Winterflucht an die Algarve – ein kleines Stück vom Paradies

Die Algarve im Winter kommt dem Paradies sehr nah: menschenleere Strände, verträumte Dörfer, viel Sonne und das glitzernden Meer.

Nebelgraue Tristesse hat sich über das Land gelegt. Im Einheitsgrau zieht die Landschaft während der Fahrt zum Flughafen vor dem Zugfenster vorbei. Die Seele sehnt nach Sonne und strahlenden Farben. Wenige Stunden später, mein dicker Wintermantel wurde vom legeren T-Shirt abgelöst, finde ich mich in einer anderen Welt wieder. Die reifen Orangen hängen saftig süss an den Bäumen, der Hibiskus blüht und Vögel zwitschern. Ich bin im Paradies gelandet!

Winter an der Algarve

Ein Hauch von Sommer gepaart mit der Gemütlichkeit, die bleibt, wenn die Strände und Orte wieder weitgehend den Einheimischen gehören, das macht den besonderen Reiz der Algarve im Winter aus. Verträumte Dörfer und eine Hügellandschaft, bewachsen mit Pinien, Eichen, Mandelbäumen und Oliven, prägen das Landschaftsbild im Osten der Algarve. Hin und wieder wird es durchbrochen von einem Orangenhain, dessen reife Früchte den vorherrschenden Oliv- und Erdtönen einige orange leuchtende Sprenkel beschert.

Die Strände sind beinahe menschenleer und endlos lang. Eine Einladung für ausgedehnte Spaziergänge mit dem Kopf an der wärmenden Sonne und den Füssen im kühlen Atlantik.

Alcoutim – von Schmugglern, Polizisten und Fischern

Am Fluss Guadiana liegt das kleine Dorf Alcoutim. Der Fluss bildet hier die natürliche Grenze zu Spanien. Wer möchte, kann hier seinen Adrenalinspiegel bei einer rasanten Fahrt an der Zipline von Portugal hinüber nach Spanien anheben. Ansonsten ist das kleine Dorf auf dem Hügel sehr beschaulich. Die Statuen vom Fischer, vom Schmuggler und vom Grenzwächter erzählen kurz die Geschichte des Dorfes. Hier war man seit jeher eben Fischer, Schmuggler oder Grenzwächter – mancher vielleicht auch alles drei.

Olhão – das Zentrum der Fischerei

Lebhafter geht es samstags in Olhão zu. In Olhão lebt man seit Generationen vom Fischfang. Wenn in früheren Zeiten das Schiffshorn ertönte, wussten die Frauen, dass es Zeit war, sich zur Fischfabrik zu begeben. Vor allem Sardinen wurden hier verarbeitet und feinsäuberlich in Dosen geschichtet. Wie Sardinen in der Dose eben.

Die Zeit der grossen Dosenfabriken ist heute vorbei. Dennoch lebt man weiterhin hauptsächlich vom Fischfang und ein wenig vom Tourismus. In vielen der hübschen Häuser der Altstadt werden Fremdenzimmer angeboten. Nur einen Katzensprung entfernt vom Hafen und vom grossen Markt. In den Markthallen türmen sich die Schätze des Meeres. Am Samstag gesellt sich draussen ein Bauernmarkt dazu, mit buntem Gemüse, eingelegten Oliven, Honig und allem was die Region an Schätzen hervorbringt.

Im Hintergrund bildet das in der Sonne glitzernde Meer die perfekte Kulisse für den gemütlichen Marktbummel. Im Anschluss trifft man sich noch auf einen Kaffee und zu einem süssen Pasteis de Nata (kleine Sahnepudding-Törtchen) in einer Bar.

Insel Culatra  – wie ein Fels in der Brandung

Mit der Fähre, oder einem der Taxiboote geht es hinüber auf die kleine Insel Culatra. Etwa 45 Minuten dauert die Überfahrt mit der Fähre. Mit dem Taxiboot ist man wesentlich schneller. Eine andere Welt wartet hier auf den Besucher. Hotels gibt es hier keine. Nur kleine Wohnhäuser, die meist vor rund 200 Jahren gebaut wurden. Sie dürfen nur in der Familie weitergegeben werden. Neubauten gibt es keine. Ca. 300 Erwachsene, 14 Kinder und 3 Babys leben zurzeit auf Culatra.

Culatra gilt als Vorzeigeobjekt, wenn es um ökologische und soziale Verantwortung geht. Dabei hätte alles ganz anders kommen können. Vor rund 15 bis 20 Jahren, genau zu der Zeit, als Portugal tief von der Wirtschaftskrise geschüttelt wurde, kamen Anleger aus Frankreich. Sie erkannten den Reichtum der Insel. Aufgrund seiner geologischen Beschaffenheit eignen sich die Gewässer um Culatra ganz besonders zur Austernzucht und Portugiesische Austern sind unter Feinschmeckern sehr begehrt. Während an anderen Orten der Ausverkauf stattfand, schaffte es hier eine mutige Frau sich den reichen Investoren und ihren Verlockungen erfolgreich entgegenzustellen.

Sie überzeugte die Fischer ihre Fanggründe nicht herzugeben und kümmerte sich um staatliche Fördergelder, damit die Fischerfamilien selbst die Produktion von Austern aufbauen und sich ein Einkommen sichern konnten. Seit mehr als 20 Jahren ist Silvia Padinha nun Präsidentin der Insel. Mit viel sozialem und ökologischem Engagement gelingt es ihr dieses kleine Paradies zu bewahren.

Gekonnt öffnet Silvia die Schalen und serviert am Strand frische Austern und ein kühles Glas Champagner. Wer könnte dazu schon nein sagen? Dazu ein kleiner Snack aus köstlichem Meeresspargel, der auf den Dünen der Insel. Der Tisch der Natur ist reich gedeckt. Zum Schutz der empfindlichen Natur wurde ein schützender Holzsteg über die Dünenlandschaft gebaut. Über diesen gelangen die Besucher direkt an den pulvrigen Traumstrand von Culatra.

Im Dorf gibt es wohltuend wenig. Ein paar Häuser mit kleinen Vorgärten, einen kleinen Tante-Emma-Laden und ein paar wenige Restaurants. Fisch steht hier natürlich auf der Speisekarte. Zum Teil auch eher ausgefallene Fischsorten. Zum Beispiel Petermännchen, auch Spiderfish genannt. Dieser kleine Fisch zählt zu den giftigsten Tieren Europas! Er versteckt sich oft im Sand, in Strandnähe. Mein Sohn hatte vor einigen Jahren mal eine unliebsame Begegnung mit so einem Kerl. Das Gift in den Stacheln der Rückenflosse kann sehr schmerzhafte Reaktionen auslösen. Wir waren damals froh, dass ein Surflehrer geistesgegenwärtig heisses Wasser besorgte, um das Gift zu deaktivieren.

Diana, unser Guide bekräftigt, dass sie diesen giftigen Fisch nur hier auf der Insel isst und sonst nirgendwo. Auch ich wage mich daran. Er schmeckt wirklich vorzüglich und ich habe keinen Schaden davon genommen.

Der Geschmack der Algarve

Kulinarisch hat die Algarve noch viele weitere Überraschungen parat. Feinstes Olivenöl zum Beispiel. Wie dieses produziert wird, erfährt man auf der Olivenfarm Monte Rosa. Das flüssige Gold bildet die Grundlage der gesunden Küche der Algarve.

Auch feinstes Meersalz und Flor de Sal wird hier in Salzgärten abgebaut, so wie es schon die Römer taten. Der Wind und die Sonne begünstigen die Ernte. Ein Regenschauer macht sie zunichte. Wer möchte, kann sich in der Saline von Salmarim gleich selbst als Salzbauer betätigen. Jorge Raiado führt uns durch die Saline und zeigt uns im Anschluss bei einer Verkostung, dass es auch bei Salz deutliche Geschmacksunterschiede gibt.

All die köstlichen Aromen der Algarve treffen im traditionellen Fischeintopf, Cataplana, aufeinander. Olivenöl, Meersalz, Knoblauch, Zwiebeln, Paprika, Kartoffeln, festem Fisch, Meeresfrüchte und Kartoffeln bilden die Grundlage für dieses Festmahl. Nach einem Kochkurs mit Köchin Margarita Vargues unter freiem Himmel folgt das Essen netter Gesellschaft. Und das mitten im Winter! Das kommt meinem Bild vom Paradies schon ziemlich Stück nahe!

Mit sonnigen Grüssen,
Eure Patotra

Anreise an die Algarve
Im Winter ist der Flughafen Faro in der Algarve von der Schweiz aus mit der TAP nur mit Zwischenstopp in Lissabon erreichbar. Im Sommer gibt es Direktflüge. Aber, die relativ lange Anreise im Winter lohnt sich! 
Rumkommen in der Algarve:
Ein Auto um die Gegend zu erkunden ist schon fast ein Muss. Movyng rent-a-car befindet sich ganz in der Nähe des Flughafens von Faro.

Wer sich die Algarve gerne von einer einheimischen Person zeigen lässt, dem möchte ich die Touren von Diana Nunes (www.pt4u.pt) ans Herz legen.

Weitere Informationen zur Algarve findet Ihr hier: Webseite der Region


Unterkommen in der Algarve:
Eines der schönsten Hotels, das ich in den letzten Jahren gesehen habe, ist das Vila Monte Farmhouse in Moncarapacho. Die Lage in einem Park inmitten der Hügel ist wunderschön, kulinarisch ist es ein Traum und die Zimmer sind gross und sehr geschmackvoll eingerichtet.

Mehr über die Insel Culatra erfährst Du hier: Vorbildinsel Culatra


Offenlegung: Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Einladung von Algarve Tourism.


Wer schreibt hier?
Ellen Gromann-Goldberg
Es geht nicht darum, Länder zu sammeln, sondern darum das Leben mit besonderen Augenblicken, Landschaften, Orten, Aktivitäten und Begegnungen zu bereichern. Das ist für Ellen die Essenz des Reisens. Mit viel Passion hält sie diese in ihren Texten und Bildern fest. Gerne auch gewürzt mit dem Duft und Geschmack regionaler Köstlichkeiten.
Neben Ihrer Tätigkeit als Bloggerin und Chefredakteurin von Patotra, arbeitet Ellen als freie Journalistin und Content Creator.

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3 Kommentare

  1. says: Detlef Kern

    Ein sehr schöner Beitrag, der mein Interesse geweckt hat. Leider schreibt du ein Auto sei ein Muss. Das finde ich sehr schade, weil ich gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln reise und man ein fremdes Land so viel intensiver erleben kann.
    Gruß aus dem kalten Norden
    Detlef

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