Menorca – viel mehr als nur die kleine Schwester

Völlig zu unrecht ist Menorca meist nur mit dem Zustatz "die kleine Schweister von Mallorca" bekannt. Dabei ist Menorca eine echte Wundertüte, die besonders für aktive Geniesser und Familien viel zu bieten hat.

Wie ein grobes Netz durchziehen 18’000 km Trockenmauern die kleine Baleareninsel Menorca. Die Steilküste stürzt ins azurblaue Meer und auf den Wiesen blöken Schafe. Fast wie in Irland!

„Irland unter blauem Himmel“ nannten auch einst die englischen Besatzer die Insel.

Leuchtturm Menorca

Klippen Menorca

So habe ich mir Menorca nicht vorgestellt!

Bekannt war mir Menorca vor allem mit dem Zusatz „die kleine Schwester von Mallorca“. Kleine Schwestern haben häufig das Problem unterschätzt zu werden. Das ist auch bei Menorca nicht anders. Sie liegt im Schatten ihrer grossen Schwester und in diesem Falle ist das auch ganz gut so. Dass sie ihre Vorzüge nicht nach aussen trägt, sondern sich bescheiden gibt, macht sie zu einem ganz besonderen Fleckchen Erde.

Die grossen Touristenmassen wie auf ihrer Schwesterinsel, sind hier schon allein aus Kapazitätsgründen nicht anzutreffen. Die Anzahl der grossen Hotels ist überschaubar. Menorca besticht durch viel Natur. Sie ist die Insel für aktive Entdecker und Geniesser.

Der Haupttouristenort Cala Galdana

Grössere Hotels befinden sich vor allem im Haupttouristenort Cala Galdana. Ein paar Bausünden aus den Siebzigerjahren, reihen sich hier um eine traumhafte Bucht.

Bucht Cala Galdana
Die Bucht von Cala Galdana

Von aussen ein Siebzigerjahreklotz, aber von innen aber durchaus ansehnlich, das ist das „adults only“-Hotel Artiem Audax. Das Hotel bietet sehr geschmackvoll renovierte Zimmer und von innen sieht man die Aussenansicht nicht.

Hotel Artiem Audax

Im Frühsommer geht es selbst in Cala Galdana ruhig und beschaulich zu. Der Playero stellt allmorgendlich die blauen Sonnenschirme auf, streicht den Sand von den Liegen und wartet bei den Kajaks und Tretbooten auf die sonnenhungrigen Urlaubsgäste. Wer mag, der reiht sich hier ein.

Cala Galdana Strand

Strand Cala Galdana

185 km Wanderfreuden: Der Cami de Cavalls

Wer lieber aktiv ist, der findet wenige Schritte weiter den Wegweiser und einen der Einstiege zum Cami des Cavalls, den Weg der Pferde. Ursprünglich diente dieser inselumspannende Weg als Kommunikationsweg. Auf Pferden wurde Ausschau nach Eindringlingen gehalten und im Falle einer drohenden Invasion wurde die Nachricht an den nächsten Ort weitergegeben.

Cami de Cavalls

185 km lang ist der gut ausgeschilderte Weg. Er ist ein Paradies für jeden, den die Füsse kitzeln. Auch zu Pferd oder mit dem Mountainbike kann die Insel auf dem Camis de Cavalls umrundet werden.

Ich treffe hauptsächlich Wanderer und ein paar vereinzelte Mountainbiker.

Menorcas traumhafte Buchten

Ich begnüge mich mit einer kurzen Wanderung auf dem Cami de Cavalls und werde belohnt mit traumhaften Ausblicken und mit der Entdeckung einer der rund 60 wilden Badebuchten, die rund um die Insel herum zu finden sind.

Cami de Cavalls Bucht

Wanderweg Menorca

Strand Menorca

Meine Bucht ist zwar nicht ganz einsam. Dafür kann ich mich hier an dem köstlich erfrischenden Inselgetränk Pomada laben, eine geeiste Mischung aus inseleigenem Gin und Zitronenlimonade.

Pomada Menorca

Einige der Buchten sind, so wie die Cala Macarelleta, über den Cami de Cavalls aus gut zu Fuss zu erreichen. Andere nur per Boot oder Kajak. Ein ruhiges Plätzchen findet man daher auch im Sommer.

Hügelland

Hohe Berge, mit denen Menorca kokettieren könnte, gibt es hier nicht.

Eine sanfte Hügellandschaft durchzieht den Norden der Insel. Die grösste Erhebung ist der „Berg“ El Torro , mit einer Höhe von gerade mal 350 m.ü.M. Dieser Höhepunkt markiert praktischerweise gleichzeitig auch die Inselmitte.

1993 wurde Menorca zum UNESCO Biosphärenreservat erklärt und fast die Hälfte der 700 Quadratkilometer kleinen Insel steht unter Naturschutz. Menorca ist ein Schatz, den es zu wahren gilt.

Talayots und Taulas

Die Bewohner Menorcas wussten bereits vor 2’500-3’000 Jahren um diese Einzigartigkeit ihrer Insel. Mit Steinschleudern schlugen sie jeden in die Flucht, der in ihr Paradies einzudringen versuchte. Der wehrhafte Ruf der Inselbewohner eilte ihnen voraus. Hinterlassen haben sie 150 auf der Insel verteilte Talayot genannte Turmbauten und Taulas, das sind T-förmige Monumente aus Stein.

Talayot Menorca

Taula Menorca

Der Sinn und Zweck der Taulas ist weitgehend ungeklärt. Theorien gibt es viele. Vielleicht waren es tatsächlich die Tische (Tavola) der Riesen aus den überlieferten Geschichten der Insel? Menorca traue ich vieles zu!

Inselhauptstadt Mahon

Weniger mystisch geht es in der Inselhauptstadt Mahon oder Mao, wie die Stadt im lokalen Katalan genannt wird, zu. Hier weht fast immer eine leichte Brise vom Meer her in die Stadt hinauf.

Mahon

Mahon mit seiner hübschen Fussgängerzone lädt zum ausgedehnten Shopping ein. Einfache, bunte Avarcas, Ledersandalen mit einer Sohle aus alten Autoreifen, sind eine menorquinische Erfolgsgeschichte und erzählen vom längst vergangenen Wirtschaftsboom der 50ger Jahre.

Avarca

Mein einziges Problem: Welche Farbe soll es sein?

Etwas nobler geht es nebenan bei Mascaro zu. Schickes Schuhwerk made in Menorca erfreut so manches Promiherz. Wie gut, dass es auch in New York Filialen gibt. Zu Hause sind sie aber hier auf Menroca und so wundert es nicht, dass die Preise, ganz Insel–like auf dem Boden geblieben sind.

Impressionen Mahon

Wer kulinarische Köstlichkeiten sucht, der wird in den Markthallen in einem ehemaligen Kreuzgang fündig. Tapas und Wein in der Kirche. Himmlisch!

Markt Mahon

Tapas Mahon
Tapas im Kreuzgang

Himmlisch ist auch der Ausblick vom Markt über einen kleinen Teil des Naturhafens von Mahon.

Blick Mahon

Man sagt, Menorca habe nach Sidney den zweitgrössten Naturhafen der Welt. Und dieser Hafen war auch der Grund, weshalb die Insel im 18. Jahrhundert unruhige Zeiten erlebte. Die Engländer waren entzückt von der Idee einen sicheren Hafen als strategischen Stützpunkt im Mittelmeer zu besitzen. Aber auch die Franzosen mochten diese Idee und schickten ihre Flotte, um die Insel zu belagern. Es folgte ein hin und her zwischen Spanien, England und Frankreich. Erst 1802 ging die Insel mit dem Vertrag von Avignon zurück an die Spanier.

Der Fischmarkt von Mahon
Der Fischmarkt von Mahon

Auf einer Rundfahrt durch den weitläufigen Hafen sind die Hinterlassenschaften der ehemaligen Besatzer noch heute zu sehen. Und wer aufmerksam durch die Gassen von Mahon geht, wird die britische Handschrift in der Architektur der Häuser wiederfinden.

Naturhafen Mahon

Hafen Mahon

Die Engländer waren es auch, die Mahon zu Inselhauptstadt ernannten.

Ciutadella – Menorcas ehemalige Hauptstadt

Ciutadella, die frühere Hauptstadt Menorcas, muss sich nicht im Schatten der neuen Hauptstadt verstecken. Zum Glück ist sie so ganz anders als Mahon, sodass ein Vergleich ohnehin überflüssig ist.

Ciutadella

Shopping Ciutadella

Die prächtigen Paläste der ehemaligen Grossgrundbesitzer, die gothische Kathedrale Santa Maria de Ciutadella und grosszügige Plätze und Gassen verleihen ihr einen Hauch von Noblesse und Wichtigkeit.

Gassen Ciutadella

Hübsche Boutiquen und Souvenierläden locken den einen oder anderen Euro aus den Taschen der Passanten. Ciutadella wirkt, auch wenn die Stadt überschaubar ist, wie eine Stadt von Welt.

Ciutadella Menorca

Kathedrale Ciutadella

Der Fischmarkt, auf dem gescherzt und gelacht wird, lohnt einen Blick. Ich habe noch nie zuvor einen Fischmarkt wie diesen erlebt. Es roch kein Bisschen nach Fisch! Alles super frisch.

Fischmarkt Ciutadella

Ciutadella Fischmarkt

Käse mit Herz

Son Mercer de Baix

Wesentlich bescheidener geht es auf dem Land zu. Auf der Finca Son Mercer de Baix wird nach alter Tradition der typische Käse der Insel, der „Queso de Mahon“, hergestellt. Magdalena und Miguel kümmern sich um die 51 Milchkühe. 1’200 Liter Milch werden hier täglich zu feinstem Käse verarbeitet. Gäste dürfen gerne probieren und Miguel beim Käsen über die Schulter schauen.

Kaeseproduktion Menorca

Menorca Kaese

Der Rohmilchkäse wird mit roter Paprika und Olivenöl abgerieben. Das verleiht ihm sein einzigartiges Aroma.

Herzkaese

Kaese mit Herz

Dass hier mit viel Herz gearbeitet wird, ist offensichtlich. Sogar die Kühe halten sich an das herzige Branding.

Kuh mit Herz

Menorca hat mein Herz erobert. Die Vielfalt an Landschaften, die traumhaften Buchten, das kristallklare Meer, die kulinarischen Köstlichkeiten – mit all dem muss sie nicht kokettieren. Sie hat es einfach. Wer sich darauf einlässt wird überrascht sein. Wer Menorca entdeckt, dem offenbart sich eine reich gefüllte Wundertüte.

In diesem Sinne: Entdeckt sie, die schmucken Städtchen, die unbekannten Buchten und die zauberhaften Landschaften!

Mit sonnigen Grüssen,

Weitere Infos zu Menorca

Für wenBeste ReisezeitHinkommenUnterkommenRestaurant-tippsWanderführer

Menorca ist die Insel für aktive Geniesser und ganz besonders auch für Familien ein kleines Paradies.

Im Frühling und im Frühsommer, sowie im Herbst ist die Insel besonders für Wanderer ein Paradies. Die Temperaturen sind meist angenehm warm. Wer Sonne satt, Strand und traumhafte Buchten liebt, der ist im Sommer auf Menorca bestens aufgehoben.

Charterflüge für Rhomberg Reisen gibt es ab Zürich, Bern und St. Gallen Altenrhein. Die Insel ist in knapp 2 Stunden Flugzeit erreicht.

Ich war im Hotel Artiem Audax in Cala Galdana untergebracht. Es handelt sich hierbei um ein adults only-Hotel, also ein Hotel nur für Erwachsene. Die Inneinrichtung ist sehr ansprechend. Der Reiseveranstaler Rhomberg bietet auf Menorca Unterkünfte für jeden Geschmack, vom Familienhotel, über Luxushotel bis hin zum Landhotel und Ferienwohnungen.

Weitere Infos dazu bei Rhomberg Reisen

  • Can Bernat des Grau,
    3 Carretera Mahón
    Carrer de Fornells
    07712 Maó

Sehr gute und frische Küche. Man sitz zudem sehr schön.

Restaurant Menorca

Kulinarik Menorca

  • Cas Consol in Ciutadella
    Placa de Born

Sehr gute Küche. Man sitzt sehr schön mit einem traumhaften Ausblick über den Hafen.

  • Binifadet
    Carreta de Sant Lluis
    Es Castell in Sant Lluis

Ein Weingut mit einem hübschen Restaurant und Möglichkeit für eine Weinprobe.

Wer die Insel wandernd erkunden möchte, dem möchte ich den deutschen Wanderführer Ralf Freiheit wärmsten empfehlen. Er kennt Menorca wie seine Westentasche!

Weitere Infos:
www.rutasmenorca.com

Wer schreibt hier?

Die Autorin: Ellen Gromann-GoldbergEllen Gromann-Goldberg

Globetrotterin mit Anhang, immer mit der Kamera im Anschlag und dem Notizblock in der Hand. Mit und ohne meine Familie, zwei Teenager, ein Twen und mein Mann, bin ich auf der Suche nach den besonderen Orten, Erlebnissen und Geschichten rund um die Welt und in meiner Heimat am schönen Bodensee.
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Leseempfehlung für Familien:

Einige meiner Familienreiseblogger-Kolleginnen waren ebenfalls auf Recherchereise auf Menorca. Untergebracht waren sie übrigens im Familienhotel Royal Son Bou, das ebenfalls über Rhomberg Reisen buchbar ist.

Erfahrt hier mehr:

Menorca mit Kindern – die besten Tipps

Menorca mit Kindern: Liebeserklärung an die Buggy-Insel

Karibikstrände, Indiana Jones-Feeling und Piratennester

Royal Son Bou Family Club Erfahrungsbericht: Menorcaurlaub als Familie


Offenlegung: Diese Reise fand auf Einladung von Rhomberg Reisen statt.


 

6 Comments

  • Hey,

    mit war gar nicht klar, dass Menorca doch so viel zu bieten hat – dort muss ich wohl auch mal vorbei schauen! Danke für deinen tollen Artikel, die Bilder sind echt super!

    Viele Grüße,
    Maarten 🙂

    • Lieber Maarten

      Ganz lieben Dank für das Kompliment. Das freut mich sehr! Ja, Menorca ist auf jeden Fall eine Reise wert!

      Ganz liebe Grüsse,
      Ellen

  • Hallo,

    ich war noch nie auf Menorca und ich gestehe, ich hatte auch die bekannten Vorurteile. Dein Post und die schönen Bilder machen jetzt aber sehr neugierig auf einen Urlaub vor Ort. Danke für die Inspiration, ich fang gleich mal mit den Recherchen an 😉
    VG Simone

  • Hach, das sieht ja schön aus! Ist schön ewig her, dass ich auch Menorca war und hatte es irgendwie viel karger in Erinnerung – aber deine Bilder machen richtig Lust auf’s Reisen!

    • Liebe Marieke
      Mit der Natur hatte ich wohl viel Glück. Da es im Frühjahr ungewöhnlich viel geregnet hat und kühl war, durfte ich Menorca im Juni noch sehr grün erleben. Üblich ist das aber wohl nicht.
      Liebe Grüsse,
      Ellen

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