Inishbofin – Das Paradies ganz anders (Teil 1)

Türkisblaues, glasklares Meer, schneeweisse, menschenleere Sandstrände und viel Natur. So sieht die Paradiesinsel aus. Und wer jetzt denkt ich spreche von der Karibik, der hat sich mächtig getäuscht.

Die Insel Inishbofin mit ihren etwa 160 Einwohnern liegt ganz im Westen Irlands vor der Küste Connemaras, im Nordatlantik. Neben Inishbofin liegt die heute unbewohnte Insel Inishark und dann ganz weit draussen kommt irgendwann Amerika.

Im Juni verbrachten wir hier eine Woche mit vier Kindern bzw. Jugendlichen. Ein hübsches Cottage am östlichen Ende der Insel, direkt am Meer mit einem traumhaften Blick über die hufeisenförmige Bucht sollte unser zu Hause auf Zeit sein.

Cottage East End

Aber was unternimmt man eine ganze Woche lang auf so einer kleinen Insel und vor allem wie verhindert man, dass sich die Kinder langweilen? Jeder der mit Kindern verreist, weiss dass Langeweile der grösste Feind von entspannten Familienferien ist. Etwas mulmig war mir im Vorfeld schon zumute.

East End Bay 1

Trotzdem die Insel recht klein ist, bietet sie viele Möglichkeiten, die wir auch ausgiebig genutzt haben. Neben drei oder vier Restaurants und Hotels gibt es einen winzigen Hafenladen, in dem zumindest Eis und Chips zu genüge zu vorhanden sind, einen kleinen Souvenirshop und einen Kleinen Wagen, in dem Töpferabreiten angeboten werden. Das wars auch schon, was die Shoppingmöglichkeiten anbelangt. Sparsam zu sein fällt leicht auf dieser Insel 😉 Dafür mussten wir unseren Proviant für die ganze Woche vom Festland mitnehmen.

Shop

Wanderungen

Es macht wenig Sinn als Tourist ein Auto auf die Insel zu bringen. Daher war uns von Anfang an klar, dass wir alles zu Fuss unternehmen würden. Zum nächstgelegenen Pub mussten wir eine halbe Stunde laufen und zu dem Pub, in dem am Abend häufig tolle live Musik gespielt wird, dem Doonemore Hotel, waren wir jeweils eine Stunde unterwegs und das ganze in der Nacht auch wieder zurück… Auf der Insel gibt es die Möglichkeit Fahrräder zu mieten, was wir vermutlich bei unserem nächsten Besuch auch nutzen würden.

Weg zum Cottage

Wir Eltern wandern gerne und freuten uns darauf die unterschiedlichen Wanderwege zu erkunden. Die Kinder waren nicht übermässig begeistert, aber wir „bösen Eltern“ kannten keine Gnade.

Drei etwa dreistündige, landschaftlich überraschend unterschiedliche Rundwanderwege durchziehen die Insel. Sie sind alle gut ausgeschildert und man kann sich „kaum“ verlaufen. Die Wanderungen sind auch für kleinere Kinder gut geeignet.

Cloonamore Loop

Cloonamore Loop1

Der Cloonamore Loop führt durch steinige, bergige Heidelandschaften. Hier hatten wir es  tatsächlich geschafft uns unterwegs zu verlaufen – trotz Schilder. Plötzlich standen wir fasziniert vor steilen Klippen, die fast senkrecht ins Meer stürzten. Ok, hier ging der Weg ganz offensichtlich nicht weiter… Wie gut, dass die Insel trotz allem recht überschaubar ist, so kommt man unweigerlich irgendwann wieder auf den rechten Weg. Trotz des Umweges waren wir uns alle – auch die Kinder (!) –  einig, dass die wunderschönen Ausblicke jeden Schritt wert waren

East End Bay 2

Inishbofin-Westquater Loop

Der Inishbofin-Westquater Loop besticht mit seinen saftig grünen Wiesen, seinen steilen Klippen und seinen Ausblicken auf das kristallklare und azurblaue Meer und die benachbarte Insel Inishark. Inishark hebt sich saftig grün vom blauen Meer ab. Irgendwie scheint hier das Blau blauer und das Grün grüner zu sein, als sonst wo auf dieser Welt.

West Quater 1

Der Weg führt am wohl schönsten Badestrand der Insel vorbei – ja, baden kann man hier auch! – Da kommen schon beinahe Karibikgefühle auf. Nur die Wiesen mit den weidenden Schafen, zwischen denen hin und wieder einen Kaninchen hoppelt passen nicht in das Karibikbild.

West Quater 4

Spätestens bei diesem Anblick war auch unsere Jungmannschaft davon überzeugt, dass Wandern Spass machen kann 😉

Kaum hattWest Quater 5en wir die Westspitze der Insel passiert, führte uns der Weg entlang der Nordküste wieder zurück In Richtung Hafen. Uns bot sich innerhalb nur weniger Schritte plötzlich ein völlig anderes Landschaftsbild: Torffelder so weit das Auge reicht. Hier wird auch heute noch Torf gestochen. Der Geruch von Torffeuer duftet nach Erinnerungen! Das ist für mich der Geruch von Irland und der Geruch von unzähligen schönen Momenten, die ich mit dieser Insel verbinde.

Unterwegs immer schön das Wetter im Auge behalten. Das kann schnell ändern. Unsere Mädels wurden einmal von einem heftigen Wind und Regenschauer überrascht. Wenn man weit von der nächsten Häuseransammlung entfernt ist, kann das ziemlich unangenehm werden. Gut, dass sie auf der nächsten Strasse von einem freundlichen Iren im Auto mitgenommen und nach Hause gebracht wurden. Wir hatten uns bereits Sorgen gemacht. Am nächsten Tag trafen wir den Retter und bedankten uns für die Hilfe. Mit einem Augenzwinkern meinte er nur, „Oh die sahen ziemlich elend aus“.

Die Inselbewohner sind, wie die meisten Iren, sehr freundlich und hilfsbereit. Tugenden, die man bei uns heute leider häufig suchen muss… Schön, dass wir das hier mit unseren Kindern erleben durften!

Cloonamore Loop2

Middle Quater Loop

Den Middle Quater Loop, der wie der Name schon sagt durch die Mitte der Insel führt haben wir uns für unseren nächsten Besuch aufgespart.

Wir alle genossen die spannenden und kontrastreichen, leichten Wanderungen sehr. Immer wieder boten sich uns Postkartenmotive.

Clonamore Loop 3

Hat so eine kleine Insel noch mehr zu bieten? Oder erwartete uns ein riesiges Drama mit vier sich entsetzlich langweilenden Kindern? Im zweiten Teil werdet Ihr es erfahren!

Ich freue mich, wenn Ihr wieder dabei seid!

Mit sonnigen Grüssen,

 Eure Patotra - klein

Extratipps:

  • Die Wanderkarten zu den Loops sind kostenlos im Community Cenntre oder im Doonemore Hotel erhältlich.
  • Weitere ausführliche Infos zur Insel gibt es hier

 

13 Comments

    • Liebe Sarah,
      Ja, die Landschaft ist absolut überwältigend und die Menschen sind unglaublich nett. Das würde Dir bestimmt gefallen! Gib Bescheid, wenn Du gehst und noch Tipps brauchst! Ponys gibts dort auch, wenn auch etwas grössere (Connemara Ponys)
      Lieber Gruss,
      Ellen

  • sehr sehr schön. Irland steht auf meiner Reiseliste für hoffentlich bald, da habe ich mich sehr über deine tollen Posts gefreut. Nachdem ich mich über Jahre von Cornwall nach Schottland hochgearbeitet habe, und dieses Jahr sozusagen endlich auch mal die Isle of Skye etc. erkunden konnte, wird nun Irland fällig.
    Toller Blog, ich komme jetzt öfter:-)
    Liebe Grüße
    Regina

    • Liebe Regina,
      Vielen lieben Dank für das Kompliment! Ich freue mich sehr darüber. England und Schottland ist auch immer toll! Irland wird Dir bestimmt auch gefallen. Wenn Du Tipps brauchst, kannst Du Dich gerne jederzeit wieder bei mir melden.
      Ganz lieber Gruss,
      Ellen

  • Ohh wow. Sehr schön, dein Artikel über Bofin! Und tolle Bilder! Ich habe auf der Insel zwei Jahre gewohnt und gearbeitet.. Das ist noch garnicht so lange her (2010-2012). Total lustig, wenn man alle kennt von denen du berichtest.. (Die vom Töpfern heißt aber etwas anders und nennt sich nur Lol) 🙂
    Super auch, dass ihr so tolles Wetter hattet, ich kann mich noch an ziemlich ungemütliche Stürme erinnern, wo die Fähre manchmal ein paar Tage nicht fahren konnte..
    Deine Bilder machen auf jeden Fall lust mal wieder hinzufahren!! Und so weit wohne ich von da garnicht weg…

    • Liebe Lisa
      Das freut mich aber sehr, dass Dir mein Artikel gefällt! Die Bilder von Bofin können ja nur toll werden, aber wem sage ich das… Du hast auf Bofin gelebt? das ist sehr spannend! Ich habe ein längeres Interview mit Mary Lavelle über das Leben auf der Insel gemacht. Iregndwann wird das auch noch ein Artikel. Die Stürme haben in diesen Jahr der Insel ganz besonders schlimm zugesetzt und schwere Schäden verursacht. Strassen sind teilweise weggerrissen worden und die Hafenmole am Eastend hat eine riesige Welle einfach umgerissen. So etwas zu erleben muss eine schreckliche Erfahrung sein. Wenn Du ganz in der Nähe wohnst, dann bist Du ja auf der grünen Insel zu Hause 🙂
      Bofin ist auf jeden Fall immer einen Besuch wert. Ich hatte mich in Clifden mit einem Ladenbesitzer unterhalten, der mir erzählte, dass er regelmässig einmal im Monat mit seiner Frau ein Wochenenede dort verbringt. Einfach um weg vom Alltag zu kommen. Ich konnte das gut nachvollziehen. Bofin hat schon einen Suchtfaktor, auch wenn der Alltag dort drüben gewiss alles Andere als leicht ist. Ganz lieber Gruss in meine „zweite Heimat“ Ellen

      • Ja, das stimmt, habe hier vor vier Jahren als Au Pair angefangen und irgendwie vergessen zurück zu gehen.. Wenn ihr von Galway aus zur Fähre gefahren seid, seid ihr sogar bei mir vorbei gefahren..
        Die Fotos von den Sturmschäden hab ich gesehen.. Marie von dem kleinen Museum am Hafen ist eine gute Freundin und hat viele Fotos auf der Facebook Seite vom Museum geposted. Am schlimmsten war glaub ich als das Meer den Strand an der Nordseite weggerissen hat und sich einen Weg in den Binnensee von Bofin gebahnt hat. Mary Lavelle sehe ich sogar noch recht häufig, weil sie öfter bei mir im Dorf die Vertretung in der Postfiliale macht. Total lustig in der deutschen Blogszene etwas über „meine“ Insel zu lesen..
        Das letzte Mal war ich im November da. Leider für eine Beerdigung. Da ich jetzt aber eine 1-jährige Tochter (made on Bofin, das macht die Verbindung zur Insel um so besonderer) habe, schaff ich es einfach nicht mehr so oft, besonders auch weil wir mit dem Bus fahren müssen. Schade eigentlich.
        Ach ich könnte mich hier grad total in Erinnerungen verlieren und dir so einige Anekdoten erzählen 🙂

        • Liebe Lisa
          Das kann ich mir gut vorstellen, dass man vergisst von dort zurückzugehen. Das könnte mir, wären da nicht die Kinder und mein Mann, auch passieren 😉 Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Bofin-Mädel! Das verbindet natürlich. Schön wenn ein Kind in so einer tollen Umgebung und sauberen Luft aufwachsen kann!
          Ich kenne Inishbofin seit meinem siebten oder achten Lebensjahr (als Tagesgast) und habe auch viele schöne und auch aufregende Erinnerungen https://www.patotra.com/die-kraft-der-elemente/. Ich habe häufig meine Sommerferien am Kylemore Lake verbracht. Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass Du unzählige spannenede Geschichten erzählen kannst… Die würde ich jetzt gerne bei einer Tasse Tee hören 🙂
          Mit dem Bus nach Bofin zu kommen ist bestimmt etwas umständlich. Wir hatten auch erst versucht von Dublin aus den Bus zu nehmen, aber das war uns dann mit dem ganzen Gepäck doch zu kompliziert, auch wenn das Busnetz gar nicht so schlecht ist…
          Grüss Mary Lavelle, wenn Du sie siehst. Das Interview ist nicht vergessen und es kommt irgendwann noch!
          Ganz liebe Grüsse,
          Ellen

  • Das sieht ja herrlich aus. „Riecht“ förmlich nach purer Entspannung… 😉
    Da könnte ich jetzt drauf. Wandern und ein bisschen die Zeit vergessen!
    Danke übrigens für das Schliessen der Wissenslücke! Ich kannte Inishbofin bisher nicht.

    LG, Wolfgang

    • Lieber Wolfgang,
      Vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Pure Entspannung findet man wirklich auf Bofin – und wie!
      Inishbofin kennen nur sehr wenige und wenn, dann hautsächlich Iren. Die Insel hat schon einen ganz besonderen Charme.
      Sehr empfehlenswert!
      Lieber Gruss,
      Ellen

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