Auf einen Schnack mit Krabbenfischer Wolfgang Schülke

Wolfgang Schülke ist Krabbenfischer und ein echtes, norddeutsches Original. Mit der „Yvonne“, dem nach seiner Tochter benannten Krabbenkutter, fährt er, wann immer es das Wetter zulässt, raus auf die See. Im besten Falle kehrt er nach ein paar Stunden mit vollen Kisten in den Hafen von Büsum zurück.

Am Museumshafen verkauft er anschliessend, gemeinsam mit seiner Tochter Yvonne, einen Teil der fangfrischen Krabben. Ganz zur Freude der Einheimischen und krabbenpulenden Touristen. Krabben sind eine köstliche Malzeit, die man sich allerdings erst verdienen muss.

Wolfgang Schülke ist schon fast eine Institution in Büsum. Jeder kennt den sympathischen Seebären. Ich habe mich mit ihm auf einen Schnack, norddeutsch für gemütliche Plauderei, im Museumshafen von Büsum getroffen.

 

Herr Schülke, waren Ihre Eltern auch schon in der Krabbenfischerei tätig?

Ja, mein Vater.

 Und so haben Sie den Betrieb von Ihrem Vater übernommen?

 Jein. Mein Vater hat es mir verboten. Ich musste erst einen Beruf lernen. Die Fischerei war damals sehr schlecht. Ich habe Maschinenschlosser gelernt und 11 Jahre in dem Beruf gearbeitet, bevor ich dann zur Krabbenfischerei gekommen bin.

 Gab es auf dem Meer schon brenzlige Situationen?

Eigentlich nicht. Man muss sich nach dem Wetter richten. Bei schlechtem Wetter fährt man einfach nicht raus. Das macht man nicht!

 Gab es besonders schöne Situationen?

 Die passieren täglich. Das schöne Wetter, ich kann die Freiheit draussen geniessen, kein Chef kann einem etwas sagen. Das ist das Schöne daran.

Wann fahren Sie raus?

Das ist sehr, sehr unterschiedlich. Um drei, vier oder fünf, je nachdem. Das richtet sich nach den Wassertiden*. Das kann auch mal am frühen oder späten Vormittag sein.  Die Dauer hängt dann vom Fang ab. Wenn ich genug habe, fahre ich wieder in den Hafen. Dieses Jahr haben wir ein besonders schlechtes Jahr. Wir haben besonders viele Wittlinge, die die jungen Krabben auffressen. Aber das kommt etwa alle 10 Jahre mal vor. Dieses Jahr ist es allerdings etwas extrem.

Wie sieht ein durchschnittlicher Tagesfang aus?

 Kistenmässig sind das so ungefähr 8-10 Kisten. Pro Kiste sind es 20 Kilo. Damit würde man über die Runden kommen.

Vermarkten Sie das allein in der Gegend?

 30% verkaufe ich an die Touristen im Hafen. Der Rest geht an die Genossenschaft.

 Was machen Sie, wenn Sie nicht aufs Meer hinaus fahren?

Nichts. Ich geniesse den Tag oder ich habe mit kleineren Reparaturen zu tun. Manchmal gibt es etwas auszubessern. An solchen Tagen habe ich Zeit dazu.

 Fahren Sie auch in Urlaub?

Die letzten 15 Jahre nicht mehr. Das liegt vielleicht am Alter. Früher bin ich viel gereist. Nach Malaysia zum Beispiel. Das Weiteste wo ich war, waren die Fidji Inseln. Früher habe ich mir gerne die Welt angeschaut. Das hat mir alles sehr, sehr gut gefallen. Ich habe mich dort natürlich auch für die Fischerei interessiert  – wie die das machen. Die Fangmethoden an anderen Orten sind schon sehr interessant.

 Würden Sie sich als glücklichen Menschen bezeichnen?

 Ja!

 Was macht Sie glücklich?

Die Freiheit!

Lieber Herr Schülke, vielen Dank, dass Sie mir ein wenig Ihrer Zeit geschenkt haben. Ich wünsche Ihnen allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel der Yvonne.

*Tide= Gezeiten, also Ebbe und Flut

Krabbenfischer Nordsee Schuelke
Wolfgang Schülke vor seine Yvonne

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