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Der Herr der Schlitten – ein Besuch beim Schlittenbauer Egli in Conters

Peter Egli, Schlittenbauer
In Conters, im Prättigau, Kanton Graubünden, lebt der Schlittenbauer Peter Egli. Eigentlich ist er Bauer von Beruf. Der Schlittenbau ist sein Hobby. Mit 34 Jahren hat er seinen ersten Schlitten gebaut. Die Schlitten, die es damals gab, lagen ihm alle zu schlecht in den Kurven.
Inhalt

Eine Parade fröhlicher Gartenzwerge empfängt uns vor dem Haus am Ende der schmalen Gasse. Peter Egli-Walli Schlittenbau, steht in geschnitzten Lettern neben dem Eingang. Hier sind wir richtig!

Türschild Peter Egli-Walli

Im kleinen Bündner Dorf Conters, im Prättigau, liegt das heimelige Holzhaus. Dass sein Bewohner ein Tüftler ist, verrät bereits die Türglocke, die ich zuerst vergebens suche. Dann entdecke ich aber das kleine Rehgeweih, das neben der Eingangstüre an einem Drahtseil hängt. Ich ziehe daran und schon bimmelt es im Haus.

Peter Egli Schlittenbau

Peter Eglis Frau Margrit öffnet uns die Türe und führt uns in die aufgeräumte, helle Werkstatt. Hier hat Peter Egli sein Reich.

Mit kräftigem Händedruck begrüsst er uns – Hände, die von jahrelanger Arbeit erzählen. Seine Arbeitsschürze hat er umgebunden, um den nächsten Schlitten fertig zu stellen. Natürlich möchte ich wissen, wie es dazu kam, dass er ausgerechnet Schlitten baut.

Werkstatt Peter Egli
Werkstatt Peter Egli

Eigentlich sei er Bauer und Schlitten-Bauer. Er habe immer nur nebenher geschreinert, wenn es die Arbeit mit dem Vieh zugelassen hat, erklärt mir Peter Egli. «Die Freude am Holz habe ich wohl von meinem Grossvater. Der war Zimmermann. Der Vater war Kaufmann in Küblis.»

«In Conters gibt es regelmässig ein Schlittenrennen. Daran habe ich früher teilgenommen. Nur war ich mit meinem Schlitten so gar nicht zufrieden. In den Kurven hielten die schlecht. Also habe ich mit 34 Jahren angefangen, meinen ersten eigenen Schlitten zu bauen.»

Seither hat Peter Egli vieles an seinen Schlitten, die im Prättigau Gögel heissen, verfeinert. Mit viel Leidenschaft fertigt er seine Egli-Schlitten. Die Nachfrage steigt ständig.

„Etwa 90% der Schlitten bleiben am Ort. Als besonderes Geschenk zur Taufe, oder zur Hochzeit zum Beispiel. Der Name des Besitzers wird ins Holz geschnitzt. Ein Schlitten für das ganze Leben.“

Egli Schlitten

Jedes kleinste Teil am Schlitten ist durchdacht und mit viel Liebe zum Detail gefertigt. «Etwa 10 bis 12 Stunden Arbeit brauche ich schon für so einen Schlitten», sagt Egli, während er über das gebogene Holz für die Kufen streicht. 27 Teile sind es, die hergestellt und zusammengesetzt werden müssen. Natürlich ist der Schlitten aus Schweizer Holz, aus Esche hergestellt. «Esche ist besonders hart und robust und somit ideal geeignet für den Schlittenbau. Früher hat man auch die Ski aus Eschenholz hergestellt.»

Schlitten-Teile
Egli Schlitten in Einzelteilen

„Die Egli Schlitten liegen im Vergleich zu den bekannten Davoser Schlitten viel besser in den Kurven und sie sind bequemer zum darauf sitzen», erklärt Egli. «Sie gleichen dabei eher den Grindelwalder Schlitten und besonders Frauen wissen es zu schätzen, dass die Sitzfläche etwas breiter und somit bequemer ist», so Egli.

Egli Schlitten

Heute ist wieder der grosse Tag in Conters. Das alljährliche Schlittenrennen steht an. Peter Egli kann leider nicht mehr daran teilnehmen. «Aber zuschauen gehe ich!» Das lässt er sich nicht nehmen.

Dem Gewinner winkt ein Schlitten – ein Egli-Schlitten natürlich, was denn sonst. «Und dann wird im Dorf gefeiert bis tief in die Nacht», erklärt er mit einem verschmitzten Grinsen.

Den passenden Schlittelweg in der Region findet Ihr hier: Schlittelweg Pany: Perfekter Winterausflug im Prättigau

Wer schreibt hier?
Ellen Gromann-Goldberg

Hallo! Ich bin Ellen. Ich bin die Gründerin von PATOTRA, Content-Creator und freie Journalistin. Ich liebe das Meer und kleine Inseln. Aber auch die Berge, die Wüste, der Dschungel und Grossstädte können mich begeistern. Begegnungen mit Menschen sind für mich der Schlüssel zu anderen Ländern und deren Kultur. Nachhaltige Projekte liegen mir dabei ganz besonders am Herzen. Meine grossen Leidenschaften sind: das Reisen, das Schreiben und das Fotografieren.

Im Jahr 2014 entstand PATOTRA als reiner Familienreiseblog. Gemeinsam mit meinen drei Kindern und meinem Mann durfte ich viele tolle Nah- und Fernreisen erleben, die sich hier auf dem Blog in Form von Reiseinspirationen und Reisetipps wiederfinden. Aus den Reisen mit Kindern wurden im Laufe der Jahre Reisen mit Teenagern. Schliesslich ist der Blog, gemeinsam mit meinen Kindern, den Kinderschuhen entwachsen. Mittlerweile reise ich meist gemeinsam mit meinem Mann – oder auch mal alleine.

Mit viel Herz und ansprechenden Reisefotografien möchte ich Euch ermutigen, diese Welt selbst und mit offenen Augen zu entdecken. Mein Fokus liegt auf spannenden Geschichten, traumhaften Landschaften und Begegnungen mit Menschen. Manchmal bringe ich Euch den Geschmack der grossen, weiten Welt auch in Form von Rezepten von meinen Reisen mit.

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