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Lipari – Inselglück auf sizilianisch (Reisetipps und mehr)

Die Burg auf einem Felsvorsprung
Lipari ist die grösste der sieben bewohnten Äolischen bzw. Liparischen Inseln im Tyrrhenischen Meer.
Inhalt

Die Insel Lipari ist die Hauptinsel der Äolischen Inseln, die oft auch als Liparische Inseln bezeichnet werden. Sie liegen nördlich von Sizilien im Tyrrhenischen Meer. «Während viele Festland-Italiener ihre Ferien gern auf Sizilien verbringen, bevorzugen die Sizilianer Lipari und ihre sechs Nachbarinseln als Reiseziel für die Sommerferien. Im August kann es hier also recht voll werden», so zumindest die Aussage meiner Friseurin. Sie muss es wissen: Ihr Mann stammt von den Liparischen Inseln und sie verbringen gern ihre Ferien auf Lipari.

Lipari Stadt
Lipari Stadt

Davon ist im Frühling, im Mai und Anfang Juni, gar nichts zu spüren. Lipari einen süssen Dornröschenschlaf. Ende Mai sind viele Restaurants und touristische Einrichtungen noch geschlossen. Erst nach und nach werden die Geschäfte und Restaurants von ihren Besitzern sommerfein gemacht und öffnen ihre Türen für die noch spärlich vorhandenen Touristen. Im Sommer sieht das gewiss ganz anders aus.

Wir geniessen es, zu dieser Jahreszeit zu reisen. Von grosser Hitze und einfallenden Touristenmassen, die sich an manchen Tagen von Kreuzfahrtschiffen über Lipari Stadt ergiessen, ist jetzt noch gar nichts zu merken. Die Insel ist ruhig, ursprünglich und gemächlich. Sie zeigt sich in einem zauberhaft bunten Blütenkleid; gelber Ginster und roter Mohn sprenkeln das Frühlingsgrün, das sich über die Insel zieht.

Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten in Lipari Stadt

Nebel über Lipari

Lipari Stadt ist mit seinen etwa 5’000 Einwohnern der grösste Ort auf den Äolischen bzw. Liparischen Inseln. Schon von Weitem sieht man die felsige Anhöhe, auf der die Burg und die Kathedrale San Bartolomeo thronen, zumindest wenn sie nicht gerade wie im obigen Foto vom Nebel eingehüllt werden. In der Burg ist auch das archäologische Museum untergebracht.

Südlich der Burg befindet sich der kleine Hafen Marina Corta mit einer gemütlichen Piazza. Die Kinder spielen hier am Abend Fussball und die Erwachsenen treffen sich auf einen Aperitif.

Marina Corta, Lipari

Von hier starten Ausflugsboote zu den Nachbarinseln. Die grossen Schiffe und auch die Schnellboote vom Festland oder von Sizilien landen nördlich der Burg an, im Haupthafen von Lipari, Marina Lunga. Lipari ist eine gemütliche, ein wenig verschlafene Stadt. Breite Strassen laden zum Flanieren ein und die schmalen Gässchen hinter den Häusern sind der perfekte Ort, um sich zu verlieren.

Lipari Stadt

Eine Inselrundfahrt mit dem Roller zu den schönsten Orten auf Lipari

Im Hafen von Lipari mieten wir uns einen Motorroller, um die Insel zu erkunden. Es gibt wohl auch einen Inselbus, aber mit dem Roller sind wir unabhängig und kommen auch in die abgelegeneren Regionen.

Wir starten in nördlicher Richtung, fahren durch den kurzen Tunnel und erreichen schon bald Cannetto. Ein langer, steiniger Strand erstreckt sich hier am Meer. In der Tano Bar, so heisst es, gäbe es die besten Granite der Insel. Granite ist eine sizilianische Spezialität, ähnlich unserem Sorbet. Sie wird bevorzugt mit Sahne und einer Brioche zum Frühstück genossen. Das lassen wir uns nicht entgehen! Köstlich!

Granite auf Lipari

Vulkanspuren auf dem Weg nach Acquacalda

Wir folgen der Strasse weiter in Richtung Norden. Es duftet nach Jasmin und der Blick über die Blüten bewachsenen Klippen auf das Blau des Meeres ist atemberaubend schön.

Bald dominiert weisser Bimsstein die Küste. Bis vor wenigen Jahren wurde dieser noch industriell abgebaut. Heute sind nur noch die stählernen und rostigen Skelette der ehemaligen Fabrikanlagen zu sehen. Im Rahmen der Aufnahme der Äolischen Inseln zum UNESCO-Weltnaturerbe im Jahre 2002, wurde die Förderung des Bimsstein eingestellt. Der poröse Bimsstein wurde vor allem in der Kosmetik, als Baustoff und als Schleifmittel verwendet.

Kurz darauf zeigt die Insel mit schwarzglänzendem Obsidian, einem vulkanischen Gesteinsglas, ihren vulkanischen Ursprung.

Obsidian auf Lipari
Obsidian

In der kleinen Ortschaft Acquacalda, malt das Meer mit dem schwimmenden Bimssteins kunstvolle Wellen in den schwarzen Strand.

Schwarze und weisse Steine

Der schönste Ausblick der Insel

Im Nordosten der Insel folgen einem Nebensträsschen zur Chiesa Vecchia di Quattropani. Vom Kirchplatz öffnet sich der Blick auf die Nachbarinseln Salina, Filicudi und Alicudi in der Ferne und blühende Wiesen an Land. Einfach zauberhaft!

Blick auf die Äolischen Inseln

Bunte Felsen und traumhafte Natur bei Quattropani

Wieder unten, im Örtchen Quattropani, folgen wir der Strasse Richtung des lokalen Weinguts. Auch hier hat die Saison noch nicht begonnen. Lipari ist vor allem bekannt für den Malvasia, einen sizilianischen Süsswein, der aus sehr reifen, angetrockneten Trauben hergestellt wird.

Wir lassen das Weingut links liegen und folgen der Strasse bis an ihr Ende. Ab hier geht es zu Fuss weiter. Der Weg führt durch bunte, von Vulkanen geformte Felsen. Bienen summen, hin und wieder ist das Zirpen einer Grille zu hören und bunte Schmetterlinge begleiten unseren Spaziergang. Ob sie die Ausblicke über die bergige Küste und die Ruhe wohl auch so geniessen, wie wir?

Hier lohnt es sich, zu verweilen und dem sanften Konzert der Natur zuzuhören.

Die Thermalquelle in San Calogero

Einige Kilometer weiter in Richtung Süden steuern wir das alte Thermalbad von San Calogero an. Das grosse, herrschaftliche Gebäude lässt erahnen, dass sich zur Blütezeit zahlreiche Kurgäste vom warmen Thermalwassers Linderung ihrer Beschwerden versprochen haben. Heute tummeln sich hier nur zahlreiche Eidechsen. Die Quelle plätschert vor sich hin und Moose haben sich breit gemacht. Der Zahn der Zeit hat merklich am verlassenen Gebäude genagt. Und doch gibt es wohl Bestrebungen, diesem Ort neues Leben einzuhauchen, um auch während der kühleren Monate Gäste anzulocken. Es ist fraglich, ob das gelingt, wenn der Rest der Insel einen tiefen Dornröschenschlaf schläft.

Bergig ist der Weg zurück in Richtung Lipari. Es sind kaum Autos unterwegs und die Fahrt ist landschaftlich sehr abwechslungsreich.

Etwa 3 1/2 Stunden nach unserer Abfahrt sind wir wieder zurück an unserem Ausgangspunkt der Inselrundfahrt in Lipari Stadt.

Es gibt nicht wahnsinnig viel zu sehen auf der Insel, abgesehen von traumhafter Natur. Für uns war das jedoch perfekt. Die Inselrundfahrt mit dem Motorroller hat uns so viel Spass gemacht, dass wir das, ein paar Tage später, noch einmal wiederholt haben.

Tagesausflüge von Lipari aus nach Vulcano und Panarea

Die Nachbarinsel Vulcano ist nur eine kurze und kurzweilige Bootsfahrt von Lipari entfernt. Wer möchte, der kann hier zum Krater wandern und/oder im vulkanischen Schlamm baden.

Olfaktorisch ist das eine ziemliche Herausforderung. Stinkiger Schwefelgeruch wabert über die Insel. An vielen Stellen dampft und qualmt es.

Auch Panarea kann gut mit einem Ausflugsboot oder mit dem Tragflügelboot erreicht werden. Panarea ist die Promi-Insel der Äolischen Inseln. Aber auch davon ist während der Nebensaison nichts zu spüren. Fast alles hat noch geschlossen. Hübsch anzusehen ist sie trotzdem, die Insel mit den weissen Häusern.

Man wähnt sich fast auf den Kykladeninseln Griechenlands. Autos fahren hier keine – nur Golf-Carts. Sogar die Polizei ist hier mit einem Golf-Cart unterwegs. Natürlich mit Blaulicht auf dem Dach.

Unser Fazit für Lipari als Reiseziel

Lipari ist eine hübsche Insel und bietet sich zudem an, die anderen der Äolischen Inseln auf Tagesausflügen zu entdecken. Wir haben sie als unser erstes Ziel fürs Inselhüpfen auf den Äolischen Inseln gewählt. Das war durchaus eine gute Wahl.

Wer Ruhe und Erholung sucht, gerne in der Natur unterwegs ist, aber auch das Leben einer italienischen Kleinstadt geniesst, der wird Lipari lieben

Mit sonnigen Grüssen
Eure Patotra

Weitere Informationen und Tipps rund um eine Reise nach Lipari

Reisetipps für die Insel Lipari

Wie kommt man nach Lipari?

Am einfachsten ist die Anreise über Neapel oder über den Hafen Milazzo auf Sizilien. Hier fahren zahlreiche Tragflügelboote (Aliscafi) und auch Fähren. Die Fahrt von Milazzo mit dem Tragflügelboot dauert eine gute Stunde. Die Tickets können vorab online gekauft werden (Anbieter: Liberty Lines).

Empfehlung für Ferienwohnungen in Lipari

Empfehlen kann ich die Villa Searose etwas oberhalb des Stadtzentrums von Lipari. Die Wohnungen bzw. Zimmer sind gut gepflegt und Nicole ist eine zauberhafte Gastgeberin. Sie spricht zudem sehr gut Deutsch. Von der Dachterrasse hat man einen tollen Blick aufs Meer. Die kleine Küchenzeile reicht aus, um sich ein Frühstück oder einen kleinen Imbiss zu machen. Restaurants sind in Gehdistanz zu finden. Der zauberhafte Hafen Marina Corta ist einen kurzen Fussmarsch entfernt.

Weitere Informationen dazu: Villa Searose

Villa Searose

Restaurantempfehlungen auf Lipari

Leider waren viele Restaurants während unserer Reisezeit noch geschlossen. Empfehlen können wir folgende:

  • Ristorante Meraviglia, direkt an der Strandpromenade in Cannetto. Eine moderne, italienische Küche.
  • Ebenfalls in Cannetto, die Tano Bar für leckere Granite.
  • In Lipari Stadt, am Marina Corta, das Restaurante Ai Pirata. Guter Fisch, sehr freundliche Bedienung und ein sensationeller Blick auf den Hafen.

Motorroller oder Auto mieten auf Lipari

Vater und Sohn führen den Scooter- und Autoverleih Pitstop im Haupthafen, Marina Lunga, von Lipari. Zudem bieten sie auch einen Taxiservice an. Die Fahrzeuge sind in einem sehr gepflegten Zustand, die Besitzer sind super nett und die Kosten waren moderat. Weitere Informationen: Pitstop

Was man sonst noch vor einer Reise nach Lipari wissen sollte

Essen gehen und Lebensmittel sind auf den Äolischen Inseln relativ teuer. Fast vergleichbar mit unseren Preisen in der Schweiz.

Die Inseln haben keine eigene Wasserversorgung. Das Wasser wird mit grossen Tankschiffen von Neapel aus angeliefert. Wasser ist also ein sehr kostbares Gut, mit dem man hier ganz besonders sparsam umgehen sollte.

Wir haben insgesamt 5 Nächte auf Lipari verbracht. Das war für uns völlig ausreichend. Wer länger bleiben möchte, der kann die sechs anderen Inseln auf Tagesausflügen von Lipari aus besuchen. Wir haben zusätzlich noch ein paar Nächte auf Salina, auf Filicudi und auf Stromboli verbracht.

Wer schreibt hier?
Ellen Gromann-Goldberg

Hallo! Ich bin Ellen. Ich bin die Gründerin von PATOTRA, Content-Creator und freie Journalistin. Ich liebe das Meer und kleine Inseln. Aber auch die Berge, die Wüste, der Dschungel und Grossstädte können mich begeistern. Begegnungen mit Menschen sind für mich der Schlüssel zu anderen Ländern und deren Kultur. Nachhaltige Projekte liegen mir dabei ganz besonders am Herzen. Meine grossen Leidenschaften sind: das Reisen, das Schreiben und das Fotografieren.

Im Jahr 2014 entstand PATOTRA als reiner Familienreiseblog. Gemeinsam mit meinen drei Kindern und meinem Mann durfte ich viele tolle Nah- und Fernreisen erleben, die sich hier auf dem Blog in Form von Reiseinspirationen und Reisetipps wiederfinden. Aus den Reisen mit Kindern wurden im Laufe der Jahre Reisen mit Teenagern. Schliesslich ist der Blog, gemeinsam mit meinen Kindern, den Kinderschuhen entwachsen. Mittlerweile reise ich meist gemeinsam mit meinem Mann – oder auch mal alleine.

Mit viel Herz und ansprechenden Reisefotografien möchte ich Euch ermutigen, diese Welt selbst und mit offenen Augen zu entdecken. Mein Fokus liegt auf spannenden Geschichten, traumhaften Landschaften und Begegnungen mit Menschen. Manchmal bringe ich Euch den Geschmack der grossen, weiten Welt auch in Form von Rezepten von meinen Reisen mit.

4 Antworten

  1. liebevoll geschrieben ❤️.
    genialer reisebericht, der lässt nichts zu wünschen übrig. ich kenne liparia seit 1976 und werde im februar/märz dort wieder einen monat wohnen.

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