Familienurlaub auf Lanzarote – Pfui Teufel?

Bevor ich Kinder hatte, hätte ich nicht im Traum daran gedacht, dass ich jemals auf die Kanarischen Inseln fliegen würde. Inseln voller bierbäuchiger, grölender, älterer Herrschaften – das war meine Vorstellung von den Kanaren. Aber: Vorurteile sind dazu da, um sie über Bord zu werfen.

Quemada

Familienurlaub auf Lanzarote – sehr gerne

Kaum war unsere Tochter auf der Welt führte uns unsere erste Flugreise als Familie genau dort hin. Mehrere Reisen sollten folgen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Flugzeiten von ca. 4½ Stunden sind auch mit Kleinkindern machbar, Reisen auf die Kanaren sind schon für relativ wenig Geld zu bekommen und die ärztliche Versorgung vor Ort ist gut. Das ist nicht ganz unerheblich, wenn man mit kleinen Kindern reist. Da es auf der Insel sehr viele Apartmentanlagen gibt, haben wir später auch mit drei Kindern immer eine passende Unterkunft gefunden.

Die Kanarischen Inseln sind, jede auf Ihre ganz eigene Art faszinierend und wenn man sich von den grossen Touristenströmen fernhält, auch noch sehr ursprünglich.

Lanzarote Insel der Vulkane

Von den 7 Hauptinsel des nur 100 bis 500km westlich des südlichen Marokko gelegen Archipels, hat es uns Lanzarote ganz besonders angetan. Die wilde, raue Vulkaninsel mit ihren ausserirdisch wirkenden Lavalandschaften übt einen ganz besonderen Reiz aus. Die Insel ist zwar klein, von Nord nach Süd sind es ungefähr 58 Kilometer, von West nach Ost etwa 34 Kilometer, dennoch hat sie erstaunlich viel zu bieten. Man sollte sich also unbedingt ein Auto mieten!

Timanfaya1

Eine Fahrt durch den Timanfaya Nationalpark mit seinen Feuerbergen zieht bestimmt jeden in seinen Bann. Beeindruckend, in welchen Farbschattierungen von rot, über gelb, bis braun und schwarz die Lava die Natur vor nicht mal 300 Jahren völlig neu gestaltet hat.

Im Besucherzentrum wird die zerstörerische Kraft der bis heute nicht vollständig erkalteten Vulkane demonstriert. Trockene Sträucher werden zur Demonstration am heissen Gestein entzündet und ganze Eimerfüllungen von Wasser sprühen, in eine Erdröhre gegossen, innert Sekunden als Wasserfontänen in den Himmel. Wer möchte kann sogar ein geothermisch gegrilltes Hähnchen essen.

Unsere Jungs waren bei unserem letzten Besuch in den Feuerbergen ganz besonders aufmerksam. Hofften sie doch, dass Darth Vader oder Luke Skywalker – aus „Krieg der Sterne“ – gleich hinter dem nächsten Lavabrocken hervorspringt. Tatsächlich diente die Insel als Kulisse für die Filme.

Auch ein Besuch in der „Cueva de los Verdes“, einer Höhle, die durch unterirdische Lavaströme entstanden ist, ist ein Muss. Manchmal werden in den Höhlen Konzerte abgehalten. Die Akustik ist einzigartig. Solltet ihr also, so wie ich, jemals die Möglichkeit haben dort ein Konzert zu besuchen, nehmt diese unbedingt wahr!

Schöne, familienfreundliche Badestrände gibt es auf Lanzarote natürlich auch, so z.B. an der Costa Teguise.

Ein ganz besonderer Strand, an dem man allerdings wegen starker Strömungen nicht baden kann, ist El Golfo. Er besteht aus schwarzem Lavasand in dem der inseltypische, grüne Olivinstein, der zu Schmuck verarbeitete wird, zu finden ist. Die gleich oberhalb des Strandes gelegene grüne Lagune leuchtet im Kontrast zum tiefblauen Meer und dem schwarzen Sand wie ein See aus Drachentränen. Unsere Kinder hätten am liebsten den ganzen Tag Edelsteine am Strand aufgesammelt und wir Eltern wissen jetzt, was wir unter dem Begriff „Goldrausch“ zu verstehen haben.

El Golfo

Der Pfui Teufel – Insel der Kunst

Wenn man auf der Insel unterwegs ist, begegnet man auf Schritt und Tritt den Kunstwerken César Manriques. Der 1992 verstorbene Künstler hatte beschlossen aus der Insel den „schönsten Ort der Welt“ zu machen. Ganze Höhlen, wie die Jameos del Aqua, oder den Aussichtspunkt Mirador del Rio hat er künstlerisch gestaltet und er kam dabei dem schönsten Ort der Welt oft sehr nahe.

Jameos del Aqua   Jameos del Aqua

Mirador del Rio      Mirador del Rio

Selbst unsere Kinder konnten sich für seine bunten, fantastischen Werke Feuerteufelbegeistern, in denen immer wieder Kunst und Natur zu einem Gesamtwerk verschmelzen. Da macht es gar nichts, dass unser Jüngster, als er drei Jahre alt war, das von Cesar Manrique gestaltete Wahrzeichen des Timanfaya Nationalparks kurzerhand von Feuerteufel in „Pfui Teufel“ umbenannt hat. Und genau so heisst er auch heute noch bei uns – Pfui Teufel!

Lanzarote verspricht einen abwechslungsreichen Urlaub für Gross und Klein auch für das etwas schmalere Budget, dank der milden Temperaturen auch im Winter. Die Insel ist bestimmt keine klassische Schönheit und viele weisse Palmenstrände sollte man nicht erwarten. Für uns macht aber grade das raue und kantige Antlitz der Insel ihren Charme aus. Sie ist alles andere als gewöhnlich und gerade deshalb etwas ganz besonderes.

Ach ja, und die Klischeeurlauber gibt es natürlich auch, aber man kann ihnen, wenn man möchte, sehr gut aus dem Weg gehen.

Lanzarote ist ganz und gar nicht pfui Teufel. Probiert es einfach aus. Es lohnt sich Vorurteile über Bord zu werfen!

Mit sonnigen Grüssen,
Eure Patotra - klein

Extratipps:

  • Abtauchen mit dem U-Boot in Puertocalero
  • Essen gehen im Fischerdorf Playa Quemada
  • Marktbesuch in Teguise (jeden Sonntag)

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