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Reisetipp Singapur: Joo Chiat – jenseits der Touristenpfade

Die bunten Häuser von Joo Chiat in Singapur
Singapur und dörflich, das scheint ein Widerspruch in sich zu sein - und doch gibt es sie noch, die ursprünglichen Stadtteile, wie Joo Chiat.
Inhalt

Singapur ist bekannt für seine futuristischen Gebäude. Hier ist alles ein wenig höher, schneller und glitzernder. Es gleicht auf den ersten Blick einem emsigen Ameisenhaufen, dessen Bewohner dem Konsumrausch verfallen sind. Aber in Singapur lohnt sich, wie in den meisten Städten, ein Blick abseits der Touristenströme. Dort kann man es noch finden, das alte Singapur.

An der Haltestelle Paya Lebar steigen wir aus. Die Metro, die kurz MRT (Mass Rapid Transit) genannt wird, macht ihrem Namen alle Ehre. Sie transportiert die Massen rasch von A nach B. Künstliche Superbäume, wie in den Gardens by the Bay, sucht man im Stadtteil Joo Chiat vergebens. Hier ist Singapur noch ursprünglich und bodenständig.

Singapur Dorf Joo Chiat

Joo Chiat – eine ehemalige Kokosplantage

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich an diesem Ort eine riesige Kokosplantage. Deren Besitzer, Chew Joo Chiat, verkaufte seine Ländereien nach und nach. In den 1920er und 30er Jahren entstanden auf der ehemaligen Plantage kleine Wohn- und Geschäftshäuser. Es entwickelte sich ein prosperierender Ort mit einem spannenden Mix der Ethnien, wie er in Singapur fast überall anzutreffen ist. Chinesische, malaysische, europäische und koloniale Architekturelemente sind in den Fassaden der kleinen, meist nur zweistöckigen Häuser zu finden.

Der dörfliche Charakter hat sich bewahrt und viele der Häuser sind liebevoll renoviert. Während Singapur sonst nicht mit kräftigen Farben geizt, ist Singapur hier wohltuend pastellig. Der Stadtteil Joo Chiat entwickelt sich mehr und mehr zum Trendviertel jenseits der üblichen Touristenpfade.

Wer aufmerksam durch das Viertel geht, den überraschen gänzlich unerwartete Entdeckungen: Hier eine Fahrradwerkstatt, die dem Anschein nach in den 1930ern konserviert wurde und dort ein kleiner Tempel mit einem strahlenden Buddha, der die Hände in die Höhe reckt. Ob er sich wohl wegen der vielen Räucherstäbchen freut, die ihren Duft in rauchigen Wölkchen verströmen? Vielleicht freut er sich aber einfach nur darüber, in einer etwas ruhigeren Ecke von Singapur zu sitzen.

Joo Chiat Titelbild

Chinesische Replikate aus Papier für die Beerdigung

Wer Glück hat, der stolpert in eine besondere chinesische Papiermanufaktur. Hier werden Autos, Häuser, Fahrräder, Theater usw. aus Papier hergestellt.

Chinesen geben ihren verstorbenen Angehörigen gerne die Dinge mit ins Jenseits, die ihnen während Lebzeiten lieb und teuer waren. Da es freilich nicht möglich bzw. nicht sinnvoll ist, diese Gegenstände in echt mitzugeben, werden die Grabbeigaben aufwändig aus Papier nachgebaut. Bei der Beisetzung werden diese Kunstwerke verbrannt und begleiten den Verstorben so auf dem Weg ins Jenseits.

Weil es den Verstorbenen im Jenseits an gar nichts mangeln soll, werden nicht nur Gegenstände nachgebildet, sondern auch Bedienstete, Chauffeure und Hausangestellte. Auch sie gehen bei der Beerdigungszeremonie in Flammen auf. Zum Glück nur in Papierform.

Infos zu Papiermanufaktur

Vielleicht steht grade die Türe offen? Dann ist ein Blick in die Werkstatt natürlich erlaubt. Man sollte sich allerdings sehr respektvoll und dezent verhalten, um die Besitzer nicht zu verärgern:

Die Werkstatt der Chiang-Pow Joss-Paper Tradings befindet sich an der 252 Joo Chiat Road, Singapur

Markttreiben und chillige Restaurants in Joo Chiat

In den Strässchen von Joo Chiat laden viele kleine Restaurants zu einem Snack ein. Von indischen über chinesische und malaysische Leckereien findet hier jeder etwas Passendes. Ich empfehle immer dem guten Duft zu folgen.

Historisches Joo Chiat

Wer keine grosse Mahlzeit zelebrieren möchte, sondern eine schnelle und unkomplizierte Nahrungsaufnahme präferiert, der ist an den Esständen in den Markthallen des Joo Chiat Complex wunderbar aufgehoben.

In den überschaubaren Markthallen taucht man tief in das Leben der einheimischen Bevölkerung ein. Nur relativ selten verirrt sich ein Tourist hierher. Dafür herrscht ein buntes Treiben, zwischen exotischen Früchten, duftenden Gewürzen und farbenfrohen Kleidern und Tüchern. Das touristische Singapur mit seinen exorbitanten Preisen ist ganz weit weg. Hier kann man noch das eine oder andere Schnäppchen finden: bunte Tücher, Kleider mit exotischen Mustern und Schnitten, Gewürze und asiatische Heilmittel, oder auch einfach nur Bananen in Hülle und Fülle.

Markt Singapur

Wie fast immer, lohnt es sich auch hier die üblichen Touristenpfade mal zu verlassen, um mit spannenden Entdeckungen belohnt zu werden.

Mit sonnigen Grüssen
Eure Patotra

Wer schreibt hier?
Ellen Gromann-Goldberg

Hallo! Ich bin Ellen. Ich bin die Gründerin von PATOTRA, Content-Creator und freie Journalistin. Ich liebe das Meer und kleine Inseln. Aber auch die Berge, die Wüste, der Dschungel und Grossstädte können mich begeistern. Begegnungen mit Menschen sind für mich der Schlüssel zu anderen Ländern und deren Kultur. Nachhaltige Projekte liegen mir dabei ganz besonders am Herzen. Meine grossen Leidenschaften sind: das Reisen, das Schreiben und das Fotografieren.

Im Jahr 2014 entstand PATOTRA als reiner Familienreiseblog. Gemeinsam mit meinen drei Kindern und meinem Mann durfte ich viele tolle Nah- und Fernreisen erleben, die sich hier auf dem Blog in Form von Reiseinspirationen und Reisetipps wiederfinden. Aus den Reisen mit Kindern wurden im Laufe der Jahre Reisen mit Teenagern. Schliesslich ist der Blog, gemeinsam mit meinen Kindern, den Kinderschuhen entwachsen. Mittlerweile reise ich meist gemeinsam mit meinem Mann – oder auch mal alleine.

Mit viel Herz und ansprechenden Reisefotografien möchte ich Euch ermutigen, diese Welt selbst und mit offenen Augen zu entdecken. Mein Fokus liegt auf spannenden Geschichten, traumhaften Landschaften und Begegnungen mit Menschen. Manchmal bringe ich Euch den Geschmack der grossen, weiten Welt auch in Form von Rezepten von meinen Reisen mit.

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