Das Aostatal – und seine verborgenen Schätze

Bislang habe ich mit dem Aostatal eigentlich nur Schinken in Verbindung gebracht und sonst nicht viel. Irgendein Tal im Dreiländereck Schweiz, Italien und Frankreich. Dabei bin ich wohl gleich zwei Irrtümern aufgesessen:

1. Kommt das, was ich als Aosta Schinken kenne gar nicht aus dem Aostatal. Ein französischer Industrieller hat sich die Namensrechte schützen lassen und produziert jetzt irgendwo, nur nicht im Aostatal den Aosta Schinken.

2. Gibt es im Aostatal viel, ja sogar sehr viel, das sich zu entdecken lohnt.

Ich habe mich auf die Suche nach den verborgenen Schätzen des Aostatales begeben und erstaunliches entdeckt.

Aostatal ist doch Schinken!

De Bosses Schinken

Schinken gibt es natürlich auch im Aostatal. Und was für einen! Nur, dass der nicht Aosta Schinken heisst. Er wird in Manufakturen hergestellt, so wie zum Beispiel der Jambon de Bosses. Nach alten Rezepten wird in dem kleinen Bergdörfchen Saint Rhémy-en-Bosses, unweit der Tunnelausfahrt vom grossen St. Bernhard, feinster Schinken produziert. Saint Rhémy-en-Bosses ist das letzte, oder eben das erste Dörfchen im Aostatal und der Schinken aus der Manufaktur ist eine echte Entdeckung. Nicht nur für Kenner.

Schinken Aostatal

Sterneküche made in Aosta Valley

La Clusaz Restaurant Asotatal

Schinken gibt natürlich auch auf den Vorspeisenteller im Restaurant „La Clusaz“ in Gignod. Das Restaurant wirkt von der Strasse fast unscheinbar. Aber das täuscht! Hier kommen vorwiegend regionale Produkte auf den Teller. Dort wo früher Pilger eine Herberge gefunden haben, finden jetzt Gourmets kreative und äusserst schmackhafte Gerichte aus der Küche von Chefkoch Piergiorgio Pellerei. Dem Guide Michelin ist das immerhin einen Stern wert und für mich ist es ein weiteres Schätzchen, das ich im Aostatal entdecken durfte.

La Clusaz Fine Food

Kaese Asotatal

Das Städtchen Aosta

Aosta

Hauptort des 100km langen Aostatales mit seinen 14 Seitentälern ist Aosta. Aosta ist in Italien als der am meisten römische Ort, nach Rom, bekannt. Auf Schritt und Tritt findet man in der von Bergen umgebenen Stadt die Spuren der Römer; das Pretoria Tor, den Augustus Bogen, ein Amphitheater.

Aosta Mauern Rom

Aber auch sonst gibt es so einiges zu entdecken. Ausser zahlreichen Delikatessenläden mit lokalen Köstlichkeiten, gibt es natürlich auch die in Italien obligatorischen Eisdielen. Hier wird auch im Winter geschleckt!

Impressionen Aosta

Aosta Food

Im Monterosa Skigebiet

Genug gegessen! Jetzt heisst es sportlich sein. Von Champoluc aus geht es mit der Gondel hinauf in die Bergwelt. Im Skigebiet finde ich herrlich breite Skipisten und Winterwanderwege.

Champoluc

Winterwanderweg Champoluc

Der Winter präsentiert sich von seiner allerschönsten Seite. Vom Crest nehme ich den Höhenweg in Richtung Stadel Soussun. Nach einer knappen Stunde erreiche ich einen kleinen Weiler mit 3 oder 4 Häusern und einer kleinen Kirche. Der Ort scheint verlassen und das Kirchlein ist geschlossen. Romantisch sieht es trotzdem aus und die Aussicht ins Tal ist ein Traum.

Weiler Soussun

Blick auf Champoluc

Spezialitäten aus dem Aostatal in alten Gemäuern

Stadel Soussun

Aus einem der Häuser duftet es jedoch verlockend nach frischen Kräutern mit Tomate und Knoblauch. Immer der Nase nach finde ich den Eingang zum Stadel Soussun. Ein prächtiges Steingewölbe beugt sich wie eine schützende Hand über dem gemütlichen Gastraum aus dem 15. Jahrhundert. Und ich esse schon wieder. Wer könnte da schon wiederstehen. Eine tolle Entdeckung!

Stadel Soussun Champoluc  Soussun Bergrestaurant

Speisen Stadel Soussun Champoluc

Jetzt täte etwas Bewegung aber wirklich Not. Allerdings geht es mit der Gondel abwärts und danach mit dem Auto weiter runter ins Tal.

Goldgräberstimmung

Goldmine Chamousira

Bei Brusson erwarten mich bereits zwei Damen vom Goldbergwerk „Chamousira“. Per Pedes geht es durch den verschneiten Wald. Etwas versteckt finden wir nach 20 Minuten den Mineneingang. Von 1900 bis Ende der 1980er Jahre wurde die Goldmine betrieben. Danach war sie nicht mehr rentabel.

Bergwerk Chamousira

Wer Glück hat, der findet auch heute noch, im Gestein, kleine Goldstückchen. Nicht grade ein riesiger Schatz, aber immerhin eine spannende Entdeckung und dazu auch hier wieder mit einer grandiosen Aussicht! Ich freue mich zudem über die wohltuende Bewegung an frischer Luft.

Goldmine Brusson

Blick Tal Goldmine Chamousira

Von hier aus führt die Reise in eine ganz andere Region des Aostatals. Auf der Fahrt dorthin fallen mir die vielen Schlösser auf, die vorzugsweise auf grossen Felsen oder Felsvorsprüngen über dem Tal thronen und die Weinreben, die sich die Bergflanken hinauf ranken. Manch edles Tröpfchen hat hier seinen Ursprung.

Süsse Versuchungen beim Pastificio

In Villeneuve erwartet mich der Pastificio Giancarlo von der Pasticceria Dupont.

Pastificio Giancarlo Dupont Villeneuve

Im von aussen eher unscheibaren Haus an der Brücke, offenbaren sich im Inneren wahre Schätze. Die süssen Spezialitäten der Region. Torcetto, Kekse aus Mehl, Butter, Zucker, Hefe und Wasser, die adrett zum Ring geschwungen darauf warten den Gaumen zu erfreuen.

Tegola, die geschichtet aussehen, wie die typischen Dachschindeln im Aostatal, und aus Haselnüssen, Mandeln Eiweiss Zucker und Mehl gebacken werden. Und zum Schluss noch Trollet ein Eiweissgebäck aus Zucker, Nüssen und Eiweiss.

Tegalo Torcetto und Trollet

Ein Paradies für süsse Schleckermäuler. Die genauen Rezepte verrät mir Giancarlo freilich nicht. Die sind streng geheim!

Die Höhlen von Villeneuve

Villeneuve Aosta

Aber Villeneuve verbirgt noch weitere Schätze. Diese sind nicht ganz so geheim und sie werden zumindest einmal im Jahr, im Sommer, anlässlich des Festes der Kellereien der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Hinter Türen und Toren die in den Fels führen, verbergen sich Höhlen, die als Keller, auch für die Weinlagerung, genutzt werden.

Hoehle Villeneuve Aostatal

Ich habe Glück und bekomme in einer Höhle von zwei charmanten Produzenten zwei weitere Schätze der Region kredenzt.

Salami von Segor Aostatal

Wein aus dem Aostatal

Salami, Schinken und Wein gehören nun mal zum Aostatal, wie das Amen in die Kirche.

Genuss im Aostatal

Top of Europe mit dem Skyway Monte Bianco

Skyway Monte Bianco

Im Gegensatz zu diesen Schätzen des Aostatals, ist ein weiterer Schatz ganz und gar offensichtlich und unübersehbar: Der Mont Blanc, oder eben Monte Bianco!

Er ist mit 4810 m der höchste Berg Europas, jedenfalls wenn man ein paar noch höhere Erhebungen im Kaukasus mit einem Augenzwinkern unterschlägt. Gut, die liegen ja auch in Eurasien und nicht in Europa.

Mit der neuen Seilbahn geht es hinauf in schwindelerregende Höhen. Die Kabine dreht sich während der Fahrt um die eigene Achse und der Ausblick ist umwerfen. Auf der Mittelstation überrascht die Mont Blanc Kellerei, die hier oben auf 2173 m.ü.M. Sekt nach Champagner-Methode produziert. Ein eigenwilliger Ort für eine Kellerei und dennoch ein schmackhaftes Tröpfchen.

Beschwingt geht in die nächste Gondel, rauf zur Herbronner Spitze auf 3462 m.

Herbronner Spitze Monte Bianco Mont Blanc

Mont Blanc

Mont Balnc Herbronner Spitze

Aussicht Herbronner Spitze

Auf der Besucherplattform angekommen, reisst der wolkenverhangene Himmel glücklicherweise, auch wenn nur ganz kurz, auf und gibt die weissen Schätze der Bergwelt in ihrer ganzen Pracht frei. Ein unglaubliches Gefühl quasi Auge in Auge mit diesen Bergriesen zu stehen. Was für ein unvergessliches Erlebnis!

Die kleineren Schätze der Berge sind übrigens in einer Kristall Ausstellung auf der Herbronner Spitze zu bestaunen.

Kristalle Mont Blanc

Sprachschatz im Aostatal

Nicht nur landschaftlich und kulinarisch kann das Asotatal mit vielen Schätzen aufwarten. Auch sprachlich ist das Aostatal eine reiche, wenn auch leicht verwirrende Region. Hier wird italienisch, französisch und, bedingt durch die Besiedlung durch die Walser, teilweise auch ein deutscher Dialekt gesprochen. Etwas verwirrend ist dieses Sprachgewirr schon.

Die Vielfalt spielt hier die Musik und das in vielerlei Hinsicht.

Mein Fazit:

Wer ins Aostatal reist, sollte kein Kostverächter sein. Essen und Trinken spielen hier eine zentrale Rolle. Genuss ist das Stichwort. Zum Glück ist daneben auch etwas Sport möglich, sowohl im Talkessel, als auch in den Bergen, in Form von Skifahren, Wandern, oder Radfahren.

Das Aostatal ist ein Tal, das alles andere als unscheinbar ist und voller Schätze. Es ist viel mehr, als nur irgendein Tal!

Wer mit offenen Augen durch die Welt reist, der wird belohnt mit einer Vielzahl von spannenden Entdeckungen. Reisende sind auf ihre Art Schatzsucher und Goldgräber, die immer wieder mal kleine und mal grosse Schätze finden. Vielleicht sogar im Aostatal.

Mit sonnigen Grüssen,

Restaurant Cadran Solaire in Antagnod

RestauranttippsUnterkünfteEinkaufenGoldmine
  • Restaurant La Clusaz in Gignod, Valle del San Bernardo. Regionale Gourmetküche. Nettes Ambiente.
  • Restaurant Cadran Solaire in Antagnod, Rue de la Laiterie 4.  Gute regionale Küche gemixt mit etwas Asiatischer Küche. Der Mann der Besitzerin ist Chinese. Sehr nettes Ambiente!
  • Stadel Soussun in Champoluc im Skigebiet. Zu Fuss oder per Ski zu erreichen. Das Haus stammt aus dem Jahr 1518. Gute regionale Küche. Es gibt im Haus auch einige Hotelzimmer. Diese habe ich allerdings nicht gesehen.
  • Ich war zur Hauptreisezeit unterwegs. Daher war die Auswahl sehr begrenzt. In Introd habe ich im Gästehaus La Pietra Felice eine zwar einfache, aber doch angenehmene Unterkunft gehabt. Für die Gästezimmer wurden nur natürliche Materialien verwendet und das Frühstück besteht aus biologischen Produkten aus der Region. Der Wirt ist äusserst herzlich und backt wunderbare Kuchen zum Frühstück.
  • Die Besitzer der Hazienda Lo Triolet in Introd vermieten geschmackvolle Ferienwohnungen.

Wer im Aostatal unterwegs ist, dem empfehle ich ein paar der Köstlichkeiten mit nach Hause zu nehmen:

  • Allen voran den Vallée d`Aoste Jambon de Bosses AOP
  • In Villeneuve in der Pasticceria Dupont: Torcetto, Tegola und Trollet
  • Ebenso in Villeneuve beim Salumificio Segor: feine Salami und Trockenfleisch.
  • Mehrfach ausgezeichnete Weine gibt es der Hazienda Lo Triolet in Introd.
  • Auch ganz besondere Weine, teilweise sogar mit einzigartigen Rebsorten, gibt es bei Didier Gerbelle in Aymaville.

Die Goldmine befindet sich bei Brusson.

Weiter Infos zu Öffnungszeiten etc. finden Sich hier: Goldmine Chamousira

Winterwunderland Aostatal


Offenlegung: Diese Recherchereise wurde vom Tourismo Vallée d’Aoste unterstützt.


 

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