Lausanne mit Kindern – Liebe auf den zweiten Blick

Ältestes gotisches Bauwerk der Schweiz. Einzige Schweizer U-Bahn. Vor allem aber: unzählige Treppenstufen. Das ist es, woran ich mich erinnere, seit ich als Studentin Lausanne besucht habe. Und so bin ich zugleich skeptisch und gespannt, was die viertgrösste Schweizer Stadt für Familien zu bieten hat. Das Fazit vorweg: Lausanne ist eine regelrechte Entdeckung für Kinder!

Wir wohnen im Swiss Wine Hotel. Ein Dreisternehaus an perfekter Lage, wie uns schnell klar wird: Die Metrostation Bessières liegt gleichsam vor der Haustür, und wer den Tramverkehr in Zürich kennt, wird staunen: Die Lausanner U-Bahnen verkehren im Drei-Minuten-Takt! Falls man also mal eine verpasst: kein Problem! Dank der «Lausanne Transport Card», die es beim Check-in gibt, kann übrigens jeder Hotelgast gratis ÖV fahren.

Lausanne war für mich schon immer die steilste Stadt der Schweiz (obwohl ich nicht einmal weiss, ob das wirklich stimmt). Schon der Gedanke an die Altstadtgassen und die vielen Treppenstufen hat mich ermüdet. Und noch immer würde ich behaupten, dass der Stadtkern mit Kinderwagen nicht ideal ist (auch wenn es mehrere Lifts gibt). Aber, grosses Aber: Mit älteren Kindern (und damit meine ich laufende Kinder) ist die Stadt eine Entdeckung. Und, welch Ironie: Unserem siebenjährigen Sohn Tim haben es ausgerechnet die vielen Stufen angetan!

Wir beginnen unseren Aufenthalt mit einer professionellen Stadtführung. Im Gepäck: das Reisetagebuch, das Kinder bei einer der Touristeninformationen am Bahnhof, an der Kathedrale oder in Ouchy erhalten. Es macht die Sehenswürdigkeiten der Stadt auf spielerische Art für die jungen Gäste attraktiv. Wir hingegen haben den «City Pass» dabei, mit dem wir Vergünstigungen für diverse Eintritte bekommen.

Stadt der drei Hügel

Lausanne besteht, grob gesagt, aus drei Hügeln: Le Bourg (da, wo wir wohnen), La Cité (oberhalb) und Saint-Laurent (unterhalb). Die Kathedrale Notre-Dame liegt im Herzen von La Cité, und so überqueren wir zunächst einmal Lausannes höchste Brücke: Le pont Bessières. Unsere Stadtführerin ist ein wahrer Glücksfall, sie kennt nicht nur jedes Gebäude, sondern ist sich auch nicht zu schade, Tims viele Fragen zu beantworten.

Der nämlich entpuppt sich als grosser Kirchenfan und möchte nicht nur alles zu den Fensterbildern wissen, sondern auch unbedingt auf den Turm klettern. Dabei lauscht er unserer Reiseführerin fasziniert: Aus einer über 600 Jahre währenden Tradition heraus, so erzählt sie uns, beschützt bis heute ein Feuerwächter die Stadt. Renato Häusler heisst der aktuelle gute Geist, der täglich zwischen zehn Uhr nachts und zwei Uhr morgens auf dem Glockenturm verweilt und jeweils zur vollen Stunde die Zeit ausruft. Eine Institution, die jeder Lausanner kennt. (Als die Tradition einst abgeschafft werden sollte, stiegen die Einwohner offenbar auf die Barrikaden!).

Von der Kathedrale aus kann man auf die ganze Stadt blicken. Auf die ebenfalls vorreformatorische Kirche Saint-François. Auf das Schweizer Bundesgericht. Und natürlich auf den Genfer See, oder, wie sie hier sagen, den Lac Léman. 310 Meter tief ist der See, was Tim sichtlich beeindruckt. Von hier oben erkennt man die terrassenförmige Struktur der Stadt, die immerhin eine Höhendifferenz von 500 Metern aufweist.

Notre-Dame ist das grösste gotische Bauwerk der Schweiz. Besonders stolz sind die Lausanner auf das Rosenfenster aus dem 13. Jahrhundert, das dank seiner überwiegend weltlichen Motive von der Reformation verschont wurde. Daneben gibt es eine riesige Orgel in Engelsform (mit sage und schreibe 7396 Pfeifen!) und, wichtig, einen Stempel für das Reisetagebuch. Die Rätsel und Spiele darin interessieren Tim weniger, die Stempel, die man sich überall in der Stadt abholen kann, umso mehr.

Grösstes Süsswasseraquarium Europas

Wir erkunden noch ein wenig das Zentrum von Lausanne, bevor wir die Metro zum Aquatis nehmen. Das Aquatis ist das grösste Süsswasseraquarium Europas und umfasst neben Aquarien auch Vivarien und Terrarien. Tim liebt alles, was im Wasser lebt. Besonders angetan haben es ihm aber die haiähnlichen Löffelstöre. Ich hingegen mag gerne Schildkröten und freue mich über die Wasserschildkröten, die zu den gefährdeten Tierarten gehören. Etwas bedrohlich, aber noch faszinierender ist der hier lebende Komodowaran. Noch nie habe ich diese riesige Echse in echt gesehen! Kein Wunder, lebt sie doch eigentlich nur in Indonesien. Auch Tim staunt.

Wir sind müde vom vielen Laufen, und so kehren wir am frühen Abend in ein kleines Restaurant direkt an der Bessières-Brücke ein, nur wenige Minuten von unserem Hotel entfernt. Im Café de l’Eveché bekommt man nicht nur Fondue, sondern auch andere einfache Gerichte. Da das Wetter mitspielt, lassen wir uns im kleinen Garten bewirten. Dass wir nicht in einer Touristenfalle gelandet sind, merkt man schon daran, dass um uns herum nur Französisch zu hören ist. Parfait!

Der nächste Tag ist Ouchy gewidmet. Nach dem Frühstück – mit wunderbarem Blick über die Dächer der Stadt – steigen wir in die Linie 2. Das Zentrum von Lausanne liegt, anders als in Zürich oder Genf, nicht am See, ist aber dank der Metro nur einen Katzensprung entfernt. Und die Fahrt selbst ist, gerade für Kinder, ein eigenes Erlebnis; denn die Schweizer Metros fahren automatisch, also ohne Chauffeur!

In Ouchy angekommen, wird man nicht nur vom See empfangen, sondern auch von einer kinderfreundlichen Promenade. Hier gibt es einen Spielplatz, mehrere Schachspiele und Pédalos mit Rutschbahnen. Wir laufen gemütlich Richtung Osten, denn wir haben ein Ziel: das Olympische Museum. Lausanne ist seit 1994 offiziell «Olympische Hauptstadt» und Sitz zahlreicher Sportverbände, darunter das Internationale Olympische Komitee.

Tokyo im Olympischen Museum

Ich bin ein wenig skeptisch, ob es Tim gefallen wird, denn ich erwarte auf den 3000 Quadratmetern vor allem Historisches. Und es stimmt, ein grosser Teil der Ausstellung befasst sich mit der Geschichte der Olympischen Spiele. Aber es gibt auch Kurioses (unter anderem die Badehose des langsamsten Schwimmers aller Zeiten) und viel Interaktives, das sowohl Kindern als auch Erwachsenen Spass macht. Tim aber gefällt die Sonderausstellung «Tokyo 2020 Sport X Manga» am besten: Auch hier gibt es interaktive Posten. Und typisch japanische Schlafkapseln, in denen man Selfies im Mangastil machen kann. Cool! Für Kinder ist der Museumseintritt bis Ende 2021 übrigens gratis.

«Titanic»-Feeling auf dem Genfer See

Wir haben für den Mittag eine Gourmet-Kreuzfahrt auf dem Genfer See gebucht: eine gemütliche Schifffahrt inklusive kulinarischem Verwöhnprogramm. Also schnell zurück zum Hafen! An Bord des hölzernen Schaufelraddampfers fühle ich mich ein bisschen wie Rose aus «Titanic» – und im weissgedeckten Restaurant wie bei ihrem legendären Dinner mit Jack.

Auch bei uns ist nicht das Essen an sich das Highlight, sondern das ganze Drumherum: die Aussicht aufs Wasser, auf die Weinterrassen von Lavaux und auf Schloss Chillon in Montreux, die Stippvisiten auf dem Deck während der Gänge, der abschliessende Kaffee bei strahlendem Sonnenschein. Traumhaft!

Zum Glück hat Tim vergessen, dass er beim Glacestand beim Hafen eine Kugel Eis geschenkt bekommt, wenn er sein Reisetagebuch vorzeigt, denn er hat es im Hotel vergessen… Wir laufen an der Seepromenade entlang Richtung Westen bis zur Plage de Vidy, einem über 500 Meter langen Sandstrand. Durchs Wasser waten, Muscheln sammeln, einem Gitarrenspieler lauschen und einen der womöglich letzten Sommertage geniessen – was gibt es Schöneres?

Flaniermeile Flon

Ein weiteres Highlight wäre gar nicht nötig gewesen, um den Tag in guter Erinnerung zu behalten. Doch offenbar ist heute unser Glückstag! Wir haben in einem Restaurant im Trendquartier Flon reserviert. Der Flon erinnert mich ein bisschen an die Zürcher Europaallee und ein bisschen an die Flaniermeile Im Viadukt. Ehemals Industriezone, ist er heute ein beliebtes Einkaufs- und Ausgehviertel.

Ich übertreibe nicht: Der Anblick der Brasserie de Montbenon lässt mir den Mund offenstehen. Gut, Restaurant und Park sind in vorteilhaftes Abendlicht getaucht, es liegt eine magische Stimmung in der Luft. Im Park nehmen Gäste, in flauschige Decken gehüllt, einen Apéro, daneben spielen Jugendliche Pétanque. Die Terrasse ist gut gefüllt, alle wollen den Sommerabend geniessen. Wir essen auf der erhöhten Terrasse der Brasserie. Das Essen ist himmlisch. Und Tim ist nicht nur zufrieden mit seiner doppelten Portion hausgemachter Pasta, sondern auch mit dem Spiel im Park, dem er zuschauen darf. Ein richtig entspanntes Tête-à-tête.

Mittwochs und samstags ist Markt in Lausannes Altstadt. Blumen, Früchte und Gemüse sowie Backwaren werden hier vorwiegend verkauft. Wegen Corona hat man den Markt ausgeweitet, und so fällt er leider ein wenig auseinander. Aber Spass macht das Flanieren und Probieren trotzdem!

Mit der Metro geht’s zum Bahnhof. Was ich ganz vergessen habe zu erwähnen: Wir sind mit der Bahn angereist. Sehr entspannend. Und irgendwie passend zu einer Stadt, in der man lieber U-Bahn und Schiff fährt als Auto. Meine Meinung zu Lausanne hat sich in den zwei Tagen komplett verändert. Aus der mühsamen Stadt mit Hunderten von Treppenstufen ist eine Stadt mit bunten Quartieren, familienfreundlichen Parks und einer ganz eigenen, offenen Stimmung geworden. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber eine langsam gewachsene Liebe hält ja bekanntlich oft länger.

Weitere Informationen zum Reisetagebuch für Kinder: hier

Wer schreibt hier?

Miriam Bosch

berichtet in unregelmässigen Abständen als Gast-Autorin für PATOTRA. Miriam liebt es, neue Welten zu entdecken – seien sie nah oder fern. Low-Budget-Reisen durch Südostasien gehören für sie ebenso dazu wie ein Verwöhnwochenende in den Alpen. Wichtig sind ihr vor allem zwei Dinge: Die Reiseorte müssen authentisch sein. Und: Sie müssen nicht nur sie und ihren Mann, sondern auch ihre Kinder begeistern.

Offenlegung: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Einladung von Lausanne Tourismus entstanden


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