Thüringer Wald – Weihnachten mitten im Sommer

Weihnachtsschmuck

Dort wo „Fuchs und Hase manchmal achtlos aneinander vorbeigehen“, genau dort ist der Thüringer Wald. Das zumindest sagt Rita Worm, CEO der Farbglashütte in Lauscha und Gastgeberin im Hotel Schieferhof mit einem Augenzwinkern. „Manchmal, im Herbst oder im Winter sitzen wir hier lange im tiefen Nebel“, fügt sie erklärend hinzu.

Wer sich auf den Weg in den Thüringer Wald begibt, merkt gleich, dass hier viele Dinge anders sind als anderswo. Die Häuser sind eingepackt in schwarze Schieferschindeln. Die weiss getünchten, leichten Kastenfenster bilden den passenden Kontrast auf deren Fassaden. Die Bäume sind höher und der Wald ist dichter als anderswo – zumindest scheint es so. Im zart hellgrünen Gras unter den dunklen Fichten wähnt man manches Fabeltier.

Lauscha, die Glasbläserstadt

Kein Wunder hat sich genau in dieser Gegend ein Handwerk angesiedelt, das sich einem sehr zerbrechlichen, funkelnden Werkstoff widmet. Die Glasbläserei hat im Thüringer Wald eine lange Tradition. Von Lauscha aus, einer Kleinstadt mitten im Thüringer Wald, hat neben Glasaugen auch ein ganz besonderer Schmuck Einzug in unzählige Stuben gehalten. Hier ist auch die Geburtstube des Weihnachtsschmucks.

Farbglashuette Lauscha

Die Wiege des gläsernen Weihnachtschmucks

Anfang des 19. Jahrhunderts entstand dieser Glasschmuck, um die teuren, am Christbaum hängenden Äpfel zu ersetzen. Glas war damals wesentlich günstiger als Nahrungsmittel. 1870 verbreitete sich dieser neue Schmuck dann, dank der Firma Woolworth, von Lauscha in die USA und die ganze Welt. Auch heute noch wird in Lauscha Weihnachtsschmuck hergestellt und wer möchte, kann hier ganzjährig, sogar mitten im Sommer, an einem Workshop „Weihnachtsbaum schmücken“ teilnehmen. Ich habe dabei einiges gelernt!

Glaskugeln

So wird ein Weihnachtsbaum richtig geschmückt

Christbaum richtig schmuecken

  • Von oben nach unten
  • Die kleinen Kugeln oben, die grossen unten
  • Zum befestigen der Kugeln am Baum einen dünnen Blumendraht benutzen
  • Die Spitze wird ganz zum Schluss aufgesetetzt
  • Weihnachtsvögel sollten sich anschauen – sonst hängt der Haussegen schief

 Was sucht eine Gurke am Weihnachtsbaum?

Die Weihnachtsgurke ist der Exportschlager aus dem Thüringer Wald. In den USA, wo diese als Weihnachtsschmuck eingesetzt wird, ist man der Meinung, dass dies eine deutsche Tradition sei. Ich habe noch nie eine Gurke an einem Weihnachtsbaum gesehen. Aber in den USA erfreut sich die Weihnachtsgurke offenbar grossen Beliebtheit. Die „Christmas Pickles“ werden versteckt im Baum aufgehängt. Der Finder der Gurke darf zur Belohnung als erster die Geschenke auspacken. Andere Länder – andere Sitten. Schön, dass in den USA ein typisch deutscher Brauch, den in Deutschland scheinbar keiner braucht, zum Leben erweckt wurde. Die Glashütten in Lauscha freuts auf jeden Fall – und den Finder der Gurke bestimmt auch.

Weihnachtsgurke

Ich war mit meinem geschmückten Weihnachtsbaum ganz zufrieden – auch ohne Gurke. Leider gab es, wie sonst unter dem Weihnachtsbaum üblich, keine Geschenke. Da musste ich mir halt selber helfen. Ich durfte eine Glaskugel blasen und das zweite Geschenk konnte ich dank eines riesigen Angebotes im dazugehörigen Laden erstehen.

Glasblasen

Hoteltipp Boutique Hotel Schiefernhof

Ganz festlich gestimmt, konnte das Festmahl nicht weit sein. So war es denn auch. Im liebevoll eingerichteten Boutique Hotel Schiefernhof kann man nicht nur ausgezeichnet in einem der individuell gestalteten Zimmer übernachten, sondern auch vorzüglich speisen.

Romatikhotel Schieferhof

Restaurant Schieferhof

Auch hier wieder aussen dunkles Schieferngewand und innen luftige frische Räume. Kunst und Design wohin das Auge blickt. Leichte Mädchen aus Porzellan und schwere Teufel aus durchschimmerndem roten Glas, immer ein wenig keck und frivol, schmücken den Tisch. Sie sollen wohl den Appetit anregen… „anders, nicht artig“, passend zum Slogan des Hotels.

Porzellan Hotel Schieferhof

Ein Thüringer Festmal wird hier aufgetischt. Natürlich mit Thüringer Bratwurst und Thüringer Klössen. Aber genauso, wie der Thüringer Wald nicht nur ein dunkler Wald ist, ist auch der Kloss nicht nur ein Kloss. Was im Wald die Elfen und Fabeltiere sind, ist im Kloss der Klossteufel. Er überrascht den Geniesser. Bei mir war es ein Teufel in Form eines kleinen, grünen Glasfrosches. Fast schon ein kleines Abenteuer.

Klossteufel

Abenteuer im Thüringer Wald

Das etwas grössere Abenteuer kann man ein paar Kilometer weiter in Fellbach erleben. Wem schnödes Wandern in der Natur zu langweilig ist, der kann sich mit einem Mountain Skyver auf dem Rücken auf den Gipfel des Fellbergs begeben. Innerhalb einer Minute ist diese Mischung aus Fahrrad und Tretroller zusammengebaut und ab geht die 16 km lange Fahrt zurück ins Tal, in Richtung Sonneberg.

Steinach Mountain Skyver

Für meinen Geschmack war das aber etwas zu viel Abenteuer, weshalb ich habe die ruhigere Variante zu Fuss vorzog. So hatte ich Zeit die Natur zu geniessen. Breite Wanderwege führen durch den Nadelwald. Die hellgrünen Wiesenstreifen rechts und links des Weges werden immer wieder durchbrochen durch das zart gesprenkelte Rosa des Fingerhuts. Ob das die Hüte der Feen sind?

Fingerhut

Üppige Heidelbeerbüsche mit reifen Beeren laden immer wieder ein zu naschen. Nachdem der Gipfel erreicht war, öffnet sich der Blick ins Tal und in die Ferne über die spitzen Baumwipfel der Nadelbäume.

Fellberg

Wälder soweit das Auge reicht, nur ganz selten durchbrochen von einer kleinen Siedlung. Ja, hier gehen Fuchs und Hase an Nebeltagen ganz bestimmt manchmal achtlos aneinander vorbei. Dafür funkelt und leuchtet das Glas hier umso heller und in allen erdenklichen Farben. Jeder der den Zauber eines geschmückten Weihnachtsbaums kennt, wird genau wissen was ich meine.

Es sind die Kontraste, die scheinbaren Widersprüche, die diesem Landstrich ihren ganz besonderen Charme verleihen. Da passt sogar der geschmückte Weihnachtsbaum mitten im Sommer, bei 28 Grad.

Geht raus und staunt, wie überraschend diese Welt ist!

Mit sonnigen Grüssen,

Eure Patotra - klein

 

Extratipps:

  • Farbglashütte in Lauscha
  • Boutique Hotel Schieferhof. Das Hotel bietet auch für Familien nette Arrangements. Mehr Infos dazu gibt es hier.
  • Unterkunft für aktive Familien und Outdoor Events: Sporthotel Steinach und im Outdoor Inn in Sonneberg. Viele Outdoor-Aktivitäten wie z.B. der Mountain Skyver, Hochseilgarten, Snowbiken etc. Weitere Infos dazu gibt es hier.
Outdoor Inn
Beim Outdoor Inn

Herzlichen Dank an Thüringen Tourismus für die freundliche Einladung zu dieser inspirierenden Recherchereise


 

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