Die geächteten Kinder von Dar Bouidar

Kinder von Dar Bouidar
Während meiner Marokko Reise hatte ich die Gelegenheit das Kinderdorf Dar Bouidar zu besuchen. Hier leben geächtete Kinder - Kinder, die in der marokkanischen Gesellschaft keinen Platz haben.

Während meiner Marokko Reise hatte ich die Gelegenheiten mir am Fusse des Atlasgebirge ein ganz besonderes Projekt anzusehen.

Ein Erlebnis, welches mich sehr berührt und bewegt hat.

Drei Mütter sitzen mit ihren Kleinkindern im Warteraum. Sie sind hier, um ihre Kinder abzugeben. Sie sind Ausgestossene. Die marokkanische Gesellschaft hat keinen Platz für Mütter, die unehelich ein Kind zur Welt bringen und für die Kinder schon gar nicht.  Sie werden geächtet und von der Gesellschaft ausgestossen. Die Kinder sind das Resultat von uneingelösten Eheversprechen, Inzest, Vergewaltigungen und auch Prostitution. Viele dieser Kinder werden als Säugling einfach ausgesetzt, weggelegt. Rund 9000 Kinder trifft dieses entsetzliche Schicksal in Marokko laut offiziellen Angaben.

Das Bouidar Altasgebirge

Mir zerbricht es fast das Herz die Mütter mit Ihren kleinen Kindern zu sehen und ich kämpfe mit den Tränen.

Das Kinderlachen im Dorf tröstet mich. Die Mütter schenken ihren Kindern und vermutlich auch sich selbst eine Zukunft. Grausam finde ich es dennoch.

Dar Bouidar Kinderlachen

Dar Bouidar Kinder

Der Schweizer Hansjörg Huber hat sich hier gemeinsam mit seiner Partnerin Jeanette Stuker so etwas wie einen Lebenstraum erfüllt und er ermöglicht damit derzeit 75 Kindern ein behütetes Kinderleben und eine echte Zukunftsperspektive. Als junger Mann, mit 22 Jahren hatte er das Pestalozzi Kinderdorf in Trogen besucht und sich damals geschworen selbst mal so ein Dorf zu gründen.

Viele Jahre später, nachdem ihn zahlreiche Reisen nach Marokko geführt hatten, bot sich die Chance seinen Traum zu verwirklichen. Jeanette und Hansjörg kauften im Jahre 2015 Land und begannen das Dorf, Dar Bouidar für die Kinder zu bauen. Als Grundlage diente ein grosser Teil des eigenen Vermögens.

Es war und ist ein steiniger Weg, den sich die beiden Schweizer ausgesucht haben. Die Dinge laufen in Marokko anders, als bei uns. Es gab Enttäuschungen und Rückschläge. Aber die Beiden lassen sich nicht beirren.

Aber wenn man sieht, mit wie viel Leidenschaft die beiden für dieses Projekt brennen, zweifelt man nicht daran, dass sie auch ihre weiteren Visionen umsetzen werden. Die Schule befindet sich gerade im Bau und weitere Häuser sollen folgen. „Wenn wieder Geld reinkommt, dann bauen wir weiter“, so Hansjörg. Modern soll sie sein, die Schule. Viele Freiwillige kümmern sich hier um das Wohlergehen der Kinder. Eine Französin, die derzeit in Marrakesch an einer Montessori Schule unterrichtet sieht sich das Leben im Dorf an und gibt Tipps für den Alltag mit den Kindern.

Neun Kinder wohnen in einem Haus. Um Ihr Wohlergehen kümmern sich 3 „Mütter“ während 24 Stunden.

Da Bouidar Kinderdorf

Kinderdorf Dar Bouidar

„Unsere Kinder lernen drei Sprachen, neben ihrer Muttersprache noch Französisch und Englisch. Nur durch ihre Bildung haben sie eine Chance in dieser Gesellschaft, die sie ausstösst, zu bestehen und nur durch liebevolle Fürsorge können wir ihr Selbstbewusstsein stärken, damit sie der Ächtung durch die Gesellschaft die Stirn bieten könne,“ davon ist Hansjörg fest überzeugt.

Stolz zeigt er mir die noch im Bau befindliche Schule. „Wir wollen die Kinder hier nach modernsten Methoden unterrichten“.

Während ich mit Jeanette durch das Dorf laufe fallen ihr immer wieder Kinder freudig um den Hals. Die Atmosphäre ist entspannt.

Jeanette Stuker Dar Bouidar

Am Eingang wird musiziert. Dafür wurde eigens ein Musiklehrer engagiert. Man spürt den Kindern an, mit wie viel Freude sie dabei sind.

Kinderlachen Dar Bouidar

Nebenan beeindruckt eine Kunstgalerie mit Bildern namhafter Künstler. Der Erlös der verkauften Bilder kommt in vollem Umfang dem Kinderdorf Dar Bouidar zugute. Finanzielle Mittel, um das Dorf weiter auszubauen und um die laufenden Kosten für die Kinder decken zu können sind im Moment das Allerwichtigste und da ist Hansjörg sehr einfallsreich.

Dar Bouidar Kunstgalerie

Auch wenn Hansjörg längst in einem Alter wäre, in dem andere sich zurücklehnen, rastet er nicht und er hat bereits neue Pläne für Dar Bouidar. Ein Restaurant soll gebaut werden, in dem Besucher gegen Bezahlung verköstigt werden und Gästehäuser für ältere Menschen, die sich als Leihoma oder Leihopa einbringen möchten, sollen entstehen.

Ich verlasse diesen Ort mit gemischten Gefühlen. Einerseits mit einem grossen Kloss im Hals, ob der gesellschaftlichen Grausamkeit. Andererseits bin ich tief beeindruckt mit welcher Passion sich Hansjörg und Jeanette ganz in den Dienst der Kinder stellen und ihr Projekt vorantreiben.

Ich wünsche Hansjörg und Jeanette weiterhin viel glückliches Kinderlachen in Dar Bouidar und viel Erfolg beim weiteren Ausbau des Dorfes.

Wer helfen möchte, sei es mit Geldspenden, oder durch ganz konkrete Hilfe, der findet alle weiteren Informationen hier:  Das Kinderdorf

Hansjoerg Huber Dar Bouidar
Hansjörg Huber (Dieses Foto wurde mir zur Verfügung gestellt)

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