Unterwegs aufgeschnappt: Die schwarzen Holzvögel von Rougemont

Anfang des 20. Jahrhunderts kaufte ein Amerikaner in Rougemont im Kanton Waadt zwei hölzerne Vögel. Doch warum stehen die Vögel bis heute noch dort und warten auf Ihren Eigentümer?

Rougemont ist ein Bilderbuchdorf mit rund 900 Einwohnern, im Kanton Waadt. Es liegt direkt an der deutsch-französischen Sprachgrenze. Einen Röstigraben wie anderswo kenne man hier allerdings nicht, wird mir gesagt. Hier durchmischen sich die Sprachen dank Heirat über die Sprachgrenzen hinweg. Rougemont war wohl schon immer weltoffen.

Davon zeugt auch das ehemalige Mädchenpensionat Institut Alpine Videmanette. Vor allem wohlhabende Briten haben hier ihre adoleszenten Mädchen zur Schule geschickt. Wohl auch, um diese noch einen Weile vor den heimischen Verehrern zu schützen. So ganz ging die Rechnung aber nicht immer auf. Auch in Rougemont und Umgebung lebten und leben junge Männer. Aber das wäre eine bzw. viele andere Geschichten.

Eine sehr berühmte Schülerin des Pensionats hielt es allerdings bei Näh- und Kochunterricht nicht allzu lange aus. Lady Di beendete nach nur drei Monaten ihren Aufenthalt in Rougemont. Vielleicht war ihr der Ort dann doch etwas zu idyllisch.

Ganz in ihrer Nähe befanden sich schon damals die beiden hölzernen Vögel. Viele der typischen Holzhäuser in Rougemont gleichen einem in der Mitte gefalteten Scherenschnitt. So auch das Haus mit den Vögeln – mal abgesehen vom Dachgeschoss. Nahezu symmetrisch auf der rechten und der linken Haushälfte führen zwei hölzerne Treppen zu den Wohnräumen im ersten Stock.

Die Scherenschnittkunst ist übrigens auch einen Tradition für die Rougemont bekannt ist!

Wie dem auch sei, auf dem Knauf von den beiden Handläufen des Hauses, thronen rechts und links zwei grosse schwarze Vögel. Wer nun denkt, das sei ein für die Region typisches Element, der täuscht sich gewaltig.

Die Geschichte ist eine völlig andere!

Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich im Erdgeschoss ein Antiquitätenladen. Ein Amerikaner, der in der Gegend seine Ferien verbrachte, entdeckte dort die beiden Vögel aus Holz. Diese gefielen ihm so sehr, dass er sie gleich kaufte. Er wollte sie bei seinem nächsten Besuch mit nach Amerika nehmen. Eine Reise auf einem grossen Luxuskreuzer, der gemeinhin als unsinkbar galt, kam ihm dazwischen. Ihr ahnt es schon! Der gute Herr versank mitsamt der Titanic in eisigen Fluten, während seine beiden Vögel vergebens auf ihre Abholung warteten.

Der Antiquitätenhändler erfuhr vom dem fürchterlichen Schicksal und er rechnete damit, dass seine Erben kommen würden, um die beiden Vögel in Besitz zu nehmen. Als Zeichen, dass die Vögel hier auf ihre neuen Besitzer warteten, liess er die beiden, von weitem sichtbar an den oberen Enden der Haustreppen anbringen.

Da warten sie bis heute auf die rechtmässigen Erben und irgendwie sehen sie dabei ein Bisschen traurig aus…

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