Warum Reisen auch in diesen Zeiten für mich so wichtig ist

Um uns herum passieren dieser Tage grauenvolle Dinge. Wir dachten Corona sei ein Problem. Jetzt überschatten die Ereignisse in der Ukraine, mitten in Europa, alles. Ein einzelner, verrückter Mensch scheint unsere Welt im Griff zu haben. Er verbreitet Terror und stellt sich gegen unsere Werte – gegen die Freiheit, Menschlichkeit und Demokratie. Es trifft uns alle ins Mark. Aber vor allem trifft es die Menschen, die in der Ukraine zu Hause sind. Sie erleben grauenvolles. Frauen, Kinder, alte Menschen müssen flüchten – ihre Söhne und Männer verlassen. Das Leid ist unermesslich.

Doch Europa steht zusammen. Wir zeigen Solidarität und viele von uns bringen sich helfend ein. 

In den sozialen Netzwerken wird diskutiert, ob wir Reiseblogger in solchen Zeiten überhaupt noch hübsche Reisefotos und Reiseberichte posten sollen. Was für eine merkwürdige Diskussion! Es ist niemanden geholfen, wenn wir das nicht tun. Viele von uns leben von diesem Job. Man solle sich öffentlich gegen den Krieg positionieren heisst es weiter. Natürlich positionieren wir uns gegen den Krieg. Auch wenn wir hin und wieder über nette Auszeiten schreiben, ist für viele von uns die Verständigung der Völker eine grosse Triebfeder. Für mich persönlich gibt es nichts Schöneres und nichts Wichtigeres auf meinen Reisen, als die Begegnung mit anderen Menschen.

Ich möchte lernen, wie sie leben, welche Sorgen sie haben, welche Freuden – und ich möchte Freundschaften knüpfen. Freundschaften unter den Menschen und Empathie sind für mich die Grundlagen für ein friedliches Miteinander. Freundschaft, das ist das, was man in freudigen, wie in dunklen Zeiten braucht.

Ich schreibe diese Zeilen während meine Freundin aus Kiew, Ihre Mutter und ihre Schwiegermutter bei mir am Frühstückstisch sitzen. Ihr jüngerer Sohn, der heute seinen 18. Geburtstag feiert, schläft noch.

Olga und ich haben uns vor über 30 Jahren während des Studiums kennengelernt. Sie hat ein Auslandssemester an meiner Uni verbracht. Das war Anfang der 1990er Jahre. Der Kontakt ist nie abgebrochen – auch wenn wir uns seitdem nie wieder persönlich gesehen haben. Den sozialen Netzwerken sei Dank, wurde es immer einfacher den Kontakt zu halten und gegenseitig ein Stück weit an unseren Leben teilzunehmen. Wir beide hätten uns ein Wiedersehen nach über 30 Jahren unter erfreulicheren Umständen gewünscht.

Wichtig ist die Freundschaft, die persönlichen Bande die geknüpft wurden. Es fühlt sich an, als wären unsere gemeinsamen Studentenparties erst gestern gewesen.

Freundschaft ist das Zauberwort, das uns in guten, wie in schlechten Zeiten trägt. Für mich war es schon immer das Schönste auf meinen Reisen Menschen kennenzulernen, Freundschaften zu schliessen, etwas über ihr Leben zu erfahren, über Ihre Freuden, über Ihre Nöte. Das ist für mich die Quintessenz des Reisens. 

Natürlich geniesse ich auch kleine Auszeiten in hübschen Hotels und schönen Gegenden. Aber mein eigentlicher Antrieb ist tatsächlich die Verständigung der Völker.

Geprägt hat mich hier am allermeisten mein Vater. Sein Motto war: Wenn jeder in jedem Land einen Freund hat, wird es nie wieder einen Krieg geben!

Ganz so einfach ist das leider nicht – dennoch ist das meine Triebfeder. Ich bin dankbar für die Freundschaften, die ich im Laufe der Jahre schliessen durfte. Ich bin dankbar, dass ich meiner Freundin und ihrer Familie in diesen bitteren Zeiten beistehen und Zuflucht geben kann.

Bei all den negativen Effekten, all den Diskussionen rund ums Reisen sollten wir die durchaus positiven Effekte nicht vergessen! Es hilft niemandem, wenn wir uns in unserer kleinen Welt einigeln und nicht mehr über den geografischen und kulturellen Tellerrand blicken. Das macht die Welt keinen Deut besser.

Ich hoffe sehr, dass ich Olga und ihre Familie irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft in Kyiv besuchen kann. Ich hoffe sehr, dass dieser hässliche, völlig unnötige Krieg sehr bald zu Ende ist. Ich hoffe, dass die in diesen schwierigen Zeiten gelebte Solidarität bestehen bleibt, dass wir auch weiterhin zusammenstehen uns beistehen, Freunde sind.

Ein grosses Dankeschön möchte ich an die vielen grossartigen Menschen da draussen sagen, die bereit sind neue Freundschaften zu schliessen, die helfend anpacken und durch Ihr Mitgefühl und ihre gelebte Solidarität das Leid ein wenig mildern.

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