Thurgau – Mit dem Fischer auf dem Bodensee und eine grosse Portion Bodenseeliebe

Mit dem Berufsfischer Rolf Meier aus Ermatingen im Kanton Thurgau, fuhren wir morgens früh um vier Uhr raus auf den Bodensee. Ein unvergessliches Erlebnis, das ich zur Nachahmung sehr empfehlen kann! Und ein paar Tipps rund um den Untersee und Rhein gibt es oben drauf.

Es ist Viertel nach drei Uhr morgens. Noch ziemlich schlaftrunken, aber voller Vorfreude machen wir uns auf den Weg durch die dunkle Nacht nach Ermatingen im Kanton Thurgau. Am nachtschwarzen Himmel hängt eine schmale Sichel und schickt ein schwaches silbernes Glitzern über den dunklen Bodensee. Zwei Füchse sind am Wegrand unterwegs und ein Igel. Ein paar Frösche quaken am See. Sonst ist niemand zu sehen und zu hören.

Bodensee Nacht Mond
Man kann den kommenden Tag am Horizont erahnen

Oder eben doch nicht ganz niemand. Wir erreichen das Dörfchen Ermatingen am Untersee. In einem Zimmer beim Restaurant Seegarten brennt schon Licht.

Ermatingen, so hiess es einst in einer findigen Marktingkampagne, sei „das langweiligste Dorf der Schweiz. Wir haben nichts, wir tun nichts und wir bieten nichts“, hiess es damals aus dem hübschen Fischerdorf mit den schmucken Fachwerkhäusern. So ganz stimmt das aber nicht. Denn hier ist sogar morgens um 4 Uhr schon etwas los!

Während wir draussen im Dunklen warten, kommt langsam Bewegung in das Haus. Die Türe öffnet sich leise. Ganz in orangefarbenes Ölzeug gekleidet, mit grossen, schweren Gummistiefeln und einer Stirnlampe an seiner Mütze tritt Rolf Meier in die Nacht. Unser Rendezvous für heute Nacht.

Er streicht sich eine Strähne der zu einem Pferdeschwanz zusammengebundenen Haare aus dem Gesicht und begrüsst uns mit einem kräftigen Händedruck und einem offenen Lächeln. „Ich bin der Rolf.“ Kurz prüft er meine Jacke, verschwindet wieder im Haus und kommt mit einer weiteren, orangefarben Öljacke wieder raus. “Nimm die lieber mit. Draussen kann es frisch sein.“

Frisch? Es ist eine dieser lauen Sommernächte, in denen man vor lauter Wärme kaum schlafen kann. „Frisch“ kann ich mir in diesem Moment kaum vorstellen. „Kommt, gehen wir“, flüstert Rolf. Vor sich her schiebt er seine Handkarre mit Kisten darauf und einer Kühlbox mit Eis. Wir folgen ihm leise. Seine Stirnlampe und das schwache Licht des Mondes leuchten uns den Weg durch die Nacht. Der See liegt da wie ein dunkler Spiegel und am Horizont kündigt ein schwacher rosa-orangefarbener Schimmer den nahenden Tag an.

Berufsfischer aus Leidenschaft

Rolf zieht das Boot ein wenig weiter gegen das Ufer und wir klettern hinein. Ganz vorne, quasi als Galionsfigur, finde ich meinen Platz. Mein Liebster setzt sich auf die Kühlbox am Rand.

„Genau darum mache ich das jeden Morgen“, sagt er und deutet auf die Weite des Sees, während er den Motor startet. Nur bei Sturm bleibe er zu Hause und jeweils Sonntag bis Montag – und an ganz hohen kirchlichen Feiertagen. Dann darf er nämlich nicht raus zum Fischen. Seit dreissig Jahren fährt er schon raus und „es gab noch nie einen Tag, an dem ich keine Lust dazu hatte. Ich brauche das“, sagt Rolf.

Fischer Bodensee
Um 4 Uhr in der Früh geht es für den Fischer raus auf den See

Rolf Meier ist Berufsfischer aus Leidenschaft. Ursprünglich hat er den Beruf des Forellenzüchters gelernt und da es ihn schon immer aufs Wasser raus zog, war eine Ausbildung zum Fischwirt mit Unterricht an der Bayrischen Landesanstalt in Starnberg die logische Konsequenz.

Eine knappe halbe Stunde lang fahren wir über den See. Ich bin froh über meine zweite Jacke. Es ist tatsächlich frisch hier draussen – ziemlich frisch. Noch kühlt der See merklich die Luft. Im Zellersee, zwischen den Halbinseln Höri und Mettnau, holt Rolf die ersten Netze ein. Im Hintergrund zeichnen sich nun langsam die Vulkankegel des nahen Hegau ab. Der Streifen am Horizont wird zusehends heller. Der See erwacht und ein paar Enten schnattern.

Netze Bodensee
Die Netze werden von Hand eingeholt

Immer wieder zieht Rolf mit geübten Händen einen Felchen aus dem Netz und lässt ihn in eine Kiste mit Eis gleiten. Die Kiste füllt sich nach und nach.

Fischer-mit-Felchen
Die Kisten füllen sich mit Felchen

Feinsäuberlich fädelt Rolf die Netze auf einem Stab, um sie dann, wenn sie fertig aufgefädelt und gewaschen sind, am Bootsrand für den nächsten Tag parat zu legen.

Als alle Netzte an dieser Stelle eingeholt sind, wechseln wir den Standort. “Jetzt müsst ihr schauen, das ist ein ganz besonderer, kurzer Augenblick!“ Rolf deutet mit den Händen zu den sanften Hügeln am nordöstlichen Ufer des Sees. Das Orange des Morgens wird zusehends heller und die Sonne schiebt sich erst als zaghafter Strahl und dann als gleissend leuchtende Kugel über den Horizont. Die Magie des Augenblicks hüllt uns ein und mit ihr das warme Licht des neuen Morgens.

Sonnenaufgang über dem Bodensee
Die Sonne schiebt sich über den Horizont

Etwas weiter zur Seemitte liegen Rolfs Netze mit grösseren Maschen im See. Die sind für die grösseren Fische. Viel ist heute nicht drin, im Netz. Aber immerhin ein prächtiger Hecht von fast 4 kg.

Hecht Bodensee
Ein stattlicher Hecht hat sich in einem der Netze verfangen

Zum Schluss kontrolliert Fischer Rolf auch noch seine Reusen, die er in Ufernähe ausgelegt hat. In diese hat sich heute aber nur ein Aal verirrt, den er gleich wieder in die Freiheit entlässt.

Rolf Meier Berufsfischer
Rolf Meier holt die Reusen ein

Der Tag ist jetzt voll erwacht. Die grünen Hügel des Thurgaus, durchzogen von Weinreben und „gekrönt“ von den Schlössern Salenstein und Arenenberg, spiegeln sich im Untersee, wie dieser Teil des Bodensees genannt wird.

Seerücken Bodensee
Der Blick über den zauberhaften thurgauer Seerücken
Morgen am Bodensee
Der Morgen am Bodensee hat einen ganz besonderen Zauber

Rolfs Kisten sind nun voll. 25 kg Felchen und 4 kg Hecht bringen wir an diesem Tag vom See mit an Land. Einen Teil wird Rolf im eigenen Räucherofen räuchen, der Rest wird fangfrisch im Restaurant Seegarten den Gästen serviert. „Hier wird nur Fisch aus dem Bodensee zubereitet.“ Das Restaurant Seegarten wird von Rolfs Frau Luzia Graf-Meier mit ihrer Schwester Myrtha Graf geführt. „Als Fischer muss man ein zweites Standbein haben“, sagt Rolf. Nur wegen der Einnahmen vom Fischen müsste ich nicht auf den See raus fahren, aber ich brauche das einfach. Am liebsten im Winter wenn niemand sonst auf dem See ist!“

Früher ist Rolf viel gereist. Auf den Philippinen war er mit Fischern draussen zum Fische fangen genauso wie am Titicacasee. Peru, Bolivien, Indonesien, Thailand, Indien, Südafrika, Kanada, Australien und Hongkong hat er bereist. Immer mit dem Rucksack und mit wenig Geld. Zum Teil gemeinsam mit seiner Frau Luzia.

Auf meine Frage, wo es ihm denn am Besten gefallen habe, antwortet er ohne zu zögern und mit einem breiten Strahlen im Gesicht: „Daheim!“ – Ich kann es ihm nicht verdenken!

Berufsfischer Bodensee Rolf Meier
Berufsfischer Rolf Meier nimmt die Fische natürlich selbst aus und filetiert sie. Einen Teil davon räuchert er selbst. Den Rest gibt es frisch auf den Teller im Restaurant Seegarten in Ermatingen
Infobox
Wer Berufsfischer Rolf Meier auf den See begleiten möchte, der kann das für CHF 100 / 84 EUR pro Person (Stand: Juli 2019, max. 2 Personen) von April bis Oktober nach telefonischer Absprache tun. Weitere Infos: Webseite Restaurant Seegarten

Bodenseeliebe von Steckborn bis nach Stein am Rhein

Auch wenn ich nicht jeden Morgen die Magie des Bodensees erleben kann, so finde auch ich, dass ich mit meiner Familie in einer der schönsten Gegenden der Welt lebe. Es zieht mich zwar immer wieder in die Ferne, ich komme aber jedes Mal dankbar und gerne wieder hierher zurück nach Hause an den Bodensee.

Schiffahrt Bodensee
So eine Schifffahrt auf dem Bodensee ist ein guter Grund mal blau zu machen

Und da ich diese kleinen Bodensee-Auszeiten so liebe, habe ich kurzerhand den Nachmittag mit meinem Liebsten blau gemacht und bin mit ihm mit dem Kursschiff von Steckborn nach Stein am Rhein gefahren, habe den Sommernachmittag genossen, bin in den hübschen Gassen von Stein am Rhein in die Geschichten, die die Fassaden der mittelalterlichen Stadt erzählen eingetaucht und habe links und rechts des Weges kleine Schätze entdeckt.

Stein am Rhein
Stein am Rhein ist ein ausgesprochen hübsches Städtchen
Fassaden Stein am Rhein
Die Fassaden der Häuser erzählen Geschichten

Eigentlich war unser Plan mit dem Thurbo, der regionalen Zuggesellschaft, zurück nach Steckborn zu fahren. Aber weil es so schon war, haben wir dann doch wieder oben auf dem offenen Deck des Kursschiffs platzgenommen und haben uns an der gemächlich vorbeiziehenden, lieblich-romantischen Hügellandschaft am Untersee erfreut. Nur hin und wieder durchbricht ein Segelboot mit weissen Segeln das Blau des Sees.

Bodenseeidylle pur
Bodenseeidylle pur!

Ist das nicht wunderschön? Viel zu schnell sind wir wieder in Steckborn.

Steckborn am Bodensee
Steckborn am Bodensee

Gut gegessen

Den Abend lassen wir bei köstlichem Essen mit Blick auf den Untersee auf der Terrasse des See & Park Hotel Feldbach in Steckborn ausklingen. Das ist wie Ferien! Einst ein Nonnenkloster, hat man sich im Feldbach ganz auf irdische und doch in gewisser Weise himmlische Genüsse eingestellt.

Apéro Feldbach Hotel
Apéro mit Aussicht
Essen See & Park Hotel Feldbach
Das Essen im Hotel Feldbach schmeckt köstlich
See & Park Hotel Feldbach
Früher befand sich im Hotel See & Park Hotel Feldbach ein Kloster

Gut geschlafen

Zimmer Hotel Feldbach
Ein hübsches Zimmer mit Aussicht

Den See immer im Blick haben wir auch von unserem hübschen Hotelzimmer. Leider sind wir zu müde, um den Sonnenaufgang am nächsten Morgen zu erleben. Aber das holen wir bestimmt ein anderes Mal nach.

Blick Hotel Feldbach
Traumhaft ist auch der Blick auf den Untersee beim Hotel Feldbach
Wer schreibt hier?

Die Autorin: Ellen Gromann-GoldbergEllen Gromann-Goldberg

Globetrotterin mit Anhang, immer mit der Kamera im Anschlag und dem Notizblock in der Hand. Mit und ohne Familie bin ich auf der Suche nach den besonderen Orten, Erlebnissen und Geschichten rund um die Welt und in meiner Heimat am schönen Bodensee.
Neue Beiträge abonnieren


Offenlegung: Zu dieser Recherche wurde ich von Thurgau Tourismus eingeladen. Meine Meinung bleibt davon unangetastet.


 

2 Comments

  • Hallo Ellen! Habe eueren Ausflug auf den Bodensee mitgenossen. Du schreibst so schön, da wäre ich am liebsten mit dabei. Das Einzige, das mich davon abhalten könnte, ich habe Angst auf dem Wasser wenn es finster ist.
    Auf meinem iPad brauche ich das Gott sei Dank nicht!
    Es ist wunderbar, deine Reisen mit zu verfolgen, Du schreibst so, dass man Lust bekommt, es selbst zu erleben! Großes Kompliment! Herzlichst Irmgard!

    • Hallo liebe Irmgad
      Hab vielen Dank für Deine netten Worte. Das freut mich sehr. Es würde sich auf jeden Fall lohnen die Angst vor Dunkelheit auf dem Wasser zu überwinden. Das Erlebnis ist fast unbeschreiblich schön.
      Herzliche Grüsse,
      Ellen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .