Raus aus dem Alltag – eine traumhafte Wanderung im Unterengadin

Eine traumhafte Bergwanderung im Unterengadin, entlang der Via Engiadina, von Guarda nach Ardez.

Einfach mal den Alltag Alltag sein lassen. Aus dem täglichen Trott ausbrechen und den Kopf auslüften. Wo könnte das besser gelingen, als auf einer Bergwanderung im Kanton Graubünden?

Im östlichsten Teil der Schweiz, unweit der Grenze zu Südtirol und Österreich, liegt ein landschaftliches und kulturelles Paradies: das Engadin. Verträumte Dörfer, wo die Häuser mit den typischen Sgraffito die Handschrift rätoromanischer Wohnkultur tragen, mächtige Berge, die sich bis auf 4’049 m.ü.M. (Piz Bernina) reichen und schier endlose Landschaften mit lichten Wäldern prägen das Bild dieser einzigartigen Region.

Hier wird ein Ausbruch aus dem Alltag zu einer Reise in eine längst vergangen geglaubte Welt. Hier, wo die Kinder Fremden noch ein freundliches “Allegra!” zurufen, scheint die Welt noch in Ordnung.

Zauberhaftes Guarda

Ich erkunde mit meiner lieben Bloggerkollegin von Chronic-Wanderlust, das Engadiner Dörfchen Guarda. Guarda hat nur rund 190 Einwohner. Ein Winzling also und doch kennt das Dorf in der Schweiz vermutlich jedes Kind. Und das nicht etwa, weil das Dorf mit seiner Bausubstanz aus dem 16. und 17. Jahrhundert zu den „schützenswertesten Dörfern der Schweiz“ zählt. Auch nicht wegen der mit Meerjungfrauen, Drachen und anderen Fabelwesen reich verzierten Fassaden. Es ist der Autorin Selina Chönz zu verdanken, dass Guarda sogar über die Landesgrenzen hinaus dem Einen oder Anderen ein Begriff ist. 1945 erschuf sie den „Schellen-Ursli“. Der Junge mit der Glocke (Schelle) verzaubert seither Generationen. Das Buch wurde bislang in acht Sprachen übersetzt.

Wanderung auf der Via Engiadina von Guarda nach Ardez

Auf dem Schellenursliweg, einem Themenweg für Familien, beginnt auch die zweite von fünf Etappen des Weitwanderwegs Via Engadina von Guarda nach Ardez. Von dem auf 1’653 m.ü.M. gelegenen Dörfchen Guarda geht es von Beginn an stetig bergauf, immer dem kleinen Bergsträsschen folgend.

Wanderung im Unterengadin

Durch ein schattiges Wäldchen mit duftenden Nadelbäumen.

Wanderung Guarda Ardez

Die Ausblicke ins Tal und bergwärts verzaubern und als wäre das nicht schon betörend genug, wirft ein Strässchen dem aufmerksamen Wanderer ein Herz zu. <3

Herzstrasse Graubünden

Nach etwa 1:40 Stunde ist die Alp Suot auf 2’018 m.ü.M. erreicht. Wir haben Glück. Die Ziegenalp ist noch bewirtet und so geniessen wir die spätsommerliche Sonne und erfrischen wir uns bei Holundersirup und kühlem Pfefferminztee.

Von hier geht es auf schalem Pfad weiter bergwärts dem Bergrücken folgend zur Alp Sura auf 2’218 m.ü.M. Die Natur hat ihren Tisch reich gedeckt: Heidelbeeren und Preiselbeeren wachsen am Wegesrand in Hülle und Fülle.

Über Alpwiesen erreichen wir bei der Alp Murtera Dadoura den höchsten Punkt der Wanderung auf 2’143 m.ü.M. Hier öffnet sich der Blick hinunter ins Tal und auf die steilen Felswände der umgebenden Bergketten.

Von nun an geht es bergab. Begleitet vom Bimmeln der Kuhglocken queren wir die Weiden. Zwei Herren stehen vor einem Maiensäss. Hier redet man noch miteinander, wenn man sich begegnet. Man tauscht ein paar nette Worte und wandert dann weiter. So macht uns der ältere Herr, vermutlich der Senn, darauf aufmerksam, dass sich ganz in der Nähe des Hauses ein Murmeltier in der Sonne wärmt.

Es hat kaum scheu und wir kommen ganz nah an die Murmeltierdame ran.

Hübsches Ardez

Immer weiter geht es nun bergab, bis irgendwann die Burgruine Steinsberg auf einem Fels über dem Dorf von Ardez in der Ferne erscheint.

Wir folgen der Bergstrasse bis runter nach Ardez auf 1’467 m.ü.M. Noch so ein zauberhaftes Engadiner Dorf! Viel Zeit bleibt mir leider nicht mehr, denn schon bald fährt mein Zug zurück in den Alltag. Ich verabschiede mich von Viki und schnappe mir im Vorbeifliegen beim Bäcker noch ein Salsiz (luftgetrocknete, geräucherte Wurst) und ein Semmeli (Brötchen) auf die Hand und schon bin ich wieder auf dem Weg zurück nach Hause an den Bodensee.

Vielen Dank liebe Viki für die grandiose, spontane Entführung aus dem Alltag! Was für eine wunderschöne Wanderung im Unterengadin!

Schaut mal hier, was Viki sonst noch so erlebt hat, in dieser wunderschönen Gegend: Urlaub in Scuol – Wandern und Natur pur im Unterengadin

Infos zur 2. Etappe der Via Engadina

Die Wanderung ist mit 13,7 km und einer Dauer von 4 Stunden angegeben.
Auf- und Abstieg: 537/750 Höhenmeter

Tatsächlich haben wir wohl 20,5 km zurückgelegt und waren 5 Stunden und 40 Minuten unterwegs. Ich vermute mal, dass der Schlenker zur Alp Suot nicht eingerechnet war. Der hat sich aber auf jeden Fall gelohnt!

Was für eine traumhafte Wanderung! Wer aus dem Alltag ausbrechen möchte, dem könnte ich kaum etwas Schöneres empfehlen! Also, schnürt die Wanderschuhe und ab in die Berge. Schöner kann man den Kopf nicht freibekommen.

Mit sonnigen Grüssen

Eure Patotra
Weitere Tipps und Infos für die Region:
Ich bin bereits am Vorabend mit dem Zug angereist und habe im Hotel Filli in Scuol übernachtet. Die Zimmer sind einfach, aber sehr sauber. Der Service ist äusserst freundlich und aufmerksam und das Essen im Hotel ist ausgezeichnet! Das Hotel ist also durchaus empfehlenswert.
Hotel Filli: https://www.filli-scuol.ch/

Wer mit mehr Zeit kommt, dem möchte ich in Scuol die Führung Bacharia Alpina empfehlen. Hier erfährt man viel über die traditionelle Herstellung von Trockenfleisch – dem berühmten Bündnerfleisch. Zudem gibt es auch jede Menge zu degustieren.
https://scuol-zernez.engadin.com/de/veranstaltung/bacharia-alpina-alpine-fleischhandwerk


Weitere Leseempfehlung: Oliver vom Weltreiseforum war auf der Via Engadin unterwegs und berichtet darüber, was diesen Weitwanderweg so besonders macht: Was die Via Endiadina einzigartig macht

Wer schreibt hier?
Ellen Gromann-Goldberg
Es geht nicht darum, Länder zu sammeln, sondern darum das Leben mit besonderen Augenblicken, Landschaften, Orten, Aktivitäten und Begegnungen zu bereichern. Das ist für Ellen die Essenz des Reisens. Mit viel Passion hält sie diese in ihren Texten und Bildern fest. Gerne auch gewürzt mit dem Duft und Geschmack regionaler Köstlichkeiten.
Neben Ihrer Tätigkeit als Bloggerin und Chefredakteurin von Patotra, arbeitet Ellen auch als freie Journalistin und Content Creator.

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Offenlegung: Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Einladung von Graubünden Ferien und Egadin/Samnaun/Val Mustair. Meine Begeisterung bleibt davon unberührt!


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