Sifnos – Gemütliche Perle der Kykladen

Es duftet nach Thymian und nach Sommersonne auf warmer Erde. Eine kleine, pelzige Hummel fliegt brummend die kleinen, zart violetten Blüten auf den Büschen am Wegesrand an. Die Grillen zirpen im Chor ihr Sommerlied und ganz in der Ferne höre ich eine Ziege meckern. Sonst höre ich nichts – gar nichts.

Mein Blick schweift über die Terrassen, die angelegt wurden, um der Natur etwas bestellbare Erde abzutrotzen. Unzählige knorrige Olivenbäume wachsen auf den Stufen über den steinernen Trockenmauern. Ich atme den Kräuterduft ganz tief ein und geniesse das virtuose Konzert. Nur die Natur und sonst Stille – ein fast unbeschreiblicher Genuss.

Willkommen auf Sifnos!

Sifnos die Gemütliche

Die griechische Kykladeninsel Sifnos in der südlichen Ägäis ist noch sehr ursprünglich und traditionell und von den Auswirkungen des Massentourismus weitgehend verschont.

Auch wenn die kleine, nur etwa 15 km lange und 7 km breite Insel vor allem in den Sommermonaten von vielen sonnenhungrigen Reisenden besucht wird, hat sie es geschafft sich ihren gemütlichen Charakter zu bewahren.

Landleben Sifnos

Die weissen Häuser der beschaulichen Dörfer schmiegen sich an die Hänge der hügeligen Landschaft. Immer wieder geben kleine Lücken zwischen den Häusern den Blick auf das endlose Blau des Meeres frei und auf die umliegenden Hügel. Manche mit weissen Häusern geschmückt – andere hat die Natur mit verschiedenen Grün- und Goldtönen verziert.

Artemonas – wo die Zeit stehengeblieben ist

Eines dieser Dörfer ist Artemonas. Zwischen den für die Kykladen typischen weissen und kubischen Häusern, entdeckt man hier immer wieder prächtige Neo-klassizistische Gebäude, die reiche Bürger gegen Ende des 19. Jahrhunderts erbauen liessen. Etwas abgehoben scheinen sie so gar nicht zum sonst so gemütlichen Dorfbild zu passen. Dennoch bilden sie einen spannenden Kontrast.

Der Esel, den ich entdecke, während er gemächlich Baumaterial durch die engen Gassen trägt, bringt mich wieder in das traditionelle Dorf zurück.

Sifnos Artemonas

Überhaupt gibt es in Artemonas viel zu entdecken. Das Töpferhandwerk spielt auf der Insel traditionell eine grosse Rolle. 19 Töpfereien gibt es heute auf Sifnos. Dank eines besonderen Lehmes sind die Töpferwaren von hier besonders hitzebeständig.

Atremonas Tsikali

Wer aufmerksam durch die Gassen geht, kann gleich mehrere Töpferwerkstätten in Artemonas verwinkelten Gassen entdecken. Häufig arbeitet hier noch die ganze Familie Hand in Hand. Ein Blick in die Werkstätten lohnt sich! Man fühlt sich in längst vergangen geglaubte Zeiten zurückversetzt. Von der Hektik der modernen Welt ist hier nichts zu spüren.

Artemonas Toepfer

Artemonas Pottery

Artemonas Ceramic

Sifnos taugt nicht zur Eile! Hier heisst es einen Gang zurück zu schalten und sich von der Gemütlichkeit anstecken zu lassen. Wer durch die Gassen schlendert, wird belohnt. Etwa auch mit dem Einblick in die kleine Süssigkeitenmanufaktur der Familie Theodorou. Drei Generationen, Oma, Vater und Tochter, rollen hier Hand in Hand kleine Köstlichkeiten aus Mandeln, Zucker und Orangenwasser. Das Ergebnis kann sich sehen und schmecken lassen.

Artemonas Keks

Genuss auf Sifnos

Schmecken ist überhaupt das Stichwort auf der Insel. Man ist stolz auf seine regionale Küche. Sifnos hat einige bekannte Köche hervorgebracht. Allen voran Nikolaos Tselementes, der es Anfang des 20. Jahrhunderts als Koch zu grossem Ruhm brachte und der um 1920 das erste Kochbuch Griechenlands veröffentlichte. Ihm, so heisst es, fühlen sich die Köche auf der Insel auch heute noch verpflichtet.

Gut essen kann man somit fast überall. Fleisch, Fisch aber auch vegetarische Gerichte dominieren die Speisekarten, darunter auch das Inselgericht schlechthin: Kichererbseneintopf.

Der Kichererbseneintopf wird traditionell am Sonntag gegessen. Im Tongefäss, Tsikali genannt, werden die eingeweichten Kichererbsen mit Wasser, Olivenöl, Zwiebeln, Salz und Pfeffer über Nacht ins Feuer gestellt. Am nächsten Mittag, nach der Kirche, ist das einfache und schmackhafte Gericht fertig und auch die Hausfrau freut sich über einen Ruhetag. Gemütlich halt!

Apollonia – „Night-Life“, Genuss und Kreativität

Trotz all der Gemütlichkeit kann Sifnos auch mit ein wenig Nachtleben dienen. Vor allem in Apollonia.

Wer sich um die Mittagshitze in die Inselhauptstadt wagt, findet ein kleines verschlafenes Nest vor, mit hübsch herausgeputzten Häusern. Eines niedlicher, als das andere.

Sifnos Apollonia

Gegen Abend erwacht der Ort langsam aus seinem Dornröschenschlaf. Schmucke kleine Lädchen, in denen Kunsthandwerk, Töpferwaren, Schmuck und feine Tücher nett drappiert angeboten werden,  öffnen ihre hellgelben, hellgrünen, rosafarbenen und hellblauen Türen und Fensterläden.

Apollonia Stadt

Die Tische vor den Tavernen füllen sich mit Gästen, die voller Vorfreude die Teller mit verschiedenen kleinen Leckereien entgegennehmen. Das Dorf erwacht zum Leben und da wo eben noch verwaiste Gassen waren, sind sie plötzlich belebt durch Menschengrüppchen. Sie stehen beieinander, tratschen, scherzen und lachen. Einheimische und Touristen, bunt gemischt

Auf einer der Dachterrassen habe ich meinen Sonnenuntergangs- Lieblingsplatz gefunden. Ein kühles Glas Weisswein mit Blick über die Kirche und den Ort bis hinunter zum Meer. Während die Sonne langsam goldgelb hinter der Kirche verschwindet, geniesse ich die Magie des Augenblicks.

Apollonia Blick

Apollonia Sifnos Sonnenuntergang

Wieder unten in der Gasse, locken kleine Begehrlichkeiten in den Schaufensterauslagen. Man kommt schnell ins Gespräch mit den Einheimischen. Nicolas Pirenis hatte mich am Nachmittag, als ich eine Katze vor einer Ladentüre nebenan fotografiert habe, in seinen Laden, „Mati“ gelotst. In einer kleinen Kammer zeigte er mir freudig seine zwei fast neugeborene Tigerkätzchen mit Ihrer Mutter.

Mati Apollonia

Natürlich präsentiert er mir stolz auch seinen handgemachten Schmuck und Werke von befreundeten Künstlern in seinem Laden. Sehr sympathisch sind sie, die Einwohner von Sifnos und offen! Hier wird auch der Fremde noch gegrüsst. Immerhin ist er auf kurze Zeit auch ein Teil dieser Insel, ein Teil der Gemeinschaft.

Vielleicht erklärt genau das, warum ein Grossteil der Kinder, die zum Studium auf das Festland gehen, nach ein paar Jahren wieder auf die Insel zurückkehrt. Man fühlt sich als Gemeinschaft und ist tief verwurzelt mit der Heimat.

Während viele andere Inseln auf Grund von Abwanderung und mangelndem Nachwuchs davon bedroht sind auzusterben, ist Sifnos weit davon entfernt. Von den rund 2500 Einwohnern sind 500 Kinder. Es muss schön sein, in so einem kleinen Inselparadies aufzuwachsen.

Kastro – zwischen Antike und Moderne

Der ursprüngliche Hauptort befindet sich im Osten der Insel über der Steilküste. Hier geht es noch beschaulicher zu. Die Häuser sind ringförmig um den Hügel angelegt. Spannend ist der Kontrast zwischen den kykladischen Häusern und den antiken Elementen, die kurzerhand recycelt wurden. Immer wieder sieht man antike Bauelemente, die in die neueren Häuser integriert wurden. Etwa eine Marmorsäule, die ein Vordach stützt.

Kastro Sifnos

Am äusseren Ring von Kastro laden hübsche, gemütliche Cafes dazu ein, den warmen Sommerwind und die Aussicht über die mit Trockenmauern durchzogene Hügellandschaft zu geniessen.

Am östlichen Rand des Dorfes öffnet sich der Blick auf das Meer, die Küste und die kleine, weisse Kirche mit der hellblauen Kuppel, die auf einem Felsen über dem Meer prangt. Postkartenidylle!

Kastro Kirche

Sifnos heute – mit Siebenmeilenstiefeln auf dem Weg zur Nachhaltigkeit?

Trotz all der Bodenständigkeit ist Sifnos keineswegs rückschrittlich. Apostolo Dimopoulos ist der Gründer der „Sifnos Island Cooperative“. Er ist ein Visionär, der etwas Bleibendes und für die Gesellschaft Wichtiges schaffen möchte. Mit einem ausgeklügelten System aus Sonnen-, Wind- und Wasserenergie, träumen er und die Mitglieder der Genossenschaft davon, die Insel bis in 7 Jahren energetisch vollständig unabhängig zu machen. Die Pläne dafür sind fixfertig. Lediglich das notwendige Eigenkapital scheint im Moment noch die grosse Hürde zu sein. (Mehr Infos zu diesem Projekt finden sich hier )

Die Passion, mit der Dimopoulos sein Ziel verfolgt, lässt jegliche Zweifel im Keim ersticken, dass er auch das noch organisieren wird. Viele weitere, vor allem bürokratische Hürden hat die Genossenschaft mit dem Projekt bereits erfolgreich genommen.

Zugrunde liegt seinem unermüdlichen Streben sicherlich die Erkenntnis, wie wunderbar und einzigartig seine Heimat ist. Es wäre ein Traum, wenn sich dieses kleine Paradies ganz aus eigener Kraft und im Einklang mit der Natur am Leben erhalten könnte.

Wandern auf Sifnos – die Entdeckung der Langsamkeit

Wo könnte man die Stille der Natur schöner erleben, als beim Wandern? Sifnos ist ein Paradies für Wanderer. Leider ist es während meines Besuches, Mitte Juni, schon etwas zu warm dafür, sodass ich nur in den Genuss eines kleinen Spaziergangs komme. Entlang der Klippen führt mich der Pfad. Den Duft von Thymian und Salbei, Sommer und Meer in der Nase – das leise Rauschen des Meeres im Ohr. Willkommen im Paradies, willkommen auf Sifnos!

Wanderung Sifnos

Viele verschiedene Wander- und auch Themenwege locken, die Insel auf Schusters Rappen zu erkunden. Eine wunderbare Möglichkeit die Insel mit allen Sinnen zu entdecken. Sifnos muss man riechen, hören und schmecken und sich dabei vom gemächlichen Pulsschlag der Insel anstecken lassen.

Tipp: Ideale Reisezeit für Wanderer sind die Monate April bis Anfang Juni, Oktober und November.

Sommer, Sonne, Strand – Sifnos

Natürlich lockt auch Sifnos, wie alle andern Kykladen Inseln, mit glasklarem Wasser und einer Vielzahl Strände und verträumte Buchten. Dank der für ausgedehnte Wanderungen zu hohen Temperatur, komme auch ich in den Genuss des süssen Müssigganges und einer erfrischenden Abkühlung in Poseidons salzigen Armen.

Tipp: Mit etwas Glück kann man von Mai bis Ende Oktober die Badesaison auf Sifnos geniessen. Juli und August sind die Monaten mit den meisten Besuchern. In den anderen Monaten geht es beschaulicher zu. Die Strände sind meist recht flach abfallend und somit auch für Familien mit kleinen Kindern gut geeignet.

Da hat mich Sifnos also noch mehr ausgebremst als erhofft und gleichzeitig hat sie mich gelehrt auch einfach mal nichts zu tun und zu geniessen.

Auch ohne diese Extrabremse ist Sifnos die Insel für Geniesser. Eine gemütliche, gastliche Insel die Entspannung verspricht.

Die Hektik des Alltages kann man getrost bei der Ankunft im Hafen von Kamares über Bord werfen. Wohl sollte man aber die Bereitschaft mitbringen, mit offenen Sinnen und mit einem offenen Herzen auf diese kleine, charmante Perle und ihre Bewohner zuzugehen. Sie werden einen mit offenen Armen empfangen.

Ich freue mich auf jeden Fall wahnsinnig, dass ich ein weiteres, kleines Paradies entdeckt habe. Diese Welt ist so unglaublich schön. Geht raus und entdeckt sie, die kleinen, zauberhaften Paradiese dieser Welt!

Mit sonnigen Grüssen,

Eure Patotra - klein

 

 

Weitere Tipps für Sifnos

Hinkommen:

Von der Insel Milos, die von Athen mit dem Flugzeug angeflogen wird, ist Sifnos mit dem Schnellboot in 30 Minuten erreicht.

Da Milos als Insel so ganz anders ist, empfehle ich beide Inseln zu besuchen!

Alternativ empfiehlt sich die Anreise per Flugzeug nach Athen und dann vom Hafen in Piräus weiter mit der Fähre oder dem Schnellboot.

 

Unterkommen:

Ich habe in einem kleinen Appartement am Ortsrand von Appolonia gewohnt. Zwar nicht am Meer, aber mit dem Auto ist hier jeder Ort schnell erreicht.

Nissos Suites

Nissos Suites ist eine hübsche und gepflegte Anlage am Hang mit sehr geschmackvoll und modern eingerichteten Zimmern mit einer kleinen Küchenzeile und Bad. Besonders die ganz neuen Zimmer sind sehr schön und bieten Platz für bis zu fünf Personen. Der Ort ist in wenigen Minuten zu Fuss erreicht. Wegen der viele Treppen, ist die Anlage nicht für Gehbehinderte geeignet.

Rumkommen: Mietauto, Busse

Ich hatte einen Mietwagen von Moto Car Rental in der Nähe des Hafens von Kamares. Sehr unkompliziert. Schnell fahren kann man auf der Insel nicht, da die Strassen sehr kurvig und bergig sind. Meist ist 40km/h die erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Auch beim Autofahren geht Gemütlichkeit vor.

Obwohl es auch öffentliche Busse auf der Insel gibt, würde ich den Mietwagen bevorzugen. Man ist doch wesentlich flexibler.

Sehenswürdigkeiten:

Akropolis auf dem Aghios Andreas. Antike Ausgrabungsstätte mit einem kleinen, aber spannenden Museum. Und: einem tollen Ausblick über die Insel!

Blick Acropolis Sifnos

237 Kirchen gibt es auf Sifnos. Ein besonders beliebtes Fotomotiv ist die Kirche von Chrissopigi auf einem Felsen im Meer.

Chrissopigi Sifnos

 

Restaurants:

Kamares:

Restaurant direkt gegenüber dem Hafen (siehe Foto unten) am Wasser mit Blick über die Bucht. Sehr gute traditionelle Küche. Die Kichererbsenbällchen sind besonders köstlich!

Sifnos Taverne

Apollonia:

Restaurant Cayenne:

Cayenne Sifnos

Ausgezeichnete Gourmetküche. Kreativ und trotzdem traditionell. Mitten im Ort, vor der Kirche.

Restaurant Cayenne Sifnos

Taverna Apostolis Koutouk:

Direkt gegenüber der Kirche. Toller Blick von der Dachterrasse

Vathi:

Restaurant Tsikali:

Sifnos Restaurant Tsikali

Familienbetrieb mit Herz. Hervorragende traditionelle Küche. Fleisch und Käse aus eigener Produktion. Man sitzt sehr schön, direkt am Meer, hinter der Kirche.

Sifnos Essen

Strände:

Vathi: Schöner Sandstrand und nette Tavernen.

Strand von Platis Gialos: einer der grössten Strände der Insel.

Ganz im Norden: Cheronissos. Kleiner Sandstrand in einer Bucht.

Kamares: Netter Strand in der Nähe der Anlegestelle der Boote

Wanderungen:

Sehr empfehlenswerte, geführte Wandertouren www.sifnoshiking.com

Nützlicher Link für weitere Informationen rund um Sifnos:

http://www.sifnos.gr/eng/home

 


Offenlegung: Diese Reise fand auf Einladung der griechischen Zentrale für Fremdenverkehr statt. Herzlichen Dank dafür und Dank auch an die Einwohner von Sifnos für ihre grosse Gastfreundschaft!


 

2 Kommentare

  • Wirklich eine ganz tolle Seite – wunderbare Bilder und Texte die berühren ….
    freuen uns jetzt noch mehr auf Milos und Sifnos

    Manuela – Anna

    • Liebe Manuela-Anna
      Hab ganz herzlichen Dank für Deinen super lieben Kommentar. Das freut mich so sehr! Hach, da habt Ihr aber auch etwas ganz Besonderes vor! Bei Milos und Sifnos gerate ich immernoch ins Schwärmen. Grüsst mir die beiden Inseln und habt eine wunderbare Zeit dort!
      Herzliche Grüsse,
      Ellen

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