Pays-d’Enhaut – Unterwegs im Land der Höhenflüge

Das Pays d'Enhaut im Kanton Waadt ist vor allem berühmt wegen des internationalen Ballonfestivals in Chateau d'Oex. Dieses Stück Bilderbuchschweiz hat aber noch viele weitere Höhenflüge zu bieten.

Die Welt ist von Glitzerstaub umhüllt! Wie tausend winzige, funkelnde Diamanten! Wenn sich Wolken und Nebel langsam zu verziehen bringen die Sonnenstrahlen das hervor, was dem Auge normalerweise verborgen bleibt. „Wir nennen es den ewigen Schnee“, erklärt mit Nicolas Tieche.

Er muss es wissen. Immerhin ist er einer der ganz Grossen der Ballonfahrerszene. Seit 1985 hat er seinen Ballon-Führerschein und mehrere Teilnahmen am Internationalen Ballonfestival Château d’Oex und am berühmten Gordon Bennet Cup. Der Gordon Bennet Cup ist die älteste, jährlich stattfindende internationale Ballonsportveranstaltung für Gasballone, bei der die Entfernung vom Ausgangspunkt entscheidend ist.

Ein kleinses Bisschen vom Kampfesgeist des sympathischen Westschweizers bekomme ich auf meinem Flug am internationalen Ballonfestival auch zu spüren. Weit fahren werden wir zwar nicht an diesem Tag nicht, denn es ist fast windstill, dafür fliegen wir aber umso höher. Wir lassen die anderen Heissluftballons, wie bunte Stecknadelköpfe weit unter uns.

Als Lohn eröffnet sich uns ein traumhafter Blick über das Pays-d’Enhaut. Ich kann mich kaum sattsehen. Die Stille – unbeschreiblich. Abgesehen vom gelegentlichen Gas- bzw. Feuerschub, mit dem Nicolas hin und wieder den bunten Ballon über uns befeuert, ist hier oben kein Ton zu hören und kein Lüftchen zu spüren. Logisch, schliesslich reisen wir mit dem Wind. Nur beim Auf- und Absteigen spürt man ein wenig den Wind in den Haaren.

Uns zu Füssen breitet sich das Winterwunderland aus, durch das sich die Saane in eleganten Kurven schlängelt.

Das Pays d’Enhaut

Das Pays d’Enhaut im Waadtland beginnt kurz hinter Gstaad und es umfasst die Gemeinden Rougemont, Château d’Oex, Rossinière und ein paar dazugehörige Weiler. Eine beschauliche Gegend mit hübsch verzierten, historischen Holzhäusern, sanften Hügeln und felsigen Bergflanken, die sich in die Höhe recken. Fast könnte man meinen, hier wäre die Zeit stehen geblieben. Wären da nicht einige schicke, moderne Hotels, die sich jedoch völlig unaufdringlich und bodenständig ins Ortsbild fügen. Wer mit dem Zug anreist, wird sich mit etwas Glück ins letzte Jahrhundert katapultiert fühlen.

Anreise mit dem Zug – Ein Hauch von Miss Marple

Ich habe Glück! Von Zweisimmen fährt der Golden Pass Classic mit einem Zug aus der Belle Epoche. Ich fühle mich ein wenig wie Miss Marple. Begleitet von den begeisterten „Ahs“ und „Ohs“ einiger Mitreisender geniesse ich die Aussicht. Eine Bilderbuchschweiz zieht an mir vorbei. Im beschaulichen Örtchen Rougement endet meine Fahrt.

Zuhause im Hotel Valrose

Direkt neben dem Bahnhof Rougement befindet sich das Hotel Varose. Eine kleine Perle mit urgemütlichen Zimmern, einer sehr feinen Küche und einer wunderbaren Aussicht auf die Schneeberge, deren Weiss hin und wieder von den durchflitzenden, bunt gekleideten Skifahrer durchbrochen wird.

Ein idealer unsd angenehmer Ausgangspunkt um Land und Leute kennenzulernen.

Das Musée du Vieux Pays-d’Enhaut in Château d’Oex – von vergangenen Zeiten und federleichten Kunstwerken

Mehr über das Leben und die verganegenen Zeiten im Tal erfahre ich im liebevoll gestalteten Musée du Vieux Pays-d`Enhaut. Neben Alltagsgegenständen, die über das Leben und Arbeiten in der Region berichten, findet sich hier auch eine schöne Sammlung an Gemälden, Stichen und Drucken und nicht zu vergessen: Scherenschnitte. Eine Kunstform, die bis heute in dieser Region aktiv betrieben und perfektioniert wird. Aus meist schwarzem Papier entstehen mit Cutter und Schere federleichte Landschaften und Szenen aus dem bäuerlichen Leben.

Wer sich selbst in dieser Kunst probieren möchte, dem bietet die Künstlerin Corinne Karnstädt Scherenschnittkurse an . Während sie mit Leichtigkeit wunderschöne filigrane Szenen in das Papier schneidet, üben die Kursteilnehmer erst einfache Sujets. Spass macht es allemal. Naja, mein Resultat ist so la la und natürlich möchte ich erfahren, wie man es zu solcher Perfektion bringen kann.

Corinne lacht. „Ich mache das bereits seit zehn Jahren. Am Anfang hatte ich einen Krampf in den Händen und meine Arme taten weh. Die ersten Ergebnisse waren auch bescheiden. Aber es ist eine Passion. Ich konnte nicht mehr aufhören und das viele Üben bringt dann die Fortschritte.“ Fortschritte, die sich bei ihr durchaus sehen lassen können. Ich bin beeindruckt. Ihr Markenzeichen sind übrigens in den Bildern versteckte kleine Büstenhalter, verrät sie mir mit einem Augenzwinkern.

Château d’Oex wo sich alles um Höhenflüge dreht

Châteaux d’Oex ist von Rougemont aus in wenigen Minuten mit dem Zug erreicht. Schon in der kunstvoll bemalten Bahnhofsunterführung bekommt man einen Vorgeschmack auf das, was die Region zu bieten hat.

Auf den Herrn auf dem Bild bzw. auf seine zeitweilige Behausung treffe ich auf dem Platz vor dem Espace Ballon,  Hier steht die Kapsel mit der Bertrand Piccard am 12. Januar 1997 von Château d’Oex zu seinem ersten Weltumrundungsversuch mit dem Ballon startete. Dieser endete wegen eines Lecks frühzeitig im Mittelmeer bei Montpellier.

Erst der Dritte Anlauf zur Weltumrundung, der am ersten März 1999 ebenfalls in Château d’Oex begann, war schliesslich von Erfolg gekrönt.

Museum Espace de Ballon

Im Espace Ballon selbst dreht sich alles um die Geschichte der Luftfahrt im Heissluftballon. Angefangen von den französichen Brüdern Motgolfière, die 1782 den ersten erfolgreichen Versuch einer Ballonfahrt unternahmen, bis hin zu den heutigen Rekorden rund um die Ballonfahrt. Montgolfière ist übrigens das französiche Wort für Heissluftballon und eigenartigerweise werden die Ballons sowohl im französischsprachigen Raum, als auch im englischsprachigen Raum „geflogen“ und nicht, wie im deutschen Sprachgebrauch „gefahren“.

Internationales Ballonfestival in Château d’Oex

Alljährlich findet in Château d’Oex das Internationale Ballonfestival statt. Hier trifft sich das Who-is-Who der Ballonfahrerszene. Aber auch Normalbürger haben hier die Möglichkeit den Traum vom Fliegen, bzw. Fahren, wahr zu machen. Ein einzigartiges Erlebnis in einzigartiger Atmosphäre. Wer Glück hat, sieht dabei sogar das Glitzern der Welt.

Neben diesem atemberaubenden Höhenflug hat das Fesitval noch einiges mehr zu bieten:

Ein unvergessliches Erlebnis ist es am Night Glow, einem Spektakel rund um die Ballons, mit Licht und Musik dabei zu sein. Heissluftballons, die im Takt der Musik mit einem Feuerstrahl erhellt werden, waghalsige Paraglider, die Feuerfontänen hinter sich herziehen und ein fantastisches Feuerwerk lassen mich aus dem Staunen nicht rauskommen. Das Publikum ist begeistert und tut diese Begeisterung mit lautem Johlen und Klatschen kund.

Den besten Blick hat man übrigens von der kleinen Kirche aus, die auf einem Berg liegt.

Gut zwei Stunden stehen wir in der Kälte. Auch wenn die Zeit rasend vorbei geht, ist die Freude gross im Anschluss am Warmen den kulinarischen Spezialitäten der Region zu frönen.

Fondue im Chalet Château d’Oex

Besonders gut geht dies im Chalet Château d’Oex, das Schaukäserei und Restaurant in einem ist. Hier kommt bei mir nur Brot auf den Teller, das ich genüsslich in den cremigen, blubbernden Käse tunke. Essen wie Gott in der französischen Schweiz. Auch wenn die Region durchaus einige kulinarische Höhenflüge zu bieten hat, tut es zuweilen auch ein bodenständiges und ehrliches Fondue. Der Geselligkeitsfaktor eines Fondue ist ohnehin unschlagbar.

Aber den grössten Höhenflug, ohne die anderen dabei mindern zu wollen, den finde ich hoch oben in der Luft!

Und hier stehe ich nun, ohne festen Boden, dafür aber mit einen festen Korb unter den Füssen. Die Welt unter mir erscheint fast unwirklich schön. Selbst die Tannen haben sich in ihrem winterlichen Kleid herausgeputzt. Mit Bedauern stelle ich fest, dass Nicolas bereits Ausschau hält nach einem geeigneten Landeplatz. „Wir müssen den Wind immer genau im Auge haben. Manchmal ändert er sich von Luftschicht zu Luftschicht ganz schnell“, erklärt er mir, als er den angepeilten Landeplatz wieder verwirft, um noch einmal weiter nach oben zu steigen. Der zweite Anlauf klappt dann prima, ganz ohne Rütteln hat mich die Erde wieder.

Gekonnt wird der Ballon wieder verpackt. Etwas sehnsüchtig blicke ich in den Himmel, wo noch immer bunte Ballons den Himmel zieren.

Solltet Ihr jemals die Gelegenheit haben mit einem Ballon mitzufahren, dann tut es. Unbedingt! Ein Erlebnis mit einem grossen Suchtpotential. Es ist soooo schön!

Mit sonnigen Grüssen,

Weitere Infos rund um Rougemont und Château d’Oex

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Ich empfehle mit dem Zug anzureisen! Eine zauberhafte Anfahrt und mit etwas Glück, oder Planung, vielleicht in einem historischen Zug!

Sehr empfehlen kann ich das Hotel Valrose, direkt am Bahnhof von Rougemont.

Ausserdem das Hotel de Rougemont. Ein sehr schickes Hotel, in dem ich allerdings nicht selbst übernachtet habe.

Sehr zu empfehlen sind:

  • das Restaurant Valrose in Rougemont,
  • das Restaurant vom Hotel de Rougemont. Eine ausgezeichnete rafinierte und leichte Küche.
  • das Le Chalet in Châteaux d’Oex. Hier stehen Käsespezilitäten im Mittelpunkt. Eine Erlebnisgastronomie mit lokalen Spezialitäten. Hier lässt sich wohl auch der Sohn von Charlie Chaplin hin und wieder blicken, so wurde es mir gezwitschert.

Das Internationale Ballonfestival von Château d’Oex findet alljährlich statt. Ein unvergessliches Spektakel!
Preise und Reservierungsmöglichkeiten feinden sich auf der Homepage

Corinna Karnstädt (info@kcreation.ch)
www.kcreation.ch

https://www.region-du-leman.ch/de/

 

Wer schreibt hier?

Die Autorin: Ellen Gromann-GoldbergEllen Gromann-Goldberg

Globetrotterin mit Anhang, immer mit der Kamera im Anschlag und dem Notizblock in der Hand. Mit und ohne meine Familie, zwei Teenager, ein Twen und mein Mann, bin ich auf der Suche nach den besonderen Orten, Erlebnissen und Geschichten rund um die Welt und in meiner Heimat am schönen Bodensee.
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Offenlegung: Diese Reise wurde vom Tourismusverband Genferseegebiet unterstützt.


 

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