Dschungelabenteuer: Mit Kindern im Tayrona Nationalpark

Kleine rotbraune Tierchen die grosse, grüne Segel tragen bilden eine Strasse quer über den Pfad auf dem weichen Boden des Dschungels. Die Luft duftet nach den Blättern der riesigen Urwaldbäume, die den willkommenen Schatten spenden. Heiss und feucht ist es hier und wir nehmen das kleine Schauspiel gerne zum Anlass für eine kurze Verschnaufpause. Immer wieder entdecken wir etwas, das unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Hier einen bunten Schmetterling, dort eine grasgrüne oder eine bunt schillernde Echse. Vögel singen in den Ästen über uns ein uns unbekanntes, wunderschönes Lied.

Tayrona Ameisen Kolumbien

Blattschneideameisen

Echse Tayrona

Tiere Nationalpark

Der Tayrona Nationalpark

Wir befinden uns mitten im Dschungel des Tayrona Nationalparks an der kolumbianischen Karibkküste. 19’500 Hektar umfasst der Nationalpark zwischen Küste und der Sierra Navada de Santa Marta, deren schneebedeckte Gipfel sich bis 5’775 m.ü.M. in in den tropischen Himmel recken. Der Park ist streng geschützt. Viele Teile befinden sich auf heiligem Land der Indios. Bevor man sich zu Fuss, oder auf dem Pferderücken auf den Weg in den Nationalpark machen darf, muss man am Eingang an einer kurzen Einweisung teilnehmen. Hier erfährt der Besucher in einem kurzen Videofilm bereits einiges über den Park und seine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt. Man wird ermahnt achtsam mit der Natur umzugehen. Im Anschluss an diese Pflichtveranstaltung beginnt das Abenteuer. Auf Holzstegen und über schmale Pfade begeben wir uns in das heilige Land der Indios.

nationalpark Tayrona

Wanderwege Tayrona Nationalpark

Ehrfürchtig und staunend folgen wir dem Weg durch den tiefen Dschungel. Die Hitze und die Geräusche fangen uns ein. Nach einer ganzen Weile Marsch erreichen wir einen ersten Aussichtspunkt und erhaschen einen traumhaften Ausblick über das türkisblaue Wasser des karibischen Meeres.

Tayrona Nationalpark Karibik

Karibikküste Tayrona Nationalpark

Nationalpark von Tayrona

Begegnung mit den Ureinwohnern Kolumbiens

Nur wenig später treffen wir zwei Buben mit einem jungen Hündchen, die den Wanderern für ein Taschengeld frische Kokosnüsse reichen.

Indios Kokosnuss

Eine willkommene Erfrischung. Die Hitze macht uns doch ein wenig zu schaffen. Das Alter der hier lebenden Kogi Indianer ist schwer zu schätzen, da sie wesentlich kleiner sind, als wir. Die beiden Jungs sind neugierig. Sie möchten wissen, wo wir herkommen. Die nette Schweizerin Manuela, die uns durch den Park führt, kennt die Jungs und hilft uns bei der Verständigung. Es sind Momente wie diese, in denen ich sehr froh bin, einen orts- und sprachkundigen Guide zu haben. Nach einem kurzen Gespräch geben wir den Buben ein paar mitgebrachte Süssigkeiten. Sie freuen sich sichtlich und wir sind dankbar über die leckere Stärkung durch die Kokosnüsse.

Indiojunge Kolumbien Nationalpark

Unsere Entdeckungstour geht weiter, durch den dichten Dschungel. Obwohl wir sehr aufmerksam sind, haben sich leider noch keine Affen bemerkbar gemacht. Die Kinder sind etwas enttäuscht. Kapuzineraffen und Brüllaffen haben hier ihr Revier. Aber auf dem Waldboden und an den Bäumen kreucht und fleucht es und wir freuen uns über die zahlreichen kleinen Entdeckungen.

Echse Kolumbien Park

Tausendfüsser

Tayrona Echse

Traumhafter Karibikstrand: La Piscina

Nach gut eineinhalb Stunden haben wir unser Ziel erreicht. Piscina, das Schwimmbad. Auf Grund der starken Strömung gibt es nur wenige Stellen im Park, an denen das Baden erlaubt ist. Der in einer geschützten Bucht liegende Strandabschnitt Piscina ist, wie der Name unschwer erkennen lässt, so eine Stelle.

Karibik Tayrona Kolumbien

Die Abkühlung im klaren Meerwasser ist nach dem Marsch durch die Hitze mehr als nur willkommen. Zu Mittag essen wir in dem kleinen Strand-Restaurant direkt neben dem Piscina. Frischen Fisch gibt es. Was sonst!

Mittlerweile verdunkelt sich der Himmel aber etwas. Die Hitze wird immer drückender und in der Ferne zieht grollend ein Gewitter auf.

Ritt bei Gewitter durch den tiefen Dschungel

Ich entschliesse mich daher mit den Kindern den Rückweg über einen anderen Pfad, aber dafür auf dem Pferderücken anzutreten, während Mr. Patotra und Manuela den gleichen Weg zu Fuss zurückgehen, auf dem wir gekommen sind. Es wird ein abenteuerlicher Ritt. Der abenteuerlichste, den ich je erlebt habe. Kurz nach Aufbruch kommen wir am Dorf der Kogi vorbei. Hinter den Büschen im Wald kann man die palmgedeckten Dächer ihrer Häuser sehen.

Noch ist der Weg durch den Dschungel recht breit und die uns entgegenkommenden Pferde, die Lebensmittel in den Park transportieren, kommen gut an uns vorbei. Doch je weiter wir in den Dschungel vordringen, desto schmaler wird unser Pfad. Wir reiten entlang von Abgründen und durch enge Schluchten. Die sind grade breit genug für unsere Pferde und unsere Beine. Zwei Männer reiten vorne weg. Immer wieder pfeifen sie, um entgegenkommende Reiter zu warnen. Dies sind die Einbahnstrassen des Dschungels. Das Grollen des Donners wird immer lauter und auch das peitschen der Blitze ist hin und wieder zu hören. Wir zucken zusammen. Zum Glück bleiben unser Pferde erstaunlich ruhig. Über uns in den Baumwipfeln raschelt es immer wieder deutlich hörbar. Es raschelt so laut, dass wir es trotz des Hufschlages hören. Es ist, als hätte der Donner den Urwald geweckt. Sehen können wir nichts, dafür reiten wir zu schnell, aber wir hören das Konzert des Dschungels sehr wohl. Zwischen runden glattgewaschenen Felsbrocken zwängen wir uns mit den Pferden hindurch. Wir tauchen ein in eine Welt voller Wunder. Der Dschungel, das ist die Natur in Perfektion. Einzigartig, überraschend, ein wenig unheimlich und wunderschön!

Nach einer ganzen Weile erreichen wir das Lager am Eingang zum Park. Dankbar geben wir die Pferde ab und warten auf unsere Fussgänger. Das Gewitter grollt immer noch und wir sind froh, dass wir nicht allzu lange warten müssen. So ganz wohl ist es uns allen nicht bei diesem Wetter.

Doch noch Affenbanden

Begeistert kommen auch Mr. Patotra und Manuela bei uns an und deuten uns Ihnen still entgegen zu kommen. Der Dschungel ist zum Leben erwacht. Wir gehen nochmal ein paar Meter in den Park hinein. Auch dort rascheln die Blätter der Urwaldriesen. Wir müssen nicht lange suchen, um die Ursache zu sehen. Affenbanden hangeln sich von Ast zu Ast und führen Ihre akrobatischen Turnkünste vor. Was für ein schöner Abschluss eines Tages voller Entdeckungen und Abenteuer!

Kapuzineraffe Kolumbien

Es sind Erlebnisse wie diese, von denen ich im Alltag noch lange zehre. Als hätte ich gemeinsam mit meinen Lieben einen Schatz gefunden. Einen Schatz, den wir hüten und den auch unsere Kinder mit in ihre Leben nehmen werden. Momente des Glücks!

Ich wünsche Euch mit Euren Lieben viele wunderbare Entdeckungen. Geht raus und findet sie, die einzigartigen Schätze, die diese Welt und unser Leben zu etwas ganz Besonderem machen.

Mit sonnigen Grüssen,

Eure Patotra - klein

Tayrona Dschungel

Infos zum Tayrona Nationalpark:

Der Park kann nur zu Fuss oder mit dem Pferd erkundet werden, aber nur entlang der ausgeschilderten Wege.

Übernachten kann man im Park auf Campingplätzen und in Ecohabs.

Da es sehr heiss werden kann, sollte man unbedingt genügend Wasser mit in den Park nehmen. Am Eingang gibt es einige kleine Läden. Im Park selber kann man nur in den Restaurants, oder eben bei den Indios Getränke und Essen erstehen.

Die Wege sollte man auf keinen Fall verlassen. Abgesehen davon, dass das verboten ist, gibt es im Tayrona Nationalpark viele Giftschlangen und sogar Krokodile. Auch vor den Blattschneiderameisen sollte man sich in Acht nehmen. Die Begegnung mit ihnen kann recht unangenehm sein, wie Mr. Patotra in einem unachtsamen Moment beim fotografieren erfahren musste…

Die Wege sind einfach zu begehen und können auch mit Kindern gut gemeistert werden.

Der Haupteingang zum Park ist El Zaino. Von dort führt ein Holzpfad in den Tayrona Nationalpark.

Im Park darf kein Abfall weggeworfen werden. Alles, was man in den Park hineinbringt, muss man auch wieder mit hinaus nehmen.

Der Park wird auf Wunsch der indigenen Bevölkerung in unregelmässigen Abständen zeitweise für die Öffentlichkeit gesperrt, damit sich das Ökosystem etwas erholen kann. Eine weise Entscheidung, wie ich finde. Man sollte sich also unbedingt vorab erkundigen, ob der Park geöffnet ist.

Der Besucher bewegt sich auf heiligem Land der Indios und es sollte selbstverständlich sein, dies zu jeder Zeit mit nötigen Respekt zu tun.

Neben einem guten Kopfschutz, Sonnencreme und ausreichend Wasser, sollte Mückenschutz unbedingt mitgenommen werden. Am Besten ein starkes, DEET-haltiges. Wir haben uns vor Ort in einer Drogerie mit Mückenschutz eingedeckt.

Ich habe im Netz teilweise die Information gefunden, dass eine Gelbfieberimpfung vorgeschrieben sei. Wir wurden an keiner Stelle danach gefragt, oder gar kontrolliert. Ich persönlich halte diese Impfung bei einer Rundreise durch Kolumbien allerdings für sinnvoll.

Kolumbien Tayrona

 

Hoteltipp Tayrona Nationalpark: Ecohotel Playa la Roca

Einen weiteren Artikel zum Tayrona Nationalpark mit Kind findest Du auf Levartworld.

7 Comments

  • Liebe Ellen,
    Hach, Dein Bericht bringt Erinnerungen zurück! Es ist ja schon ein paar Jahre her, dass ich in Kolumbien war. Aber der Tayrona Nationalpark hat mir auch total gut gefallen! Ich habe damals in einer der Hütten im Park übernachtet. Leider gingen noch ein paar Ausläufer der Regenzeit übers Land, so dass die Pfade zum Teil unter Wasser standen und sich graue Wolken am Himmel türmen. Aber trotzdem so schön
    Liebe Grüße
    Marion

    • Liebe Marion
      der Tayrona Nationalpark ist wirklich etwas Besonderes. Wir haben ja etwas ausserhalb übernachtet, aber eine Nacht in den Hütten hätte mich schon auch interessiert. Der Dschungel ist bei Nacht bestimmt nochmal ganz anders.
      Lieber Gruss,
      Ellen

  • Liebe Ellen, ein toller Beitrag und hat mich kurz gedanklich entführt und so hatte ich etwas Urlaub am letzten Urlaubstag, obwohl wir diese Ferien zu Hause geblieben sindDanke!

  • Hi Ellen,

    das ist ein schöner Artikel. Ich möchte diesen Park unbedingt auch mal besuchen, denn ich habe eine Freundin aus Barranquilla in Kolumbien und auch sie hat von diesem Park förmlich geschwärmt.

    Auch die Aufnahmen finde ich gelungen. Waren die Affen eigentlich laut?

    Hoffentlich komme ich dort auch mal hin =).

    lg, Paul

    • Lieber Paul
      Vielen Dank für Deinen netten Kommentar! Deine Freundin schwärmt völlig zu Recht. Den Park solltest Du unbedingt mal erleben! Die Affen waren eigentlich nicht sehr laut. In der Ferne haben wir ein paar Brüllaffen gehört. Die Kapuzineräffchen haben eher durch das Rascheln in den Bäumen auf sich aufmerksam gemacht.
      Ich drück Dir die Daumen, dass Du dieses wunderschöne Fleckchen Erde auch mal erleben kannst!
      Lieber Gruss,
      Ellen

  • Halo Ellen,
    supertoller Bericht,sehr spannend und informativ geschrieben.
    Mach weiter so!
    Hoffe auf weitere tolle Reiseberichte von Dir.
    Liebe Gruesse aus der sonnigen Kueste

    Manuela

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