Tradition und Handwerk – erfolgreiche Salzburger Frauen

Salzburger Frauen
Was ich auf Reisen ganz besonders mag, ist es Menschen zu begegnen und ihre Geschichten zu hören. Das macht für mich zu einem ganz wesentlichen Teil den Reiz des Reisens aus.

In Salzburg habe ich mich auf die Suche nach besonderen Frauen und ihren Erfolgsgeschichten begeben. Ich habe drei beeindruckende Frauen getroffen, deren Erfolgsgeschichten nicht unterschiedlicher sein könnten – und doch sind sie alle auf ihre Art mit Salzburg verbunden.

Frau Stockinger – die Königin der Knöpfe beim Knopferlmayer

Frau Stockinger vom Knopferlmayer

Ich treffe Veronika Stockinger, geborene Mayer, in ihrem Traditionsgeschäft am Rathausplatz. Die Schwelle zum Laden gleicht einem Eingang eine andere Zeit. Die Wände sind mit Holzregalen, kleinen Holzschubladen und gläsernen Auslagen bestückt. Darin befinden sich unzählige, übereinander gestapelte weisse Schachteln. An deren Stirnseite geben, fein säuberlich nach Farben sortiert, Knöpfe in allen Variationen preis was sich im Inneren der Schächtelchen befindet: Knöpfe, Knöpfe, ganz viele Knöpfe.

„Das Geschäft wurde 1758 gegründet, zwei Jahre nach Mozarts Geburt“, verrät mir Frau Stockinger. Seither war es immer in Familienbesitz. Neben einem kleinen Segment an ausgewählter Herren- und Damenwäsche, gibt es beim Knopferlmayer, wie der Laden im Volksmund liebevoll genannt wird, eine überwältigende Auswahl an Kurzwaren. „Die Kunden kommen zum Teil von weit her, sogar aus der Schweiz“, erfahre ich von Veronika Stockinger. So eine gut sortierte Auswahl an Knöpfen, Borten und Spitzen sucht ihresgleichen. Sie lässt das Herz eines jeden (Hobby-)Schneiders und einer jeden (Hobby-)Schneiderin höher schlagen. Knöpfe, Borten, Spitzen, soweit das Auge sehen kann.

Ein Teil der sympathischen Familienphilosophie ist es, die Waren, wenn immer möglich, in Europa zu beziehen, vor allem in Frankreich und Italien. Einige Perlmuttknöpfe und auch die Metallknöpfe für die Trachten werden aus Österreich bezogen. Sogar auf einen österreichischen Lieferanten für Gummibänder kann Frau Stockinger zurückgreifen. Besonders in Coronazeiten, während des Lockdowns, hat sich der Knopferlmayer dadurch als krisensicher erwiesen. „Während überall sonst Gummibänder für die Masken ausgegangen waren, konnten wir weiter liefern. Zum Teil habe ich den Gummi mit dem Radl an die Kunden ausgeliefert und konnte somit nebenbei noch den Kundenkontakt pflegen.“

Das Erfolgsrezept des Knopferlmayers sind die langjährigen Geschäftsbeziehungen und die Familientradition mit ihrer Beständigkeit.

Frau Stockinger ist die Nummer neun in der Familienreihe. „Die Nummer zehn hilft auch schon tatkräftig mit“, sagt Frau Stockinger. „Das ganze mit den E-Mails und dem Internet, darum kümmert sich mein Sohn.“

Es gab wohl Zeiten, in denen die Nase gerümpft wurde, ob der unmodernen Einrichtung, die noch aus den 1950er Jahren stammt, erfahre ich von Frau Stockinger. Zu alt, zu unmodern, man versäume den Anschluss, meinten vor einigen Jahren noch viele. Heute ist es genau dieser Hauch von Nostalgie, der den Charme dieses aussergewöhnlichen Ladens ausmacht.

Frau Stockinger hat das riesige Sortiment voll im Griff. Wenn eine Kundin etwas Bestimmtes sucht, greift sie treffsicher in die Glasauslagen oder zu den Schachteln und präsentiert sogleich ein paar passende Varianten zur Auswahl. Feinste Spitzen aus Frankreich oder Italien und Knöpfe aus heimischen Gefilden.

Bei den älteren Salzburgern ist der Knopferlmayer, der eigentlich Joseph Mayer Modewaren heisst, noch unter dem Namen Posamentiermayer bekannt. Posamentieren bezeichnete das Handwerk der Borten und Spitzenherstellung oder auch das Überziehen von Knöpfen. Die Vorfahren von Frau Stockinger haben dieses Handwerk noch von der Pike auf gelernt hat.

Auf die Frage, wie viele verschiedene Knöpfe sie denn anbietet, antwortet Frau Stockinger lachend: „Es sind auf jeden Fall immer mindestens 3500 verschiedene Modelle, die gibt es dann in verschiedene Grössen und auch verschiedenen Farben – wie Sterne am Himmel!“

Frau Jenner – die Meisterin der Lederhosen bei Jahn Markl

Über dem kleinen von aussen nicht sehr auffälliger Laden am Residenzplatz prangt ein grosses Grünes Schild.

Wildlederbekleidung u. Trachten
Jahn Markel
Sämischgerberei-Lederferberei u.Säcklerei

ist darauf zu lesen. Der Holzboden knarzt beim Eintreten und es duftet nach Leder. Hirschlederhosen, Trachtenblusen und -hemden hängen in den Regalen in dem urgemütlichen Ladenlokal.

Dort, wo im Jahr 1408 die wohl älteste Gerberei Salzburgs beheimatet war, führt seit 1999 Gabriele Jenner die Geschicke des Ladens. Jahn Markl ist das älteste Ladengeschäft Salzburgs. Zur Gerberei kam schliesslich auch die Säcklerei, also die Lederschneiderei. Heute hat man sich auf feinste und kunstvoll bestickte Lederbekleidung spezialisiert, die in der eigenen Werkstätte in Elsbethen-Glasenbach, in der Nähe von Salzburg, produziert wird.

Die exklusive Leder- und Trachtenbekleidung wird in drei Gerbereien in Österreich natürlich und biologisch gegerbt und gefärbt. Dabei wird hauptsächlich Hirschleder verwendet, teilweise aber auch Ziegenleder, oder auch mal ein Rentierleder.

Jede Lederhose ist ein Unikat, das ganz nach den Wünschen der Kunden auf Mass angefertigt und auf Wunsch mit aufwendigen Handstickereien verziert wird. 40 bis 50 Jahre hält so ein gutes Stück bei guter Pflege. Auch Hüte und Hausschuhe zählen zum Sortiment.

Frau Jenners Lederhosen sind weit über die Grenzen von Salzburg, ja sogar über die Grenzen von Österreich, bekannt. So liest sich ihr Gästebuch beinahe wie das who-ist-who der Schönen und Reichen und der ganz schön reichen. Nationale und internationale Promis, wie Vivien Westwood, Louis Vuitton, Karl Lagerfeld, Herbert von Karajan, Bianka Jagger und viele mehr schätzten und schätzen die feinen Lederprodukte aus der Werkstatt von Jahn Markl. Selbst Marlene Dietrich verewigte sich 1937 im Buch der illustren Kunden von Jahn Markl. „Das sind im Durchschnitt alles nette Leute“, bestätigt Frau Jenner mit einem sympathischen und offenen Lachen.

Was Frau Jenner zu erzählen hat, könnte Bücher füllen. Zum Beispiel die Geschichte vom zukünftigen Bräutigam, der sich seine Lederhose für die Hochzeit unbedingt noch reparieren lassen musste. „Dabei sah sie noch ganz wunderbar aus“, so Frau Jenner. „Erst als er die zukünftige Braut überzeugen konnte, draussen im Café auf ihn zu warten, rückte er mit der Sprache raus. Vorne, auf der Innenseite der Hose, am Latz, oder auch Hosentürl, prangten eine ganze Menge Mädelsnamen. Das musste selbstverständlich vor der Hochzeit noch schleunigst entfernt werden!“ lacht Frau Jenner. Auch von so manch einem Promi weiss sie eine amüsante Anekdote zu erzählen, aber alles mit Diskretion.

Während Frau Jenner uns köstlich unterhält, huscht Enkelsohn Dominik an uns vorbei in den hinteren Teil des Ladens. Die Familien-Nachfolge ist auch hier zum Glück gesichert! Der Enkelsohn ist bei seiner Oma in die Lehre gegangen und hat grade seine Lehrabschlussprüfung bestanden.” Er war ganz brav”, sagt die Oma stolz.

Frau Fürst – die Fürstin der Mozartkugeln bei der Konditorei Fürst

Ich treffe Doris Fürst im Café Konditorei Fürst am Alten Markt. Frau Fürst ist die Ehefrau des Urururenkels von Paul Fürst, dem Erfinder der Mozartkugel. Paul Fürst hat die Original Mozartkugel im Jahr 1890 erfunden. Heute wird die Konditorei wird von den Eheleuten Fürst in der fünften Generation geführt. Paul Fürst hat in Salzburg gelernt und ist dann auf Reisen gegangen durch Europa. Zurück in Salzburg hat er eine Konditorei gegründet, mit dem Bestreben seinen Kunden das Beste und Neueste zu präsentieren. Er hat lange getüftelt, bis er seinen Kunden im Jahr 1890 die Salzburger Mozartkugel präsentieren konnte.

Die Mozartkugeln werden teilweise noch in den gleichen Räumlichkeiten hergestellt, wie zu Zeiten des Erfinders

Im Jahre 1905 ging Paul Fürst mit seiner Mozartkugel nach Paris zur internationalen Gewerbeausstellung und er kam von dort mit einer Goldmedaille zurück. Das war der Startschuss für die bis heute andauernde Erfolgsgeschichte.

Im Inneren der Kugel befindet sich ein Kern aus Pistazien-Marzipan, darum herum eine Schicht feinstes Nougat aus Haselnüssen und Schokolade und dann kommt eine dünne Schickt dunkle Schokolade aussen rum. Zum Schluss wird die Mozartkugel noch verschlossen. Da Paul Fürst eine perfekte Kugelform haben wollte, hat er die Mozartkugel auf Holzspiessen produziert und dann in die Schokolade getaucht. Das wird auch heute noch genau gleich, wie damals, in Handarbeit gemacht. Um das durch den Holzspiess entstandene Loch zu verschliessen, wird jede einzelne Mozartkugel zum Schluss mit etwas dunkler Schokolade verschlossen.

Mozartkugeln

Im Jahr 2018 waren es 3,5 Mio. Stück, die so in Handarbeit erzeugt wurden. Das sind etwa 60’000 in der Woche.

„Einen Fachkräftemangel spüren sie schon auch in der Branche. Aber dafür gibt es immer mehr Quereinsteigerinnen, die sich für den Beruf begeistern“, berichtet Doris Fürst.

Frau Fürst führt den Traditionsbetrieb gemeinsam mit ihrem Mann Martin Fürst. „Jeder hat seine Aufgaben und es sind immerhin 60 Mitarbeiter. Da gibt es immer etwas zu tun“, lacht Frau Fürst.

Die Original Mozartkugel kann man fast ausschliesslich in Salzburg zu geniessen – im Gegensatz zur industriell produzierten Ware. Da nur frische Zutaten in der Manufaktur verwendet werden, kann das Produkt nicht allzu lange gelagert werden. Daher wird die Original Mozartkugel auch ausschliesslich in den eigenen Geschäften vertrieben. In Salzburg gibt es vier Geschäfte. Natürlich können hier auch noch andere Spezialitäten genossen werden, wie zum Beispiel der Bach Würfel.

„Uns ist die Qualitätskontrolle wichtig und die können wir nur hier vor Ort gewährleisten“, erklärt Frau Fürst. „Verschickt werden sie auch nur innerhalb Europas.“ Was für ein Glück!

Conditorei Fürst
4 Filialen der Konditorei Fürst gibt es derzeit in Salzburg

Noch mehr Salzburger Handwerk gibt es hier: Schirmmanufaktur Kirchtag

Wer schreibt hier?
Ellen Gromann-Goldberg
Es geht nicht darum, Länder zu sammeln, sondern darum das Leben mit besonderen Augenblicken, Landschaften, Orten, Aktivitäten und Begegnungen zu bereichern. Das ist für Ellen die Essenz des Reisens. Mit viel Passion hält sie diese in ihren Texten und Bildern fest. Gerne auch gewürzt mit dem Duft und Geschmack regionaler Köstlichkeiten.
Neben Ihrer Tätigkeit als Bloggerin und Chefredakteurin von Patotra, arbeitet Ellen als freie Journalistin und Content Creator.

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