Der Sohn des Ananaskönigs

Der Ananaskönig ist pleite! Liess die Boulevardpresse damals, nicht ohne eine gehörige Portion Häme, verlauten.

Das konnte und wollte die Schweizer Familie Dähler nicht auf sich sitzen lassen. Man hatte gekämpft, viel gewonnen und schliesslich alles verloren. Der Traum blieb und mit ihm die Gewissheit, weiter, als Familie für diesen Traum zu kämpfen.

Was war geschehen? Der aus dem Thurgau stammende Bauernsohn und Abentuerer Johann Dähler hatte sich an der Elfenbeinküste innerhalb von 20 Jahren aus dem Nichts ein Ananasimperium aufgebaut. 2’000 Hektar umfasste die Plantage. Dies brachte ihm in der Heimat den Titel Ananaskönig ein.

Der ivorische Bürgerkrieg, der 2002 mit dem Aufstand eines Teils der ivorischen Armee begann, und finanzielle Turbulenzen, zwangen ihn mit seiner Familie in die Schweiz zu flüchten. Die Familie mit vier Kindern hatte fast alles verloren. Ihre Ländereien und ihr zu Hause. Hinzu kam die Ehrverletzung durch so manchen hämischen Kommentar, den man in der Presse lesen musste.

In San Jose, der Hauptstadt von Costa Rica, treffe ich mich mit Stephane Dähler und seiner aus dem Thurgau stammenden Frau. Ein sehr sympathisches und bodenständiges Paar. Stefan ist einer der drei Söhne des Anananskönigs. Ein charismatischer Mann, der in breitestem Thurgauer Dialekt spricht. Ob er denn überhaupt jemals in der Schweiz gewohnt habe, will ich von ihm wissen.

„Nur die Lehrjahre habe ich in der Schweiz verbracht. Ich habe dort meine Lehre als Koch absolviert. Das war nicht einfach. Viele meiner Schulabschlüsse wollte man in der Schweiz nicht anerkennen und das obwohl ich den anderen Lehrlingen, was den Unterrichtsstoff betraf, oft einiges voraus war“. Man spürt die Kränkung, die aus seinen Worten spricht. Genugtuung habe ihm am Ende die Tatsache bereitet, dass er seinen Abschluss als einer der Besten seines Jahrgangs gemacht habe, so Dähler.

Für die Zeit nach der Lehre, stand sein Ziel und das seiner Brüder bereits fest. Man wollte wieder dorthin, wo man einst war und wieder eine erfolgreiche Ananasplantage betreiben. „Mit Ananans kannten wir uns aus, wie kaum ein anderer“, so Dähler. Da die Elfenbeinküste keine valable Option für den Neuaunfang war, fiel ihre Wahl schliesslich auf Costa Rica. „Man hat es uns hier leicht gemacht unser Geschäft zu starten und vor allem waren wir glücklich, dass es hier kein Militär gibt. Davon hatten wir mehr als genug nach unseren Erlebnissen an der Elfenbeinküste. Ausserdem kannte mein Vater Cosat Rica von früheren Besuchen und wusste, dass die Bedingungen für Ananas hier ideal sind“.

Also kauften die Brüder gemeinsam mit dem Vater am 04. April 2004 Land und pflanzten die ersten Ananas. Das Ziel der Brüder war es, für die Eltern wieder etwas aufzubauen. „Familie ist das Wichtigste“, so Dähler und man spürt seine Überzeugung dahinter.

Die Geschwister Dähler

Die Plantagen liefen gut an und man expandierte. Aber erneut schlug das Schicksal zu. Der Vater erlitt einen Herzinfarkt und hatte Probleme mit den Nieren.

Notgedrungen kehrten die Eltern Dähler erneut zurück in die Schweiz für die notwendigen Behandlungen. Die Mutter spendete dem Vater eine Niere und langsam ging es mit dem Vater gesundheitlich wieder bergauf.

Nun standen die Buben mit der Plantage, die sie eigentlich nur für die Eltern aufgebaut hatten, alleine da. „Plötzlich waren wir Plantagenbesitzer und verantwortlich. Eigentlich war das ja gar nicht unser Ziel“, sagt Dähler mit einem verschmitzten Lachen in den Augen. Es hätte weitaus schlimmer kommen können.

Stéphane Dähler hat sich mittlerweile aus dem Ananasgeschäft zurückgezogen. Er organisiert und leitet Reisen in Costa Rica und den Nachbarländern. Seine beiden Brüder kümmern sich um das Ananasgeschäft. Dem Vater geht es gesundheitlich wieder gut. Nach Ende des Bürgerkrieg bot sich ihm die Möglichkeit das eigene Haus und einen Teil der früheren Ländereien an der Elfenbeinküste zurück zu kaufen. Er ist wieder im Geschäft und zurück an der Elfenbeinküste. Seine Träume hat er nie aufgegeben und hat gemeinsam mit seiner Familie für diese Träume gekämpft. Trotz aller Widrigkeiten hat der Erfolg ihm und seinen Kindern Recht gegeben. Eine schöne, wahre Geschichte!

Auf unserem Weg zwischen El Ceibo und La Fortuna, liegt bei Puerto Viejo de Sapiqui die Plantage der Dähler-Sprösslinge und ich lasse es mir nicht nehmen, einen kurzen Blick darauf zu werfen. Der aus Basel stammende Tobias Dräyer, der als selbständiger Immobilienmakler und als Verwalter auf der Farm arbeitet, empfängt uns.

Ananasplantage Costa Rica Swiss Tropical

junge Ananas

Das Ausmass der Ländereien ist beeindruckend und der Anblick der vielen Ananas lässt uns das Wasser im Munde zusammenlaufen. Mit den vor den Plantagen weidenden Wasserbüffeln habe man auch Pläne, hat Stéphane Dähler mir verraten. Aus deren Milch möchte man Mozarella herstellen.

Ananasplantage

Bei dem Enthusiasmus, denn die Familie Dähler beim Aufbau ihrer Plantagen an der Tag gelegt hat, wird auch der Mozarella aus Costa Rica ein echter Renner werden. Daran hege ich keinen Zweifel.

Die Früchte vom Ananskönig, bzw. Vater Dähler, aus Afrika finden mittlerweile sogar ihren Weg in heimische Produkte aus Schweizer Produktion. Gemischt mit Bier aus der Appenzeller Brauerei Locher, zaubern sie etwas Exotik in unsere schweizer Stuben.

Ob auch das eine weitere Erfolgsgeschichte wird, bleibt abzuwarten. Aber warum eigentlich nicht? Etwas entspannte Exotik würde uns hierzulande gut tun.

An Ideen dafür fehlt es den Dählers weiss Gott nicht!

Ananas Costa Rica
Hier sieht man schön die einlzelnen Blüten und Beeren der Ananas

Wusstet Ihr, das die Anansfrucht eigentlich aus einem Verband von vielen einzelnen Beeren besteht, die sich aus den Blüten entwicken?

Wer schreibt hier?

Die Autorin: Ellen Gromann-GoldbergEllen Gromann-Goldberg

Globetrotterin mit Anhang, immer mit der Kamera im Anschlag und dem Notizblock in der Hand. Mit und ohne meine Familie, zwei Teenager, ein Twen und ein Mann, bin ich auf der Suche nach den besonderen Orten, Erlebnissen und Geschichten rund um die Welt und in meiner Heimat am schönen Bodensee.
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Danke, lieber Stéphane für den spannenden Einblick! Ich wünsche Dir und Deiner kleinen Familie alles Gute für die Zukunft.

Danke auch Tobias, für Deine Zeit! Liebe Grüsse nach Costa Rica!


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