Eine Reise nach Transsylvanien – Wo ist Dracula?

Schloss Bran
Auf Draculas Spuren durch Transsylvanien, Rumänien. Gab es Graf Dracula wirklich? Wer war er und wie kam es zu den gruseligen Geschichten?

Mist, ich habe die Knoblauchzehen zu Hause gelassen und Weihwasser habe ich auch keins dabei, schiesst es mir auf dem Weg zum Flughafen durch den Kopf. Jedes Kind weiss ja mittlerweile, dass das gegen Vampire hilft.

Der 1897 veröffentlichte Roman Dracula, des irischen Schriftsteller Bram Stoker hat einen wahren Dracula Hype ausgelöst, der bis heute andauert. Unzählige Vampirverfilmungen, darunter sogar einige Kinderfilme, beflügeln seither die Gruselfantasien ganzer Generationen.

Jedes Kind weiss also mittlerweile, dass Knoblauch und Weihwasser hilft. Nur ich bin zu doof daran zu denken. Und so begebe ich mich also ohne adäquate Ausrüstung auf die Reise nach Transsylvanien.

Wo Dracula geboren wurde

Meine erste Begegnung mit Dracula habe ich in Schässburg (Sighsoara). Zähnefletschend springt mir seine Fratze entgegen – auf den T-Shirts und Kaffeetassen, die in Schässburgs Souvenirläden verkauft werden. Abgesehen davon ist Schässburg ein hübscher mittlealterlicher Ort mit Häusern die meist in in zarten Patstelltönen gehalten sind.

Transsylvanien Dracula

Dracula Rumaenien

Eine weitere Spur von Dracula entdecke ich vor einem Hauseingang. Aha, das Geburtshaus von Dracula – sein Geburtszimmer kann sogar besichtigt werden. Zwischen 1431 und 1346 habe er angeblich hier gewohnt.

Geburtshaus Dracula

Dracula Geburtshaus Rumaenien

Ich kneife und erspare mir den Besuch seines Zimmer. So ganz ohne Ausrüstung wage ich mich nicht in die Wiege des Bösen.

Wer war eigentlich dieser Dracula?

Vlad der Pfähler, oder Vlad III Draculea, Sohn des Vlad II Dracul (Dracul, da er dem Drachenorden angehörte), diente Bram Stoker als Inspiration für seine Romanfigur.

Wie der Name Vlad der Pfähler schon sagt, war dieser Bursche kein ganz Guter. Der walachische Fürst versetze ganze Regionen in Angst und Schrecken. Er solle eine Vorliebe für Hinrichtungen mittels Pfählung gehabt haben. Man sagt ihm sogar nach, dass er das Blut der Gepfählten getrunken habe. Was Mythos und was Realität ist, wird wohl ewig im Verborgenen bleiben.

Vlad der Pfaehler

Gruselig ist der Gedanke so oder so. So einem Kerl möchte man definitiv nicht begegnen.

Schloss Bran – die Dracula Burg

Nichtsdestotrotz habe ich meine zweite Begegnung mit Dracula im etwa 130km entfernt Törzburg. Hier befindet sich das Schloss Bran. Rund um das Schloss hat sich ein kleiner Jahrmarkt mit unzähligem Dracula-Nippes gebildet und Restaurants locken mit dem Marketing Star Dracula Gäste an. Es duftet nach Knoblauch. Die ungarischen Langos, fritierte Fladenbrote, werden hier vorsichtshalber mit einer Extra-Portion Knoblauch angeboten.

Ich fasse mir ein Herz. Mutig wage ich mich in Richtung des Hügels, auf dem Schloss Bran bedrohlich über der Stadt thront. Dunkle Wolken ziehen auf und ein merklich kühler Luftzug lässt mich erschaudern.

Dracula Bran

Bran Schloss Rumaenien

Schade nur, dass mein Guide Paul die Situation völlig entzaubert. Das ganze ist ein grosser Marketing-Coups. Vlad der Pfähler, Dracula, ist nicht hier – und er war auch nie wirklich hier. Das einzige was Schloss Bran mit Dracula zu tun hat ist, dass es dem in Bram Stokers Roman beschriebenen Schloss sehr ähnelt. Immerhin ein Bild vom grimmigen Vlad hängt im Schloss an der Wand und eine Lederrüstung, die er angeblich getragen haben soll. Das Oberteil ist blutrot – damit die Blutflecken nicht so gut zu sehen sind. Ein weiterer Raum widmet sich den Dracula Verfilmungen und dem Roman. Das war es dann auch schon. Ich bin überrascht, dass ganze Heerscharen an Touristen der Familie Habsburg, in deren Besitz sich das Schloss noch heute befindet, pro Eintritt 40 Leu berappen – in dem Irrglauben, es sei das Schloss von Dracula. 40 Leu sind umgerechnet etwa CHF 10 oder knapp 9 Euro. Für rumänische Verhältnisse eine Menge Geld!

Bran

Etwas enttäuscht bin ich ja schon –  zumindest einen kleinen Grusel-Faktor hätte ich hier erwartet.

Vielleich hätte ich eben doch lieber den Gruselwald Hoia Baciu besuchen sollen. Man nennt ihn auch das Bermuda Dreieck Europas. Aber wer weiss, vielleicht wäre ich dann, wie scheinbar schon viele, dort einfach verschwunden…

Mit leicht entgruselten Grüssen,

Weitere Infos über Hoia Baciu:

Hoia Baciu – eine Nacht im gruseligsten Wald der Welt ( Galileo)

Einer der gruseligsten Wälder der Welt (Travebook)

 

Wer schreibt hier?

Die Autorin: Ellen Gromann-GoldbergEllen Gromann-Goldberg

Globetrotterin mit Anhang, immer mit der Kamera im Anschlag und dem Notizblock in der Hand. Mit und ohne meine Familie, zwei Teenager, ein Twen und mein Mann, bin ich auf der Suche nach den besonderen Orten, Erlebnissen und Geschichten rund um die Welt und in meiner Heimat am schönen Bodensee.
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Offenlegung: Ich wurde von ITS Coop zu dieser Recherchereise eingeladen. Meine Meinung bleibt davon unangetastet!


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