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Nutchel Waldcamp L’Alsace: Glamping inmitten der Natur

Kleines Haus inmitten der Natur
Im Herzen des Elsass befindet sich das Nutchel Forest Village Europas: ein Mini-Dorf mit 37 Tiny Houses, die «Cosy Cabins» genannt werden. Von Basel erreicht man das Walddorf in nur anderthalb Stunden.
Inhalt

Ausgerechnet die Nummer 13 ist unser Schlüssel zum Glück. Wir, das sind ausnahmsweise nur mein Sohn Tim und ich. Die 13 liegt etwa in der Mitte des Geländes und verzaubert uns schon von Weitem mit ihrer atemberaubenden Aussicht.

Nutchel Haus von aussen

Gemütliche Häuschen in der Natur

«Back to the roots», zurück zum Wesentlichen, das ist die Philosophie der Nutchel Villages, und meine Erwartungen waren dementsprechend eher bescheiden. Doch was mich hier erwartet, ist Luxus pur – nicht nur, wenn man Luxus als Auszeit fernab von Verkehrsrauschen und Handyklingeln versteht. Auch die Ausstattung der Hütten, die für zwei, vier oder sechs Personen ausgerichtet sind (wir haben eine grosse), ist mitnichten rudimentär: Die Häuschen verfügen über grosse, bequeme Betten, vollausgestattete Küchenzeilen mit Gasherd (natürlich ohne Spülmaschine, aber mit jeder Menge Geschirr, Besteck und Kochutensilien) und eine himmlische Sofaecke. (Es gibt auch solche mit einem Hot Tub auf der Terrasse, die jedoch der Privatsphäre zuliebe weiter unten am Waldrand liegen.) Statt einer Heizung gibt es einen Holzofen, statt eines Kühlschranks eine Kühlbox. Holz und Kühlakkus kann man sich an verschiedenen Stationen auf dem Gelände holen. Überhaupt ist hier alles äusserst durchdacht: Das Gepäck – und mitunter auch die Kinder – transportiert man mit kleinen Handkarren, die vor dem Haupthaus warten.

Ich würde mich durchaus als anspruchsvoll bezeichnen, was Ferien betrifft: Ich liebe Fünfsternhotels und ich liebe das hier, diesen einfachen Luxus. Es gibt ein paar Dinge, auf die ich ungern verzichte, und das sind eine heisse Dusche, eine «richtige» Toilette und eine Kaffeemaschine. All das gibt es hier. Und dazu die wundervollste Terrasse, ausgestattet mit Sitzgarnitur und Gasgrill. Wenn ich etwas vermisse – aber das ist wirklich gesucht –, dann vielleicht, dass es keine Schränke und im Bad nur schummriges Licht gibt. Apropos Licht: Die Lampe im Badezimmer ist die einzige im ganzen Haus. Dafür gibt es innen und aussen romantische Lichterketten. Zum abendlichen Lesen oder zum Spaziergang in der Dämmerung benutzt man kleine Solarlampen, die man beim Einzug erhält.

Nachhaltigkeit im Nutchel Waldcamp, ohne WLAN, mit viel Spass

Das Glampingdorf im Elsass, rund eine Autostunde von Colmar und Strassburg entfernt, ist nach Belgien das zweite Nutchel Waldcamp: Ein etwa sieben Hektar grosses brachliegendes Areal wurde hierfür revitalisiert und renaturiert. Das Material der Vorgängergebäude wurde teilweise recycelt und wiederverwendet, das Gelände mit über 3700 Bäumen aufgeforstet. Wer hier übernachtet, unterstützt die weitere Renaturierung des Standorts.

Gelände Nutchel

Wir erkunden das Gelände. Es gibt ein Haupthaus, das sogenannte «Cosy Chalet», das neben der Rezeption einen kleinen Selbstversorger-Laden und einen grossen Spielraum beherbergt. «Die haben so tolle Ideen», schwärmt Tim, als er die Spielsachen sieht. Neben einer riesigen Kiste Kapla gibt es viele andere Holzspielsachen, die wir gar nicht kennen. Ein Maltisch darf natürlich auch nicht fehlen. Ausserdem gibt es ein Regal mit unzähligen Gesellschaftsspielen, die man auch ausleihen darf. Ach ja, bevor ich es vergesse: Es gibt kein WLAN im ganzen Walddorf. Das würde der Philosophie der Gründer widersprechen. Tim ist neun und zwar in einem Alter, in dem WLAN zum Glück noch nicht so interessant ist, die Zeit des romantischen Spielens in der Natur aber auch langsam vorbei ist. Hier nicht. Denn hier ist eigentlich alles Spiel: Man kann an der Wand des Haupthauses klettern, über die im ganzen Areal verteilten riesigen Baumstämme balancieren, im Wald Hütten bauen. Es gibt sogar einen Vita-Parcours. Der «Zurück zur Natur»-Ruf ist hier ganz selbstverständlich, ohne erhobenen Zeigefinger. Und genau das gefällt mir.

Für den Abend haben wir ein Barbecue-Paket vorbestellt, das so grosszügig ausfällt, dass wir es nicht schaffen. Macht nichts, so haben wir am nächsten Tag auch noch etwas davon. Leider – und das ist der einzige Wermutstropfen während unseres Aufenthalts – machen uns die vielen Wespen einen Strich durch die Rechnung. Ohne die kleinen Plagegeister hätten wir sehr viel mehr Zeit auf der Terrasse verbracht. Aber auch das gehört nun einmal zur Natur. Aus demselben Grund nehmen wir unser Frühstück am nächsten Morgen – auch das kann man vorbestellen, aber auch Croissants und Baguette im kleinen Laden kaufen – im Haus ein. Der Vorteil ist, dass wir weniger lange schlemmen und schneller aufbrechen. Denn wir wollen ja auch etwas von der Umgebung sehen.

Ausflug zum heiligen Berg «Donon»

Da das Elsasser Nutchel im Gegensatz zu seiner belgischen Schwester noch keine Fahrräder vermietet, haben wir unsere eigenen mitgebracht. Unser heutiges Ziel: der Donon, der heilige Berg, auf dem ein Tempel thront. Eine Stunde und elf Minuten, steht auf dem Zettel an der Pinnwand mit Ausflugstipps. Schaffen wir locker, denke ich. Wir fahren los, bergauf, durch den Wald, an der Strasse entlang. Am Strassenrand verfallene Häuser, es wirkt ausgestorben, ja fast gespenstisch. Dazwischen immer wieder auch ganz hübsche Gebäude, eine Kirche. Auch das Wetter ist wechselhaft und schlägt langsam, aber sicher ins Ungemütliche um. Vor allem aber wird die angegebene gute Stunde irgendwie nicht kürzer, und so drehen wir – der Kleine ist inzwischen komplett erschöpft – zähneknirschend um, bevor wir das Ziel erreicht haben. Es ist ein Kampf zurück nach Hause, vor allem auch, weil die Enttäuschung unseren Geist «entflügelt». Die Bushaltestellen, unsere letzte Hoffnung, sind genauso ausgestorben wie die Häuser. Ein Fahrplan? Fehlanzeige.

Als wir die Tour zum Tempel am nächsten Tag mit dem Auto nachholen, bin ich heilfroh, dass wir am Vortag rechtzeitig umgekehrt sind: Vom Parkplatz aus läuft man nochmals eine gute halbe Stunde auf den Gipfel des Donon. Und zwar durch den Wald über riesige Steine. Das Ziel entschädigt uns für all unsere Mühen: Eindrücklich erhebt sich der Tempel über uns. Während sich auf dem Plateau Überbleibsel keltischer und römischer Kultstätten befinden, ist der heutige Tempel auf dem Gipfel ein rekonstruiertes Werk aus dem 19. Jahrhundert.

Tim ist hell begeistert. Der Abstieg geht schnell, den Rest des Tages machen wir es uns mit Buch und Decke auf dem Sofa gemütlich. Wann hat man schon mal stundenlang Zeit und Musse, um vorzulesen?

lesen Nutchel

Die Hohkönigsburg, der Affenberg in Kintzheim und ein erfrischender Pool

Am nächsten Tag ist plötzlich Sommer. Wir streifen durch die Natur, ziellos. An den Pool, den sich die «Dorfbewohner» teilen – es gibt übrigens auch zwei Saunen – zieht es uns erst, als alle anderen sich zum Abendessen aufmachen. Das Wasser ist kalt, aber angenehm. Die perfekte Erfrischung.

Auch am nächsten Tag lacht die Sonne vom Himmel. Tim hat sich zwei Ausflugsziele ausgesucht: die Hohkönigsburg, eine majestätische Burganlage aus dem 12. Jahrhundert, und den Affenberg in Kintzheim. Beide Attraktionen liegen in unmittelbarer Nähe voneinander. Zum Glück entscheiden wir uns zuerst für die Burg, denn bereits morgens um zehn Uhr ist der Besucherandrang gross. Tims Augen aber auch! Der Affenberg beeindruckt ihn hingegen weniger. Zu viel Lärm für die armen Affen, findet er.

Das Nutchel Waldcamp – ein Ort, um für immer zu bleiben

Der Abschied fällt schwer. Tim liebt Ferien, aber er liebt vor allem auch sein Zuhause und sein Zimmer. Doch jetzt will er partout nicht weg. «Hier will ich für immer bleiben», sagt er trotzig. Ich kann ihn verstehen. Das Nutchel Waldcamp ist ein ganz besonderer Ort. Friedlich und irgendwie heilsam. Das spürt auch Tim. Vielleicht auch, weil ich selbst friedlicher und ein bisschen geheilt vom Stress des Alltags war. Immerhin für ein paar Tage.

Weitere Informationen zum Nutchel Waldcamp, Preise und Buchungen: hier


Offenlegung: Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Einladung entstanden.


Wer schreibt hier?
Miriam Bosch Autorin Reiseblog Patotra
Miriam Bosch

Miriam kümmert sich seit Juli 2018 bei PATOTRA hauptsächlich um das Themengebiet Reisen mit Kindern.

«Als langjährige Journalistin ist es für mich selbstverständlich, mit Neugier und offenen Augen durchs Leben zu gehen. Doch nicht immer sieht man aus der eigenen Perspektive alles – und so bin ich glücklich und dankbar, dass mein Mann und meine Kinder (14 und 8 Jahre) meine Weltsicht erweitern.

Ich liebe es, neue Welten zu entdecken – seien sie nah oder fern. Low-Budget-Reisen durch Südostasien gehören für mich ebenso dazu wie ein Verwöhnwochenende in den Alpen. Wichtig sind mir vor allem zwei Dinge: Die Reiseorte müssen authentisch sein. Und: Sie müssen nicht nur mich und meinen Mann, sondern auch unsere Kinder begeistern.»

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