Brandnertal: Ein abenteuerliches Winterwochenende ganz in weiss

Brand Schneefall

Dicke Flocken wirbeln durch die Luft und die Landschaft des Brandnertals versinkt hinter einem dichten Schleier. Schemenhaft sind die dunklen, schneeschweren Tannen zu erkennen. Die Bergluft duftet frisch und sauber.

Wir kämpfen uns durch den Tiefschnee den Berg hinauf. Die freundliche Dame im Hotel meinte, dass der Anstieg etwa eine ¾ Stunde dauere. Das sei selbst bei Schneegestöber gut machbar und die Bewegung an der frischen Luft tut uns sicher gut. Auch wenn die Jungs wenig begeistert von der Idee waren. Wandern, und dazu noch bei diesem Wetter. Muss das sein?

Durch Schneemassen zur Schattenlaganthütte

Beim Parkplatz ganz am Ende von Brand hatte ich einen pinkfarbenen Wegweiser durch den Flockenvorhang entdeckt. „Schattenlaganthütte 1 ½ Std.“ stand darauf. Eine Information, die ich lieber für mich behalte.

Schnee Brand

Der Anstieg ist mühsam. Mit der Zeit versinken unsere Stiefel teilweise bis zu den Knien im tiefen Schnee und jeder Schritt wird zu einem kleinen Kraftakt. Immer wieder müssen wir Verschnaufpausen einlegen und die Schneehäufchen, die sich auf Kapuze und Schultern ansammeln abschütteln.

Brand Familie

Nach einer halben Stunde sind wir eigentlich schon bereit für eine Rast auf der Hütte. Nur leider ist von der Hütte weit und breit nichts zu sehen. Nur hohe Tannen und ab und an eine kleine Scheune, mit hohem Schneedach auf einer weissen Lichtung.

Brandnertal verschneit

Die Stimmung droht zu kippen. Vor allem die Jugend, die per se nicht sonderlich begeistert von meiner Wanderidee war, fängt langsam an zu rebellieren. Auch der Mann, der uns entgegen kommt und seinen Schlitten durch den Tiefschnee bergab zieht, hebt die Laune nicht. „Ob es noch weit ist“, wollen wir von ihm wissen. „Ja, schon, noch viele Kurven“, antwortet er und es klingt in meinen Ohren wie eine Drohung.

Meine Jungs machen ihrem Ärger Luft. „Doofes Wandern und dazu noch bei so einem Hudelwetter!“ So hatten wir uns unser Familienwochenende im Brandnertal nicht vorgestellt. Es hilft nichts, da müssen sie bzw. wir durch. So kämpfen wir uns weiter mit schweren Schritten Kurve um Kurve durchs Schneegestöber den Berg hinauf. Immer mit der Hoffnung, hinter der nächsten Biegung endlich die ersehnte Hütte zu entdecken.

Brand im Schnee

Die Abstände zwischen den Verschnaufpausen werden immer kürzer, aber wir motivieren uns gegenseitig weiter zu gehen. Umkehren macht keinen Sinn. Irgendwann muss die Hütte ja auftauchen. Der bewusste Blick in das tief verschneite Winterwunderland entschädigt für vieles. Nach 2 ½ Stunden Kampf mit den Schneemassen, kommt uns ein junges Paar entgegen. Sie versichern uns, dass wir es bald geschafft haben. Endlich! Auch sie hätten mehr als zwei Stunden für den Aufstieg benötigt.  Das beruhigt mich. Es liegt also nicht an uns.

Tatsächlich erscheint hinter der nächsten Kuppe die rettende Hütte. Wir sind durchgeschwitzt und völlig erschöpft. Ein Glück haben unsere Kleider den Schneemassen stand gehalten.

Schlitten Brand

Schattenlaganthuette

In der Hütte ist es kuschelig. Wir belohnen uns mit einem köstlichen Kaiserschmarrn. Langsam aber sicher hebt sich unsere Stimmung wieder. An die Stelle von Erschöpfung und aufkeimender Verzweiflung tritt Erleichterung und Stolz. Wir haben es geschafft und gemeinsam ein kleines Abenteuer bestanden. Es sind genau solche Momente, die uns als Familie zusammenschweissen. Wer sich zusammen durch das Schneegestöber kämpft, der schafft es auch den Stürmen des Alltags zu trotzen.

Für den Abstieg mieten wir uns auf der Hütte jeder einen Rodel. Der Weg den Berg hinunter sollte leichter werden. Aber das hätten wir uns bei so viel Schnee auch sparen können. Dort, wo bei normalen Bedingungen sicherlich einen tolle Abfahrt ins Tal lockt, bremsen die Schneemassen unsere Fahrt bis zum Stillstand. Egal. Also ziehen wir die Schlitten bergab. Während der Weg nach oben beschwerlich war, macht sich jetzt eine Leichtigkeit breit, die unsere Schritte lenkt. Wir geniessen die tanzenden Flocken, den schemenhaften Blick auf den Winterwald, die nach Schnee duftende Winterluft, die gemeinsame Zeit. Irgendwann nähert sich ein Pistenfahrzeug von hinten. Der Fahrer ermahnt uns zügig und auf direktem Weg ins Tal zu gehen. Der Weg sei jetzt gesperrt. Lawinengefahr!

Schlittenfahrt Brandnertal

Schliesslich schaffen wir es kurz nach Einbruch der Dunkelheit wieder im Tal anzukommen. Der abgesperrte Weg und das Schild „Gesperrt – Lawinengefahr“ bestärken uns in unserem abenteuerlichen Gefühl. Als hätten wir eine gemeinsame Prüfung erfolgreich bestanden.

Lawinengefahr Brand

Wohlig erschöpft schliessen wir den Tag gleich nach dem Abendessen ab. Wir sind uns alle einig: das war ein sehr schöner Tag!

Ein Blick aus dem Fenster am nächsten Morgen bestätigt, meine Erwartung. Tiefster Winter. Vom Himmel fallen noch immer dicke Flocken. Wie winzig kleine Wattebäusche in kunstvollen, kristallinen Formen.

Erst einmal ausgiebig Frühstücken.

Das Flöckeln lässt langsam etwas nach. Nur noch vereinzelt schweben Schneeflocken zu Boden. Frau Holle muss ja auch langsam mal müde werden.

Familienskigebiet Brand

Wir beschliessen einstimmig das Skigebiet zu erkunden.

Wer wird sich da von ein paar Schneeflocken beeindrucken lassen! Wir jedenfalls nicht – oder vielleich eher: nicht mehr.

Skifahren Brand

Die Gondel der Dorfbahn mitten in Brand bringt uns hinauf in das weitläufige Skigebiet. Breite, familienfreundliche Pisten mit feinstem Pulverschnee erwarten uns. Der Schneefall lässt langsam nach, die Wolkendecke reisst auf und gibt grosse himmelblaue Flecken und den Blick auf die weissen Riesen von Vorarlberg frei. Kitschig schön! Immer weiter öffnet sich der Blick durch die Wolken auf die umliegende Bergwelt, bis nur noch vereinzelt weisse Wölkchen um die schneebedeckten Felsflanken tanzen.

Brand Winterwetter

 

Bergblick Brand

Der Schnee glitzert in der Sonne. Wäre eine Entschädigung für den Vortag notwendig gewesen, dann hätte dieser Tag die Aufgabe mehr als nur erfüllt.

 

Fazit:

Manchmal sind es die vermeintlich widrigen Umstände, die eine Reise zu einem echten Erlebnis werden lassen. Solche Erlebnisse sind nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein kleiner Spiegel unseres Lebens. Wer Stürmen und Schneegestöber gemeinsam trotz, der schafft es auch die gemeinsamen himmelblauen Tagen ganz bewusst zu geniessen.

Stellt Euch den Schneestürmen. Geht raus und entdeckt sie, diese schön Welt: bei Sonne, bei Schnee, bei Sturm und auch bei Regen!

 

Mit sonnigen Grüssen,

Eure Patotra - klein

 

 

Schnee Brand Skigebiet

 

Allgemeine InfoUnterkünfteEinkehren
  • In Voralberg, auf mehr als 1000m Höhe, wenige Kilometer von Bludenz entfernt, am Fusse der Schesaplana liegt das Brandnertal. Vom Bodensee und der Schweizer Grenze ist Brand mit dem Auto in etwa 30 Minuten erreicht.
  • Der gute Ruf, grade im Bezug auf Familienferien eilt dem Brandnertal voraus.
  • 64,4 Pistenkilometer locken im Winter mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen (davon 22km blaue Piste). Darüber hinaus stehen eine Vielzahl von Winterwander- und Rodelwegen zur Auswahl.
  • In Brand selbst gibt es mehrere Sportgeschäfte, in denen Skiausrüstung und Schlitten ausgeliehen werden können.
  • Wir haben unsere Skiausrüstung beim Sport Bertl direkt an der Talstation Dorfbahn gemietet. Praktisch, weil man nicht weit gehen muss. Wer dort Skischuhe mieten will oder muss, dem empfehle ich barfuss dorthin zu gehen. Es hat mich doch irritiert, dass man, zusätzlich zum Preis der Schuhmiete auch noch 2 Euro extra dafür bezahlen muss, dass man seine Strassenschuhe während der Ausleihdauer dort deponieren darf

Es gibt in Brand grade für Familien sehr viele geeignete Unterkünfte, die sich der „Family friends Brandnertal“-Gruppe angeschlossen haben. Mehr Infos dazu und zu den einzelnen Betrieben sind unter folgendem Link zu finden: Familienfreundliche Unterkünfte im Brandnertal.

Im Skigebiet:

  • Alpengasthof Melkboden:
    Sehr gute hausgemachte Berghüttenküche. Hier wird noch richtig gekocht!

Melkboden Brand

  • Schattenlaganthütte:
    Sehr guter Kaiserschmarrn, gemütliches Ambiente. Schlittenmiete für je 5 Euro.

Lest auch, was Nathalie, die mit vier Kindern reist über das Skifahren in Brand berichtet.


Offenlegung: Herzlichen Dank an Österreich Tourismus für die Einladung zu dieser Recherchereise


 

1 Comment

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .