Schleusen der Entschleunigung: Eine dreitägige Freundinnen-Schifffahrt auf dem Rhein

Es muss nicht immer ein Wellness-Weekend sein, wenn man mit seiner besten Freundin Zeit verbringen möchte. Als Alternative eignet sich eine kurze Flussfahrt auf dem Rhein – Stadtbesichtigung inklusive.

Als ich am Zürcher Hauptbahnhof stehe, muss ich schmunzeln. «TGV» steht auf der Anzeigetafel – der Lieblingszug meines jüngsten Sohnes. Doch heute fahre ich ausnahmsweise ohne meine Familie: Das Wochenende ist für meine Freundin und mich reserviert.

«Freundinnentage im Elsass» heisst das Kurztrip-Angebot von Thurgau Travel: eine Mini-Flussfahrt auf dem Rhein. Los geht’s in Basel beim Anleger St. Johann – von Zürich sind wir in nicht einmal anderthalb Stunden dort. Die MS Thurgau Ultra erwartet uns bereits, und ich atme auf, als ich sehe, wie klein sie ist im Vergleich zu «richtigen» Kreuzfahrtschiffen. Ich freue mich nämlich auf drei Tage Erholung und entspannte Gespräche mit meiner Freundin.

Schifffahrt Basel Wochenende

Unsere Kabine ist eine Junior Suite mit französischem Balkon, und ich bin dankbar für den grosszügigen Blick aufs Wasser. Klaustrophobiker haben übrigens keinen Grund zur Sorge: Es gibt genug Platz, die Kajüte beherbergt sogar zwei Kleiderschränke sowie mehrere Kommoden. Und auch das Bad steht einem (kleinen) Hotelbad in nichts nach. 

Kaum sind wir eingecheckt, wird auch schon zu Kaffee und Kuchen ins «Wiener Café» gerufen. Ich nehme es gleich vorweg: Die vielen «Termine» an Bord sind meine Sache nicht. Aber es ist ja ein Angebot, kein Pflichtprogramm. Und ich bin fest davon überzeugt, dass viele Gäste die grosse Angebotspalette schätzen. Hier Kaffee und Kuchen, dort ein gemeinsamer Apéro – alles inklusive, wohlgemerkt. Allein fühlen muss sich hier niemand.

Wir trinken also Kaffee und landen dabei in der ersten Schleuse. Ja, zwischen Basel und Strassburg fährt man durch insgesamt acht Schleusen, die jedes Schiff wie in einem Lift nach unten (oder, auf der Rückfahrt, wieder nach oben) befördern. Grund dafür ist das starke Gefälle des Rheins, das man gleichsam portionieren muss, um die Schiffe zu bremsen. Und so hat man aus dem Rhein durch verschiedene Stauungen eine Art Treppe gemacht. Es fasziniert mich, wie das Schiff perfekt in die schmale Schleuse fährt und dann rund 15 Meter in die Tiefe «saust». Das leicht mulmige Gefühl, zwischen Mauern eingeklemmt zu sein, weicht einem befreienden, sobald sich die Schleuse wieder öffnet.

Das Herzstück der MS Thurgau Ultra, das sogenannte «Theatron», ist rundherum verglast. Hier kann man die Aussicht beim Spiel eines Pianisten geniessen, der sich von den Schleusen nicht aus der Ruhe bringen lässt. Es gibt an Bord sogar einen Wellnessbereich mit Sauna und Jacuzzi, einen Fitnessraum und einen Coiffeur. 

Obwohl das Publikum erwartungsgemäss eher fortgeschrittenen Alters ist, muss ich daran denken, wie viel Freude mein jüngster Sohn auf dem Schiff hätte: Er wäre fasziniert von den Schleusen, begeistert vom Bett mit Ausblick auf den Rhein und nicht zuletzt dankbar für die vielen Spiele, die in einer Vitrine darauf warten, ausgeliehen zu werden. 

Ich schlafe wie ein Baby, ohne irgendetwas von den Schleusen zu merken. Das Frühstücksbuffet ist nicht riesig, übertrifft aber gleichwohl meine Erwartungen. Es ist neblig, und so sehr ich diese mystische Stimmung mag, so sehr hoffe ich, dass in Strassburg die Sonne scheint. Wir sind schon fast da, und weil es heute Abend um halb sieben wieder zurück Richtung Schweiz geht, verzichten wir auf den Brunch an Bord und bestellen uns direkt nach dem Frühstück ein Taxi, das uns in die Stadt bringt (für alle, die erst nach dem Brunch aufbrechen, wird später ein Reisebus bereitstehen). Und ja, die Sonne scheint!

Ich erinnere mich nur vage an die Grande-Île mit der Altstadt, die seit 1988 zum UNESCO-Kulturerbe zählt. Und das nicht nur wegen ihres weltbekannten Münsters. «Ein hervorragendes Beispiel eines architektonischen Ensembles, das die französischen und deutschen Einflüsse vom Ende des Mittelalters bis heute versinnbildlicht», schreibt das Weltkulturerbe-Komitee in seiner Begründung für die Auszeichnung. Recht hat es!

Die Grande-Île ist, wie der Name bereits sagt, eine Insel, die von der Ill und dem Canal du Faux-Rempart begrenzt wird. 21 Brücken und Stege führen von hier aus in die benachbarten Stadtteile. Das Zentrum Strassburgs sprüht vor elsässischem Charme: alte Fachwerkhäuser (das Gerberviertel nicht verpassen!) wechseln sich ab mit prächtigen Renaissance-Bauten, überall gibt es kleine Märkte – Büchermärkte, Blumenmärkte, Flohmärkte.

Wir bleiben stehen und wieder stehen, um alles in uns aufzusaugen. Zwischendurch geben wir den kulinarischen Verlockungen nach und geniessen Kartoffelscheiben am Spiess sowie, fast obligatorisch in Strassburg, süsse Leckereien. Wer noch nie in Strassburg war: Hier ist eine Patisserie verführerischer als die andere. 

Als es zu dunkeln beginnt, haben wir gerade einmal einen Teil der Grande-Île gesehen, ganz zu schweigen vom Rest der Stadt. Die Neustadt, das am besten erhaltene Ensemble der deutschen Gründerzeit, haben wir keines Blickes gewürdigt, und auch den Sitz des Europäischen Parlaments müssen wir wohl oder übel ein andermal besichtigen. 

Mit dem Bus der «Brunch-Gruppe» fahren wir zurück zum Schiffsanleger. Wie gerne hätte ich einen zweiten (oder sogar dritten) Tag in Strassburg verbracht! Doch es bleibt keine Zeit, in einer Stunde heisst es bereits wieder: Leinen los. 

Fazit: Für mich gibt es kein besseres Transportmittel als das Schiff. In einem Zimmer mit Blick aufs Wasser zu logieren, hat für mich etwas Magisches, im wahrsten Sinne des Wortes etwas Traumhaftes. Was gibt es Schöneres, als aufs Wasser zu schauen und seinen Gedanken nachzuhängen? Wellnesshotels langweilen mich oft, eine Reise mit dem Schiff nie. Nirgendwo kann man derart entschleunigen – für mich ein absoluter Mehrwert zu einem Wochenende im Hotel. Nicht nur für Freundinnen.

Weitere Informationen zu diesem Angebot von Thurgau Travel: Freundinnentage auf dem Fluss


Offenlegung: Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Einladung von Thurgau Travel.


Wer schreibt hier?

Miriam Bosch

berichtet in unregelmässigen Abständen als Gast-Autorin für PATOTRA. Miriam liebt es, neue Welten zu entdecken – seien sie nah oder fern. Low-Budget-Reisen durch Südostasien gehören für sie ebenso dazu wie ein Verwöhnwochenende in den Alpen. Wichtig sind ihr vor allem zwei Dinge: Die Reiseorte müssen authentisch sein. Und: Sie müssen nicht nur sie und ihren Mann, sondern auch ihre Kinder begeistern.

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