Gent – Die Entdeckung für ein romantisches Wochenende!

Gent ist eine wunderbare Idee für einene romatischen Citytrip! Hübsche Hotels, schmucke Häuser, viel Kunst und Kultur und nicht zuletzt die kulinarischen Höhenflüge machen die Stadt zu einem ganz besonderen Reiseziel für ein besonderes Wochenende zu zweit.

Ich liebe Überraschungen! Die Entdeckung von Gent war eine riesige Überraschung!

Ich gestehe, ich hatte mich im Vorfeld wenig informiert. Was braucht es schon, für ein romantisches Wochenende ohne Kinder. Gutes Wetter – und darauf habe ich sowieso keinen Einfluss, ein nettes Hotel – die Webseite sah vielversprechend aus, ein paar kulinarische Köstlichkeiten – okay, der Ruf diesem Wunsch gerecht zu werden eilt Gent sowieso voraus. Ferner noch ein paar nette Museen – die würden sich auch finden…

Wenig vorbereitet also, aber voller Vorfreude starteten wir ins Wochenende. Per Flugzeug von Zürich nach Brüssel und von dort mit dem Zug weiter bis Gent. Eine unkomplizierte Anreise.

Das Tor in eine andere Welt: Bahnhof Gent Sint Pieters

Am Bahnhof Gent Sint Pieters dann gleich die erste Überraschung: Wow! Was für ein wunderschöner Bahnhof. Decken- und Wandgemälde und Mosaike in prächtigen Farben überraschen hier den ahnungslosen Reisenden. Der Bahnhof Sint Pieters wurde im Rahmen der Weltausstellung, die 1913 in Gent stattfand, gebaut und 1995 unter Denkmalschutz gestellt. Wie das märchenhafte Tor in eine andere Welt. In eine Stadt voller unerwarteter Entdeckungen.

Bahnhof Gent Sint Pieters

Leider hatte sich die Nacht bereits über die Stadt gelegt und während unserer Fahrt mit dem Tram zum Hotel, konnten wir kaum etwas von Gent entdecken.

Romantisches Hotel Verhaegen

In der Strasse Oude Houtlei sind wir am Ziel. Zwei warm leuchtende Laternen weisen den Weg durch die schwere, dunkle Holztüre zwischen ihnen. Die Fassade ist eher unauffällig. Wir klingeln und die Türe wird geöffnet. Wow! Wir treten ein in eine Welt aus vergangenen Zeiten, die liebevoll und mit viel Stil in unser Jahrhundert gerettet wurde. Jan Rosseel und Marc Vergauwe sind unsere charmanten Gastgeber. Jan lässt es sich nicht nehmen uns nach der Begrüssung, während der er uns mit unzähligen Tipps zu Gent versieht, auf eine kleine Hausführung mitzunehmen. Das Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert mit seinen Stuckdecken und aufwendigen Wandgemälden, die von vergangene Zeiten erzählen, gleicht eher einem Schloss, als einem Gästehaus.

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Ein Haus gespickt mit Antiquitäten und mit modernen Kunstwerken, die das ganze frech aufpeppen. Die Bezeichnung B&B, die unsere Gastgeber für dieses Kleinod gerne verwenden, ist wohl das charmanteste Understatement, das ich je gehört habe. Vier Zimmer haben die liebenswürdigen Innenarchitekten Jan und Marc in ihrem romantischen Traumhaus für Gäste geöffnet. Wir beziehen ganz oben das „Chambre des Amoureux“. Wie passend für unser Wochenende zu zweit!

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Überraschendes Gent

Nach einem guten Frühstück starten wir am nächsten Morgen unsere Entdeckungstour durch Gent. Das mit dem Wetter, so scheint es, hat nicht so ganz geklappt, ansonsten aber erobert Gent unser Herz im Sturm. Die Altstadt ist vom Hotel aus in wenigen Minuten erreicht. Wir schlendern vorbei an Antik-Geschäften, Trödelläden, einladenden kleinen Cafes und Kneipen, am Ufer der Leie entlang, vorbei an der St. Michelskerk bis zur Burg Gravensteen. Gent ist prächtig und verzaubert auf Anhieb! Hinter jeder Ecke überrascht es uns mit einer neuen Entdeckung. Die Fassaden, besonders am mittelalterlichen Hafen von Gent, erinnern an reich verzierte Lebkuchenhäuser und erzählen die Geschichte der Zeit, als Gent das „New York der zivilisierten Welt“ genannt wurde.

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Im 14. Jahrhundert war Gent eine der grössten Städte nördlich der Alpen. Ihr Reichtum basierte auf einem blühenden Tuchhandel. Grossstädtisch ist Gent heute zwar nicht mehr, aber auf eine sehr entspannte Art Stadt genug.

Wir geniessen es durch die romantischen Strassen und Gassen zu schlendern. Gent bietet eine Menge Überraschendes, Begeisterndes. Hier ein besonders hübsches historisches Haus, da ein ganz schickes modernes, dort ein besonders schönes Brückengeländer, Herr Eiffel lässt grüssen, da ein einladender Laden mit Designnippes. Und natürlich Chocolatiers und Patissiers fast an jeder Ecke.

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Gent für Schleckermäuler

Bei Chocolatiere Hilde Devolder gibt es fingernagelgrosse Pralinen. Hilde hat zu fast jeder ihrer liebevoll von Hand gefertigten Pralinen eine kleine Geschichte parat. Die von der Schokoladenmanufaktur aus Grenada zum Beispiel. Produziert wird nur mit Sonnenergie und ausgeliefert wird mit dem Segelboot. Bis nach Amsterdam. Von dort geht es mit freiwilligen Fahrradkurieren weiter, auch bis zu ihr, nach Gent. Ganz besonders nachhaltige Schokolade also und eine nette Geschichte. Hildes Augen glänzen, während sie uns von ihrer Kunst erzählt. Wenig Zucker, gute Rohstoffe und sehr viel Liebe für das Endprodukt, das kennzeichnet ihre Kunst. Innovativ und doch sehr bodenständig. Pssst, nicht weiter erzählen, die Lavendelpralinen schmecken ganz besonders köstlich!

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Mit einem Tütchen voller kleiner Köstlichkeiten schlendern wir weiter.

Hilde Devolder, Burgstraat 43, Gent

Joost Arijs, der vom Restaurant Guide Gault & Millau bereits als bester Patissier Belgiens geadelt wurde, mag es offensichtlich bunt. Bei seinen farbenfrohen Kreationen greift Josst Arijs gerne auf asiatische Komponenten zurück. Optisch und geschmackliche Meisterwerke. Besonders die mit den erfrischenden Zitrusaromen können uns begeistern.

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Auch seinen Laden verlassen wir nicht, ohne ein paar seiner Pralinen, hübsch in einem kleinen Geschenkkarton inszeniert, mitzunehmen.

Joost Arijs, Vlaanderenstraat 24

Wieder draussen, duftete es ein paar Häuser weiter nach belgischen Waffeln und oh, Überraschung, die Sonne hat es mittlerweile geschafft die Wolkendecke zu durchbrechen. Natürlich gönnen auch wir uns eine der köstlichen Waffeln.

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Wir geniessen es uns treiben zu lassen. Auf dem Freitagsmarkt vor der St. Jakobskerk sind ein paar Marktstände aufgebaut und ein Sänger gibt spanische Schlager zum Besten. Die Fussgängerzone ist gut belebt – und trotzdem sehr entspannt. Wie die Zeit doch vergeht, wenn man damit beschäftigt ist, zu sehen und zu staunen.

Schon neigt sich die Sonne und taucht Gent langsam in ein warmes Herbstlicht.

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Gent vom Wasser aus

Wir entschliessen uns an einer Bootsfahrt teilzunehmen. Die Stadtrundfahrt vom Grasei Hafen aus dauert etwa 45 kurzweilige Minuten. Unter vielen Brücken hindurch, vorbei an einigen Sehenswürdigkeiten der Stadt, zeigt sich die Stadt vom Wasser von einer ganz anderen Seite. Ein romantisches Städtchen! Während uns die Abendsonne auf dem Wasser zuzwinkert, geniessen wir den Augenblick.

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Am Ufer der Leie sammeln sich diejenigen, die die letzten Sonnenstrahlen des Tages genussvoll aufnehmen.

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Kulinarische Höhenflüge

Für den Abend haben wir einen Tisch im Restaurant Volta reserviert. Hier geniessen wir bei Kerzenschein einen kulinarischen Höhepunkt nach dem anderen. Der mehrfach ausgezeichnete Chefkoch Davy De Pourcq, einer der über die Landesgrenzen bekannten, jungen Küchenrebellen Flanderns, zaubert uns mit sehr viel Passion seine Köstlichkeiten auf den Teller. Eine frische, leichte Küche. Optisch und geschmacklich ein Meisterwerk. Die begleitenden Weine lassen wir uns vom Sommelier empfehlen. Eine gute Entscheidung. Auch er ist ein Meister seines Fachs. Manche der kredenzten Weine sind wirklich ungewöhnlich, in Kombination mit dem jeweilgen Gericht ergeben sie aber eine überraschende Harmonie in Perfektion.

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Der junge, 28-jährige Davy de Pourcq hat seine Passion für die feine Küche schon sehr früh entdeckt, verrät er uns. „Bereits mit 12 Jahren stand ich regelmässig in der Küche von Restaurants und habe mitgeholfen. Ich wollte lernen, wie man richtig gut kocht. Das war schon immer meine Leidenschaft und daran hat sich bis heute nichts geändert“, so Pourcq. Während er erzählt, glänzen seine Augen. Ein Glanz, der nur denjenigen Menschen gegeben ist, die mit echter Passion arbeiten. Der Erfolg bestätigt dem jungen Familienvater, dass er auf dem richtigen Weg ist – und der Geschmack seiner Kreationen lässt uns dahinschmelzen.

Davy de Pourcq

Die Atmosphäre im ehemaligen Stromwerk ist warm und ansprechend. Perfekt für ein romantisches Dinner zu zweit.

Restaurant Volta, Nieuwewandeling 2b, Gent, Tel: +32(0)93240500

Müde und zufrieden ziehen wir uns in unser Hideaway, Hotel Verhaegen zurück.

S.M.A.K. Museum zeitgenössischer Kunst

Der nächste Tag steht im Zeichen der Kunst. Nach einen Spaziergang durch den frühherbstlich verträumten Citadel Park, lassen wir uns im Museum of Contemporary Arts, dem S.M.A.K., von den Kunstwerken zeitgenössischer Künstler beeindrucken und überraschen. Ein Museum, dass sich allein schon, aber nicht nur wegen der Architektur des Gebäudes anzusehen lohnt.

S.M.A.K.
Unser Spaziergang im Anschluss führt uns durch Prachtstrassen mit klassizistischen und auch Jugendstilgebäuden. Immer wieder bleiben wir stehen und staunen.

Zum Brunch in De Superette

Vorbei an der St.Pieterskerk, am Ufer der Schelde entlang, schlendern wir zum Restaurant De Superette. In ungezwungener Atmosphäre werden hier im Holzofen Brot gebacken und andere Köstlichkeiten für den Brunch gebrutzelt. Lecker und ein entspanntes Erlebnis!

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Wir haben noch etwas Zeit bis zur Abreise und schlendern durch die Strassen im Millionenquartier gleich hinter dem Bahnhof. Auf dem ehemaligen Gelände der Weltausstellung erfreuen wir uns an den unzähligen Gebäuden im Art Deco und Art Nouveau-Stil. Eines liebevoller gepflegt als das andere. Und wieder so ein ganz andere Seite von Gent!

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Fazit: Gent hat uns sehr überrascht. Für uns war die Vielfalt Gents die Entdeckung überhaupt! An einem Wochenende konnten wir die vielen Facetten dieser entspannten Stadt erleben. Eine Stadt, wie ein Museum. Hinter jeder Ecke etwas Neues und Unerwartetes.

Gent ist keine riesige Stadt, aber eine Stadt, die mit den klassischen Städtereisenzielen ohne weitere mithalten kann, bzw. diese noch überflügelt. Ein Mekka für Kunst-, Kulinarik- und Architekturliebhaber. Gent ist noch ein echter Geheimtipp! Unser Herz hat die Stadt im Sturm erobert.

Geht raus und findet sie, die besonderen Orte und lasst Euch überraschen welche Schätze zu entdecken sind!

 

Mit sonnigen Grüssen,

Eure Patotra - klein

 

 

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Extratipps:

HinkommenRumkommenGeniessenKunst

Flug mit Swiss von Zürich nach Brüssel. Direkt vom Flughafen fahren regelmässig Züge nach Gent. Die Zugfahrt dauert etwa eine Stunde.

Die „City Card Gent All In“ ist unbedingt zu empfehlen. Für ein Wochenende ist die 48 Stunden Variante für 30 Euro p.P. (Stand Oktober 2016) ideal. Der Eintritt in alle toursitischen Sehenswürdigkeiten, Denkmäler und Museen ist damit frei. Ebenso die geführte Bootsfahrt und der öffentliche Nahverkehr.  Sowie ein Leihfahrrad für einen Tag, die hopp on hopp off Wassre-trambahn für einen Tag.
  • Restaurant Volta, Nieuwewandeling 2:
    Gehobene Sterneküche. Frisch, jung und äusserts schmackhaft. Der Preis für einen 8-Gänger liegt etwa bei günstigen 72 Euro p.P. ohne Getränke (Stand Oktober 2016).
  • De Superette, Guldenspoorstraat 29:
    Gemütliches Restaurant in einer Bäckerei mit Holzofen. Unkompliziertes Ambiente und feines Essen.
  • S.M.A.K.
    Tolles Museum für zeitgenössische Kunst beim Citadel Park. Sehr lohnenswert!
  • Design Museum, mitten in der City, Jan Breydelstraat 5.
    Wir fanden das Museum eher enttäuschend. Ein Sammelsurium an Design Objekten. Mag sein, dass das auch daran lag, dass die Ausstellung zu Art Nouveau und Art Deco im Moment als Wanderausstellung unterwegs ist. 2017 soll das Museum völlig neu gestaltet werden.

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Offenlegung: Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Recherchereise auf Einladung von Visit Flanders


 

4 Comments

  • Wau, Du hast uns soeben gluschtig gemacht. Dies ist ein Städtereiseziel nach unserem Geschmack und wir werden’s gleich auf unsere To-Do-List setzen. Danke viumou.
    Nach Dine Schottland-Tipps, simer sicher, dasis ou die entspräche 🙂

  • Wie schön! Wir haben Freunde in Flandern, die auch sehr von Gent schwärmen, und Deine Geschichte macht extremen Appetit auf die Stadt. Benelux, finde ich, ist eine Gegend von Europa, in der man überall unerwartete Überraschungen entdecken kann.
    Eine schöne Woche,
    Maria

    • Liebe Maria
      Das stimmt! Zu Unrecht hat man diese Gegend häufig gar nicht auf dem Schirm, dabei hat sie so viel Schönes zu bieten.
      Lieber Gruss,
      Ellen

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