Reisen mit Teenagern – eine Gebrauchsanweisung

Kaffeezone Kolumbien
Wie, Reisen mit Teenagern? Sagt bloss, Eure Kinder gehen noch gerne mit in die Ferien? Wie oft habe ich diese Frage in den letzten Jahren gehört. Dabei kann es so einfach sein.

Wie, Eure Kinder kommen noch mit in die Ferien? Wie oft habe ich diesen erstaunten Satz in den letzten Jahren gehört. Unzählige Male – meist begleitet von ungläubigen Blicken.

Ja, unsere drei Kinder, mittlerweile zwei Teenager und ein Twen kommen noch gerne mit uns in die Ferien. Nicht immer. Es gibt tatsächlich Reisen, die unsere Kids, oder zumindest ein Teil davon doof finden – meist sind das kurze Hoteltrips. Daher versuchen wir diese eher zu vermeiden, oder nur noch ganz ausgewählte Hotels zu besuchen, die auch wirklich etwas für Teenager bieten. Nicht ganz einfach. Es scheint, als wären Familien mit meist voll zahlenden Teenagern von der Tourismusindustrie bislang noch weitgehend unentdeckt. Schade eigentlich, denn da wird ein grosses Potential vernachlässigt. Immerhin bestimmen die Teenager das Reiseziel häufig massgeblich mit.

So schwer ist es dabei gar nicht, Teenager glücklich zu machen. Ein chilliger Raum mit Musik und Unterhaltung, ein spannendes Sport- und Freizeitangebot und schon sind die meisten Teens zufrieden.

Ich wundere mich immer wieder, wie wenig Einfallsreichtum da von Hotels und Regionen häufig an den Tag gelegt wird. Gut, solange da also nicht viel geboten wird, sind wir Eltern gefordert! Denn nichts kann uns Eltern einen Urlaub so sehr vermiesen, wie ein unzufriedenes Kind – und das gilt für jede Altersgruppe!

→ Also heisst es Vorarbeit leisten, ins Gespräch kommen und herausfinden, was sich die Teenager wünschen und was sie von einem gemeinsamen Urlaub erwarten.

Eine Vorgehensweise, die ich übrigens auch schon mit kleineren Kindern sehr empfehle.

Angeln am Mirower See

Dann heisst es alle Wünsche, natürlich auch die von uns Eltern in einen Topf werfen, durchschütteln und sehen, was dabei herauskommt. Nein, ganz im Ernst alle Interessen sollten, wenn immer möglich berücksichtigt werden. Da heisst es natürlich auch gemeinsam Kompromisse zu finden. Lasst da, was die Recherche anbelangt ruhig auch mal Eure Teens aktiv werden. Auf Instagram und Co. lässt sich so einiges an spannenden Zielen und Unternehmungen entdecken.

→ Was sich als wahres Zaubermittel erwiesen hat, ist ein Highlight für jedes Familienmitglied einzuplanen.

Ein Teenager liebt Städte, also gehört ein Stadtbesuch auf das Programm. Der nächste Teenager mag Action. Da wäre es doch gelacht, wenn sich nicht irgendwo eine Klettermöglichkeit, eine Kajaktour, eine River Rafting Tour, ein Freizeitpark oder ähnliches finden würde. Teenager drei liebt Tiere. Auch für die Erfüllung dieses Wunsches hilft etwas Recherche. In den meisten Gegenden dieser Welt gibt es tolle und tierfreundliche Projekte. Seien es Steinbockbeobachtungen in den Alpen, Schnorcheln mit Seekühen, ein Besuch in einer Meeresschildkrötenaufzuchtstation oder der direkte Kontakt zu Elefanten beim Füttern.

Wenn jedes Kind etwas für seinen Geschmack geboten bekommt, lässt sich bestimmt auch mal die eine oder andere Wanderung den Eltern zuliebe aushalten. Das ist der Deal.

Was wir auf unseren Reisen immer wieder feststellen ist, dass unsere Teenager dann besonders zufrieden sind, wenn es viel zu entdecken gibt. Nur im Hotel und am Strand rumhängen ist eher kontraproduktiv. Das macht träge und ist langweilig. Langeweile ist der Feind der meisten Teens. (Nicht zu verwechseln mit geplantem Chillen!)

Unsere Kids lieben Roadtrips und sie tauchen gerne in neue Regionen ein.

Sie lieben aber auch altbewährtes. Nicht selten kommt der Wunsch ein bereits besuchtes Urlaubsziel noch einmal zu besuchen. Auch wenn wir Eltern eigentlich nicht unbedingt zu den notorischen Wiederholungstätern in Sachen Urlaubsziel gehören, können wir auch dieser Art zu reisen mittlerweile durchaus etwas abgewinnen. Ein langes Zurechtfinden entfällt. Das bedeutet Urlaub von der ersten Minute und fast noch wichtiger: Jeder weiss, was ihn erwartet. Zu hohe Erwartungen und die darauf folgenden Enttäuschungen entfallen also.

Manchmal sind wir Eltern selbst erstaunt, welche Ziele unser Kinder auf dem Schirm haben. Vor einigen Jahren waren wir auf einer winzigen Insel im Atlantik, vor der Westküste Irlands. Was gibt es dort: Wenig Menschen, viel Natur und ein Pub in dem abends häufig Lifemusik gespielt wird. Das wars. Mehr gibt es nicht! Ich hatte damals etwas Panik, wie das klappen würde, drei Teeanger auf einer Insel, auf der es kaum etwas gibt. Was soll ich sagen. Es war ein grandioser Urlaub und auf Wunsch unserer Teenager (!) geht es an Ostern wieder dorthin.

→ Lasst die Jugend also zu Wort kommen und plant Eure Ferien gemeinsam!

Tatsächlich bestimmen unsere Kinder unsere Urlaubspläne ganz massgeblich mit – und bislang sind wir damit sehr gut gefahren. Natürlich können und wollen wir nicht immer jeden Wunsch erfüllen, aber wir bemühen uns im Rahmen der Vorstellungen und Wünsche aller Familienmitglieder das nächsten Reiseziel und die nächste Reiseform zu finden.

Das funktioniert!

Eine Garantie für jederzeit super gelaunte Teenager hat man damit natürlich nicht. Genauso wenig, wie die Teenager eine Garantie auf ständig super gelaunte Eltern haben. Eine grosse Prise Gelassenheit ist bei uns Eltern auf Reisen genauso gefragt, wie im Alltag. Warum sollte das in den Ferien auch anders sein?

→ Manchmal muss man sich einfach selbst sagen: chill, relax, alles wird gut. Und dabei dreimal tief durchatmen. Das hilft!

In diesem Sinne wünsche ich Euch viele unvergessliche Reisen mit Euren Teenagern. Uns wird in letzter Zeit jedesmal schmerzlich bewusst, dass es möglicherweise die letzte gemeinsame Reise sein könnte, bei der wir alle zusammen als Familie auf die Suche nach gemeinsamen Erlebnissen und Abenteuern gehen und gemeinsame Erinnerungen sammeln. Nutzt sie und füllt die Schatzkiste des Lebens mit eben genau diesen Erinnerungen!

Mit sonnigen Grüssen,

Unsere schönsten Reisen mit Teenagern:

Europa:

Irland

Schottland

Deutschland

Österreich

Amerika

Kolumbien

Costa Rica

Florida

Asien

Thailand

Wer schreibt hier?

Die Autorin: Ellen Gromann-GoldbergEllen Gromann-Goldberg

Globetrotterin mit Anhang, immer mit der Kamera im Anschlag und dem Notizblock in der Hand. Mit und ohne meine Familie, zwei Teenager, ein Twen und mein Mann, bin ich auf der Suche nach den besonderen Orten, Erlebnissen und Geschichten rund um die Welt und in meiner Heimat am schönen Bodensee.
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7 Comments

  • Du sprichst mir aus der Seele. Auch unsere Kids sind mittlerweile soweit, dass sie es Doof finden mit uns zu verreisen. Allerdings haben wir immer noch den Joker „Philippinen“. Bei dieser Destination sind die Zwei immer Feuer und Flamme. Aber auch Teenager werde älter, und so langsam holt beide der Arbeitsalltag ein. Da wird es immer schwieriger, für alle Familienmitglieder eine gemeinsame Möglichkeit für Ferien auf einen Nenner zu bringen.
    LG, Urs

  • Hey, liebe Patotras!
    Ich selber habe keine Kinder, verbringe aber jedes Jahr eine Woche mit einer lieben Freundin mit Kids (6J & 9-going-on-13J). Das war ein wirklich interessanter Artikel für mich!
    Vielen Dank dafür!
    Liebe Grüsse
    Dina

  • Klingt toll! Ich habe keine Kinder, aber wenn ich mir anschaue, mit welchem Widerwillen manche Teenies in die tollsten Länder geschleppt werden, denke ich mir immer: Das Geld für die Reise hätten sich die Eltern auch sparen können. Das scheint ja bei Euch super zu klappen.

  • Liebe Ellen
    Herzlichen Dank für den Beitrag über Reisen mit Teenagern mit deinen Erfahrungen.
    Werde an deine Tipps denken, wenn es um die nächste Reiseplanung geht.

    lieber Gruss
    Natalie

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