Insel Herm – ein kleines Stück vom Paradies im Ärmelkanal

Es gibt Orte auf dieser Erde, die scheinen, als ob sich ein Stück vom Paradies versehentlich auf unsere Welt verirrt hätte. Die kleine Insel Herm vor der Küste Frankreichs mit grade mal 70 Einwohnern ist so ein Ort.

Von St. Peter Port auf Guernsey tuckert die Fähre los. Am Horizont sind Herm und die kleine, unbewohnte Nachbarinsel Jethou bereits zu sehen. 15 Minuten später erreichen wir Herm. Es ist Ebbe. Die Fähre legt an den Rosaire Steps an. „Bitte vergewissern Sie sich vor dem Aussteigen, von wo aus die Fähre am Nachmittag ablegt“, wird uns mit auf den Weg gegeben. Auf einer schwarzen Tafel stehen die Zeiten und der dazugehörige Ort. Den Gezeiten geschuldet, muss die Fähre entweder die Station Harbour oder eben Rosaire Steps ansteuern. Der Tidenhub auf den Kanalinseln, also die Differenz vom Niedrigwasser bei Ebbe und dem Hochstand bei Flut, kann hier bis 14 Meter betragen.

Wir verlassen die Fähre gemeinsam mit zwei oder drei Handvoll Tagestouristen. Einige von ihnen tragen schwere Taschen die Treppen der Anlegestelle hinauf. In ihnen befindet sich alles, was man für einen entspannten Tag am Strand benötigt. Ein paar wenige sind gleich mit Koffer angereist. Sie haben das Glück, etwas länger auf dem kleinen Eiland verweilen zu dürfen. Oben angekommen, wird ihr Gepäck in umgebauten Quads verstaut, um dann in das nahegelegene White House Hotel oder in eines der Cottages gebracht zu werden. Die Quads sind die einzigen Fahrzeuge auf der Insel. Autos und Fahrräder sind auf der Insel nicht erlaubt.

Herm Bootsanlegestelle

Der Rest der Passagiere macht sich zu Fuss auf den Weg. Die Wege sind nicht weit auf der Insel. Sie ist nur 2,4 km lang und knapp 800 Meter breit. Auch wir machen uns zu Fuss auf den Weg. Vorbei am Hotel und den Cottages, die man mieten kann, führt der Weg leicht bergauf, um dann in einem Märchenwald zu verschwinden. Vögel zwitschern, hin und wieder summt eine Hummel und wenn man ganz still ist, dann hört man vielleicht sogar die Elfen tanzen. Das Grün des Waldes, nur durchbrochen von den pinkfarbenen Tupfen des blühenden Fingerhuts, hüllt uns ein, bevor der Weg wieder aus dem Wald führt. Oben auf dem Hügel erreichen wir die kleine Kirche St. Trugal aus dem 11. Jahrhundert und eine kleine Siedlung. Hier befindet sich auch die kleine Inselschule für die kleineren Kinder.

Weiter geht es entlang der von Pinien überdachten Spine Road. Es duftet nach dem Harz der Nadelbäume. Beim Campingplatz ruft ein Fasan. Bald haben wir die Küste erreicht. Der schmale Pfad folgt der Küstenlinie. Die Ausblicke sind atemberaubend. Saftige grüne Farne, zarte weisse und rosafarbene Blüten und kunstvolle Knospen von wildem Knoblauch wiegen sich vor den Bau- und Türkistönen des Meeres. Wer braucht da schon die Karibik?

Beim Shell Beach Café legen wir eine Teepause ein. Kinder spielen am Strand fangen und ein paar Mutige baden bereits im Meer. Die ersten Gäste einer Hochzeit, die heute am Strand stattfinden wird, trudeln langsam ein. Ihre festliche Kleidung bildet einen amüsanten Kontrast zu den Flipflops und Badehosen der Sonnenanbeter.

Zwei gemütliche Stunden dauert es insgesamt, bis wir die Mermaid Tavern, den Souvenirladen und das White House Hotel erreichen.

Kathleen Letherbarrow empfängt uns in perfektem Deutsch. Kein Wunder. Die General-Managerin des White House Hotel kommt ursprünglich aus Thüringen. Sie lebt seit 2017 mit ihrer Familie auf Guernsey. Vor zwei Jahren hat sie diese Position von ihrem Mann übernommen, der sich damals ins Gartenteam hat versetzen lassen, um mehr Zeit für die drei gemeinsamen Buben zu haben.

Im Garten dieses zauberhaften Hotels ist Teatime angesagt. Kathleen verwöhnt uns mit köstlichen Sandwiches, ofenwarmen Scones, Cream und Jam. Ein Träumchen! Wie schön wäre es doch, hier ein paar Tage zu bleiben, den Alltag einfach Alltag sein zu lassen und zur Ruhe zu kommen. Mir fehlt lediglich ein gutes Buch und die Gesellschaft von Mr. Patotra zum vollkommenen Glück.

Leider heisst es für uns am Nachmittag wieder Abschied zu nehmen vom Paradies. Wir müssen den Rückweg zur Fähre antreten. Das Inselgefängnis auf unserem Rückweg steht da wie ein Mahnmal, verkörpert es doch den womöglich einzigen Ort auf dieser Insel, der tatsächlich nicht paradiesisch ist.

Das Gefängnis von Herm

Ihre, meine aufmerksamen und treuen Leser wisst, dass ich eine ganz besonders grosse Liebe für kleine Inseln hege. Herm hat mit ihren atemberaubenden Farben, ihrem Duft nach Blüten, Pinien und Meeresbrise und mit ihrer Ruhe und Gelassenheit mein Herz berührt.

Irgendwann komme ich wieder – mit mehr Zeit, einem Buch und meinem Mann. Und dann bleibe ich eine gute Weile in diesem kleinen Paradies.

Mit sonnigen Grüssen
Eure Patotra

Weiteres zu Herm

Die Webseite der Insel mit weiteren Informationen (auch zum Hotel und weiteren Unterkünften) findet ihr: hier


Offenlegung: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Einladung von Visit Guernsey entstanden.


Wer schreibt hier?
Ellen Gromann-Goldberg

Hallo! Ich bin Ellen. Ich bin die Gründerin von PATOTRA, Content-Creator und freie Journalistin. Ich liebe das Meer und kleine Inseln. Aber auch die Berge, die Wüste, der Dschungel und Grossstädte können mich begeistern. Begegnungen mit Menschen sind für mich der Schlüssel zu anderen Ländern und deren Kultur. Nachhaltige Projekte liegen mir dabei ganz besonders am Herzen. Meine grossen Leidenschaften sind: das Reisen, das Schreiben und das Fotografieren.

Im Jahr 2014 entstand PATOTRA als reiner Familienreiseblog. Gemeinsam mit meinen drei Kindern und meinem Mann durfte ich viele tolle Nah- und Fernreisen erleben, die sich hier auf dem Blog in Form von Reiseinspirationen und Reisetipps wiederfinden. Aus den Reisen mit Kindern wurden im Laufe der Jahre Reisen mit Teenagern. Schliesslich ist der Blog, gemeinsam mit meinen Kindern, den Kinderschuhen entwachsen. Mittlerweile reise ich meist gemeinsam mit meinem Mann – oder auch mal alleine.

Mit viel Herz und ansprechenden Reisefotografien möchte ich Euch ermutigen diese Welt selbst und mit offenen Augen zu entdecken. Mein Fokus liegt auf spannenden Geschichten, traumhaften Landschaften und Begegnungen mit Menschen. Manchmal bringe ich Euch den Geschmack der grossen, weiten Welt auch in Form von Rezepten von meinen Reisen mit.

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