Salzburger Land – Eine Weihnachtsgeschichte rund um Stille Nacht

Weihnachtsbaum

Ihr Lieben!

 

Ich wünsche Euch von Herzen ein frohes und friedliches Weihnachtsfest.

Ich wünsche Euch Zeit inne zu halten und zur Ruhe zu kommen,

Zeit Euch auf das Wesentliche zu besinnen.

Habt ein wundershönes Fest!

Mit feierlichen Grüssen,

 

 

Wie jeden Sonntag habe ich auch heute eine kleine Sonntagslektüre für Euch: Im Jahr 2018 wird ein Welthit aus dem Salzburger Land 200 Jahre alt. In 330 Sprachen und Dialekte wurde das Lied übersetzt. Damit ist es das berühmteste Weihnachtslied der Welt. Vor drei Wochen bin ich auf den Spuren dieses besonderen Liedes durch das Salzburger Land gereist.

Stille Nacht! Heilige Nacht!

Am 24. Dezember 1818 übergab der Hilfspriester Joseph Mohr dem Lehrer Franz Gruber ein Gedicht mit der Bitte die passende Musik dazu zu komponieren.

Mohr hatte das Gedicht im Jahr 1816 verfasst.

Noch am selben Abend, in der Christmesse, sangen Mohr und Gruber gemeinsam das mit Gitarre begleitete Lied. Was uns heute ganz normal vorkommt, kam damals einer kleinen Revolution gleich. Kirchenlieder wurden traditionell mit der Orgel begleitet. Ein Gitarrenlied in der Kirche war fast schon verwegen.

Damals herrschten dunkle Zeiten in Europa. Kriege und Naturkatastrophen bedrohten die Menschen. 1816 war das Jahr ohne Sommer im Westen und Süden Europas. Grund dafür war ein Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815. Die Vulkanasche in der Atmosphäre verhüllte die Sonne. Die Folge war ein ungewöhnlich kalter Sommer mit viel Niederschlägen, ja sogar Schnee, mit Missernten und dadurch bedingter Hungersnot. Es war das Elendsjahr.

Die Bevölkerung war zutiefst verunsichert. Von einem Vulkan in Indonesien wusste man damals selbstverständlich nichts und so wurde die Katastrophe als Strafe Gottes gesehen.

In dieser dunklen Zeit entstand das Weltfriedenslied, das Hoffnung bringen sollte.

Ein Orgelbauer brachte die Melodie und den Text ins Zillertal und von dort trug es eine Gruppe Sänger, die Rainer Sänger, bis nach New York. 1839 fand die amerikanische Uraufführung in New York vor der ausgebrannten Trinity Church statt.

Heute gehört Stille Nacht genauso zu Weihnachten, wie der Christbaum – und das auf allen Kontinenten der Welt.

Gruber Hallein
Stadtführung mit „Gruber“ in Hallein

1914 Weihnachten im Schützengraben

Im Jahre 1914 standen sich im ersten Weltkrieg in der Nähe der belgischen Stadt Ypern deutsche und englische Soldaten gegenüber. Aber in der Weihnachtsnacht ruhten die Waffen. Es wurde berichtet, dass einer der Soldaten anfing „Stille Nacht“ zu summen, dann zu singen. Immer mehr Soldaten stimmten in den Gesang ein. Auf beiden Seiten. Dann sei es still geworden. „Ihr schiesst nicht, wir schiessen nicht“ habe einer gerufen. Zaghaft krochen die ersten Soldaten aus den Schützengräben und zünden Laternen und Lichter an. Es wurde geredet und nicht gekämpft und man vereinbarte, am nächsten Tag in Frieden die Toten beerdigen zu können. Danach wurde gemeinsam Weihnachten gefeiert. Die Waffen ruhten.

Josef Wenzl vom 1. Bayerischen Reserveinfanterieregiment berichtet am 28. Dezember 1914 seinen Eltern in Schwandorf. „Es klingt kaum glaubhaft, was ich euch jetzt berichte, ist aber pure Wahrheit. Kaum fing es an Tag zu werden, erschienen schon die Engländer und winkten uns zu, was unsere Leute erwiderten. Allmählich gingen sie ganz heraus aus den Gräben, unsere Leute zündeten einen mitgebrachten Christbaum an, stellten ihn auf den Wall und läuteten mit Glocken. Alles bewegte sich frei aus den Gräben, und es wäre nicht einem in den Sinn gekommen zu schiessen. Was ich vor ein paar Stunden noch für Wahnsinn hielt, konnte ich jetzt mit eigenen Augen sehen… war dies etwas Ergreifendes: Zwischen den Schützengräben stehen die verhasstesten und erbittertsten Gegner um den Christbaum und singen Weihnachtslieder. Diesen Anblick werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Man sieht bald, dass der Mensch weiterlebt, auch wenn er nichts mehr kennt in dieser Zeit als Töten und Morden… Weihnachten 1914 wird mir unvergesslich sein.“

Stille Nacht gesungen in der Stille Nacht Kapelle in Oberndorf

In Salzburg hatte ich hatte das Glück, in der Stille Nacht Kapelle, die genau an dem Ort steht, an dem vor fast 200 Jahren in der damaligen Kirche die Premiere des Liedes stattfand, den beiden Sängern Tobias Regner (wer kennt ihn noch von DSDS?) und Siegfried Steinkogler lauschen zu dürfen.

Mit diesem Lied wünsche ich Euch von Herzen ein frohes Weihnachtsfest und Frieden auf unserer verrückten und doch so wunderschönen Welt.

Wer selbst auf den Spuren von Stille Nacht, Gruber und Mohr wandeln möchte, der findet im nächsten Jahr zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen im Salzburger Land rund um das Weihnachtlied.

Stille Nacht Kapelle
Stille Nacht Kapelle in Oberndorf

Weitere Infos: Veranstaltungen im Jubiläumsjahr

Weitere Artikel: Salzburg im Advent ist Musik und pure Magie

Wer schreibt hier?

Die Autorin: Ellen Gromann-GoldbergEllen Gromann-Goldberg

Globetrotterin mit Anhang, immer mit der Kamera im Anschlag und dem Notizblock in der Hand. Mit und ohne meine Familie, zwei Teenager, ein Twen und mein Mann, bin ich auf der Suche nach den besonderen Orten, Erlebnissen und Geschichten rund um die Welt und in meiner Heimat am schönen Bodensee.
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Offenlegung: Herzlichen Dank an Salzburg Info und Österreich Werbung für die Einladung zu dieser Reise auf den Spuren von Stille Nacht


 

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