Wenn die Welt fehlt – dann finden wir vielleicht etwas Neues

Eine Zeit voller Veränderungen und viele Fragen. Die Welt verändert sich. Können wir den Veränderungen eine Richtung geben?

Die Welt fehlt mir. Meine Welt ist furchtbar klein geworden. Auch wenn ich mein Herz blutet bei dem Gedanken an alle Freunde, die im Tourismus auf der ganzen Welt beschäftigt sind, scheint mir persönlich jetzt nicht der richtige Zeitpunkt zu sein, um die Welt zu jetten – zumindest nicht in de Art, wie wir es vor Corona getan haben. Ich halte meine Füsse still. Es hätte mittlerweile einige Möglichkeiten gegeben, einfach wieder in ein Flugzeug zu steigen und das zu machen, was ich so gerne mache – andere Länder und Landschaften entdecken, Menschen und ihr Leben kennenlernen. Aber für mich fühlt sich das momentan falsch an. Zumal mir persönlich vernünftige, vertrauensbildende Konzepte im Tourismus weitgehend fehlen. Oder werden diese nur zu wenig kommuniziert?

Nach vielen Plänen, die geschmiedet und wieder verworfen wurden, haben wir uns dieses Jahr dazu entschlossen unsere (verkürzten) Ferien in der Schweiz zu verbringen – so wie viele Andere auch.

Recht kurzfristig habe ich noch eine hübsche Ferienwohnung für fünf Nächte im Tessin ergattert. Eine ganz neue Erfahrung für mich, wo ich es doch gewohnt bin, möglichst lange im Voraus zu plane. Davor wollten wir eigentlich noch vier Nächte im Engadin verbringen. Da aber Dauerregen und die höchste Unwetterwarnstufe angesagt waren, mussten wir das verlängerte Wochenende ausfallen lassen. Meine Jungs wollten fliegenfischen – das ist bei Starkregen und schnell ansteigendem Wasserstand viel zu gefährlich! Jetzt hoffen wir, dass wir das im nächsten Frühsommer nachholen können.

Während ich diesen Artikel schreibe, sitze ich nun also hier auf der Terrasse unserer Ferienwohnung in Kanton Tessin. Vor mir liegt der glitzernde Luganersee in der warmen Nachmittagssonne. Ein Segelboot mit gelb, orange, rot gestreiftem Segel kreuzt mein Blickfeld. Auf der gegenüberliegenden Seite erheben sich die bewaldeten Hügel aus dem Wasser. Im Vordergrund umrahmen ein paar Palmen meinen Blick. Es ist ein wahrlich schöner Ort, um die Füsse still zu halten.

Es fällt mir erstaunlich leicht, auch wenn mir die grosse, weite Welt fehlt. Was haben wir für ein Glück, hier in der Schweiz, in einem so vielfältigen Land zu leben!?

Was, wenn wir alle die Füsse etwas still halten würden – und wenn der derzeitige Wahnsinn dadurch viel schneller vorbei wäre? Ich meine das nicht nur im Bezug auf das Reisen, sondern auch und vor allem in unserem alltäglichen Verhalten.

Ich könnte theoretisch auch verantwortungsbewusst in ein vermeintliches “Risikogebiet” reisen. Es ist alles eine Frage dessen, wieviel Berührungspunkte ich habe, wie sich meine Umgebung verhält und wie ich mich verhalte.

Vor drei Tagen haben wir einen kleinen Abstecher nach Mailand unternommen. Ich war erstaunt, wie rücksichtsvoll die meisten Menschen dort waren. Abstand wurde ganz selbstverständlich eingehalten und die Mund-Nasen-Masken wurden nicht nur in den Läden, sondern häufig auch auf der Strasse getragen. Es scheint hier hat man die Lektion ganz bitter gelernt.

Ich hoffe sehr, dass wir sie nicht auch noch bitter lernen müssen.

Theoretisch haben wir ganz viel selbst in der Hand. Wenn wir alle Verantwortung übernehmen und uns an ein paar Regeln halten, haben wir die Chance vielleicht schneller wieder unser altes Leben, sofern wir das möchten, zurück zu bekommen.

Mir fehlt die Welt – aber gleichzeitig erfreue ich mich an dem, was ich habe und was ich hatte. Ich freue mich über Erinnerungen – und ganz besonders über kulinarische Mitbringsel von meinen Reisen. Das Currypulver aus Mauritius wird wie ein Schatz verwendet. Der Duft der grossen weiten Welt ….

Die (Reise-) Welt wird eine andere sein, wenn dieser ganze Wahnsinn vorüber ist. Viele meiner Freunde und Bekannten in Kolumbien, in Thailand, in den USA, auf den Philippinen und überall auf der Welt leben direkt oder indirekt vom Tourismus. Wie lange werden sie durchhalten können, ohne Einnahmen? Gäbe es Alternativen?

Was, wenn wir alle die Füsse ein wenig stiller halten und unsere Schritte bewusster wählen würden? Könnten wir die Krise dadurch vielleicht viel schneller überwinden? Was, wenn wir das auch ein Stück weit in unser Leben nach Corona mitnehmen?

Wie wäre es, wenn wir alle nach kreativen Lösungen und Konzepten suchen würden? Ich denke da zum Beispiel an die kleinen Gewächshäuser, die ein Restaurant in Amsterdam aufgestellt hat, damit man auch im Winter in einer kleinen Gruppe draussen essen kann – oder auch an Projekte, wie das Gondeli von Valeria und Aldi.

Was, wenn wir den ganzen Wahnsinn durch verantwortungsvolles und kreatives Handeln schneller beenden – oder besser kontrollieren – könnten? Was wäre wenn…? Was meinst Du?

Kennt Ihr kreative Projekte? Habt Ihr selbst kreative Ideen? Was braucht es für Euch, um momentan relativ sorglos reisen zu können? Ich freue mich sehr, auf Eure Antworten und Ideen!

Mit sonnigen Grüssen,
Eure Patotra

Zu einem ähnlichen Thema lief bei Valerie Wagner kürzlich eine spannende Blogparade: Ändert sich das Reiseverhalten?

4 Comments

  • Ich habe vor kurzem einen schönen Text in der Tageszeitung gelesen, in dem es darum ging, wie wichtig das Reisen trotz aller Häme für die kulturübergreifende Kommunikation ist. Und nachdem es nun mehr oder weniger ein halbes Jahr weltweites Reiseverbot gegeben hat, ist die Welt bereits ein sehr viel schlechterer Ort geworden.

    Die aussenpolitischen Konflikte nehmen seit Monaten ständig zu und vor allem kommen sie mit der türkischen Kriegsdrohung gegenüber Griechenland auch immer näher. Ich weiss nicht, ob das wirklich damit zusammenhängt, dass die Menschen weniger Kontakt über die Grenzen hinaus haben oder ob der Rückgang des Tourismus (gemeinsam mit anderen Wirtschaftsproblemen) bestehende Konflikte einfach befeuert.

    Aber ich wünsche mir nicht nur für mich selber, dass Reisen auch in vermeindliche Hochrisikogebiete erlaubt wird. Meinetwegen mit Testpflicht und/oder Quarantäne. Aber ich glaube, die Welt braucht den Austausch, um langfristig so friedlich zu bleiben wie in den letzten Jahrzehnten.

    • Lieber Oliver
      Da hast Du völlig Recht! Tatsächlich scheint es, als würde die Welt aus den Fugen geraten. In vielen Ländern keimt ein neuer, toxischer Nationalismus auf. Das macht Angst. Es wäre zu wünschen, dass globale Lösungen, auch hinsichtlich des Reisens, gefunden werden. Aber es scheint, als wäre derzeit jedes Land nur mit sich selbst beschäftigt. Hoffen wir, dass wir das irgendwie überwinden und dass es uns gelingt, den Frieden weiterhin zu wahren.

  • Moin!
    Es ist alles nicht so einfach! Ich habe für mich festgestellt, dass sich meine Sehnsucht zu reisen in Grenzen hält. Ich habe immer schon auch die Schönheit der Welt vor der eigenen Haustür entdeckt. Hamburg bietet sehr viele Möglichkeiten, mit den Kulturen anderer Länder in Kontakt zu bleiben. Da mein persönlicher Reiseschwerpunkt auf China liegt, ist Hamburg mit der größten chinesischen Gemeinde in Deutschland ideal für authentisches Erleben in guten China-Restaurants, in Ausstellungen und eben auch im persönlichen Kontakt mit meinen chinesischen Freunden.
    Aus dem reisen “müssen” ist ein ruhigeres “wollen” geworden. Wenn’s geht, dann gut, wenn’s nicht geht, auch gut.
    Übrigens sollte man bei allen Hilfen wie den Gewächshäusern in Amsterdam auch an mögliche Umweltbelastungen denken. In Hamburg wird die Aufstellung von Wärmepilzen vor den Restaurants diskutiert. Das lehne ich wegen der unsäglichen Energieverschwendung ab.
    Wir sollten uns alle noch eine Weile einschränken, der Umwelt zuliebe und damit diese Pandemie bald besiegt ist.
    LG
    Ulrike

    • Liebe Ulrike
      So ähnlich geht es mir auch. Ich wähle meine Reisen viel bedachter.
      Ich denke, dass die kleinen Gewächshäuser an sich kein Problem darstellen. Ich vermute, dass die nicht beheizt sind und nach dem ganzen Wahnsinn können sie tatsächlich noch als Gewächshäuser weiter verwendet werden. In Zürich gibt es zum Beispiel ein Restaurant mit Gondeln, in denen man Fondue geniessen kann. Dort hat es Platz für vier Personen und man bekommt Decken, um nicht zu frieren. Das mit den Wärmepilzen ist so eine Sache. Da muss man gut abwägen. Grade junge Menschen möchten sich halt auch in der kalten Jahreszeit mit Freunden treffen. Ich denke, dass da eine beschränkte Genehmigung schon tragbar wäre.
      Liebe Grüsse
      Ellen

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