Eine Aargauerin auf Entdeckungsreise in Solothurn

WERBUNG Der heutige Beitrag in der Reihe #bleibt zu Hause und lest Reiseberichte kommt von Phoebe Cueni

Eigentlich ist es erstaunlich, wie wenig mal zuweilen über andere Schweizer Städte weiss. So zumindest erging es mir mit Solothurn, der Hauptstadt meines Nachbarkantons. Immerhin trägt sie ja den schmucken Beinamen «schönste Barockstadt der Schweiz» – also muss Solothurn ein wahres Juwel sein. So beschloss ich, meiner beschämenden Unkenntnis ein für alle Mal ein Ende zu setzen und die urbane Kleinstadt auf eigene Faust zu entdecken – die Website von Solothurn Tourismus bietet schliesslich eine Fülle an Vorschläge für Stadtrundgänge.

Die Altstadt sei der beste Ausgangspunkt, um Solothurn zu entdecken, hiess es – also starte ich hier meine Erkundungstour. Mein erster Eindruck: Ganz offensichtlich plagt die Stadt trotz ihres diesjährigen 2000-Jahre-Jubiläums keinerlei Ermüdungserscheinungen. Sie lebt und blüht in jedem romantischen Gässchen und verwunschenen Winkel. Die pittoreske Altstadt mit dem alten Kopfsteinpflaster ist wunderhübsch erhalten, jedoch nicht zu Tode saniert und bietet eine Fülle an Restaurants und Bars, wo zahlreiche Gäste auf den Terrassen sitzen und die Sonnenstrahlen geniessen. Architektonisch ist die Solothurner Altstadt aus der Zeit der Botschafter des französischen Königshauses geprägt und trägt deshalb auch den Namen «Ambassadorenstadt».

Mein Rundgang führt mich nun zum Wahrzeichen der Stadt, der St. Ursen Katherdale. Bereits um das Jahr 400 wurden die beiden Stadtheiligen Ursus und Victor verehrt, und über dem Grab von Ursus entstand im frühen Mittelalter eine Pilgerkirche, an deren Stelle heute die eindrückliche Kathedrale steht. Mit meinem neu erworbenen Wissen, dass die Kathedrale als bedeutendstes schweizerisches Bauwerk des Frühklassizismus gilt, bewundere ich das opulente Wahrzeichen andächtig. Waren die Erbauer Anhänger der Numerologie? So abwegig wäre das nicht, denn es gibt elf Altäre und der Turm ist sechs Mal elf Meter hoch und besitzt elf Glocken. Der dritte völlige Neubau an dieser Stelle erfolgte von 1762 bis 1773 nach Plänen von Gaetano Matteo Pisoni aus Ascona und dauerte exakt 11 Jahre. Zufall? Die 11 hat es in sich: denn sie gilt als erste Meisterzahl, sie ist die Summe der Eins, der Zahl der Schöpfung und der Zehn, der Zahl des Durchbruchs und der Vollkommenheit. Solche Gedankenspiele gehen mir durch den Kopf, während ich Bauwerk einer vergangenen Epoche bewundere.

Einige Schritte entfernt zu linker Hand fällt mir ein riesiges Holztor auf und die Neugier treibt mich ins Innere. Ein enorm hoher Raum mit wunderschönen Stuckaturen lässt mir der Atem stocken. Auch wenn ich keine Expertin in Sachen Architektur bin, so bin ich dennoch beeindruckt. Nun zieht es mich zur Hauptschlagader der Stadt, der Gurzelngasse, wo Marktfahrer aus der Region in der Solothurner Altstadt ihre Spezialitäten anbieten. Frische Blumen, regionales Gemüse und andere landwirtschaftliche Produkte sind hier in der Hauptgasse zu finden. Auf dem Marktplatz befindet sich zudem der Zeitglockenturm, sozusagen das Pendant zur «Zytglogge» in Bern. Beide Türme sind denn auch die ältesten Bauwerke der jeweiligen Stadt. Der Zeitglockenturm wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbaut und das grosse astronomische Zifferblatt kündet Tag, Monat sowie Jahreslauf an. Unterhalb befindet sich eine schauerliche Figurengruppe: Ritter, Tod und in der Mitte auf dem Thron sitzend ein König mit einer Narrenkappe. Derweil schlägt der Glockenschläger in der Helmlaterne mit einem grossen Hammer auf die Glocke – Mittelalter pur.

Vor dem Bieltor biege ich links Richtung Friedhofplatz ab. Es steigt mir sogleich ein Duft von Schokolade in die Nase. Den Urheber habe ich bald gefunden: die «Suteria». Kein bisschen will ich widerstehen, und schon stehe ich vor der Theke – all die köstlichen Leckereien ganz nach meinem Geschmack. Sowieso ist Solothurn bekannt für seine vielfältige Food-Szene: zahlreiche Restaurant und Bistros mit Haute Cuisine, Confiserien, Solothurner Spezialitäten und allerlei mehr macht die Stadt zu einem wahren El Dorado für Gourmets.

Leider fehlt mir jedoch die Zeit, um mich durch das gastronomische Angebot der Stadt zu schlemmen und stattdessen zieht es mich an die gemächlich vorbeiziehende Aare. Das Aarequai trägt den Beinamen Solothurner Riviera – und tatsächlich besitzt sie ein einladendes mediterranes Flair. Während ich am Ufer sitze, stelle ich mir vor, wie das Leben an einem lauen Sommerabend pulsiert und die Solothurner sich ein Öufi-Bier gönnen.

Der Rundgang führt mich nur ein kurzes Stück dem Aareufer entlang. Nach der engen Fischergasse gelange ich auf dem Klosterplatz- unmittelbar neben dem Ausgangspunkt meines Spazierganges. Im Hotel «La Couronne» genehmige ich mir ein heimisches Gebräu. Den Übernamen «schönste Barockstadt der Schweiz» trägt Solothurn absolut zu Recht. Dies war mit Sicherheit nicht mein letzter Besuch in Soleure; zumal dieses Jahr ihr Jubiläum mit einem bunten Reigen an Attraktionen, Ausstellungen, Konzerten und einem historischen Stadtfest begeht. Solothurn hat mich mit seiner bewegten Geschichte und der lebendigen Gegenwart regelrecht verführt. Manchmal liegt das Gute so nah!

Wer schreibt hier?

Phoebe Cueni
Die Aargauerin ist seit Kurzem als Junior Account Managerin bei Gretz Communications AG in Bern tätig. Vor ihrer Anstellung hat sie an der HES-SO in Sierre (Wallis) im Bachelor im Tourismus studiert. Sie entdeckt mit Freude neue Länder und Kulturen und verbringt ihre Freizeit gerne in der Natur beim Sport oder experimentiert in der Küche.

Phoebe Cueni

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