Stein am Rhein – Die Krippen Welt: Eine ganz besondere Weltreise

Krippe im Wagenrad

Unsere Weihnachtskrippe wird jedes Jahr, wenn wir nicht grade in Thailand oder sonstwo auf der Welt unterwegs sind, am 24. Dezember aus dem Keller geholt, um dann unter dem Christbaum aufgebaut zu werden. Die Krippe haben die Kinder mit meiner besseren Hälfte vor vielen Jahren gemeinsam geschreinert. Die Figuren sind gekauft. Sie sind handgeschnitzt und stammen aus dem Bayrischen. An einem Stand, der jedes Jahr um die Weihnachtszeit in Konstanz zu finden ist, haben wir sie vor vielen Jahren entdeckt. Jede Weihnachten, wenn wir zu Hause feiern, werden die Figuren um eine Weitere ergänzt.

Weihnachtskrippen sind irgendwie altmodisch. Trotzdem gehört sie für uns an Weihnachten einfach dazu.

Ganz besonders altmodisch muss folglich auch ein Krippen Museum sein. Ein Museum voller angestaubter Krippen mit geschnitzten Holzfiguren. Ganz nett und passend für eine Geschichte um die Weihnachtszeit. Genau das erwartete ich.

Die KrippenWelt – Eine Reise durch fast hundert Länder

Mitten im schmucken Städtchen Stein am Rhein mit seinen liebevoll gepflegten Fachwerkhäusern steht ein mannshoher Weihnachtsengel aus dem Riesengebirge, mit roten Engelsflügeln. Rechts und links eine grosse elektrische Kerze in der Hand. Reglos weist er mit dem Schild „Herzlich willkommen in der Krippen Welt“ den Weg hinein in die Welt der Krippen.

Stein am Rhein Schweiz

Krippenmuseum Krippenwelt

Hinter der schweren Holztüre öffnet sich ein heimeliger Raum, gefüllt mit weihnachtlichem Schmuck. Es duftet einladend nach Kuchen und warmem Tee.

Im hinteren Teil des Raums befindet sich eine gemütliche Teestube, deren Holztische mit kleinen Grüppchen voll besetzt sind. Alles sieht sehr einladend und verlockend aus! Aber erst die Arbeit und dann das Vergnügen.

Also steigen wir die knarrenden Holztreppen rauf, nach oben, bis in den zweiten Stock. Das Krippenmuseum befindet sich im ältesten, original erhaltenen Haus der Stadt, aus dem Jahre 1302. Ein liebevoll gepflegtes Haus, das auch ohne Museum sicherlich viele Geschichten zu erzählen hätte. Von 714 Weihnachtsfesten, von längst vergangenen Zeiten, von Menschen, die kamen und gingen.

Uns erzählt es heute eine andere Geschichte, die in keiner Weise minder spannend ist. Keine Geschichte von angestaubten, langweiligen Krippen, sondern die Geschichten von Krippen aus aller Herren Länder. Der Rundgang durch die Ausstellung ist eine kleine Weltreise. Durch die unterschiedlichsten Kulturen und Zeiten. Eine Entdeckungsreise voller Überraschungen. Entdeckungen, die uns schmunzeln lassen, wie etwa die Flosskrippe aus dem Amazonasgebiet, in der das Jesuskind auf dem Bauch liegt und sein entblösstes Hinterteil in die Höhe streckt. Hin und wieder wird dieses von Besuchern mit einem Taschentuch bedeckt.

Krippe aus dem Amazonasgebiet

Oder die Krippe aus Blechdosen, aus Mali, deren Inhalt früher ein Insektizid „für Menschen und Pflanzen“ war, wie auf einem der Engel zu lesen ist.

Krippe aus Mali

Auch die küssende und Josef liebevoll zugewandte Maria in einer Krippe aus den Anden zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht.

Krippe aus den Anden

Andere Krippen wiederum stimmen nachdenklich. Die Stoffkrippe etwa, aus einem Frauengefängnis in Kamerun, deren Darsteller alle weiblich sind. Oder auch die Sklavenbootkrippe aus Tansania, die uns einen kalten Schauer den Rücken hinunter laufen lässt. Die Männer auf dem Boot sind mit einer Kette miteinander verbunden, an deren Ende sich ein grosse Bleikugel befindet. Bei starkem Seegang und Gefahr konnte so das Boot schnell von „seinem Ballast befreit“ werden. In der Bootsmitte liegt das Jesuskind, die Sklaven wenden sich ihm hoffnungsvoll zu.

Krippe aus Tansania

Eine Krippe aus Kamerun entsetzt uns. Maria ist mit abgehackten Händen dargestellt, hat sie doch ein uneheliches Kind zur Welt gebracht.

Krippe aus Kamerun

Traurig und fast abstossend wirkt eine Krippe im Stahlhelm eines in Stalingrad gefallenen Soldaten. Die Mutter des Soldaten hat sie anfertigen lassen. Sie sollte sie jede Weihnacht an ihren verlorenen Sohn erinnern.

Alfred Hartl Krippenmuseum

Wir entdecken prächtige, glänzende Krippen aus Krakau. Sie sind rein aus Stanniol, also Schokoladenpapier gefertigt. Krippen aus Bambus, aus Taiwan. Krippen aus Blech, aus Holz, aus Ton. Was auch immer den betreffenden Personen oder dem jeweiligen Volk an Material zur Verfügung stand, wurde für den Bau von Krippen verwandt. „Krippen, wurden meist vom einfachen Volk gefertigt,“ so Alfred Hartl, Krippenexperte und Mitinitiator des Krippenmuseums in Stein am Rhein. „Häufig schwang dabei auch ein verdeckter Protest am bestehenden System mit. Daher gab es Zeiten in denen Krippen sogar ganz offiziell, von kirchlicher Seite verboten waren. Das wirklich Erstaunliche an den Krippen ist aber, dass die Weihnachtsgeschichte von den unterschiedlichen Kulturen so dargestellt wird, als hätte sie in ihrem eigenen Kulturkreis stattgefunden,“ so Hartl. Besonders erstaunt uns dies, vor dem Hintergrund, dass diese Geschichte, die Weihnachtsgeschichte, den einzelnen Völkern meist nicht nur auf friedliche Art und Weise gebracht wurde.

Krippe aus Schokoladenpapier

Vermutlich ist es die Hoffnung, die aus dieser Geschichte spricht, an der sich die Menschen der unterschiedlichsten Kulturen festhalten.

Manchmal sind es auch die eher gewöhnlich scheinenden Krippen bzw. die Geschichten dahinter, die uns berühren. Die Krippenfiguren von Alfred Hartls Grossvater etwa. Während seiner Gefangenschaft in einem Konzentrationslager, formten er und andere Häftlingen in der Weihnachtszeit Krippenfiguren aus Brotteig. Auch hier wieder die Hoffnung, die die Menschen in scheinbar ausweglosen Situationen am Leben hält.

600 Krippen aus knapp 100 Länder

Über 600 Krippen aus kanpp 100 Ländern sind auf den zwei Stockwerken ausgestellt. Es fällt uns schwer uns loszureissen. Immer wieder entdecken wir neue Krippen, die uns überraschen und faszinieren. Keineswegs altmodisch und schon gar nicht langweilig, sondern hochaktuell und grade für Globetreotter und sonstige Reisefreudige eine ganz besonders spannende Entdeckung.

Krippenwelt Stein am Rhein

Im gemütlichen, vorweihnachtlich geschmückten Stübchen gönnen wir uns zum Abschluss noch einen feinen Kaffee und Kuchen, bevor uns die Abendstimmung nach draussen zieht.

Märlistadt Stein am Rhein

In der Weihnachtszeit erstrahlt das romantische, am Rhein und Untersee gelegene Städtchen Stein am Rhein in feierlichem Lichterglanz. Kinder sind in Gruppen unterwegs von einer Märchenstation zu nächsten auf den Spuren des gestiefelten Katers, so das diesjährige Thema der Märlistadt. Aus festlich beleuchteten Holzhütten duftet es verlockend nach, Raclette, Glühwein und Glühmost. Aus dem Chnusperhüsli strömt für mal nicht der Duft von Lebkuchen, sondern, ganz passend zur Lage an Untersee und Rhein, nach frischen Fischknusperli.

Stein am Rhein Weihnachten

Wer grade keinen heissen Glühmost in der Hand hält, der wärmt sich die Hände an einer der Feuerschalen. Gemütlich ist es hier, fast familiär. Keine Spur von der geschäftigen Hektik der grossen Weihnachtsmärkte. Da bleibt Platz für einen kleinen Plausch mit den Herren vom Raclettestand, für ein nettes Wort und ein freudiges Lachen. Klein aber fein: Stein am Rhein eben!

Unser Fazit

Der Besuch im Krippenmuseum ist eine unglaublich spannende und bereichernde Reise durch die unterschiedlichsten Kulturen. Ein Besuch lohnt sich. Nicht nur in der Vorweihnachtszeit! Es ist so ganz und gar nicht altmodisch und alles andere, als nur „ganz nett“!

Wer zur Weihnachtszeit mit Kindern kommt, der sollte auf jeden Fall genügend Zeit für einen Rundgang durch die Märlistadt einplanen. Für Gross und Klein ein sehr lohnenswertes Erlebnis!

Mit vorweihnachtlichen Grüssen,

Eure Patotra - klein

 

Weitere Infos:

ÖffnungszeitenEintrittspreiseSonstigesMärlistadt Stein am Rhein

Täglich ausser Montag von 10-18 Uhr.

Im Dezember hat die Krippenwelt auch Montags geöffnet.

Mitte Januar bis Mitte März geschlossen. Ansonsten ganzjährig geöffnet!

Erwachsene: CHF 10,00
Kinder CHF 7,00
Kinder bis 6 Jahre gratis

(Stand Dezember 2016)

Wenn möglich, empfehle ich eine Führung zu buchen. Diese muss vorab angemeldet werden. Man bekommt viele, sehr spannende Hintergrundinformationen.

Für Kinder gibt es einen kleinen, besonderen Rundgang mit verschiedenen Stationen.

Im Bistro werden auch warme Speisen angeboten. Der kleine Innenhof ist im Sommer bestimmt ein besonders hübsches Plätzchen.

Weitere Infos finden sich auf der Homepage: Krippenwelt

Geöffnet vom 1. – 31. Dezember 2016

Weitere Infos zu Öffnungszeiten und Veranstaltungen etc. finden sich auf der Homepage: Märlistadt

Krippenmuseum Schweiz

 

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