Reisen mit Teenagern – ein Horrortrip?

Reisen mit Teenagern Titel

Anlass für diesen Blogpost ist eine Buchrezension von Kira Hanser in der Welt, zu dem Buch „Ihr seid so peinlich! Wie Eltern die Ferien mit Teenagern überleben“ von Georg Weindl. In dem Buch werden wohl auf witzige Art und Weise „die härtesten Tage des Jahres“ beschrieben. Nein, ich habe das Buch nicht gelesen – und werde es auch nicht lesen.

Allein schon die Rezension hat bei mir ein heftiges Kopfschütteln ausgelöst.

Wir reisen mit 2 ½ Teenagern, der Jüngste wird bald 12 und die beiden anderen sind 14 und 17 Jahre alt.

Klar ist auf Reisen mit drei Kids nicht immer alles eitel Sonnenschein – wieso sollte es auch so ganz anders sein, als zu Hause. Aber ist Reisen mit Teenagern tatsächlich ein Horrotrip?

Ich frage mich, was man anstellen muss, um die Ferien als „härteste Zeit des Jahres“ zu empfinden – auch wenn das überspitzt formuliert ist.

Ich werde immer wieder gefragt, ob unsere Kinder denn noch mit uns verreisen wollen und immer wieder überrascht mich diese Frage. Klar werden unsere Kids irgendwann nicht mehr mit uns reisen, aber sie wohnen alle noch zu Hause und sind noch nicht volljährig…  Noch keines unserer Kinder ist bislang auf die Idee gekommen nicht mit in den Familienurlaub zu fahren. Und ja, wir Eltern finden Ferien mit den Kids toll! Nicht immer unkompliziert und eitel Sonnenschein, aber in der Summe immer lohnenswert.

Machen wir etwas anders? Ich frage mich, wie andere Eltern den Urlaub planen. Bei uns haben da alle ein Mitspracherecht und es wird gemeinsam entschieden – immer im Rahmen der Möglichkeiten. Über das Reiseziel kann also keiner Motzen.

Die genaue Ausarbeitung übernehme ich dann. Dabei ist es mir wichtig, die unterschiedlichen Vorlieben zu berücksichtigen. Unser Mittlerer, 14 Jahre, angelt gerne. Klar schaue ich dann, dass er unterwegs die Möglichkeit hat, zu angeln. Die Grosse mag alle Arten von Wasseraktivitäten. Logisch suche ich auch da nach einem passenden Programmpunkt.

Reisen mit Teenagern 2

Da sie, wie die meisten Mädels in dem Alter auch gerne shoppen geht gibt es natürlich auch dazu Gelegenheit. Eine Vorliebe, die sie mit unserem Jüngsten teilt. In jedem Urlaub steht folglich auch eine Stadtbesichtigung mit anschliessendem Shopping auf dem Programm.

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So eine Planung ist sehr zeitintensiv, aber mir ist es das allemal wert.

Damit es keine Diskussionen ums Geldausgeben für Souvenirs etc. gibt bekommen die Kids am Anfang der Ferien ihr Feriengeld. Das müssen sie sich dann selbst einteilen. So gibt es auch diesbezüglich keine Diskussionen.

Wir Eltern sind gerne in der Natur unterwegs. Logisch, sind unsere Kinder auch im Urlaub nicht immer mit vollster Begeisterung dabei, wenn wir mal wieder wandern wollen. Das sind sie zu Hause ja auch nicht. Wenn die Landschaft bzw. der Wegverlauf aber besonders schön ist, werden sie recht schnell zahm. Ein wenig gemotzt wird dann zwar immer noch, aber spürbar aus Prinzip und nicht aus tatsächlicher Überzeugung.

Laut Weindl wollen Jugendliche im Urlaub wohl nur „chillen und Geld ausgeben.

Klar wollen Kids im Urlaub chillen – es soll ja auch Eltern geben, die im Urlaub mal gerne chillen. Klar haben die Kids im Urlaub auch Spass daran Geld auszugeben“ – auch hier gibt es durchaus Eltern die sich mal etwas extra gönnen, weil eben Urlaub ist.

Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass diese Dinge in den Hintergrund treten, wenn wir Eltern uns die Mühe machen einige Programmpunkte im Urlaub einzubauen, die den unterschiedlichen Vorlieben gerecht werden.

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Wir haben so eine Woche auf einer fast einsamen Insel am westlichsten Rand von Irland überlebt. Ok zugegeben unsere Grosse durfte noch eine Freundin mitnehmen, was es sicherlich einfacher gemacht hat (eine vierer Konstellation ist einfacher, als eine dreier Konstellation, das hat aber mit der Tatsache, dass es sich um Teenager handelt nichts zu tun).

Nach dieser Woche waren sich unsere Kinder alle einig, dass das einer der schönsten Urlaube war. Ein wenig mulmig war mir vor diesem Urlaubsexperiment schon. Eine fast einsame Insel mit Teenagern? Was haben wir eine Woche lang auf der kleinen Insel gemacht? Wir waren angeln, auf dem Wasser unterwegs, wandern, reiten..

Es war für jeden etwas dabei. Dass man dabei auch mal etwas mitmacht, was man nicht so gerne mag ist selbstverständlich – für uns Eltern und für unsere Teenager. Schliesslich muss jeder mal für den anderen Kompromisse eingehen.

Happy Teens

Warum sollte es im Urlaub so ganz anders sein, als zu Hause?

Ach ja, der Buchrezension ist ausserdem davon die Rede,dass viele Eltern die Erwartung hätten, dass im Urlaub Gespräche stattfinden, für die im Alltag kein Raum bzw. keine Zeit ist. Die Jugendlich fühlten sich aber wohl von ihren Eltern schnell ausgefragt.

Auch hier kann ich nur den Kopf schütteln! Gespräche passieren unweigerlich, wenn man gemeinsame Zeit verbringt. Vorausgesetzt es ist nicht selbstverständlich, dass die Kids sich nur mit ihren Handys beschäftigen. Wenn ich als Elternteil zu bequem bin, auch mal eine handyfreie Zeit auszusprechen und durchzuziehen, dann muss ich mich nicht wundern, dass keine Gespräche stattfinden. Bei unseren Jungs, denen es etwas schwerer fällt ihren Handykomsum selbst zu kontrollieren bleiben daher diese Geräte im Urlaub von vorne herein zu Hause. Das ist allen vor der Reise klar – auch klar ist, dass es deshalb zuweilen gemurre gibt

Es ist unsere Aufgabe als Eltern uns mit unseren Kindern zu reiben. Wir müssen nicht in jeder Situation „very best friends“ sein.

Grundsätzlich geht es aber darum, den anderen auch Ernst zu nehmen. Einfach ist das Verreisen mit Teenagern ganz sicher nicht immer, aber wie gesagt, der Alltag mit Teenagern ist auch nicht immer einfach. Meines Erachtens liegt es aber hauptsächlich an uns Eltern, ob ein Urlaub mit Teenagern „gelingt“, oder nicht.

Sind wir bereit uns die Mühe zu machen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse einzulassen und uns dem entsprechend auch die Arbeit bezüglich der Reiseplanung zu machen? Sind wir bereit uns mit unseren Kindern auseinander zu setzen? – Damit meine ich durchaus auch mal eine Diskussion – Oder möchten wir lieber unsere Ruhe? Dann lassen wir den Kids ihre Daddelgeräte, oder wir gehen einem getrennten Programm im Cluburlaub nach.

So gelingt ein reibungsloser, bequemer Urlaub ganz sicher.

Gemeinsame Erlebnisse, von denen wir noch jahrelang zehren und über die wir auch noch jahrelang sprechen sind dann allerdings Fehlanzeige!

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So ganz anders ist das mit Teenagern, als mit kleineren Kindern ja auch nicht. Oder erwarten wir, dass unsere Kinder, nur weil sie Teenager sind, plötzlich keinen eigenen Willen mehr haben?

Sorry, aber ich muss immer noch den Kopf schütteln. Vielleicht bin ich ja völlig falsch gewickelt. Aber für mich ist Reisen mit Teenagern ganz gewiss kein Horrortrip!

Zumindest freue ich mich jetzt schon auf den nächsten gemeinsamen Urlaub mit unserenTeenagern, auch wenn ich weiss, dass nicht immer alles easy ist. Eben genauso, wie zu Hause auch.

In diesem Sinne, wünsche ich Euch viele gemeinsame Reiserlebnisse mit Euren Teenagern!

Mit sonnigen Grüssen,

Eure Patotra - klein

 

Jetzt bin ich gespannt. Was habt Ihr für Erfahrungen auf Reisen mit Teenagern gemacht? Ich freue mich über Eure Kommentare!

5 Comments

  • Liebe Ellen, du sprichst mir aus der Seele. Wenn man schon vorher „weiß“, dass der Urlaub ein Horrortrip wird, dann sollte man vielleicht in Betracht ziehen gar nicht erst zu reisen, denn dann stimmt von Anfang an etwas mit der Urlaubsplanung nicht. Aber zum Glück hat es ja jede Familie selbst in der Hand, den Urlaub so zu gestalten, dass er ein tolles Erlebnis für alle wird. Wie du schon schreibst – natürlich wird es immer im Urlaub auch Hochs und Tiefs geben – wie eben auch daheim, auch das gehört dazu. Aber wenn man mit einer negativen Einstellung in den Urlaub fährt und einen Horrortrip erwartet, wird es wahrscheinlich auch schwer werden, daraus schöne Ferientage zu machen… LG Antje

    • Liebe Antje,
      Genau das ist es! Wir als Familie müssen den Urlaub gestalten. Nur so kann er gelingen. Eigentlich tun mir Eltern, die das nicht verstehen richtig leid um die verpassten, schönen Reisemomente mit ihren Kindern.
      Nur gut, dass Deine und meine Kids so reiseverrückte Eltern haben, gell!
      Lieber Gruss,
      Ellen

  • Hallo, freue mich über Deinen Text, auf den ich bei der Google-Recherche zu dem Buch von Georg Weindl gestoßen bin. Das lese ich gerade, um es auf meinem Blog zu rezensieren – und stelle fest, was ich als Familien-Individualreisende überhaupt nicht weiß: wie es ist, den ganzen Tag in einer Hotelanlage zu verbringen und ergo auch im Teenager-Alter kaum Entfaltungsmöglichkeiten zu haben. Wenn man individuell plant und die Interessen jedes Familienmitglieds in Betracht zieht (OHNE immer jeden in jeder Minute absolut glücklich machen zu müssen – da hast Du völlig recht), hat man natürlich auch mit Teenagern jede Menge Möglichkeiten und muss nicht, wie in dem Buch angedeutet, vom Badehotel zum Club mit Teenie-Angebot wechseln, um die älteren Kinder altersgemäß anzusprechen. Was bei Euch das Wandern, ist bei uns die Kultur: Es wird gemurrt, und dann läuft es doch meist ganz gut und stellt sich als allgemeine Bereicherung dar. Sowieso sind die Größeren ja sehr aufnahmebereit für Eindrücke von anderen Gegenden und Kulturen – ein Punkt, der in dem Weindl-Buch gar nicht zur Sprache kommt. Was ich allerdings bereits in meinem Freundeskreis mitbekomme und was sicher viele Familien betrifft: Nicht jeder hat Lust und Muße zur individuellen Reiseplanung, woraus dann so mancher halbherzig gebuchte Pauschalurlaub resultiert. Aber zum Glück gibt’s da ja uns Reiseblogger und unsere Ideen 🙂
    Herzliche Grüße,
    Maria

    • Liebe Maria,
      Erst mal vielen Dank für Deinen Kommentar und schön, dass Du auf meinem Blog gelandet bist!
      Du hast absolut Recht. Vielen Eltern ist es offensichtlich zu mühsam und zeitaufwändig einen individuellen Reiseplan auszuarbeiten. Wobei ich der Meinung bin, dass es im Endeffekt viel mühsamer ist, sich mit den gelangweilten Teens auseinanderzusetzen. Aber sei es drum. Genau da sehe ich auch meine Aufgabe als Reisebloggerin. Ich serviere Reistipps und Vorschläge, die einfach nachgereist werden können. Also, liebe ELtern, bedient Euch bitte nach Herzenslust!
      Ich bin sehr gespannt auf Deine Rezension!
      Liebe Grüsse,
      Ellen

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