt Dunja. „Auf Curaçao ist das Meer immer schnell mit dem Auto zu erreichen und hier braucht man kein Boot zum Tauchen. Wir tauchen einfach direkt vom Strand aus.“
Dunja und Marcel haben sich auf Curaçao schnell eingelebt und ihre familiär geführte Tauchbasis „Central Dive Curaçao“ erfreut sich mittlerweile einer grossen Stammkundschaft.

Der invasive Feuerfisch bedroht das Paradies

Dunja Zinner vom Cenbtral Dive Curaçao hat einen Feuerfisch gefangen und präsentiert ihn
Der Feuerfisch – schön und bedrohlich für das Leben im Riff

Seit 2009, also viel länger als die beiden, macht sich in den Gewässern rund um Curaçao ein äusserst gefrässiger Eindringling breit. Der Feuerfisch stammt ursprünglich aus Asien. Er bedroht die Fischbestände. Damit bedroht er auch die einzigartigen Korallenriffe vor Curaçao, denn es sind die kleinen Fische, die das Riff reinigen und damit gesund halten. Von diesen kleinen Fischen fressen die hübsch anzusehenden, mit zahlreichen Giftstacheln ausgestatteten Feuerfische Unmengen. Zu allem Überfluss vermehren sich die Eindringlinge im warmen Wasser auch noch fast ohne Unterlass. Bei der Eiablage legen die Weibchen alle paar Tage bis zu 15‘000 Eier ab. Sie können bis zu 2 Millionen Eier pro Jahr legen. Bereits 24 bis 36 Stunden nach der Eiablage schlüpfen die Larven. Wenn man bedenkt, dass ein Feuerfisch bis zu 20 Jahre alt werden kann, kann man sich vorstellen, dass dieser flinke Jäger, der in der Karibik keine natürlichen Feinde hat, sehr schnell zu einem grossen Problem wird. Jeder Fisch, der kleiner als 10 cm ist, steht auf seinem Speiseplan. Er ist nicht wählerisch. Etwa ein Viertel seines Eigengewichts an Nahrung braucht er pro Tag.

„Feuerfische sind wie Kakerlaken. Kaum hat man eine vernichtet, kriechen 100 neue aus den Löchern“, bringt es Dunja auf den Punkt.

Dunja und Marcel haben schnell erkannt: Der Feuerfisch bedroht ihr Paradies und ihre Lebensgrundlage. Sie machten aus der Not eine Tugend und bieten heute in ihrer Tauchschule Feuerfischkurse für Taucher an. Gejagt wird mit der Harpune. Auf Curaçao ist die Harpunenjagd grundsätzlich verboten. Einzige Ausnahme ist die Jagd auf den Feuerfisch. Mit seinen giftigen Stacheln, die auch beim Menschen schmerzhafte Verletzungen verursachen können, kann der Feuerfisch nur mit der Harpune bekämpft werden.

Mit Tauchern auf der Jagd nach dem Feuerfisch

Um die Zahl der Feuerfische zu dezimieren, nimmt Dunja regelmäßig Taucher mit ins Meer. Nach einem Briefing mit vielen Informationen über den fatalen Einfluss der invasiven Feuerfische auf das Ökosystem und einer Einweisung, wie die Fische am effektivsten und schonendsten gejagt werden können, geht es mit dem Pickup Richtung Meer. Ausgerüstet mit Harpune und durchsichtigem Köcher tauchen die Taucher in die bunte Unterwasserwelt. Der Köcher ist durchsichtig. So kann man von aussen erkennen, dass sich ausser dem Feuerfisch kein anderer Fisch darin befindet.

Schon bald wird der erste Feuerfisch im Wasser gesichtet. Er schaut unter einem Felsen hervor. Damit er nicht mehr fliehen kann, gilt es, schnell mit der Harpune zuzuschlagen. „Am besten ist es, wenn man ihn mit der Harpune direkt ins Gehirn trifft. Das ist die Art der Jagd, die dem Tier gerecht wird. Denn dann ist der Fisch auf der Stelle tot“, hat Dunja schon im Vorfeld erklärt.

Ein kräftiger Schlag und er ist tot. Mit der Harpune wird er dann direkt in den Köcher befördert. An der Köcheröffnung befindet sich eine nach innen gebogene Gummilippe. Diese ermöglicht, den Feuerfisch von der Harpune abzustreifen und im Köcher zu halten. Auf jeden Fall vermeiden sollte man den direkten Kontakt mit dem Feuerfisch. Dunja weiss davon ein Lied zu singen. Die giftigen Stacheln sind sehr schmerzhaft.

Die Jagd auf den Feuerfisch gleicht einem Kampf gegen Windmühlen. Doch jeder gefangene Feuerfisch ist ein Feuerfisch weniger, der die paradiesisch bunte Unterwasserwelt bedroht.

Speisen und Schmuck aus dem Feuerfisch

Doch für Dunja und Marcel sind die gefangenen Feuerfische nicht einfach nur Abfall. Im Willemstadter Stadtteil Otrobanda hat Lisette, eine gute Freundin von Dunja, ihren kleinen Laden „Lionfish Caribbean“. Lisette ist in Curaçao aufgewachsen. Was der Feuerfisch für das fragile Ökosystem bedeutet, hat sie als begeisterte Taucherin schon früh erkannt. Heute ist sie Spezialistin für Aufklärungsarbeit rund um den Feuerfisch.

Lisette zeigt, wie die Feuerfische gejagt werden
Lisette zeigt, wie die Feuerfische gejagt werden

Die gefangenen Feuerfische werden in Lisettes Laden gebracht. In der Küche werden die giftigen Stacheln vorsichtig entfernt. Ihr Fleisch wird hier zu einem leckeren Imbiss verarbeitet.

Die Stacheln, die getrocknet ihre Giftigkeit verlieren, werden zudem in der Werkstatt zu hübschen Schmuckstücken verarbeitet. Fast alles vom Feuerfisch wird verwertet. Nachhaltiger geht es kaum!

Ein Teller voller Köstlichkeiten aus dem Speisefisch Feuerfisch
Der invasive Feuerfisch ist ein delikater Speisefisch

Engagement zum Schutz der Unterwasserwelt

Der nachhaltige Umgang mit ihrer Insel liegt auch Dunja und Marcel am Herzen. Das Schweizer Ehepaar setzt sich unermüdlich für den Schutz der Unterwasserwelt in ihrer neuen Heimat ein. Sie setzen sich dafür ein, dass Regeln zum Schutz des Riffs eingeführt werden. Neben Kursen zur Feuerfischjagd organisieren die beiden einmal im Monat „cleanup days“. An diesen Tagen säubern Taucher gemeinsam den Meeresboden von Zivilisationsmüll.

Dunja Zinnert befördert den Feuerfisch in den Köcher
Dunja bei der Jagd nach dem Feuerfisch

Zur Tauchschule Central Dive Curaçao gehört auch eine Autovermietung. Dunja und Marcel bieten auf ihrer Website auch Komplettpakete (Tauchen, Auto und Unterkunft) an.

Weitere Informationen dazu: Central Dive Curaçao


Weitere Informationen zum Feuerfisch

Der Feuerfisch wird auch Rotfeuerfisch oder Löwenfisch genannt. Seine Heimat sind die Fels- und Korallenriffe des Indopazifiks und des Roten Meeres.

Mittlerweile ist er aber auch im westlichen Atlantik zu finden. In dieser Region hat er keine Fressfeinde.
Die Population hat ihren Ursprung wahrscheinlich in Aquarienfischen, die einfach ausgesetzt wurden.
Seine Stacheln sind giftig. Er ist ein sehr delikater Speisefisch. Das Weibchen legt alle zwei bis drei Tage bis zu 15.000 Eier. Der Feuerfisch kann eine Länge von bis zu 40 cm erreichen.

Wer schreibt hier?
Ellen Gromann-Goldberg

Hallo! Ich bin Ellen. Ich bin die Gründerin von PATOTRA, Content-Creator und freie Journalistin. Ich liebe das Meer und kleine Inseln. Aber auch die Berge, die Wüste, der Dschungel und Grossstädte können mich begeistern. Begegnungen mit Menschen sind für mich der Schlüssel zu anderen Ländern und deren Kultur. Nachhaltige Projekte liegen mir dabei ganz besonders am Herzen. Meine grossen Leidenschaften sind: das Reisen, das Schreiben und das Fotografieren.

Im Jahr 2014 entstand PATOTRA als reiner Familienreiseblog. Gemeinsam mit meinen drei Kindern und meinem Mann durfte ich viele tolle Nah- und Fernreisen erleben, die sich hier auf dem Blog in Form von Reiseinspirationen und Reisetipps wiederfinden. Aus den Reisen mit Kindern wurden im Laufe der Jahre Reisen mit Teenagern. Schliesslich ist der Blog, gemeinsam mit meinen Kindern, den Kinderschuhen entwachsen. Mittlerweile reise ich meist gemeinsam mit meinem Mann – oder auch mal alleine.

Mit viel Herz und ansprechenden Reisefotografien möchte ich Euch ermutigen, diese Welt selbst und mit offenen Augen zu entdecken. Mein Fokus liegt auf spannenden Geschichten, traumhaften Landschaften und Begegnungen mit Menschen. Manchmal bringe ich Euch den Geschmack der grossen, weiten Welt auch in Form von Rezepten von meinen Reisen mit.

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