Aletschgletscher – die vielleicht spektakulärste Wanderung der Schweiz

Wandertipp. Die Wanderung entlang des Aletschgletschers gehört sicherlich zu den spektakulärsten Wanderungen in der Schweiz. Diese Wanderung vom Bettmerhorn zur Fiescheralp dauert rund 3 ½ h.

Mit einer Länge, die zurzeit mit etwa 22km angegeben wird, ist der mehrheitlich im schweizer Kanton Wallis gelegene Aletschgletscher der längste und flächenmässig grösste Gletscher der Alpen. Der Aletschgletscher gehört seit 2001 zum UNESCO Weltnaturerbe. Auf rund 3’800 Metern über Meer beginnt er in der Jungfrauregion und erstreckt sich dann breit wie ein mächtiger Fluss in Richtung Rhônetal.

Aber seine gigantischen Ausmasse täuschen. Er schrumpft – und das fast zusehends. Dass Gletscher im Sommer schmelzen ist nichts Neues. Aber dass auch ihre Substanz immer mehr abnimmt, wird seit 1850 beobachtet. Klimaforscher und Glaziologen gehen davon aus, dass bis zum Ende dieses Jahrhundert nur noch in den höheren Regionen kleine Reste des Alteschgletschers zu finden sein werden. Eine unaufhaltsame Folge der Klimaerwärmung.

Von Betten zum Bettmerhorn

Wir starten unsere Wanderung am Morgen. Das Auto parkieren wir auf dem Parkplatz an der Talstation von Betten. Von dort geht es mit der Seilbahn hinauf in den autofreien Ferienort Bettmeralp. Unterwegs bietet sich uns eine atemberaubende Aussicht auf die beeindruckende Bergwelt der Walliser Alpen. Es scheint als wollten sich die Berge in Grösse und Schönheit übertrumpfen.

Ein kurzer Spaziergang durch den kleinen Ort Bettmeralp bringt uns zur nächsten Gondelstation. Von dort geht es weiter rauf aufs 2’872 Meter hohe Bettmerhorn.

Aussicht über den Aletschgletscher vom Bettmerhorn

Gleich unterhalb der Bergstation befindet sich eine der Aussichtsplattformen der Aletscharena mit fantastischen Blick auf den Aletschgletscher, der „View Point Bettmerhorn“. Die Aussicht auf den gigantischen, eisigen Fluss ist unglaublich beeindruckend. Zig Bergriesen recken sich entlang seiner Flanken imposant in die Höhe und beim Blick zürück über das Rhônetal ist unverkennbar das 4’478m hohe Matterhorn zu sehen. Wir werden uns wieder einmal sehr bewusst, wie klein wir eigentlich sind und wie gross und grossartig unsere Welt ist.

Hier, auf dem Bettmerhorn befindet sich auch die kostenfreie Ausstellung Gletscherwelt, die Hintergrundinformationen und Geschichten rund um den Alteschgletscher bietet.

Der Aletsch Panoramaweg

Uns jucken jedoch die Füsse und so folgen wir dem Wegweiser entlang des Aletsch Panoramweges in Richtung Roti Chumme – Märjela – Fiescheralp.

Der Weg ist steinig und am Anfang wandern wir über Felsplatten abwärts in Richtung Gletscher. Die glatt geschliffenen Felsen zeugen davon, dass der Gletscher einst die ganze Region bedeckt hat.

Nach einem kurzen Abstieg führt der Weg in sanftem Gefälle weiter, entlang der Flanke des Gletscher in Richtung Märjelensee. Der majestätische Gletscher zieht unsere Blicke unaufhörlich an.

Eisig weiss, teilweise durchbrochen von Gletscherspalten und bedeckt mit kleinen, strahlend blauen Pützen, die sich in der Sommersonne auf seiner Oberfläche gebildet haben, liegt er da.

Es scheint fast, als wäre er im Fluss. Ja, fast als hätte er etwas Lebendiges an sich, das uns magisch anzieht. Immer wieder bleiben wir staunend stehen und blicken voller Ehrfurcht auf dieses archaische Werk der Natur. Die steinige Landschaft ist von karger Schönheit und der Gletscher und die umliegenden Berggiganten ziehen uns völlig in ihren Bann. Und immer wieder schwingt auch ein grosser Funke Wehmut mit, bei dem Gedanken an die Vergänglichkeit dieses Naturschauspiels.

Märjelensee

Nach knapp zwei Stunden erreichen wir Märjelensee, eine Ansammlung mehrer kleiner, flacher Bergseen. Hier ändert isch das Landschaftsbild abrupt. An den Ufern der Bergseen neigt sich Wollgras im Wind und kleine Fische flitzen durchs glasklare Wasser. Die Sonne glitzert auf der Wasseroberfläche.

Wir lassen wir den Aletschgletscher mit leichter Wehmut hinter uns. Ein sanfter Anstieg und nur wenige Meter weiter, lädt das Restaurant Gletscherstube zu einer ausgiebigen Rast ein. Wandern macht hungrig und so geniessen wir die zünftige Bergkost: Rösti mit Speck und Spiegelei. Ein Gedicht!

Vom Märjelensee zur Fiescheralp

Gut gestärkt starten wir in die nächste Etappe. Durch einen 1km langen Fussgängertunnel gleich hinter dem Restaurant, gelangen wir auf die andere Seite des Täligrats. Das Licht im Tunnel ist schummrig und es ist ziemlich kühl. Wasser tropft von der Tunneldecke. Und wir sind wortwörtlich froh das Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Es scheint, als würden sich dies- und jenseits des Tunnels zwei völlig verschiedene Welten befinden.

Kaum treten wir aus dem Tunnel wieder ans Licht, führt der Wanderweg durch eine fast liebliche Berglandschaft mit Blumenwiesen. Selbst die Luft fühlt sich hier wärmer an. Unser Blick öffnet sich in das breite Tal des jungen Rotten – so wird die Rhône in diesem Teil des Wallis genannt.

Auf breiten Wegen, ohne nennenswerte Steigung erreichen wir nach rund 1 ½ Stunden die Fiescheralp. Von hier bringt uns die Bergbahn wieder hinunter ins Tal nach Fiesch.

Direkt bei der Talstation in Fiesch fahren regelmässig Postautos bis zur Talstation Betten. Leider fährt uns ein Bus direkt vor der Nase weg. Aber der Bahnhof ist nicht weit enfernt und so gelangen wir nach ein paar Schritten mit dem Zug bequem zurück nach Betten.

Unser Fazit:

Eine leichte und zugleich eine der eindrücklichsten und atemberaubendsten Wanderungen, die wir in der Schweiz erlebt haben!

Wir sind so begeistert, dass wir uns fest vorgenommen haben, im nächsten Jahr wieder in dieser Gegend auf Wanderschaft zu gehen. Der Gletscher lässt uns nicht mehr los!

Unsere Welt ist einzigartig und grossartig und wer sich auf sie einlässt, der wird mit atemberaubenden Momenten und grossartigen Ausblicken belohnt.

In diesem Sinne, geht raus, findet die Orte, die Euch den Atem rauben!

Mit sonnigen Grüssen,

Was man über diese Wanderung am Aletschgletscher wissen sollte

Wanderung: Übersicht und Varianten

Die reine Wanderzeit für die Strecke Bettmerhorn – Merjälensee – via Tunnel – Fiescheralp beträgt etwa 3 ½ Stunden. Es ist eine leichte Bergwanderung, die auch für trittsichere Kinder gut geeignet ist.

Wer etwas länger Wandern möchte, kann statt dem Weg durch den Tunnel, auch den Weg entlang des Stausees und um den Täligrat herum (+ 1 bis 1 ½ h) zur Fiescheralp nehmen.

Eine weitere Variante des zweiten Teils dieser Wanderung führt statt zur Fiescheralp hinunter nach Bellwald. Der Weg dorthin führt u.a. über die 160m lange und 120m hohe Hängebrücke Aspi-Titter und wer möchte – und die entsprechende Ausrüstung dabei hat! – kann auch ein Stück weit auf einem Klettersteig zurücklegen. Die reine Wanderzeit von der Gletscherhütte am Märjelensee bis Belwald ist mit 4h 40min angegeben. Von Bellwald gelangt man bequem mit der Bergbahn und dem Zug wieder zurück nach Betten Talstation.

Familien mit Kind

Die Wanderung dauert rund 3 ½ Stunden. Je nach Alter der Kinder würde ich aber bis zu 5h Wanderzeit einplanen. Am Anfang muss man ein wenig die Felsblöcke „hinunterklettern“, aber der Weg ist für wandergeübte Kinder gut machbar. Empfehlen würde ich die Wanderung, je nach Kondition, etwa ab 5 Jahre.

Einkehren

Das Restaurant Gletscherstube ist nach etwa 2 Stunden Wanderzeit erreicht. Ansonsten gibt es unterwegs einen Picknickplatz und viele Felsen, die sich für eine Pause mit Ausblick anbieten.

Das sollte man dabei haben
  • Feste Wanderschuhe
  • Sonnencreme -Die Sonne in der Höhe ist sehr intensiv
  • Sonnenbrille
  • Mütze
  • Jacke – der Gletscher kühlt spürbar – auch an heissen Sommertagen!
  • Ausreichend zu Trinken
  • Kleiner Snack für unterwegs
Anreise & Parkplatz

Die Anreise führt durch das Rhônetal im schweizer Kanton Wallis nach Betten. Der Parkplatz befindet sich direkt an der Talstation Betten. Er ist kostenpflichtig. Bis 10 Stunden kostet der Parkplatz im Sommer CHF 8.00 (Stand 2018)

Fahrpreise

Betten-Bettmerhorn
einfache Fahrt CHF 24.80
mit Halbtax 50% Ermässigung; mit GA gratis bis Bettmeralp, von Bettmeralp auf Bettmerhorn 50% Ermässigung (Stand: Sommer 2018)

Fiescheralp-Fiesch
einfache Fahrt CHF 20.00
mit Halbtax 50% Ermässigung, mit GA gratis (Stand: Sommer 2018)

Fahrpläne Altescharena
Wer schreibt hier?

Die Autorin: Ellen Gromann-GoldbergEllen Gromann-Goldberg

Globetrotterin mit Anhang, immer mit der Kamera im Anschlag und dem Notizblock in der Hand. Mit und ohne meine Familie, zwei Teenager, ein Twen und mein Mann, bin ich auf der Suche nach den besonderen Orten, Erlebnissen und Geschichten rund um die Welt und in meiner Heimat am schönen Bodensee.
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4 Comments

  • Das sieht einfach klasse aus, Ellen!

    Ich liebe diese Gletschereis-Studien und habe selbst am Berninagletscher gerade einige davon gemacht, die bestimmt im Winter unsere Wände zieren werden.

    Und jetzt weiß ich auch, warum du die Inder in Ballerinas nicht getroffen hast. 😉 Du warst am anderen Ende des Gletschers. Ich war am Jungfraujoch.

    Liebe Grüße
    Angela

    • Danke Dir, liebe Angela!
      Und ich hatte mich schon gewundert, wo die Inder geblieben sind…
      Ja, die Gletscheisstudien sind toll. Ich bin so fasziniert, dass ich unbedingt bald wieder dorthin möchte.
      Ganz liebe Grüsse,
      Ellen

  • Wahnsinnig beeindruckende Bilder, die man hier zu sehen bekommt. Ich habe das jetzt gleich mal in meine must see Liste der Ausflugsziele der Schweiz aufgenommen. Allerdings gibt es hier so viel tolle Sache zu sehen, das es unmöglich sein wird, auch nur einen Teil davon selbst zu erleben

    • Liebe Sandra
      Hab vielen Dank für das grosse Kompliment. Das freut mich riesig!
      Du hast Recht – wir haben wahnsinnig viele tolle Ausflugsziele ich der Schweiz, wobie der Aletschgletscher schon ein ganz besonders Ziel ist!
      Ganz herzliche Grüsse
      Ellen

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