Von Edinburgh nach Inverness: verrückte Vögel und fliegende Fische

Delfine Schottland

Edinburgh: graue, bunte Stadt!

Edinburgh, das sind Häuserreihen, die an ein Spiegelbild im Spiegel erinnern. Ein Bild, das scheinbar unendlich wiederkehrt. Das sind auch unzählige Kamine, die auf den Häuserreihen wie Sahnehäubchendeko in den Himmel ragen.

Um es vorweg zu nehmen. Edinburgh und ich sind keine grossen Freunde geworden. Trotz prächtiger Gebäude und einem Schloss, das auf einem Felsen über der Stadt thront, empfand ich Edinburgh als Stadt recht grau.

Edinburgh Strasse

So schwer und grau die Häuserfronten wirken, so leicht und bunt kam mir hingegen das Leben zwischen diesen schweren Steinhäusern vor.

Das ist es, was diese Stadt ausmacht!

Kein Wunder, könnte man meinen. Immerhin war Festival Season und neben dem grossen Zapfenstreich, dem Royal Military Tattoo, findet im August in Edinburgh das „Fringe“, das grösste Kunstfestival der Welt statt. Die Royal Mile, die Haupttouristenstrasse die zum Schloss hinauf führt, war gefüllt mit Strassenkünstlern und anderen bunten Vögeln. Da mischten sich Männer in Brautkleidern zwischen kostümierte Starwars-Mimen und eine Gruppe Darsteller des Oliver Twist Musicals sang gegen schottenberockte Dudelsackspieler an.

Edinburgh Fringe 2

Edinburgh Fringe

Ich weiss ja, dass die Engländer ein lustiges Volk sind, aber die Schotten stehen diesen in nichts nach.

Free Walking Tour

Jonny, ein studierter Politik- und Geschichtswissenschaftler, der unser Tourguide für die „free historic walking tour“ war, bestätigte diese Bild. Im Schottenrock und ausgelatschten Wanderschuhen,  Holzschwert und mit jeder Menge Witz und schauspielerischem Talent, schaffte er es sogar unsere drei Teenager drei Stunden lang bei Laune zu halten. Kein Wunder, immerhin wurden wir nicht nur mit jeder Menge geschichtlichen Informationen versorgt, sondern auch darüber aufgeklärt, warum ein Einhorn das Wappentier Schottlands ist, wie ein kleiner Hund zu einem Denkmal in Edinburgh kam, in welchem Mausoleum ein Poltergeist sein Unwesen treibt und wo der, dessen Namen nicht genannt werden darf, beerdigt liegt.

Schottland EInhorn

Okay, letzteres ist nicht ganz korrekt. Aber immerhin standen wir im Greyfrias Churchyard, einem Friedhof, der auch gern als Picknick-Platz genutzt wird, vor dem Grab von dem, „dessen Namen man nicht nennen darf“. Oder zumindest desjenigen, nach dem der Bösewicht in den Harry Potter Büchern benannt wurde.

Edinburgh Greyfriars

J.K. Rowling ist häufig in diesem Friedhof spazieren gegangen. Vielleicht hat sie dort auch hin und wieder ihren Lunch gegessen. Dabei hat sie sich von den Namen auf den Gräbern für ihr Buch inspirieren lassen. Armer Thomas Riddell. Vielleicht war er ein ganz netter und sanftmütiger Mensch …

Scheinbar genauso zauberhaft ging unsere Tour durch Edinburgh weiter, doch jetzt auf eigene Faust.

Verwirrende Camera Obscura

Direkt unterhalb des Schlosses landeten wir in der Ausstellung der „Camera Obscura“, der Welt der Illusionen.

Camera Obscura 1

Camera Obscura 2

Ein verwirrendes Erlebnis, das man keines Falls verpassen sollte. An manchen Stellen wurde das ganze sogar so verwirrend, dass ich passen musste. Im „Giant Vortex Tunnel“, wo man meint in einem Strudel zu laufen, reichte mir schon der erste Schritt, um ein sehr flaues Gefühl in der Magengegend zu bekommen. Gegen das Gefühl, dass mir der Boden unter den Füssen weggezogen wird, konnte ich, obwohl ich wusste, dass es sich nur um einen Sinnestäuschung handelt, nicht ankämpfen. Die Kids fanden es total cool und sind gleich mehrfach durchgelaufen.

Das Edinburgh Military Tattoo

Auch unser Abendprogramm, das Royal Military Tattoo, das grösste Musikfestival Schottlands mit unzähligen Drum and Pipes (Trommeln und Dudelsäcken), indischen Bollywood-Tänzen, chinesischen Drachentänzen und einem mitreissenden Feuerwerk an Klängen und Farben, machte Edinburgh zu einem einmaligen Erlebnis.

Tattoo Drums and Pipes

Nach zwei Nächten und einem Tag voller bunter Eindrücke führte uns unsere Reise weiter entlang der Küste in Richtung Norden, von Edinburgh nach Inverness. Vorbei an schier endlosen Gerstenfeldern, deren goldene Ähren nur darauf zu warten schienen, gemeinsam mit Wasser und Hefe eine geistreiche Symbiose in einer der zahlreichen Destillieren einzugehen, führte uns unser Weg entlang der Küste erst Mal in Richtung Aberdeen.

Gerstenfelder

In der Nähe von Inverurie, einer schmucken Kleinstadt, wollten wir auf Geisterjagd gehen. Doch statt einem angesteinflössenden Spukschloss, erwartete uns ein Schlösschen, das ohne weiteres dem Reissbrett einer Walt Disney Produktion hätte entsprungen sein können. Nur, dass es noch viel schöner war und mit einer achthundertjährigen Geschichte aufwarten konnte. Mehr dazu erfahrt ihr in einem gesonderten Post.

Warthill Aberdeenshire

Geister?

Nach einer ruhigen Nacht, in der mich höchstens das tiefe Atmen meiner besseren Hälfte wachgehalten hatte, hatten wir einen hochprozentigen Weg vor uns. Ach nein! Da fällt mir ein: Mein Mann schnarcht ja gar nicht! Vielleicht war das doch… Lassen wir das!

Also, unser Weg führte uns vorbei an zahlreichen Fässern und zahlreichen Destillerien. Glenfiddich, Glenfarclas und wie sie alle heissen.

Whiskyfässer

Währen meine bessere Hälfte einen guten Whisky durchaus zu schätzen weiss, bin ich in dieser Beziehung ein völliger Banause. Das Interesse der Kinder hielt sich zum Glück auch in Grenzen.

Whiskyflaschen

Destillerie Glenfiddich

Also blieb es beim vorbeifahren und kurz schauen. Doch fast alle Distillerien bieten geführte Touren mit abschliessender Degustation an.

Inverness

Nach etwa vier Stunden war dann auch schon Inverness erreicht.

Eine Schönheit ist Inverness nicht. Aber auch nicht hässlich. Eine kleine Stadt mit einer Burg auf einem Hügel, und durch die der Fluss „Ness“ fliesst.

Inverness am Ness

Die besten Tipps für Inverness und Umgebung!

Sehr schön war hingegen unser B&B unweit des Flusses und der Stadt.

Atherstone Inverness

Noch schöner war die Tatsache, dass unser Gastgeber in dem B&B zehn Jahre lang als Reiseführer in Schottland gearbeitet hatte. So wurde unser Plan, den See Loch Ness auf der Suche nach „Nessie“ zu umrunden, nach einem kurzen, leicht missbillgenden Zucken mit den Augenbrauen kurzerhand über den Haufen geworfen.

Ally schlug uns kurzerhand einen viel besseren Plan vor: „Fahrt jetzt gleich los. In etwa einer halben Stunde seid ihr dann in Fortrose. Dort fahrt ihr quer durch den Rosemarkie Golfplatz bis ans Ende der Strasse. Dann müsstet ihr genau rechtzeitig kommen um die Delfine vom Ufer aus beobachten zu können, die in die Bucht schwimmen. Der Zeitpunkt ist abhängig vom Wechsel der Gezeiten, bei auflaufender Flut.“

Fortrose Leuchtturm

Delfine Inverness

Delfine Fortrose

„Danach fahrt ihr weiter zum Dunrobin Castle, das in etwa 90 Minuten erreicht ist. Vermutlich seid ihr dann genau rechtzeitig zur Greifvogelshow, vorgeführt von einem begeisterten Vogelliebhaber in Tweedkleidung. Die Vögel hat er meist verletzt bekommen und dann gesund gepflegt. Geniesst dann noch ein wenig den traumhaften Garten und das Schloss.

Dunrobin Greifvogel

Dunrobin Falke

Dunrobin Castle

Garten Dunrobin Castle

Von dort gelangt ihr in etwa einer Stunde zu den westlich im Landesinneren gelegenen Falls of Shin. Die schmale Strasse durch Wälder führt entlang des Flusses. Am Ende befindet sich ein Parkplatz. Von diesem Parkplatz aus führt ein kleiner Pfad runter zu einer Plattform mit Blick auf die Wasserfälle. Dort könnt ihr Lachse beobachten, die den tosenden Wasserfall hinauf springen, um zu ihren Laichplätzen zu gelangen.

Falls of Shin Lachse

„Von dort kommt ihr über die alte Strasse, durch bergiges Land in etwa einer Stunde wieder zurück nach Inverness. Das ist meine Empfehlung für einen tollen Tag in der Umgebung!“

Landschaft Schottland

Genau so haben wir den Plan in die Tat umgesetzt und es wurde einer unserer schönsten, erlebnisreichsten und unvergesslichsten Tage in Schottland!

Nessie!

Nessie haben wir trotz allem am nächsten Tag noch gesehen. Glück muss man haben! Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Auf der Fahrt von Inverness entlang des Ufers von Loch Ness rüber an die Westküste, ist uns das Ungeheuer doch tatsächlich und leibhaftig vor die Linse geschwommen! Unser Sohn Tom konnte gerade noch sein Handy hochreissen und durch die regennasse und schwarz getönte Seitenscheibe unseres Mietwagens einen verschwommenen Schnappschuss von Nessie machen. Doch bis wir das Auto an einer sicheren Stelle anhalten konnten, war sie auch schon wieder verschwunden …

Nessie

Mehr über die unsere Erlebnisse an der schottischen Ostküste erfahrt ihr demnächst.

Wer mit offene Augen und offenen Ohren durch die Welt geht, kann unterwegs unglaubliches entdecken: Einhörner, Poltergeister, Flaschengeister, tanzende Delfine, fliegende Lachse, und mit sehr viel Glück gar das Ungeheuer von Loch Ness.

In diesem Sinne wünsche ich Euch viele spannende, unglaubliche Entdeckungen auf Euren Reisewegen!

Mit sonnigen Grüssen,

Eure Patotra - klein

 

 

Heidelandschaft Schottland

Extratipps zu Edinburgh:

Camera Obscura: Besonders mit Kindern unbedingt zu empfehlen!

„Kostenlose“ Führungen durch Edinburgh. Kostenlos ist relativ, denn die Guides leben ausschliesslich von dem, was die Teilnehmer bereit sind freiwillig zu bezahlen. Uns war es auf jeden Fall etwas wert! Die Führungen sollten vorab gebucht werden.

Das Edinburgh Tattoo ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Tickets müssen sehr frühzeitig reserviert werden. Wir haben im März gebucht und viele Kategorien waren bereits ausverkauft. Das Tattoo findet immer im August statt.

Unterkünfte sind während der Festival Season, im August, sehr teuer und oft schon ein Jahr im voraus ausgebucht. Unser B&B in Edinburgh war seinen Preis nicht wert, aber wir waren froh, dass wir noch etwas gefunden hatten.

Extratipps zu Inverness:

Unterkunft:

Atherstone B&B. Sehr sauberes, familienfreundliches Guesthouse. Die netten Gastgeber Ally und Ruth haben selber zwei kleine Kinder. Ally kennt sich in Schottland bestens aus und gibt gerne sein Wissen weiter.

Essen:

The Waterfront, Pub, 70-71, Huntly Street. Sehr gutes Essen zu vernünftigen Preisen. Die schottischen Seafood Tapas sind ein Traum! Wer möchte, kann hier auch Haggis Pakora probieren. Schottland meets India… Wir waren gleich zweimal dort.

Infos zum Schloss und der Greifvogelshow im Dunrobin Castle

Die Shin Falls sind auf Google maps und jeder besseren Strassenkarte zu finden. Ein tolles Naturschauspiel!


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Offenlegung: Bis auf einen Eintritt in die Camera Obscura gab es auf diesem Teil der Reise kein Sponsoring. Trotzdem gebe ich Euch auch dazu gerne meine Tipps und Erfahrungen weiter.


Mit diesem Artikel nehme ich an der Blogparade von Travelstory.ch teil.

9 Kommentare

  • Superschöne Schottland-Geschichte, liebe Ellen! Bei uns will die Hälfte der Familie unbedingt dorthin, doch bislang habe ich sie immer ausgebremst nach einem nicht ganz optimalen Schottland-Trip in der Vor-Eltern-Zeit. Aber vielleicht sollte man sich das nochmal überlegen…. Freue mich auf die nächsten Posts zum Thema!
    Herzlich,
    Maria

    • Liebe Maria
      Ganz herzlichen Dank für Deinen superlieben Kommentar. Ich freue mich riesig darüber! Einen erneuten Versuch mit Schottland solltet Ihr Euch unbedingt überlegen! Es lohnt sich.
      Liebe Grüsse,
      Ellen

    • Lieber Lukas
      Vielen Dank für das Kompliment. Das liegt bestimmt auch daran, dass ich eine neue Nikon ausprobieren durfte! Ein entsprechender Artikel kommt demnächst 😉
      Bis bald einmal!
      Liebe Grüsse,
      Ellen

  • Ach, Ellen, I’m jealous… 🙂
    Ich wollte schon immer nach Schottland, da von dort supertolle Musiker kommen und es anscheinend ein sehr kreatives Fleckchen ist. Und natürlich die Landschaften und die tollen Städten… Bisher hat es noch nicht geklappt – ich hoffe das ändert sich bald!
    Unterdessen lasse ich mich von deinen tollen Bilder inspirieren.
    Liebe Grüsse & wer weiss…bis bald
    Gina

    • Hey Gina,
      Merci für Deinen lieben Kommentar! Ja, Schottland ist grandios und ganz offensichtlich sehr inspirierend. Ich drück Dir dei daumen, dass es mal klappt!
      Lieber Gruss,
      Ellen

  • Liebe Ellen
    Danke, Danke, Danke!
    Toller Bericht … jetzt freue ich mich NOCH MEHR auf meinen Schottland-Trip diesen Herbst.
    Außerdem werde ich bestimmt den ein oder anderen Deiner Tipps ausprobieren.
    Viele Grüße – Diane
    PS: Bin total neidisch auf Tom’s Nessie-Foto. Hoffe, Nessie schwimmt mir auch vor die Linse 😉

    • Liebe Diane
      Ach wie schön! Da bin ich gespannt, wie Dir meine Tipps gefallen! Schottland ist schon ein Traum! Ich drücke Dir auf jeden Fall gaaanz fest die Daumen, dass Du auch soviel Jagdglück, wie Tom hast!
      Ganz liebe Grüsse und viel Spass noch bei der Reisevorbereitung.
      Ellen

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