Das Stärnebett auf der Oberstockenalp: Schlafen unter tausend Sternen

Eine ganz besondere Übernachtungsmöglichkeit steht auf der Oberstockenalp im Niedersimmental: Das Stärnebett.

Ich liebe ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten. Wenn sie dazu noch an ganz aussergewöhnlichen Orten stehen begeistern sie mich noch mehr.

Bubblehotel Stockhorn

Die drei Garteniglus, “Stockhorn”, “Heuflue” und “Cheibehorn”stehen auf der Oberstockalp im Niedersimmental, auf 1776 Metern. Ausgestattet sind sie mit zwei Nachttischen, einem bequemen Bett, warmen Decken sowie einer romantischen Solar-Beleuchtung.

In den Sommermonaten, von Anfang Juni bis Anfang September, wenn das Vieh noch auf der Alp ist bimmeln die Kuhglocken sanft in den Schlaf. Danach wird es ruhig auf der Alp. Sehr ruhig. Die Stille auf dem Berg ist ein Traum. Bis 11. Oktober kann in diesem Jahr (2020) den Iglus noch übernachtet werden. Ein warmes Kirschkernkissen sorgt in der Nacht für Behaglichkeit unter der Bettdecke.

Eigentlich ist es Corona zu verdanken, dass diese aussergewöhnlichen Hotelzimmer auf der Oberstockenalp stehen. “Das Massenlager konnten wir wegen Corona nicht vermieten und da wir schon länger mit den Gedanken gespielt haben, unser Angebot mit einer aussergewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeit zu ergänzen, haben wir kurzentschlossen ein “Garden Igloo” bestellt, es probehalber aufgestellt und für gut befunden. Das war ein ganz spontaner Entschluss. Im Mai wussten wir selbst noch nichts davon und Anfang Juni standen die Stärnebett Iglus schon auf der Alm”, verrät mir Vreni Bühler, die sympathische Gastgeberin.

Alp Stockhorn

Jeden Sommer verbringt die Familie Bühler auf der Alp. Der Vater, Werner, der sich darum kümmert, dass der Käsekeller gut gefüllt ist, hat seine schon seine Kindheit auf der Alp verbracht. Im Winter arbeitet er als Zimmermann im Tal.

Das Leben auf der Alp ist einfach. Darauf müssen sich auch die Gäste einstellen. Es gibt ein Plumpsklo und einen Brunnen für die Katzenwäsche. Im Gasthaus befindet sich zudem ein Matratzenlager für bis zu 30 Personen und ein Doppelzimmer. Draussen bei den Stärnebett Iglus, die etwa 50 Meter von Haus entfernt stehen, hat es nochmal ein Plumpsklo mit einem kleinen Waschbecken. Dieses Plumpsklo ist ganz modern und besonders umweltfreundlich. Normalerweise ist der Geruch in solchen Klos ja kaum auszuhalten. Hier duftet es nach Holz. Gespült wird mit Sägespänen. Sogar ein Pissoir in Form eines grossen Metalltrichters gibt es.

Stärnebett Untersimmental

Die Familie Bühler hat an alles gedacht. So bekommen die Gäste eine Powerbank mit aufs “Zimmer”, um Handys zu laden. Vorhänge an den Seitenwänden des Iglus sorgen für die nötige Privatsphäre. Der Blick nach oben zum Sternenhimmel bleibt offen. Bei dem Blick in das unendliche Universum mit seinen funkelnden Sternen würde man am liebsten die ganze Nacht wach bleiben. Hier oben gibt es kaum Lichtverschmutzung und so ist sogar die Milchstrasse deutlich zu erkennen. Eine Nacht unter Sternen ist ein ganz besonderes Erlebnis, das ich nur empfehlen kann.

Stärnebett unter dem Sternehimmel
Besonders hell leuchten Jupiter (rechts) und Saturn (links)

Aber auch tagsüber sind die Ausblicke aus den Iglus inmitten der zauberhaften Bergwelt nicht zu verachten.

Abendessen und Frühstück gibt es im Alpgasthof. Vreni kocht vorzüglich und so wird der Abend auf der Alp ganz unerwartet zu einem kulinarischen Erlebnis. Auch das Frühstück, mit feinem Alpkäse ist ein Traum!

Weitere Infos: Berggasthaus Oberstockenalp

Oberstockenalp am Abend

Die Anreise zum Stärnebett

Wir sind von Erlenbach mit der Stockhornbahn bis zum Stockhorn gefahren und dann zu Fuss über das Stockefeld in etwas 40 Minuten bergab gewandert. Der Weg ist relativ steil, aber gut begehbar.

Oberstockenalp vom Stockhorn
Die Oberstockenalp vom Stockhorn aus gesehen

Alternativ führt ein Wanderweg über den Strüssligrat hinunter zur Oberstockealp (Gehzeit etwa 50 Minuten). Eine weitere Möglichkeit ist, von der Station Chrindli entlang des Hinterstockensees bergauf zu wandern. Auch für diese kurze Wanderung benötigt man etwa 50 Minuten.

Zimmerpreise: Inklusive Frühstück kostet die erste Übernachtung CHF 180 für zwei Personen. Ab der zweiten Nacht CHF 150.

Meine Tipps: Das Abendessen im Gasthaus sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Wenn es kälter wird, würde ich eine Mütze in der Nacht anziehen. Ich hatte warme Socken und Skiunterwäsche an. Tatsächlich wurde es mir damit aber fast zu warm.

Sternenhimmel in den Bergen

Beim Fotografieren kam uns übrigens der Sternenfotografiekurs, den wir im letzten Winter in der Aletscharena beim Fotografen Markus Eichenberger absolvieren durften, sehr zugute.

Wer schreibt hier?
Ellen Gromann-Goldberg
Es geht nicht darum, Länder zu sammeln, sondern darum das Leben mit besonderen Augenblicken, Landschaften, Orten, Aktivitäten und Begegnungen zu bereichern. Das ist für Ellen die Essenz des Reisens. Mit viel Passion hält sie diese in ihren Texten und Bildern fest. Gerne auch gewürzt mit dem Duft und Geschmack regionaler Köstlichkeiten.
Neben Ihrer Tätigkeit als Bloggerin und Chefredakteurin von Patotra, arbeitet Ellen auch als freie Journalistin und Content Creator.

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Offenlegung: Die Übernachtung fand auf Einladung von Interlaken Tourismus statt. Meine Meinung bleibt davon unangetastet.


4 Comments

  • Sehr schön! Ich bin erstaunt, dass es nicht viel mehr solche Angebote gibt. Überall höre ich, dass diese speziellen Unterkünfte auf Monate reserviert sind. Da müsste es doch eine Nachfrage, nach noch viel mehr geben.

    Noch eine kleine Detailfrage: Auf dem Dämmerungsbild vom Berggasthof, ist ein Teil des Gipfels beleuchtet. Die Sonne kann das wohl nicht sein. Ist dort oben noch etwas? Und wenn ja: Was?

    • Vielen Dank für dein Kompliment!

      Ich denke auch, dass es eine grosse Nachfrage nach solchen besonderen Übernachtungsmöglichkeiten gibt, aber geeignete Plätze wo man so ein transparentes Iglu aufstellen und vermieten kann, sind vermutlich rar. Es muss ja ein Platz sein, der einigermassen gut vor neugierigen Blicken geschützt ist und die Sterne kommen in der Nacht nur dann richtig zur Geltung, wenn dieser Ort möglichst fern der Zivilisation liegt. Dann stellt sich aber die Frage der Verpflegung und eine Toilette braucht es ja auch. Auf der Oberstockenalp sind all diese Voraussetzungen erfüllt.

      Übrigens: Das Licht auf dem Berggipfel ist die Bergstation der Stockhornbahn. Von dort oben sind wir zur Oberstockenalp runter marschiert. Auf dem Stockhorn gibt es ein Panoramarestaurant und die haben an den Wochenenden manchmal auch Abendveranstaltungen dort oben. An diesem Abend fand ein “Astronomieabend” statt. Erst essen, dann Sterne anschauen. Das Wetter an diesem Abend war ideal dafür, obwohl es am Nachmittag noch geregnet hatte.

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