Herbst im Tessin – das Verzascatal im Farbenrausch

Eigentlich sind wir viel zu selten im Tessin, so mein eindeutiges Fazit. Nach vielen Jahren haben wir es endlich mal wieder geschafft

die Sonnenstube der Schweiz zu besuchen.

Selbst bei spätherbstlichem Nieselwetter hat man hier das Gefühl, als würde einem der Sommer noch ein letztes Mal zuzwinkern. Von unserem Hotel, der zauberhaften Villa Orselina – dazu ein anderes Mal mehr – direkt oberhalb von Locarno, schweift der Blick über Palmenspitzen hinunter über die Piazza Grande, den still da liegenden Lago Maggiore und an der anderen Seeseite die Bergflanken hinauf, in die bunten Laubwälder.

Villa Orselina Herbst

Wir nutzen den Tag für einen Ausflug ins Verzascatal. Leider regnet es und unsere Jungs sind nicht wirklich begeistert von der Idee im Regen wandern zu gehen. Entsprechend fallen während der Fahrt von Gordola die Kommentare von der hinteren Sitzreihe aus. An einem Fluss wandern. „Oh wie toll!“, so der ironische Kommentar. Meine Beteuerungen, dass es sich dabei um einen ganz besonderen Fluss handelt, verhallen im Nichts.

Kaum haben wir die höchste Staumauer Europas und den dahinter liegenden Stausee hinter uns gelassen, fahren wir auf einem kurvige Strässchen, das sich durch den tiefen Canyon den Berg hochwindet. Hin und wieder erhaschen wir einen Blick ganz tief unten in das smaragdgrüne Wasser der Verzasca.

„Wow, hast Du das gesehen?“ tönt es plötzlich mit einem verhaltenen Unterton der Begeisterung von den „billigen Plätzen“.

Valle Verzasca

Die Entscheidung, aufgrund des Regens nur einzelne Etappen zu gehen hebt die Laune der Jungmannschaft ein wenig.

Steinhäuser mit Granit gedeckten Dächern, sogenannte Rusticos, geben den Dörfern entlang des Weges ihren ganz eigenen, urigen Charakter. Es weht ein Hauch von Nostalgie durch das Tal. Er erzählt vom Leben und Arbeiten in den vergangenen Jahrhunderten.

Wir legen den ersten Stopp bei der alten Steinbrücke in Lavertezzo ein und klettern über die bunten Felsen im Flussbett, durch die sich das Wasser im Lauf der Jahrmillionen seinen Weg gebahnt hat.

Lavertezzo

Steinbruecke Verzasca

Verzasca Steinbruecke

Wie weichgeschliffen sehen die Felsen aus. Das glasklare, leuchtend grüne, rauschende Wasser bildet einen zauberhaften Kontrast zum rötlich gelben, herbstlichen Laubwald. Selbst bei Regenwetter leuchten die Farben hier. Auch unsere Jungs finden die Schlucht mittlerweile schon ziemlich cool und wir müssen sie immer wieder ermahnen vorsichtig zu sein und nicht zu nah ans Wasser zu klettern. Die Kraft mit der die Verzasca das Tal hinunterfliesst sollte man keinesfalls unterschätzten.

Verzasca blau

 

Weiter oben in der Schlucht, in Brione, kommt die Verzasca viel breiter und gemächlicher daher. Wir spazieren ein Stück den Uferweg entlang. Hier finden sich ruhige, lauschige Plätzchen, an denen der Fluss im Sommer zu einem kühlen Bad einlädt. Ein paar fleissige Wanderer haben Steine entlang des Ufers aufgeräumt und dabei kleine Kunstwerke hinterlassen. Am Wegrand befindet sich eine alte Wolfsfalle, ein grosses Loch im Boden. In früheren Zeiten wurden damit tatsächlich die mittlerweile wieder heimisch gewordenen Wölfe gefangen und erlegt.

Steine stapeln Verzasca

Steine Verzasca

Eigentlich war unser Plan, die etwa 2 ½ Stunden von Brione nach Sonogno zu wandern, um danach mit dem Postauto zum Auto zurück zu kehren. Bei trockenem Wetter ist das eine sehr schöne, abwechslungsreiche Wanderung, die auch mit kleinen Kindern gut machbar ist. Der Weg führt immer am Flussufer entlang, ohne grosse Steigungen. Den Regentropfen ist es geschuldet, dass wir mit dem Auto weiter durch die zauberhafte Landschaft fahren. Schade – finden zumindest wir Eltern!

Bei Gerra gehen wir wieder ein paar Meter durch den Herbstwald, über eine Hängebrücke, zu einem Wasserfall, der die Felswand tosend hinunterrauscht. Der Boden duftet nach feuchter Erde,Moos und nassem Laub. Bestimmt verstecken sich hier auch einige Pilze im Unterholz.

Verzasca Aqua

Wasserfall Verzasca

Der letzte Stopp unserer „Autowanderung“ ist Sonogno. Das Dorf ganz am Ende vom Tal, das wir nach insgesamt 25 km erreichen. Hier endet die Strasse und romantische Rusticos säumen den gepflasterten Dorfplatz. Es scheint, als wäre die Zeit stehengeblieben.

 

Verzasca Sonogno

Sonogno

Die Metalltüre des grossen Holzofens bei der Kirche ist russig. Hin und wieder wird hier gemeinsam Brot gebacken. Vielleicht sind es auch zuweilen heimische Maroni (dt.: Esskastanien) die im Ofen geröstet werden. Ich stelle mir gemütliche Abende in der Dorfgemeinschaft vor, am wärmenden Ofen.

Ofen Sonogno

Blumengschmückte Rustico und einladende Grotti, das sind rustikale Lokale mit einheimischen Spezielitäten, säumen die gemütlichen Gassen.

Ein sehr romantischer Ort.

Sonogno Verzasca Tessin

Das Verzasca Tal ist einer dieser ganz besonderen Orte in der Schweiz. Wir verlassen das Tal nicht, ohne uns vorher ganz fest vorgenommen zu haben, bald wiederzukommen. Im nächsten Sommer vielleicht. Vielleicht klappt es ja dann auch mit der Wanderung. Die Badestellen unterwegs sind sicher ein gutes Argument, um auch die Jugend zu überzeugen.

Fazit: Wir sind viel zu selten im Tessin! Ich gelobe Besserung!

Mit sonnigen Grüssen,

Eure Patotra - klein

 

 

Verzasca Tessin

 


Offenlegung: Die Recherchen wurden von Ticino Turismo unterstützt. Herzlichen Dank dafür!


 

6 Comments

  • Hallo!
    Ja, wir denken immer ans andere Ende der Welt reisen zu müssen um schöne Landschaften zu sehen. Oft ist das schöne aber viel Näher – wie man in deinem Post und den Bildern sehen kann!
    Unglaublich deine Bilder! Mit welcher Kamera machst du sie?
    Liebe Grüße Madeline 🙂

    • Da hast Du Recht, Madeline. Das Gute liegt oft so nah!
      Danke für das Kompliment für meine Fotos! Ich benutze zurzeit zwei Kameras. Die Sony RX100 MKI habe ich immer in meiner Handtasche dabei und zusätzlich auf Reisen noch eine Nikon D5500. Ich bin mit beiden Kameras sehr zufrieden. Die Sony schätze ich vor allem wegen ihrer Lichtstärke und mit der Nikon habe ich einfach noch mehr Möglichkeiten.
      Lieber Gruss,
      Ellen

  • Oh genau da waren wir auch! Eine tolle Ecke! Ich hatte grosse Sorge, von dieser mini Bruecke zu fallen Oder auf der hohen James Bond Staumauer zu stuerzen. Haha. Nur das Wetter war bei uns im Sommer ein wenig besser. 😉

    • Haha, ja die Brücke, da haben wir auch ein wenig gezittert. Aber wir fanden es cool, dass die nicht dem allgemeinen Sicherheitswahn zum Opfer gefallen ist und einfach so bleibt, wie sie ist.

  • Hach, jetzt ärgere ich mich doch ein bisschen, dass wir nicht ins Verzasca-Tal gefahren sind. Aber das Maggia-Tal nebenan ist schon auch schön. Und das hatten wir am Gründonnerstag vor Ostern immerhin praktisch ganz für uns alleine (mit nur geringfügig besserem Wetter, allerdings).

    • Ich liebe das Verzascatal, auch wenn es in den Sommermonaten da mittlerweile recht touristisch zugeht. Das Maggiatal finde ich vor allem im Frühsommer zum Baden toll. Ihr hattet dann wohl kein Badewetter!? Schade!
      Liebe Grüsse,
      Ellen

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