Schottland – Die Highlights im wilden Westen

Die Landschaft im Osten von Schottland unterscheidet sich ganz deutlich von der im Westen. Je weiter westlich wir kamen, desto wilder und rauer wird wurde die Landschaft. Das war bereits bei der Fahrt, vorbei am Loch Ness zu erkennen.

Eillen Donan Castle bis Appin

Nach einem kleinen Umweg mit Fotopause am Eilean Doonan Castle, dem meistfotografierten Schloss Schottlands, führte uns der Weg in Richtung Appin.

Eilean Doonan Castle

Appin ist ein kleiner Ort zwischen Fort William und Oban. „Wenn ihr an Fort William vorbeikommt, haltet ihr Euch am Besten die Augen zu“, hatte uns unser Gastgeber Ally vom B&B in Inverness geraten. Fort William hat den Ruf die hässlichste Stadt Schottlands zu sein. Ganz so schlimm fanden wir sie nicht. Zum Einkaufen ist sie perfekt und wir haben im örtlichen Morrisons erst mal unsere Vorräte für die kommende Woche eingekauft.

In Appin wurden wir von unseren Gastgebern Maree und Paul freundlich empfangen. Es stellte sich heraus, dass die beiden viele Jahre lang ihre Winter in Wengen, in der Schweiz verbracht haben. Nicht nur wegen der Bergbilder aus der Schweiz fühlten wir uns in dem gemütlichen Ferienhaus von Anfang an zu Hause. Maree war gleich mit jeder Menge Insidertipps zur Stelle. Im Esszimmer lag eine Strassenkarte mit jeder Menge handschriftlicher Notizen und Tipps bereit.

Appin Garden Cottage

Castle Stalker
Castle Stalker

Eigentlich wollten wir eine Woche lang ausspannen und nur wenig unternehmen, aber Marees Tipps klangen so verlockend, dass es bei dem Vorsatz blieb. Nur an einem Tag frönten wir dem Müssiggang auf dem Meer. Paul war nämlich nicht nur Vermieter des Ferienhauses, sondern auch Besitzer und Betreiber des nächstgelegenen Hafens. Das brachte uns in den Genuss eines kleinen Motorbootes, das wir nach Lust und Laune benutzen durften.

Linnhe Marine Appin

Appin Homefarm

Robben Appin
Robben

Die restlichen Tage waren ausgefüllt mit Ausflügen in die traumhafte Umgebung.

In den Highlands – das Land von Highlander und Braveheart

Wandern in den Highlands
Im Westen ist die Landschaft rau und wild und wesentlich weniger lieblich als an der Ostküste. Die Highlands ragen hier majestätisch in die Höhe, während rauschende Bergbäche an ihren Flanken grosse Felsen umspülen. Am höchsten hinaus ragt der Berg Nevis mit 1344 Metern. Hier, östlich von Fort William, ist das Land von Highlander und Braveheart.

Wandern Ben Nevis

Zumindest diente die spektakuläre Landschaft als Kulisse für diese Filmklassiker. Für uns war sie im Wesentlichen nur eine traumhafte Wandergegend. Ein muss für jeden Outdoorfreak!

Wandern Highlands

Beim Glenfinnan Monument – Harry Potter-Land

Hogwarts Express

Hogwarts Express Fotos
Warten auf den Hogwarts Express

Etwas weiter nördlich befindet sich das Zauberland, bzw. das Land, in dem Teile der Harry Potter Filme gedreht wurden. Auch ohne dieses Wissen kann man sich der Magie der Landschaft nicht entziehen. Eingefleischten Harry Potter Fans empfehle ich den Weg auf den Hügel hinter dem Cafe, auf der gegenüberliegenden Strassenseite des Glenfinnan Monument einzuschlagen. Oben befindet sich eine kleine Plattform von der aus täglich um 15:06 Uhr (!) der Jacobite Steam Train, der bei Harry Potter Fans auch als „Hogwarts Express“ bekannt ist, auf seiner Fahrt über den Glenfinnan Viadukt beobachtet werden kann. Die Fahrt mit dem Zug von Fort William aus ist recht kostspielig. Wir haben deshalb darauf verzichtet und es beim schauen belassen.

Gelnfinnan Monument
Glenfinnan Loch Shiel

Die Inseln

Tipps für die Isle of Mull

Genauso, wie sich am Festland die bewaldeten und felsigen Berge ins Meer stürzen, erheben sie sich weiter draussen im Meer wieder. Ein El Dorado für alle Inselliebhaber.

Wir nutzen unsere Zeit, um einige dieser Inseln zu entdecken. Allen voran die Isle of Mull.

Während die meisten Reisenden für den Weg nach Mull mit der Fähre vom Hafen in Oban antreten, taten wir es den Einheimischen gleich und nahmen in Nether Lochaber zunächst die Corran-Ardgour Autofähre, dann die abenteuerliche Strasse durch die grüne Hügellandschaft nach Lochaline, um dann mit der Autofähre nach Fishnish auf Mull überzusetzen. Dies Variante ist wesentlich kostengünstiger und landschaftlich lohnenswert.

Leuchtturm Nether Lochaber

Strassenschilder Schottland

Auf Mull begaben wir uns auf direktem Weg nach Tobermory, dem fröhlichen kleinen Hauptort der Insel. Die farbenfrohen Häuserfronten wetteiferten mit dem strahlend blauen Himmel. Ganz am Ende der Strasse setzten wir uns auf die Terrasse des Cafe Fish und genossen neben leckeren Seafood den Blick über das Meer und den bunten Ort.

Beitragsbild Schottland Westen

Zu gern hätten wir uns dort einfach festgesetzt! Aber immerhin wollten wir ja noch etwas sehen von Mull. Meinem Göttergatten zuliebe legten wir noch einen kurzen Stopp in der niedlichen Distillerie ein. Um eine Flasche Whisky und ein paar Tipps reicher, starteten wir unsere Erkundungstour in Richtung Callgary Beach. Die Dame in der Distillerie hatte uns zu recht gewarnt, dass die Wege zwar nicht weit seien, die Fahrtzeit aber nicht unterschätzt werden darf. Die Strasse ist sehr kurvig, hügelreich und nur einspurig befahrbar. Nich selten muss man wieder ein Stück zurücksetzten, um an den Ausweichstellen den Gegenverkehr passieren zu lasssen.

In Calgary Beach gönnten wir uns eine Teepause und einen Spaziergang am schneeweissen Strand. Die Kombination mit dem türkisblauen Meer weckte Karibikfeeling und ich bereute es sehr, die Badesachen nicht eingepackt zu haben. Aber vermutlich hätte mich spätestens die Wassertemperatur wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht. Es waren aber tatsächlich Leute im Wasser!

Calgary Beach Mull

Leider ist ein Tag für diese Insel viel zu kurz und wir mussten uns nach ein paar Stunden wieder auf den Rückweg machen, um nicht die letzte Fähre zu verpassen. Beim nächsten Mal würde ich auf Mull ganz bestimmt länger bleiben!

Kleines Inselchen Lismore

Direkt von Port Appin aus ist die Insel Lismore mit der kleinen Personenfähre in wenigen Minuten erreicht. Wir hatten uns in Port Appin Fahrräder gemietet, um die Insel zu erkunden.

Bereits auf der Fähre wurden wir darüber informiert, dass gerade an diesem Tag das einzige Inselcafe ausnahmsweise geschlossen hatte. Gut, dass es einen Inselladen gibt. Die Insel ist 16 km lang und nur einen Kilometer breit.

Lismore Telefonbox

Im winzigen Inselladen versorgten wir uns mit Tipps, Getränken und Proviant. Ich liebe kleine Inseln! Kleine Inseln sind wie eine geschlossene Welt und meine Theorie, dass Insulaner ganz besonders aufgeschlossene Menschen sind, bestätigte sich auch hier bei dem gesprächigen Ladenbesitzer.

Etwa 180 Einwohner gibt es derzeit auf der Insel.

Castle Coeffin

Nach einem Picknick auf der grünen Wiese kletterten wir etwas abenteuerlich auf den Ruine des Castle Coeffin herum, das aus dem 13 Jahrhundert stammt. Auch die Überreste des etwa 2000 Jahre alten Tirfuir Broch, einem Wohn- und Wehrturm aus der Eisenzeit an der Ostküste der Insel, luden zu einer kleinen Entdeckungs- und Klettertour ein.

Tirfuir Broch

Von der Insel aus bieten sich traumhafte Ausblicke über das Festland bis hin zum Ben Nevis.

Blick Insel Lismore

Restauranttipp in Appin

Im Anschluss an eine Inselerkundung empfehle ich unbedingt in Port Appin im The Pierhous Restaurant einzukehren und eine Seafood-Platter zu bestellen. Frischer und leckerer geht es kaum! Natürlich gibt es nicht nur Seafood dort.

The Pierhouse Appin

Seafood Appin Pierhouse

Tipps für die Isle of Seil

Etwa 13 km südich von Oban liegt die Isle of Seil. Eine Bogenbrücke, die „Bridge over the Atlantic“ führt auf die Insel. Kaum über die Brücke rüber heisst es: Hosen ausziehen! Zumindest stand dies am Inn „Tig an Truis“, was soviel heisst, „wo man die Hosen wechselt“.  In der Zeit um 1745, als das Tragen von Kilts auf dem Festland verboten war, wurden hier die ungeliebten Hosen gegen den Kilt eingetauscht. Wir durften unsere Hosen glücklicherweise anlassen!

Bridge over the Atlantic

Pub Seil

Seil ist landschaftlich wild. Felsige Klippen stürzen sich hier ins Meer. Früher wurde auf der Insel in grossem Stil Schiefer abgebaut. Die weissen Arbeiterhäuser im Hafen von Ellenabeich zeugen von dieser Ära und bilden einen gelungenen Kontrast zu den schroffen, schwarzen Felswänden der Umgebung. Von Ellenabeich aus fahren Schnellboote zum drittgrössten Gezeitenstrudel der Welt, dem Corryvreckan Strudel.

Wir beliessen es bei einem kleinen Rundgang durch den vermutlich kitschigsten Souvenierladen Schottlands. Da uns die Besitzerin so unglaublich liebenswürdig ansprach, kauften wir Ihr eine Packung Shortbread ab, die typischen schottischen Butterkekse. So macht man hier Geschäfte!

Gegenüber in der Oyster Brewery, in der es zwölf Austern für schlappe 15 Pfund gibt, gönnten wir uns eine Tasse Tee und genossen den Ausblick über das Meer.

Oyster Bar Seil

Hafenstädtchen Oban

Weitere Inselausflüge nach Iona, Staffa und die Treshnish Inseln werden vom Hafen Oban aus angeboten. Diese waren uns zu fünft allerdings zu teuer und die Saison für die Puffins, die wir gerne beobachtet hatten ist ab der zweiten Augustwoche sowieso vorbei.

Oban Hafen

Oban selbst lohnt einen Ausflug. Die quirlige Hafenstadt mit rund 9000 Einwohnern ist ein Touristenmagnet. Neben jeder Menge Souveniershops ist es vor allem die Lage am Meer mit dem wunderbaren Blick auf die vorgelagerten Inseln, die die Massen anzieht. Den schönsten Ausblick hat man vom McCaig`s Tower, dem unvollendeten Nachbau des Kolosseums oberhalb der Stadt.

Blick Oban

Mc Caigs Tower

Wer auf Hochprozentiges steht, dem empfehle ich eine Führung durch die Oban Distillery. Während mein Göttergatte mit sichtlichem Genuss das goldenen Wasser verkostete, beneidete ich die Kinder um ihr Irn-Bru, ein wirklich sehr süsser schottischer Softdrink, der sich grosser Beliebtheit erfreut. Die Kids fanden meinen Gesichtsausdruck während der Whisky-Verkostung auf jeden Fall sehr lustig. Ja, ich gestehe: Ich bin Whisky-Banause!

Oban Distilery

Auch wenn ich kein Fan von Hochprozentigem bin, kann ich dennoch mit 100%-iger Gewissheit sagen, dass die Gegend um Appin und Oban ein traumhaftes Fleckchen Erde ist, das nicht nur uns Erwachsene begeistert hat. Zum blossen Müssiggang ist es aber viel zu schade. Dafür gibt es viel zu viele schöne Ecken zu entdecken!

Wir haben unsere Woche Aktivurlaub keinesfalls bereut. Ganz im Gegenteil. Die Woche war viel zu schnell vorbei.

Man sollte im Urlaub ruhig auch mal die Vorsätze über den Haufen werfen. Wir wurden dafür mit vielen schönen Eindrücken belohnt.

Mit sonnigen Grüssen,
Eure Patotra - klein

 

Extratipps für den Westen von Schottland:

Appin

Unterkunft in Appin: Appin Home Farm. Zwei Cottages (für 5 und 6 Personen). Das Garden Cottage mit Blick in den liebevoll gepflegten Garten (max 4 Personen und ein einfaches Beistellbett), das grössere Cottage mit Blick über die Marina. Leider keine eigene Webseite. Auf Wunsch gebe ich gerne die E-Mail-Adresse der Vermieter weiter.

Essen:

The Pierhouse Hotel & Seafood Restaurant in Port Appin. Vorzügliche Küche, aber nicht ganz billig!

Fahrräder mieten:

Etwa 1km vor dem Workpier in Port Appin zweigt eine Strasse links ab (Wegweiser: Bikehire)

Personenfähre Port Appin – Lismore

verkehrt im Sommer tagsüber stündlich. Fahrräder werden kostenlos transportiert.

Weitere Infos zu Lismore

Insel Mull:

Autofähre ab Nether Lochaber, die Corran Ardgour Ferry. Weiter nach Lochline und dort mit der Autofähre nach Fishnish. Kostengünstiger, als ab Oban zu fahren und landschaftlich sehr schön!

Tobermory: sehr hübsches Städtchen mit der einzigen Distillerie auf der Insel.

Restaurant-Tipp: Cafe Fish am Ende des Ortes. Gute Snacks und Seafood.

Calgary Beach: Traumhafter weisser Sandstrand. Etwa 100 Meter vor dem Strand befindet sich ein nettes Cafe mit einer kleinen Kunstaustellung.

„Hogwarts Express“:

Um 15:06 Uhr (!) fährt der Zug über den Glenfinnan-Viadukt. Hinter dem Cafe am Gelnfinnan Monument den Hügel hochlaufen!

Insel Seil:

Ellenabeich. Hübsches kleines Fischerörtchen. Den kitschigen Souvenierladen besuchen! Einkehren in der Oyster Brewery. Rechts am Ortseingang gibt es einen ungewöhnlichen Garten (kostet recht viel Eintritt), umgeben von einer grossen Mauer.

Oban:

Besuch in der Oban Distilery, mitten in der Stadt.

Blick vom Mc Caig`s Tower über die Stadt.

Ausflüge im Hafengebäude buchen.

Kurz vor dem Hafengebäude gibt es einen Fisch- und Meeresfrüchtestand, der kleine Snacks (Sandwiches etc.) anbietet

Highlands um Ben Nevis

Tolles Wandergebiet!


 

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Offenlegung: Diese Reise wurde teilweise von Visit Britain unterstützt. Herzlichen Dank dafür!


 

3 Comments

  • Hallo Ellen,
    ein toller Bericht, der bringt gleich ein paar Erinnerungen zurück und macht direkt Lust auf mehr! Schottland ist wirklich wunderschön. Ich war 2008 da, die Route ging von Edinburgh über die Highlands zur Isle of Skye, die Hebrideninseln Lewis und Harris bis hoch nach Orkney. War aber bestimmt nicht zum letzten Mal 🙂
    Liebe Grüße,
    Marion

  • Hallo Ellen,
    für mich geht es dieses Jahr auch das erste Mal nach Schottland. Und wenn ich deine Bilder sehe, freue ich mich schon auf diese tolle Landschaft. 🙂
    LG Monique

    • Liebe Monique.
      Schottland ist in vielerlei Hinsicht zauberhaft und ich beneide Dich jetzt fast ein Bisschen!
      Geniess die Zeit dort!
      Ganz herzliche Grüsse,
      Ellen

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