Kaffeezone – Mit Kindern unterwegs im Obstgarten Kolumbiens

Fünf Papageien fliegen kreischend über unsere Köpfe hinweg. Wir stehen inmitten von Grün. Grün, grün, grün soweit das Auge reicht!

Willkommen in der Kaffeezone, im Obstgarten Kolumbiens!

 

Einmal Kaffeeplücker sein

Nur die Roten gehören in den Korb, weist uns Aurelio, der Vorarbeiter der kolumbianischen Kaffeehazienda Bosques del Saman an.

Kaffeebauer

Stilecht mit Poncho, Schürze und Hut bekleidet, schlüpfen wir in die Rolle eines traditionellen Kaffeeplückers. Wir stehen inmitten von üppigen Kaffeesträuchern.

Kaffeepfluecker Kolumbien

Nur die roten Kirschen dürfen wir pflücken, denn nur sie haben die nötige Reife. Kirschen? Ja, Ihr habt richtig gelesen. Genau genommen sind Kaffeebohnen nämlich gar keine Bohnen, sondern eher Kaffeekirschkerne. Das rote Fruchtfleisch schmeckt sogar etwas süsslich.

Kaffeekirsche
Was für uns ein Vergnügen ist, ist für die professionellen Kaffeepflücker harte Handarbeit. Es dauerte lange, bis da das Körbchen voll ist. Wir schaffen es grade mal den Boden zu bedecken. Anschliessend  werden die „Bohnen“ von der Schale befreit, getrocknet und dann geröstet. Beim Rösten entfalten sie dann das unverkennbare Kaffeearoma.

Kaffee roesten

Gemahlen und mit Wasser aufgekocht, ergeben sie köstlich duftenden kolumbianischen Kaffee. Kaffee, den wir nun, wissend, wie viel Arbeit dahinter steckt, ganz ehrfürchtig geniessen. Übrigens hat der Kaffee in Kolumbien weit weniger Koffein, als bei uns üblich. Er wird meist nur hellbraun geröstet und ist sehr bekömmlich.

Kaffeegenuss Kolumbien

Viel Obst und Kaffee und ein wenig Coca

Uns umgibt eine tropische Hügellandschaft. 75 Obstsorten, Kaffee und Kakao wachsen hier – dazwischen auch mal ein vereinzelter Coca-Strauch. Die Blätter werden in Kolumbien traditionell als Nahrungsergänzung gekaut und auch für medizinische Zwecke verwendet.

Unser eher unkonventioneller, indiostämmmiger Guide Luis macht uns auf die unscheinbare Coca Pflanze aufmerksam. Er selbst sei Schamane und weiss eine Menge über die Heilwirkung von Pflanzen. Er erzählt uns viel über das Leben der Indios, während er uns die Gegend zeigt. „Alkohol ist Gift für uns. Das macht uns sonst so friedlichen Indianer unberechnbar und aggressiv“, erklärt er uns und nicht nur die Kinder lauschen aufmerksam seinen Erzählungen vom Leben der Indios.

Luis fährt mit uns nach Salento, einer Kleinstadt, von wo aus die Touren in das berühmte Cocoratal bzw. Valle de Cocora starten. Wir nehmen die Seitenstrassen, um mehr von der Gegend zu sehen. Das schmale nur einspurige Natursträsschen führt uns vorbei an kleinen Mango, Bananen und Ananans-Plantagen und Orangenbäumen. Die Luft duftet nach süssen Früchten, während wir durch die grüne Hügellandschaft fahren. Je weiter wir in Richtung Salento kommen, desto höher werden die Berge und desto kurviger die Strassen.

In Salento angekommen, stärken wir uns an einem der zahlreichen Obststände auf dem grossen Platz vor der Kirche für die Weiterfahrt mit grüner Mango mit Salz und Zitrone. Klingt komisch, schmeckt aber sehr lecker.

Der Platz ist gesäumt von farbenfroh gestrichenen Häusern. Ein Ort, der nur gute Laune zulässt.

Salento

Kirchplatz Salento

Hier steigen wir um, in einen der zahlreichen Willys Jeeps. Obwohl einige bereits mehr 50 Jahre auf und unter der Motorhaube haben, sind sie immernoch ein beliebtes und gängiges „öffentliches“ Transportmittel. Sie verkehren regelmässig zwischen bestimmten Orten und jeder der mitfahren möchte gibt dem Fahrer einfach ein Zeichen. Bis zu 14 Personen sollen in und auf einem Jeep Platz haben. Stehend lassen wir uns ins Valle de Cocora chauffieren. Mit Luis und seiner kleinen Tochter sind wir „nur“ zu siebt. Unterwegs steigt dann aber noch jemand zu.

Salento Willys Jeep

Die Luft ist hier in der Höhe merklich kühler, die Vegetation weniger tropisch als in tieferen Lagen. Nur die riesigen Wachspalmen, die bis zu 60 Meter hoch werden können, erinnern uns daran, dass wir uns in einer tropischen Zone, ganz nahe am Äquator befinden.

Palmen pflanzen im Valle de Cocora

Morino Torro, der sympatische Waldschützer, wie er sich selbst nennt, erwartet uns bereits am Eingang zum Cocora-Tal. In einem rührenden Ritual pflanzen wir mit ihm gemeinsam eine Wachspalme, den Nationalbaum vom Kolumbien. Am Ende der Zeremonie sagt er: „Ein Teil Eures Herzens bleibt jetzt hier – bitte nehmt auch einen Teil unseres Herzens mit zu Euch nach Hause in die Schweiz“. Poetisch sind sie, die Kolumbianer, und sie haben ein riesen Herz! Ein bewegendes, schönes Erlebnis. Irgendwann kommen wir wieder und schauen, was aus unserer Palme geworden ist.

Wachspalmen pflanzen

Zu Pferd durch das Tal der Wachspalmen

Am Eingang des Tales, beim grossen Spielplatz, mieten wir Pferde um das Valle de Cocora näher zu erkunden. Über Stock und Stein, bergauf, bergab und durch kleine Flussläufe führt uns unser Ausritt. Vorbei an den riesigen, kaum enden wollenden Wachspalmen, die ihre grünen Spitzen in den Himmel strecken.

Reiten Valle de Cocora

Valle de Cocora reiten

Wachspalmental Kolumbien

Eine beeindruckende, einzigartige, ja fast unwirkliche Landschaft. Schmetterlinge in allen Formen und Farben flattern um uns herum und Vögel zwitschern uns unbekannte Lieder. Im eiskalten Wasser eines plätschernden Baches kühlen wir unsere Füsse.

Eine Herde Kälber die von Bauern vor uns den Weg entlang getrieben wird, sorgt auf unserem Rückweg für echtes Gaucho Feeling. Filmreif!

Unser Guide Luis ist ein echter Tausendsassa. Nicht nur Schamane und Guide, sondern auch ausgebildet in verschiedenen Kampfsportarten, hält er nach dem Ritt unsere Jungs mit einem kleinen Kurs in Selbstverteidigung bei Laune. Ein Selbstverteidigungskurs vor dieser Kulisse, das hat schon was! Die Buben sind begeistert!

Spass in Kolumbien

Genau solche Begegnungen ermöglichen uns ein viel tieferes Eintauchen in die uns neue Kultur. Wären wir ohne Guide unterwegs gewesen, hätten wir bestimmt sehr viel weniger vom Land und den Leuten mitbekommen.

Nach beendeter Kampfsportlektion geniessen wir im Restaurant am Eingang zum Park bei der Spezialität des Hauses, tellergrosse Steaks und frische Forellen aus dem glasklaren Bach. Langsam zieht Nebel ins Tal und verhüllt die Kronen der Cocora Palmen. Für uns wird es Zeit aufzubrechen.

Valle de Cocora Wachspalmen

Zauberhaftes Salento

Auf dem Willys Jeep lassen wir uns den Fahrtwind durch die Haare zausen. Die Luft duftet nach frischem Bergbach. Wir knattern zurück nach Salento.

Saltento ist ein kleiner, lebhafter und doch entspannter Ort mit bunt gestrichenen Häusern und hübschen, farbenfrohen Souvenier- und Handwerksgeschäften. Die Einheimischen treffen sich vor den Häusern und sitzen auf den Bänken. Man nimmt sich Zeit, steht beisammen, hält ein Schwätzchen und schaut den Touristen zu, die durch die Gassen schlendern.

Kaffee Kolumbien

Buntes Salento

Wir lassen uns anstecken von der südamerikanischen Lebensfreude und geniessen in einem kleinen Café einen in einer historischen, mehr als hundert Jahre alten, italienischen Kaffeemaschine  gebrühten Kaffee. An der Wand hängt ein vergilbtes Poster vom Matterhorn.

Kaffemaschine Antik

Kaffeezeit Kolumbien

Wieder draussen auf der Strasse läuft uns ein Teenager hinterher. „Hey, Du hast Deine Mütze verloren“, sagt er, strahlt uns an und reicht uns die Sonnenmütze, die von meinem Rucksack gefallen ist. Wir schämen uns fast ein Bisschen. Hatten wir nicht vor wenigen Tagen noch Bedenken, dass in Kolumbien überall geklaut wird?

Unser Herz ist voll. Das ist Kolumbien! So völlig anders, als erwartet. Sympathisch, entspannt und lebensfroh!

Ferien auf dem Baurnhof auf kolumbianisch

Zurück auf unserer Kaffeehazienda geniessen wir die weitläufige Anlage inmitten der Natur. Die Kinder spielen mit den kleinen Kätzchen, begeben sich auf die Suche nach Kolibris, Papageien, anderen bunten Vögeln und Schmetterlingen und chillen auf der Veranda in ihren Hängematten. Wir können uns kaum sattsehen an dieser nicht enden wollenden, saftig grünen Landschaft. Genau so muss der Garten Eden ausgesehen haben!

Papageien Kolumbien

Kaffeezone

Ferien auf dem Bauernhof Kolumbien

Vogel Kaffeezone

Der hauseigene Papagei verlangt im Hintergrund lauthals krächzend nach Kakao: „Quiero Kakao, quiero Kakao!“ Recht hat er, denn der schmeckt hier besonders gut. Nur mit Wasser aufgekocht und ganz ohne Zucker. Köstlich!

Köstlich geht es dann auch am Abend in der hoteleigenen Küche zu. Mit Chefkoch Juan kochen wir Ajiaco, eine kolumbianische Hühnersuppe. Ich lasse es mir nicht nehmen ihm hier, auf dem Kontinent der Kartoffeln zu zeigen, wie man in der Schweiz richtige Rösti zubereitet. Der lustige Abend in der Küche endet schliesslich beim gemeinsamen Essen der Ajico und der „Schweizer Kartoffel Tortillas“. Dabei habe ich in meinem Übermut ziemlich Glück gehabt, dass ich die richtige Sorte Kartoffeln erwischt habe!

Kochen Kolumbien

Überhaupt erleben wir die Kolumbianer als wissbegierig und sehr aufgeschlossen. Es ist trotzt Sprachbarriere einfach mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Dabei ist es sicherlich von Vorteil, wenn man zumindest ein wenig Spanisch sprechen kann. Englisch oder Deutsch sprechen nur sehr Wenige! Aber mit Händen und Füssen kommt man zur Not auch weiter.

In der Nacht zieht ein heftiges, tropisches Gewitter über uns hinweg. Auf die rasante Fahrt mit der hauseigenen Zipline über die Kaffeeplantagen müssen wir deshalb am Morgen leider verzichten. Die Kinder dürfen sich dafür im Kühe melken üben. Familienferien auf dem Bauernhof auf kolumbianisch, oder eben im Garten Eden.

 Bauernhof Kolumbien

Herrlich entspannend und wunderschön! Hier würden wir alle gerne länger bleiben!

Geht raus und entdeckt sie, die spannenden Gegenden dieser Welt. Bleibt offen für Neues, denn nur so eröffnen sich Euch neue Welten.

Mit sonnigen Grüssen,

Eure Patotra - klein

 

Extratippps für die Kaffeezone

Anreise:

Von Bogota mit dem Flugzeug über die mittlere Andenkette nach Armenia. Allein der etwa einstündige Flug über die Anden ist ein fantastisches Erlebnis!

Unterkunft:

Hoteles Bosques del Saman: Wunderschöne, sehr weitläufige Alnlage auf einer Kaffeehazienda (Biokaffee!)  inmitten der Natur. Ein friedlicher Ort mit vielen Tieren, wie Ferien auf dem Bauernhof.

hotel-bosque-de-saman

Valle de Cocora:

Am besten früh am Morgen ins Richtung Tal reisen, da dort am Nachmittag oft Nebel aufzieht. Die Willys Jeeps mit Fahrer können am Dorfplatz von Salento gemietet werden. Das Tal eignet sich bestens für Wanderungen und Ausritte. Die Pferde sind Arbeitstiere und daher sehr entspannt und auch für ungeübte Reiter bestens geeignet. Das Restaurant am Eingang zum Tal ist durchaus empfehlenswert. Besonders die frischen Forellen.

Salento:

Ein Ort, für den man sich Zeit nehmen sollte. Die gemütliche Atmosphäre ist ansteckend!

Direkt an der oberen, linken Ecke des Kirchplatzes, wenn man in Richtung Berg schaut, befindet sich das kleine Café mit der erstaunlichen Kaffeemaschine und dem riesigen, vergilbten Poster vom Matterhorn.

Karte:

 

Bogota nach Villa de Leyva – Kolumbiens überraschende Vielfalt

 

10 Comments

  • Liebe Ellen,

    Einfach der Wahnsinn! Deine Bilder sind der Hammer. Da würd ich am liebsten gleich losziehen und Kolumbien entdecken. Aber jetzt geniessen wir mal noch Australien und ein paar andere Länder zuvor 😉

    Dein Bericht macht auf jeden Fall total Lust Kolumbien zu entdecken. Vielen Dank für’s entführen in ein für mich total unbekanntes Land.

    Herzliche Grüsse aus Down Under,
    Reni

    • Liebe Reni
      Ganz herzlichen Dank für Deinen so lieben Kommentar. Das freut mich riesig! Ja, Kolumbien solltet Ihr Euch unbedingt anschauen! Ihr wärt ganz sicher auch begeistert.
      Herzliche Grüsse nach Down Under. Geniesst Eure Reise.
      Ellen

  • Toller Beitrag. Wirklich wundervoll beschrieben. Die Fotos sind auch wunderschön. Ich trinke gar keinen Kaffee trotzdem möchte ich am liebsten gleich los, um Kaffee zu pflücken!

  • Wow die Bilder sind der Hammer. Südamerika steht auch noch ganz fest auf unserem plan aber dazu müssen wir uns erstmal von Asien trennen. Das kann noch dauern wobei ich gerade eben total neidisch war und mir gar nicht so sicher bin ob Borneo in der Regenzeit da jetzt mithalten kann. Kaffee ist zwar nicht mein Ding aber das Drumherum ist klasse.

    • Hey, danke Dir, Stephie! Das war ja unsere erste Begegnung mit Südamerika und wir sind ja eigentlich riesige Asien-Fans, aber Kolumbien hat uns wirklich gepackt. Hey und wenn Du keinen Kaffee magst, der Kakao ist grandios!
      Lieber Gruss, Ellen

  • Hallo Ellen

    ganz toll Euer Reisebericht. Wir (2+3 Kids aus Berlin) planen nächstes Jahr auch einen Familienurlaub in Kolumbien und würden gerne vorab ein paar Fragen loswerden:

    – Seid Ihr mit Mietwagen gereist oder nur mit Flugzeug/öffentliche VM?
    – Hattet Ihr immer einen Guide und wenn ja wie seid ihr an diese gekommen?
    – Unterkünfte sehen alle toll aus, in welcher Preisklasse sind diese ?
    – Hier ist unser Plan für 3 Wochen, freue mich über Feedback:

    Liebe Grüße von Conny

    Bogota und Umgebung
    Letitia / Amazonas
    San Augustin / Bekannte wohnen dort, ist noch unsicher
    Cartagena u evtl Tayrona
    Kafffeeregion

    • Liebe Conny

      Es freut mich sehr, dass Du auf meinem Reiseblog gelandet bist!
      In den nächsten Wochen werden noch ein paar Artikel über Kolumbien dazukommen, Tayrona, Cartagena und die Trauminsel Mucura.
      Wow, da habt Ihr eine tolle Reise vor Euch!!! Bis zum Amazonas haben wir es leider nicht geschafft. Tayrona solltet Ihr unbedingt mit einplanen. Wir fanden es dort sehr, sehr schön. Der Artikel dazu wird übrigens in den nächsten Tagen veröffentlicht.

      Wir sind mit dem Flugzeug und mit Guides bzw. Fahrern gereist, da wir nur recht wenig Zeit hatten, schien uns das sinnvoll. Mietwagen zu mieten ist wohl nicht so einfach. Dafür ist das Busnetz sehr, sehr gut ausgebaut.
      Unsere Unterkünfte waren meist gehoben Mittelklasse, oder auch darüber. Die Preise sind allerdings eher moderat und nicht zu vergleichen mit unseren Preisen.
      Die Guides hat uns ein Freund besorgt, der vor Ort lebt und im Reisebereich tätig ist. Bei Bedarf gebe ich Dir gerne seine Kontaktdaten.

      Ach, am Liebsten würde ich gleich selbst wieder losziehen! Kolumbien mit Kindern ist ein Traum!

      Liebe Grüsse,
      Ellen

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