Boca Azul – ein Kinderhilfsprojekt in Cartagena

Es sind nicht die Menschen mit einem grossen Mundwerk, die viel bewegen. Es sind die Menschen mit einem grossen Herzen, die unserer Welt eine Seele geben!

Das Wertvollste und gleichzeitig auch das Schützenswerteste, das eine Gesellschaft hervorbringt, sind ihre Kinder. Egal wo auf dieser Welt! Da ich selber drei Kinder habe, geht mir das Schicksal von Kindern immer besonders nahe und ich freue mich ganz besonders über Menschen, die sich der Kinder annehmen, die in Not sind und Hilfe brauchen. Cartagena ist eine wunderschöne Stadt, aber wie die meisten Orte in Kolumbien, hat auch sie eine Schattenseite. Bittere Armut und Drogensucht. Ich finde es wichtig, auf unseren Reisen auch einen Blick hinter die Touristenfassaden zu werfen. Auch die Schattenseite ist ein Teil des Landes.

Die Italienerin Rosy Speranzo ist so ein Mensch, der sich den Kindern annimt, die in diese widrige Verhältnisse hereingeboren wurden.

Kinderhilfsprojekt Cartagena

Rosy Speranzo Kinderhilfsprojekt Cartagena

Gemeinsam mit ihrem Mann Giuseppe Mazzoni hat sie 1996 in Cartagena de Indias ein kulturelles Zentrum eröffnet, um den Menschen die italienische Sprache und Kultur näherzubringen. Die beiden merkten aber bald, dass ihnen das nicht genügte. Die Verhältnisse in denen Kinder in Kolumbien teilweise aufwachsen müssen, waren für sie kaum zu ertragen. Zusätzlich zu ihrem kulturellen Programm riefen die beiden daher ein Kinderhilfsprojekt für Kinder aus armen Familien in Leben, in Boquilla, etwa 10 km ausserhalb Cartagenas.

Wir sind mit Rosy im Zentrum „BOCA AZUL“ im Armenviertel Boquilla verabredet.

Unser Fahrer wird an der ersten Abzweigung in das Viertel gestoppt und erst mal gefragt, was wir hier zu suchen haben. Ganz offensichtlich mag man keine Eindringlinge. Nach ein paar Erklärungen hellt sich die Miene des Mannes auf. „Ah, Boca Azul“. Er nickt und lässt uns passieren. Mir ist nicht ganz klar, ob man uns, oder sich selbst schützen möchte. Unterwegs werden wir noch zwei weitere Male mit schrillen Pfiffen angehalten. Die Worte Boca Azul sind aber offensichtlich das passende Codewort, das hier Türen öffnet.

Wir fahren vorbei an desolaten Behausungen. Ein ganzes Stück fahren wir auf dem Strand entlang. In den Hängematten unter den Bretterverschlägen am Strand liegen auffällig viele Männer. Frauen sind hier gar nicht zu sehen. Die Gegend wirkt trostlos und etwas beängstigend. Inmitten dieses Szenarios biegt der Fahrer vom Strand links ab, in eine kleine Seitenstrasse voller Schlaglöcher. Vor einem grossen weissen Haus steht ein Schulbus. Hier hält unser Fahrer an und deutet in Richtung Tür. Wir klopfen an. Rosy, eine blonde Frau mit italienischem Temperament und wachen Augen öffnet uns.

Sie führt uns durch die Schule, in der Kinder zwischen 2 und 16 Jahren tagsüber ein Zuhause, eine warme Malzeit und Bildung erhalten. Jedes Kind lernt hier Englisch und Italienisch und das in einem Land, in dem nur wenige Menschen überhaupt Fremdsprachen sprechen. Aber nicht nur das. Ein Arzt, ein Sozialarbeiter und ein Psychologe begleiten die Kinder und versuchen auch, deren Elterhaus mit einzubeziehen.

Boca Azul Kinderhilfsprojekt

Cartagena Schule für Kinder

„Die Kinder haben oft Schreckliches im Elternhaus erlebt. Wir wollen ihnen helfen und ihnen das Lachen zurück schenken“, erklärt Rosy Speranzo.

Dass das gelingt, erkennt man spätestens wenn Rosy eines der Klassenzimmer betritt. Liebevoll wenden sich ihr die Kinder zu und ehe wir es uns versehen, sind auch wir umringt von lachenden Kindern, die wie Trauben an uns hängen und uns gar nicht mehr loslassen wollen. Was für ein wundervoller Moment!

Armenviertel Cartagena Hilfsprojekt

Hilfsprojekt Cartagena

Hilfe Kinder Cartagena

„Sie freuen sich, dass Fremde sich für sie interessieren,“ lacht die sympathische Italienerin.

„Uns ist es wichtig, dass die Kinder gefördert werden. Bei uns können sie Theater spielen, tanzen und ihren Begabungen und Leidenschaften nachgehen. Das stärkt sie und macht sie selbstbewusst.“

Ganz offensichtlich geht diese Rechnung auf. Ein paar 10 – 13jährige Kinder führen uns stolz ihre Tänze vor. Und ehe wir es uns versehen, schnappen sie uns bei der Hand und wir tanzen mit.

Boca Azul Cartagena

Boca Azul Kolumbien Kinderhilfe

Das ist einer der letzten Eindrücke, die ich von Kolumbien habe: das Lachen der Kinder, der Stolz, die Freude, die Lebenslust! Und damit verbunden die Hoffnung, dass sich noch viel mehr Menschen, wie Rosy und ihr Mann finden, die den Kindern durch ihr unermüdliches Engagement eine lebenswerte Gegenwart und vor allem auch eine Zukunft geben.

Es ist mir wichtig, dass wir auch diese Seite eines Landes kennenlernen bzw. sehen. Nicht nur die touristischen „Glaspaläste“.

Es gibt zum Glück mittlerweile einige Reiseanbieter, die auf ein nachhaltiges  bzw. verantwortungsvolles Reisen im Land Wert legen und die solche Projekte unterstützen. Diese Anbieter zu unterstützen bzw. gezielt auszuwählen, sind die kleinen Dinge, die wir als Reisende einem Land zurückgeben können, das uns mit solch offenen Armen empfängt.

Ich freue mich, dass auch wir den Kindern zumindest ein kleines Lächeln schenken konnten. Sie haben uns auf jeden Fall die kolumbianische Sonne ins Herz gezaubert. Ein wunderschönes Geschenk, das wir tief berührt von unserer Reise mit nach Hause nehmen.

Hilfsprojekt Kinder Boca Azul Cartagena


Wer mehr über das Projekt erfahren, oder es gar unterstützen möchte, der findet auf der etwas rudimentären Homepage und auf Facebook weitere Informationen. Das Projekt finanziert sich rein aus Spendengeldern. Rosy hat mir versichert, dass jede Spende den Kindern zugute kommt.

Spenden können auf folgendes Bankkonto überwiesen werden:

CASA ITALIA ONG FOUNDATION PRO CHILDREN CORPBANCA

Agency Plaza de la Aduana, 3025 Cartagena de Indias.

Kontonummer: 49300180-4 // SWIFT: BSCHCOBB


 

1 Comment

  • Liebe Ellen,
    Solche Projekte beeindrucken mich auch immer zutiefst, und mir geht es wie dir, dass ich schon gern einen Eindruck von dem Leben in dem Land erhalten möchte, das ich bereise. Deshalb finde ich es toll, dass du diese Erfahrung mit uns teilst.
    Liebe Grüße
    Gela

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