Reisetipp Val Müstair – die Perle im Engadin

Schon die Anreise ins Val Müstair lässt die Vorfreude auf ein paar erlebnisreiche und aktive Tage im Engadin steigen. Die nicht enden wollenden Wälder, die Weite und die atemberaubenden Ausblicke im Schweizer Nationalpark lassen das Herz höher schlagen.

Fast wie in Kanada, nur weniger weit entfernt. Einmal von Zernez über den Ofenpass, dann ist er erreicht, der östlichste Zipfel der Schweiz. Kleine Dörfer mit farbenfrohen und kunstvoll verzierten Sgraffito-Häusern, lauschigen Gassen und erholsam viel Natur und Weite. Wir sind im Val Müstair, oder in Deutsch, im Münstertal.

Das Val Müstair bildet gemeinsam mit der Gemeinde Scuol und dem Schweizer Nationalpark das erste Biosphärenreservat der Schweiz. Regionalität, Biodiversität, ein umweltbewusster Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen, sowie ein sanfter Tourismus sind die Zauberworte, die hier einerseits das kulturelle Erbe und die einzigartige Natur bewahren und andererseits einen nachhaltigen, sanften Tourismus fördern. Etwa 80% der landwirtschaftlichen Erzeugnisse in der Region stammen aus biologischer Landwirtschaft.

Eine Reise ins Val Müstair gleicht einer Reise in eine andere Zeit und Welt. Die Entdeckung des Tals gleicht einer Schatzsuche, auf welcher der Besucher kleine und grosse Edelsteine rechts und links des Weges findet. Ich habe mich auf die Suche nach diesen Edelsteinen begeben.

Die Schätze des Val Müstair

Gelebte Geschichte im Kloster St.Johann

Der kulturelle Star des Tales ist das UNESCO-Welterbe Kloster St. Johann in Müstair, das auf eine mehr als 1’200-jährige Geschichte zurückblicken kann. Dieser Geschichte begegnet man im Klostermuseum auf Schritt und Tritt. Man begibt sich auf eine einzigartige Zeitreise bis ins 8. Jahrhundert. Eine Nonne huscht durch den Kreuzgang, um im Gemüsegarten die heranreifenden Kürbisse zu wässern. Es ist die Mischung aus einem grossen Schatz an Kirchengeschichte und noch heute belebtem Kloster, die die besondere Atmosphäre dieses Ortes ausmacht.

Das Kloster St.Johann in Müstair
Klosterführungen und Öffnungszeiten
Weitere Informationen: hier

Feines Tuch in der Manufacture Tessandra

Die Pflege von alter Handwerkskunst erlebt man in der Handweberei Tessandra in Sta. Maria. Hier öffnet sich eine Welt voller Farben und Muster. Mit viel Herzblut stellen 17 Handweberinnen und Näherinnen wunderschöne Tücher, Teppiche, Tischläufer und andere Textilwaren her. Die teilweise hundert Jahre alten Webstühle rattern im Takt, während die Weberinnen die Schiffchen hin und her schiessen und so edle Stoffe produzieren. So wie es in der Weberei Tessandra schon vor über 90 Jahren getan wurde. Geschaffen wurde das Projekt als Frauenförderungsprogramm, in einer Zeit, in der im Tal ein massiver Überschuss an Frauen herrschte. Die auch durch die abgelegene Lage bedingten eingeschränkten Erwerbsmöglichkeiten liessen viele Männer ins Ausland ziehen, wo sie ihr Glück oft als Zuckerbäcker suchten.

Informationen zu den Führungen in der Weberei Tessandra
Link: hier

Nachhaltige Landwirtschaft und besonderer Naturgenuss für Gäste beim Biohof Puntetta

Isidor Sepp hat in Müstair, gleich neben dem Campingplatz, ein kleines Paradies für sich und seine Gäste geschaffen. Im Hofladen werden lokale Produkte, wie Fleisch aus eigener biologischer Landwirtschaft angeboten. Draussen dürfen die Kunden, begleitet vom Meckern der Ziegen, ihren Salat zum Znacht gleich selbst ernten. Frischer geht es nicht mehr! Zum Hof gehört auch eine grosse Ferienwohnung. Im Winter bietet Isidor Sepp geführte Schneeschuhwanderungen an.

Die wirklichen Stars des Hofes sind jedoch Isidors Lamas. Im Sommer begleiten sie die Gäste beim Lamatrekking. Sandro, Shelly, Braujo und ihre Artgenossen ziehen viel Aufmerksamkeit auf sich und so manch einer zückt sein Handy oder die Kamera, um den ungewöhnlichen Anblick festzuhalten. Die Lamas nehmen es mit stoischer Gelassenheit zur Kenntnis. Überhaupt kann die sanften Fellnasen so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Sie trotten gemütlich neben den Zweibeinern her und klauben nur ab und zu ein frisches Gräslein vom Wegesrand. Ein Fussbad im frischen Rombach ist eine willkommene Abwechslung.

Isidor Sepp mit seinen Lamas am Rombach
Lamatrekking mit Isidor und seinen Lamas
Das Lamatrekking wird im Rahmen des Sommerprogramms angeboten. Zudem können auch individuelle Touren gebucht werden. Ein grosser Spass ist das bestimmt auch für Familien mit Kindern. Weitere Informationen dazu: hier

Wanderung am Rombach

A la Riva dal Rom” heisst die Wanderung entlang des Rombaches, der mit seinen Auen und Moorlandschaften das Tal geprägt hat. Natürlich kann man diese Wanderung, auch in einzelnen Etappe ohne Isidors Lamas unternehmen und dabei manch lauschiges Plätzchen entdecken.


Wanderung a la Riva del Rom
Bei den Tourist-Informationen gibt es eine Broschüre von Pro Natura mit der Streckenübersicht und Erläuterungen zu Flora, Fauna, Sagen und Legenden, die sich um den Bach ranken.

Kulinarische Schätze des Val Müstair

Wie könnte man nicht besser die kulinarischen Schätze einer Region entdecken, als bei einer kulinarischen Schatzsuche. „Chatscha culinarica” hiesst die kurzweilige Schatzsuche im Val Müstair. Etwa 4 Stunden dauert die ganze Wanderung inklusive Genusserlebnisse, die ich auch bei leichtem Regenwetter empfehlen kann.

Capuns, eine der regionalen Spezialitäten

Kleine kulinarische Leckerbissen kann man während der Wanderung durch die Landschaft und die ursprünglichen Dörfer sammeln und dabei auch so manch anderen Schatz in Form von reich verzierten Häusern und zauberhaften Landschaftsbildern entdecken.


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Die Chatscha Culinarica kann bei den Tourist-Informationen oder online gebucht werden. Die kurzweilige Wanderung auf der Spur der lokalen Genüsse eignet sich auch gut für Familien. Weiter Informationen dazu: hier

Alpabzug vom Val Mora

Der Spätsommer ist die Zeit der Alpabzüge. Es sind bewegende Momente, wenn das blumengeschmückte Vieh mit den Sennen von den Almen heimkehrt.

Auf der Weide vor dem Kloster St. Johann grasen die geschmückten Kühe nach dem langen Marsch ins Tal

Magische Wanderung zum Lai da Rims

Es gibt Orte, die scheinen nicht von dieser Welt zu sein. Das Val Müstair ist definitiv so ein Ort. Aber das absolute Sahnestückchen der Region muss man sich erst verdienen. Wir, das sind meine liebe Freundin und Blogger-Kollegin Viktoria von Chronik Wanderlust und meine Wenigkeit, haben aber ein wenig geschummelt. Die Zeit war leider zu kurz für die ganze Wanderung, weshalb wir mit der hierfür erforderlichen Sonderbewilligung den ersten Teil des Weges mit dem Auto zurückgelegt haben. So hiess es für uns nur noch bergauf steigen und die traumhafte Weite geniessen. Die ganze Wanderung von Sta. Maria zum Lai da Rims und wieder zurück dauert rund 8 Stunden.

Begleitet vom Tosen der Wasserfälle, die über Felsen die Berge hinab stürzen, erreichen wir nach etwas mehr als 2 Stunden unser Ziel: den Lai da Rims. Nur das Pfeifen der Murmeltiere unterbricht hier oben auf 2’396 m ü. M. die alles umhüllende Ruhe.

Der kristallklare Bergsee glitzert in den schönsten Karibikfarben, während sich die traumhafte Berglandschaft in ihm spiegelt. Ein wahrlich magischer Ort!

Informationen zur Wanderung zum Lai da Rims
m Rahmen des Gästeprogramms fährt einmal wöchentlich ein Shuttle in Richtung Lai da Rims, sodass man die Wanderung abkürzen kann. Weitere Informationen dazu findet man im Gästeprogramm, das in den Tourist-Informationen und Hotels ausliegt.

Reich beschenkt mit wunderschönen Begegnungen und Entdeckungen verlasse ich das Val Müstair wieder – nicht ohne mir fest vorzunehmen eines Tages wiederzukommen. Das Val Müstair hat mich mit seinen Schätzen in seinen Bann gezogen. Es ist, als wäre ich in eine andere Welt getaucht, fernab vom Stress und der Hektik des Alltags.

Mit sonnigen Grüssen,
Eure Patotra


Offenlegung: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Einladung durch die Ferienregion Val Müstair und Graubünden Ferien entstanden.


Wer schreibt hier?
Ellen Gromann-Goldberg
Es geht nicht darum, Länder zu sammeln, sondern darum das Leben mit besonderen Augenblicken, Landschaften, Orten, Aktivitäten und Begegnungen zu bereichern. Das ist für Ellen die Essenz des Reisens. Mit viel Passion hält sie diese in ihren Texten und Bildern fest. Gerne auch gewürzt mit dem Duft und Geschmack regionaler Köstlichkeiten.
Neben Ihrer Tätigkeit als Bloggerin und Chefredakteurin von Patotra, arbeitet Ellen als freie Journalistin und Content Creator.

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