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Filicudi – die wilde Vulkaninsel

Traumhafte Insel Filicudi
Filicudi ist die Wilde der sieben Äolischen Inseln. Touristenmassen findet man hier nicht. Wohl aber viel zauberhafte Natur.
Inhalt

Filicudi ist geologisch gesehen die älteste der sieben Vulkaniseln vor Sizilien. Gleich drei Vulkankrater geben der knapp 10 km² grossen Insel ihre markante Form: Der Monte Fossa delle Felci, mit 774 m die höchste Erhebung der Insel, der Montagnola, mit 383 m und der Torrione, mit 280 m. Filicudi ist die drittkleinste der Äolischen Inseln. Grosse touristische Angebote sucht man hier vergebens. Dafür findet man viel Natur und eine Insel, auf der die Zeit etwas langsamer geht. Grillen zirpen und das Gras wiegt sich im Wind.

Es ist Anfang Juni. Erst langsam werden die kleinen Geschäfte, die man an einer Hand oder vielmehr an zwei bis drei Fingern abzählen kann, für die Sommerbesucher fein gemacht. Filicudi ist verschlafen. Daran ändert sich vermutlich auch in der Hauptsaison nicht viel. Unterkünfte sind nämlich rar auf der Insel. Diese beschränken sich vor allem auf Privatunterkünfte und Ferienwohnungen.

Nur etwa 300 Einwohner leben ständig auf Filicudi. Sie verteilen sich vor allem auf den Hafenort Filicudi Porto im Südosten der Insel und auf den Ort Pecorini A Mare am südwestlichen Zipfel der Insel. Die grossen Fähren und Schnellboote von den anderen Inseln kommen in Filicudi Porto an. Pecorini A Mare ist der Hafen, ab dem die kleinen Ausflugsboote ablegen.

Filicudi zu Fuss und mit dem Roller erkunden!

Die Insel ist für den Verkehr nur wenig erschlossen. Am Hafen gibt es eine kleine Autovermietung. Ansonsten muss man die Insel zu Fuss erkunden, oder allenfalls mit dem Taxi, das allerdings ziemlich teuer ist. Eine gute Alternative ist ein Motorroller.

Die Strasse von Filicudi

Wir haben uns einen Roller gemietet. Hier sollte man unbedingt auf eine gute Versicherung (idealerweise ohne Selbstbehalt) achten. Unser Roller stand eines Morgens plötzlich mit einem Schaden da, den wir ganz nicht verursacht hatten. Das war mehr als ärgerlich und es hat unseren Aufenthalt auf Filicudi sehr getrübt.

Die Natur auf Filicuid ist umwerfend schön. Das grosse Netz an ehemaligen Maultierpfaden wird wunderbar instand gehalten. Über diese Wege ist es leicht, die Insel wandern zu entdecken.

„Nighlife“ auf Filicudi

Auf der Suche nach einer Bar sind wir losgefahren in Richtung Val di Chiesa. Der einzige, nicht direkt am Meer gelegene Ort scheint weitgehend verlassen und als wir grade umkehren wollten, winkt uns ein älterer, weisshaariger und fast zahnloser Mann lächelnd zu sich hin. Ich frage ihn, ob es hier denn eine Bar gäbe. Er nickt und bitte uns, ihm zu folgen. Wir folgen ihm durch verlassene Gassen, in ein baufälliges Haus. In einem Kellerraum befindet sich ein Kühlschrank, aus dem Salavatore, so heisst unser Gastgeber, eine Flasche Bier und eine Flasche köstlichen Malvasia Wein zaubert. Er zeigt uns seinen Gemüsegarten, die Kapern, die er gesalzen hat und allerlei Räumlichkeiten: einen alten Weinkeller, eine alte Bäckerei. Alles riesige, zum Teil zerfalle Gebäude; rundherum eine Menge Baumaterial: alte Türen und Fenster und zauberhafte Fliesen.

Es ist eine Reise in die Vergangenheit der Insel. Salvatore wohnt alleine in diesen grossen Räumen – fast alleine. Eine menschengrosse, ausgestopfte Puppe mit Hexenmaske und wirren Strohhaaren lebt hier mit ihm. Er lacht lauthals, als er uns seine eigenwillige Mitbewohnerin präsentiert.

Wir kaufen ihm ein paar der gesalzenen Kapern ab und bezahlen den Wein und das Bier. Salvatore ist geschäftstüchtig. Das bestätigt auch das Touristenpaar aus England, das wir am Abend auf der Rückfahrt vom Restaurant zu unserer Unterkunft im Sammeltaxi kennenlernen. Sie berichten von ihrer einzigartigen Begegnung mit einem merkwürdigen Mann, der sie in Val di Chiesa zu sich gewinkt habe und dem sie schliesslich Wein und Kapern abgekauft haben. Vermutlich landet jeder Besucher auf Filicudi früher oder später bei Salvatore. Er hat hier auf jeden Fall für einen Lacher gesorgt.

Eine echte Bar war in Val die Chiesa aber freilich nicht zu finden.

Wesentlich mehr Glück hatten wir im winzigen Hafenort Pecorini A Mare . Neben zwei Restaurants gibt es hier auch zwei Bars, in der sich die Bevölkerung und Besucher am Abend treffen. Hier ist auch schon Anfang Juni etwas los. Ein Schiff mit Fischen und Krebsen legt am Abend im Hafen an. «Die kommen aus Neapel», erzählt uns ein Italiener unter vorgehaltener Hand. «Sie fischen alles aus dem Meer – auch kleine Fische und Beifang. Aber darüber dürfen wir nicht sprechen.»

Vielleicht erklärt das, warum uns die Menschen auf Filicudi, abgesehen natürlich von Salvatore, verschlossen und etwas eigenartig vorkamen.

Wie dem auch sei, in Pecorini A Mare ist abends gut etwas los. Im Restaurant La Sirena füllen sich gegen 20:00 Uhr die Tische. Wer hier essen möchte, der tut gut daran, einen Tisch zu reservieren. Die Tische sind begehrt, da es kaum andere Restaurants auf Filicudi gibt.

Hier am Hafen befindet sich auch eine Umweltschutzorganisation, die Ausflüge rund um die Insel organisiert und auch Fischer bieten eine Inselumrundung an – ein spannendes, wenn auch recht teures Vergnügen. 50 Euro pro Person haben wir bezahlt und statt der versprochenen zweieinhalb Stunden auf dem Wasser waren wir schlussendlich nur eine Stunde unterwegs.

Filicudi ist zweifelsohne sehr hübsch. Aber wirklich warm geworden sind wir mit der Insel nicht. Komischerweise teilen andere Gäste aus Mailand unser merkwürdiges Gefühl und formulieren genau das, was ich denke. «Irgendetwas an dieser Insel ist eigenartig.»

Filicudi abend

Während die noch kleinere Nachbarinsel Alicudi unsere Herzen im Sturm erobert hat, wollte bei Filicudi der Funke leider nicht überspringen. Vielleicht lag es auch daran, dass man Anfang Juni auf der Insel noch nicht so recht auf Touristen eingestellt war. Wirklich willkommen haben wir uns auf Filicudi nicht wirklich gefühlt. Schade!

Dennoch: wer Ruhe abseits von Touristenströmen, viel unberührte Natur, kristallklares Wasser und traumhafte Wanderwege sucht, der ist auf Filicudi gut aufgehoben.

Mit sonnigen Grüssen
Eure Patotra

Insel Filicudi – gut zu wissen

Anreise nach Filicudi

Die Anreise erfolgt entweder von einer der anderen Äolischen Inseln aus, oder vom Hafenort Milazzo auf Sizilien.

Unterkünfte auf Filicudi

Es gibt einige Privatpensionen. Ich würde rückwirkend eine Unterkunft in Pecorini A Mare wählen, da sich hier auch das Restaurant, die Bars und der Ausflugshafen befinden. Wir hatten ein Privatzimmer etwas abseits gebucht. Dort gab es bedauerlicherweise keinerlei Möglichkeit, sich eine Kleinigkeit zu Essen zu machen. Entsprechend teuer war das Frühstück, das vor Ort angeboten wurde. Wer eine abgelegenere Unterkunft bucht, der sollte unbedingt darauf achten, dass es dort mindestens eine Kitchenette gibt. Die grösste Auswahl an Unterkünften auf Filicudi ist auf Booking.com zu finden.

Rumkommen auf Filicudi

Taxifahren ist auf Filicudi recht teuer. Das sollte man vorab wissen. Es gibt kaum Strassen auf Filicudi. Daher lohnt es sich meines Erachtens aber kaum, ein Auto zu mieten. Mit dem Roller kann man die Insel bestens erkunden.

Aber Vorsicht bei der Roller miete! Unbedingt auf eine gute Versicherung achten, idealerweise ohne Selbstbeteiligung.

Geld abheben auf Filicudi

Es gibt auf Filicudi nur einen Bankomaten, der aber nicht immer mit genügend Geld ausgestattet ist. Daher ist es ratsam, etwas Bargeld nach Filicudi mitzunehmen.

Einkaufen auf Filicudi

In Filicudi Porto gibt es einen kleinen Lebensmittelladen und auf einer Anhöhe in Richtung Chiesa di Santa Stefano verkaufen Bauern Obst und Gemüse.

Weitere Informationen zu unserer Reise zu den sieben Schwestern findet Ihr hier:

Inselhüpfen auf den Äolischen Inseln

Wer schreibt hier?
Ellen Gromann-Goldberg

Hallo! Ich bin Ellen. Ich bin die Gründerin von PATOTRA, Content-Creator und freie Journalistin. Ich liebe das Meer und kleine Inseln. Aber auch die Berge, die Wüste, der Dschungel und Grossstädte können mich begeistern. Begegnungen mit Menschen sind für mich der Schlüssel zu anderen Ländern und deren Kultur. Nachhaltige Projekte liegen mir dabei ganz besonders am Herzen. Meine grossen Leidenschaften sind: das Reisen, das Schreiben und das Fotografieren.

Im Jahr 2014 entstand PATOTRA als reiner Familienreiseblog. Gemeinsam mit meinen drei Kindern und meinem Mann durfte ich viele tolle Nah- und Fernreisen erleben, die sich hier auf dem Blog in Form von Reiseinspirationen und Reisetipps wiederfinden. Aus den Reisen mit Kindern wurden im Laufe der Jahre Reisen mit Teenagern. Schliesslich ist der Blog, gemeinsam mit meinen Kindern, den Kinderschuhen entwachsen. Mittlerweile reise ich meist gemeinsam mit meinem Mann – oder auch mal alleine.

Mit viel Herz und ansprechenden Reisefotografien möchte ich Euch ermutigen, diese Welt selbst und mit offenen Augen zu entdecken. Mein Fokus liegt auf spannenden Geschichten, traumhaften Landschaften und Begegnungen mit Menschen. Manchmal bringe ich Euch den Geschmack der grossen, weiten Welt auch in Form von Rezepten von meinen Reisen mit.

2 Antworten

  1. Hi Ellen
    Ein sehr bildvoller und fairer Bericht. Mein Cousin hatte dort mal eine Wohnung und deine Beschreibung passt zu dem, was er und seine inzwischen Ex-Frau damals auch erzählt haben. Von dem merkwürdigen Gefühl hat allerdings nur sie geredet.

    1. Danke, für Deine netten Worte. Spannend, dass Dein Cousin bzw. seine damalige Frau das gleiche Gefühl hatten. Reisebekanntschaften aus Mailand und den USA haben dieses eigenartige Gefühl uns gegenüber auch formuliert. Irgendetwas ist an der Insel merkwürdig.
      Liebe Grüsse
      Ellen

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